Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu

Ein Jahresring hat sich geschlossen
ich wünsche euch ALLEN
ein FROHES HARMONISCHES NEUES JAHR
draußen fliegen noch die Krähen und Elstern
Stare und Rotkehlchen sehen wir auch noch
und durch die heimischen Wälder schleicht versteckt
hier und dort noch eine Wildkatze
einmal schaute ich in den Gartenteich da sah ich Kaulquappen
die haben eine Ähnlichkeit mit Walen finde ich
Du glaubst nicht das Kaulquappen eine Ähnlichkeit mit Walen haben
Dann hast du nie genau hingeschaut
Ich sag dir noch was – ich habe gestern eine Forelle gegessen
natürlich selbst gefangen mit meiner Hand
ich habe ein Feuer entfacht und sie in der Glut von Buchenholz geräuchert
allein im Wald mit einem kleinen Feuer und einer Forelle das ist schon was besonderes
Als ich an den Horizont schaute dachte ich jetzt beobachten sie mich vielleicht mit einem
Satelliten
die Forelle hat wunderbar geschmeckt
Ich weiß nicht wann ich mal wieder eine selbst gefangene Forelle essen kann
das ist nichts ALLTÄGLICHES nein es ist eine fast heilige Handlung
ja die Satelliten
Heute sagte mir einer der noch verrückter ist als ich diese Satelliten seien
doch tatsächlich die
Augen des
Techno- – Gottes
ich lächelte über diesen Schwachsinn und dachte an den
Forellenkopf
den habe ich für den Fuchs liegen lassen
Forellen haben harmonische Augen
in ihnen spiegelt sich der Glanz der Waldelfen
natürlich wünsche ich auch den Elfen
ein frohes neues Jahr. 

hukwa

Raunacht

Am Waldweg
die Autospuren sammeln das Regenwasser
in den entlaubten Bäumen
summt der Dezemberwind wie Geisterschar
Raunacht
rief da eben nicht
Jorinde
das sie der Geliebte finde
ewig ist der
Augenblick
in
Gedicht
und
Sage
hier im Wald
im Wurzelstock
schaue ich
Kentaurengestalt.
hukwa

Dienstag, 30. Dezember 2014

Auch ich war in Arkadien - ET IN ARCADIA EGO

…Auch ich war in Arkadien und bin auch heute noch des öfteren in dieser sehr schönen bukolischen Landschaft. Es war ein Maler der Renaissance, der Arkadien, berühmt machte.
Der Maler Poussin hatte es geschaffen. Vor einem Grabdenkmal in einer einfachen Naturgewaltigen Landschaft kniet ein Schäfer und entziffert seinen beiden jüngeren Gefährten und einem Hirtenmädchen die halberloschene Inschrift: ET IN ARCADIA EGO, auch ich war in Arkadien. Man findet sein Arkadien dort in der Natur, wo man sich zu Hause fühlt, ich finde es heute in diesem großen alten Garten.
Oft sitze ich hier und beobachte diesen alten Garten, in seiner farbenprächtigen Vielfalt, ein Stück verwilderter Kultur. In seiner Farbenpracht, in der Vielfalt seiner Pflanzen und Besucher, täglich verändert er sich, doch das Fundamentale bleibt gleich an ihm. Er ist eine starke Daseinsform und im Sommer vergeht kein Tag, wo ich mich wenigsten nicht für eine kurze Zeit in ihm aufhalte. Verwunschen ist er märchenhaft und voller Zauber. Ich mag alte und verwilderte Gärten sie sind reiner Ausdruck.
Oft gehe ich dann hinein in die bunte Farbenvielfalt dieser Gärten, schmecke, rieche und schaue die Schönheiten solch geheimnisvoller Reiche. Mehr träumend als denkend bewege ich mich dann durch die volle Farbenpracht und den grünen Pflanzenrausch. Ich taste mich mit meiner Seele hinein in die grüne Pflanzenwelt, allein mit dem Intellekt sind sie nicht zu fassen. Und ich spüre hier wird berichtet von den Uranfängen von so vielem.
Wenn ich hier am frühen Morgen sitze höre ich von weitem den Ruf des Schwarzspechts, es ist ein markanter Ruf, schon in der Kindheit habe ich ihm mit Vorliebe gelauscht. Oft trägt er mich fort, hinein in die ziehenden Wolken, in den Wald und noch tiefer, hinein ins reich der Erinnerungen, ins Zauberland der Kindheit. Weit weg bringt mich der Ruf des Spechts, an längst vergessene Orte die mir fremd erscheinen und dann plötzlich wieder so bekannt werden, wie Arkadien.
Dann erkenne ich immer wieder aufs neue wie die Natur in steter Wechselbeziehung mit mir spielt. Nein dies ist kein rasch verblühender Zaubergarten, hier ist Arkadien, ich war auch dort, so geht es mir durch die Sinne. Hier ist Verweilen pure Lust und Liebe, wie eine wunderschöne Frau nimmt mich der alte Garten auf.
O lacht nur ihr Betonanbeter, was wisst ihr von der einfachen Mentalität der Bewohner Arkadiens. Juvenius Arcadicus, arkadischer Jüngling, war einst ein Tadel. So benannt nach den Einwohnern Arkadiens, die der Natur näher standen als den Städten. Die Arkadier galten als wild wie der erymanthische Eber der in den Wäldern Arkadiens hauste. Als Terenz der Welt den Rücken kehrte, wusste er keinen besseren Ort um sich zu verkriechen als das wilde Arkadien, das äußerste Ende der Welt wie man dies damals nannte. Auch die Arkadier hatten einen Tempel, denn Phigalia, das Gegenstück zum Parthenon in Athen. Itkinos, einer der Männer die am Parthenon mitgebaut hatten, errichtete ihn auf Wunsch der Arkadier. Noch heute künden die Reste des Säulenumganges von Größe und Seltsamkeit, dieses nicht gerade für seine zeit gewöhnlichen Tempels. Er war eben Arkadienhaft!
So ist auch dieser Garten, hier blüht Arkadien mir und arm sei der Mensch der kein Arkadien hat. Wie es Hölderlin einmal ausdrückte: "Nicht begrenzt werden vom Größten und dennoch ein beschlossen sein vom geringsten, das ist göttlich". Das ist Arkadien.

hukwa

Montag, 29. Dezember 2014

Waldwache

Hier zwischen Nacht und
Mitternacht
im Wald
hier habe ich meine
meiste Zeit verbracht
habe ich was versäumt
Waldnächte schenkten mir
die wunderschönsten Stunden
O Vollmond Nacht
beglückte Stunde
in voller Pracht.
hukwa

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Mein alter Garten

Als hätten Blumen bekränzte Feen ihr geheimes Reich geöffnet so durchzieht der süß-schwere Maiduft den alten Garten. Der Welt entrückt, verborgen hinter den Blütenschleiern des weißen Hartriegels und des überschäumenden und verführerischen Perlmuttsstrauchs existiert hier eine eigene Welt. Der Märchenwelt scheint er entstiegen zu sein oder der Traum Dornröschens hat ihn hierher verbannt. Ein wunderschöner kleiner Teich ladet nicht nur Libellen und Schwebfliegen zum Verweilen ein sondern auch Nymphen und Elfen. In diesem kleinen Paradies scheinen auch Gnome und Kobolde gern gesehene Gäste zu sein. Bizarre Wurzeln, Äste, Findlinge und bemooste Steine am Teich bilden einen wundervollen Kontrast zu den filigranen Strukturen der Pflanzen und über allem regiert der süßliche Duft des Mai.
Eine grüne Pflanzenmagie umrahmt vom märchenhaften Zauber des wildwuchernden Efeus lässt hier alles etwas jenseitig erscheinen. Als wäre der alte Garten Teil der Anderswelt. Wahrscheinlich ist er aber eine Zwischenwelt, eine Welt zwischen Jenseits und Diesseits, zwischen realer Welt und Anderswelt.
Wer hier wandelt fühlt sich ins Reich der Romantik versetzt und beginnt alsbald mit der Suche nach der blauen Blume die man hier vermutet. Jene Blume die der Wirklichkeit das voraus hatte, dass sowenig wie sie gefunden werden kann, wird sie auch niemals verloren gehen. Wenn sie auch nirgendwo wächst, dann lebt sie doch auf ewig. Denn sie ist das Urbild des grenzenlosen Geistes. Doch hier, in diesem alten verträumten Garten, könnte sie tatsächlich wachsen. Es liegt ein unbeschwerter und geheimnisvoller Zauber über diesem alten Garten, der jenen die ihn betreten wie ein Gruß aus einem anderen Zeitalter empfängt.
Man spürt deutlich die Kraft die hier wirkt, eine Kraft von der alle hier wachsende Wesen erfüllt sind und die beim Betreten dieses Idylls auf einem überzugehen scheint. Die uns berührt wie ein Zauber als würde uns für einen Moment die Göttin Aurora persönlich berühren.
Es heißt das Urbild aller Gärten sei der Paradiesgarten und dieser hier schien nach seinem Ebenbild geschaffen zu sein. Der Glückliche nimmt hier, wenn auch nur leicht und verschwommen, jene Wesen wahr, die ansonsten nur in seiner Einbildung, in seiner Imago, existieren. Er weiß sie sind vorhanden, aber eben nicht von dieser Welt, doch die Welt des alten Gartens ist nun einmal eine Zwischenwelt, wer sie betritt sollte sich darauf gefasst machen, dass die unsichtbaren Geister die ihn begleiten sich für einige Zeit verkörpern und er somit das erste Mal die wirkliche Realität schaut und nicht nur einen Teilaspekt von ihr. Denn hier ist alles verwunschen.
Durch eine Sandsteinmauer schirmt sich der Garten von der profanen Welt ab. Keine Schmutzwässer sickern ein in dieses Paradies und seine unsichtbaren Bewohner haben hier ein Refugium gefunden. Wer von außen an der hohen Steinmauer vorbei läuft ahnt nicht das sich hier ein letztes Kleinod verbirgt.
Nur jenen die noch beseelt sind vom alten Glauben öffnen sich seine Pforten und er bekommt ein Einblick in die Geheimnisse einer Welt von der wir denken dass sie nie existiert hat.
Schon lange haben sich die Geister aus der Welt der Menschen zurückgezogen, nur noch wenige Plätze existieren, wo sie sich in dieser Welt behaupten können, der alte Garten ist solch einer.
Sie die nur noch in den Träumen von Dichtern existieren haben hier eine letzte Zufluchtsstätte gefunden. Und wer für einige zeit hier verweilen darf dem passiert es vielleicht, das sich das Tor zur Anderswelt öffnet und er einen Blick in sie werfen kann um geläutert aus dem alten Garten heim kehren zu können in die wahre Heimat die wir lange schon verlassen haben.



Der alte Garten liegt am ende der Stadt, gleich dort wo der Wald beginnt. Wie oft habe ich als Kind hier auf der vermoosten Steinbank gesessen und dem zarten Flügelschlag der Elfen geschaut und das fröhliche Gelächter der Gnomen in mich aufgenommen. An Abenden wenn vom nahen Wald die weißen Nebelschwaden aufstiegen und sich manchmal über den Garten legten und ihn noch mehr verzauberten als er es ohnehin schon war. Nie hätte ich sein Geheimnis verraten und behielt es bis Heute für mich. Jetzt kann ich darüber schreiben denn niemand außer mir weiß wo der Garten ist.
Und so soll es auch bleiben, doch glaubt mir irgendwann wird es wieder mehr solcher Paradiese geben. Das Heer der Geister wird zurückkehren um denen die reinen Herzens sind die Tore ihrer Reiche zu öffnen.
hukwa

Sonntag, 21. Dezember 2014

Vom Julblock und Raunächten - Eine heidnische Weihnachtsmythologie

Das Julfest war das große Winterfest der Germanen, ursprünglich den Seele der Verstorbenen geweiht, die nach germanischen Glauben um die Zeit der Wintersonnenwende ihren Umzug hielten und an Schmaus und Gelage teilnahmen. Das Fest dauerte in der Regel 12 Tage. Im norden wurde an diesem Fest neben den Geistern auch den großen Göttern, besonders Thor und Freyr, geopfert und Erntesegen für das kommende Jahr erfleht. Ein alter Brauch war es, am Julfest einen großen Eber, das dem Freyr heilige Tier, Gullinborsti, in die Halle zu führen und auf dessen Haupt Gelübde abzulegen. An Stelle des Julfest, trat später unser Weinachtsfest; aber noch heute erinnern, besonders im skandinavischen Norden, verschiedene Gebräuche an das alte heidnische Fest: der Julklap (Weihnachtsgeschenk), das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus geworfen wird, der Juleber oder Julbock, ein feines Gebäck, dem ein Eberkopf aufgedrückt ist, Julgrütze, Julbrot, Julfeuer ect.
Wir sehen also auch das backen von Süßigkeiten geht auf einen alten heidnischen Brauch zurück, wie unsere Weihnachtsgeschenke auch. Die Kirche hat es geschickt verstanden, die alten heidnischen feste zu assimilieren, um den heidnischen Kult mit der christlichen Lehre zu versöhnen.
Trotz Geselligkeit und Festgelage hatte das germanische Julfest einen düsteren Charakter. Es war ja ein Totenfest dessen Wurzeln fest verankert im Ahnenkult der Germanen war. Die toten erschienen in dieser Zeit aus ihren Hügelgräbern (Bezug zu Samhain und Allerseelen). Auch Odin kehrte in dieser Zeit zur Erde zurück. Als Anführer der „wilden Jagd“ tobte er die eine Furie durch die Lüfte. Für Christen war es besonders gefährlich wenn sie die „wilde Jagd erblickten. Die Zeit von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag nennt man auch heute noch die Zwölften, den 12 Tage währte die „wilde Jagd“. Landschaftlich unterschiedlich benennt man diese Zeit auch „Raunächte“.
Die Rituale des Julfestes fanden im heiligen Hain statt. Hier wurde dann ein Rad, das mit seiner Achse in einem Eichenstamm stand, unter feierlichen Gesängen und Beschwörungen gedreht, bis die Achse durch die Reibung glühend geworden war und das Stroh das man um das Rad gestreut hatte Feuer fing. An diesem Feuer entzündete man nun den Julblock, einen dicken Eichenstamm, der unbedingt glühend gehalten werden musste. Man kann davon ausgehen das dieses verbrennen des Julblocks den Sinn hatte, der im Todeskampfe liegenden Wintersonne zu helfen, ihr scheinbar erlöschendes Licht wieder neu zu entzünden. Wir haben es hier also auch mit einem Sonnenritual zu tun. Der Julblock wir so gelegt, dass er langsam und lange schwellt und wird dann mit Saatgut vermischt für die nächste Aussaat, der Julklotz ist also auch Talisman und Glücksbringer.
Trotz seiner Düsterheit hatte das Fest auch seine fröhliche Seite. Zwölf Tage lang wurde nun gefeiert.
Noch lange lebte der germanische Mythos der Raunächte, also der „wilden Jagd“, im Volksglauben weiter. In dieser zeit glaubte man gingen die Geister um, man sah Werwölfe, Hausgeister tauchten auf und nächtens fuhr Odin mit seinem Anhang heulend und mit Getöse durch die Lüfte.
In Süddeutschland ist es die Bercht, oder auch Percht, die das wilde Heer anführt.
Sie ist eine Erscheinungsform der Göttin Freya, wie Frau Holle auch.
Berchta leitet sich aus dem althochd. Von Berahta ab, was „die Glänzende“ bedeutet. Sie galt ursprünglich als himmlische Sonnengöttin und regenspendente Wolkenfrau und war des Sturmgottes Wotan Gemahlin. Selbst Spinnerin, wie Frau Holle schützt sie die entsprechende weibliche Arbeit, und als Herrin über Wolken und Wind fördert sie das Gedeihen der Frucht. In den Sagen erscheint sie oft als Ahnmutter berühmter Königsgeschlechter, so auch in der Karolingersaga, wo ihr ein eigentümlich großer Fuß nämlich der Schwanenfuß der Göttin Freya beigelegt wird. Die Ähnlichkeiten zu Frau Holla sind eindeutig. Wie diese hütet sie als chthonische Gottheit die Seelen aller Ungeborenen und zu früh verstorbenen Kinder.
In anderen Gegenden wird die Berchta durch Frau Holle ersetzt. Dort saust sie mit der „Windsbraut“ durch die Lüfte. Allerdings ist die Gestalt der Frau Holle weitaus schillernder und ausgeschmückter als die der Berchta. Wenn sie mal gerade nicht durch die Lüfte saust hat sie ihre Behausung an einsamen Quellen, Brunnen und abgelegenen Waldseen. Dort sitzt sie oft und kämmt ihr „goldenes Haar“. Aber schon im Märchen der Brüder Grimm zeigt sich der ambivalente Charakter dieser ehemaligen Totengöttin. Sie belohnt und bestraft die Menschen, ist manchmal mild und manchmal grausam, ist Kinderfreundlich dann wieder eine Kinderschreckgestalt. Am bekanntesten ist sie wohl als Wind- und Schneedämonin. Wenn es schneit, heißt es im Volksmund: Frau Holle schüttelt ihre Bettwäsche oder Frau Holle rupft Gänse.
Der „Frau Holle Tag“ ist der letzte in den zwölf Raunächten, die Nacht vor dem Dreikönigstag. An diesem Tag und in dieser Nacht muss alle Arbeit ruhen.
Nach den Raunächten begann das langsame Hoffen das der Frühling bald wiederkehrt.
hukwa

Sonntag, 14. Dezember 2014

Aus Heinrich Hansjakobs - Reise nach Trippstadt, am 18. Juni 1903, Auszug aus seinen Reiseerinnerungen und Tagebuchblättern dritter Band – Sommerfahrten

….Endlich kommt eine größere Lichtung, und auf einer rauhen Hochfläche erscheint das große Walddorf Trippstadt.
Es ist erst elf Uhr Morgens. Im Gasthaus von Spanier hat mir der Apotheker Zapf per Telefon mein Mittagsessen bestellt; ich habe aber vor dem Essen noch Zeit genug, um den katholischen Pfarrer aufzusuchen.
Auf der breiten Dorfstraße hinabschreitend, grüßte mich ein dicker Herr, der Typus eines biederen Landarztes, und sagte mir, dass er auch ein Schwarzwälder sei und zwar aus Falkau unweit vom Titisee.
Ich staunte nicht wenig darüber, im fernen Pfälzerwald einen Schwarzwälder als Arzt zu finden. Er hat in Würzburg studiert und praktizierte erst im Spessart, bevor er hierherkam.
Wenn ein Schwarzwälder in die Fremde geht und kein Heimweh haben will, so zieht er am besten nach Trippstadt, wo alles an den Schwarzwald erinnert und wo man glaubt, inmitten dieses Waldes zu sein. -
Die katholische Kirche und das Pfarrhaus liegen am ende des Dorfes, und der Kirche nach sind die Katholiken die kleinere Zahl der Bewohner. Der Pfarrer war nicht daheim, sondern auswärts auf einer seiner Filialorte, aber seine Schwestern empfingen mich in dem kleinen Pfarrhäuschen mit unverhohlener Freude und zeigten mir das Zimmer, das sie für mich hergerichtet.
Ich hatte ursprünglich vorgehabt, gestern bis Trippstadt zu fahren, und so war auch hier mir Quartier bereitet worden.
Wenn ich gewußt hätte, dass es mich im Pfarrhaus zu Lautern so frieren würde und das Zimmer in Trippstadt, das meiner wartete, eine so herrliche Aussicht böte, wäre ich gestern Abend noch hierher gefahren.
Vor den Fenstern dieses Zimmers liegt eine Waldwelt, wie sie der Schwarzwald an seinen schönsten Punkten nicht schöner und großartiger zeigt.
Wenn ich nicht jener Wanderer wäre, dens immer wieder möglich schnell von dannen treibt, dann hätte ich im zierlichen Pfarrhäusle zu Trippstadt einen halben Tag gerastet und mich satt getrunken an dem herrlichen Blick in deutschen Tannenwald.
Zurückgekehrt zu meiner Herberge, traf ich den Arzt nochmals, und ich wollte mit ihm gehen, um mich seiner Frau, die zu meinen Leserinnen gehört, vorzustellen. Aber er wohnt so weit im Dorf droben, dass ich unterwegs wieder umkehren musste, wenn meine Bewegungsnerven nicht streiken sollten.
Erst schaute ich den Frauen und Kindern des Dorfes zu, wie sie Wasser holten am Dorfbrunnen und dazu eine mir unverständliche Sprache redeten.
Ich dachte an die Worte, des pfälzischen Dialektdichters Fritz Claus in seinem Lied, in welchem er die Westricher Bauern, die in der Weinpfalz gerne verspottet werden, den Vorderpfälzern gegenüber sagen lässt, das sie den Brunnen dem geschmierten Wein vorzögen, den jene in das Westrich schickten, und im übrigen keine Not litten.
Ich unterhielt mich dann noch im Hotel des Spaniers mit dessen Bäckerburschen, der eben frisches Schwarzbrot, das gar lieblich duftete, in Körbe legte, über das ehrbare Handwerk der Bäcker und bekannte mich auch als einen aus der Zunft.
Der Spanier, so heißt der Wirt mit seinem Geschlechtsnamen, ist zweifelslos ein kluger Mann und hat meiner Beobachtung nach, eine noch hellere Frau; denn beide betreiben nicht bloß eine Wirtschaft, sondern auch eine Bäckerei und einen Kramladen. -
Ich müßte mich nur wundern, dass es in Trippstadt nicht wimmelte von Kurgästen und dass diese prächtige Waldgegend nur von so wenigen Sommergästen frequentiert wird.
Ist die Gegend, die von hier bis ins Queichtal hinunter ein Paradies abgäbe für Luftkuristen, zu wenig bekannt, oder sind die reichen Weinleute der Vorderpfalz keine Freunde von Luftkuren, oder liegt dieses Waldland zu nieder, das der Schwarzwald ihm vorgezogen wird? Das letztere mag für Fremde viel ausmachen.
Trippstadt liegt nur 457 Meter hoch, und die höchsten Punkte dieses Waldgebiets gehen kaum über 600 Meter.
Der Spanier gab mir zum Mittagessen guten Wein und eine Rehkeule und zum Ruhen ein bequemes Sofa, und erfrischt und gestärkt fuhr ich am Nachmittag dem einsamen Waldland zu, das man „Frankenweide“ nennt.
Der Pfarrer Minges, bei dem ich nochmals im vorbeifahren anklopfte, begleitete mich bis zum Karlstal, einer ungemein malerischen Waldschlucht, aus der die Ruinen der großen Burg Wilenstein, eine Gründung Barbarossas, noch malerisch hervorragen.
An der Straße hin rinnt zwischen schwachen Felspartien ein noch schwächeres Wasser und erinnert wieder an die Wasserarmut des Pfälzerwaldes. Hier verließ mich der Pfarrherr.
Bald war ich mitten im Herzen des Pfälzerwaldes, in Johanniskreuz, einer einsamen Lichtung, auf der ein Forsthaus und ein Kurhaus friedlich beisammen liegen, und dessen Bewohner jeder Naturfreund beneiden muss......

hukwa

Ein heimatkundlicher Schatz

Vor einigen Tagen schenkte mir ein befreundeter Historiker einen wahrlich heimatkundlichen Schatz. Es handelt sich um alte Zeugnisse, Bücher und Bilder von Trippstadt und Johanniskreuz, von denen ich bisher überhaupt nicht wusste das sie existieren. Darunter einen wunderschönen Farbdruck, weit über 100 Jahre alt von Johannniskreuz, der sehr detailiert Häuser und Landschaft von dort zeigt. Auch zwei sehr alte Reiseführer von Johanniskreuz mit zahlreichen Fotos gehören zu diesem heimatkundlichen Fundus. Ich werde in den nächsten Wochen das ganze Material ausarbeiten. Der wunderschöne alte Druck hängt nun in meinem Arbeitszimmer. Das Ergebnis über diese heimatkundlichen Recherchen werde ich in den nächsten Wochen veröffentlichen.
Besonders interessant ist ein kleines Büchlein, das ein Frankfurter Reisender geschrieben hat von 1903. In ihm beschreibt er verschiedene Bewohner von Trippstadt unter ihnen den Gastwirt Spanier, einen Bäckerlehrling und die Familien der Pfarrer von Trippstadt. Sehr detailiert auch die Räumlichkeiten des kath. Pfarrhauses. Sogar eine handgeschriebene Speisekarte gehört zu diesem Fundus. Der Verfasser des Büchleins beobachtete spielende Kinder vorm Trippstadter Dorfbrunnen und berichtet sehr volkskundlich darüber. Ich freue mich jetzt schon auf die Aufarbeitung dieses heimatlich - historischen Materials.
hukwa

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Eine Begegnung beim Scharderkopf

Ich laufe hoch in den Bergwald. Es ist ein kalter Dezembernachmittag unter meinen Füßen knirscht der Schnee, die Kälte versucht in die Kleidung zu kriechen.
In den Eichen und Buchen hängen Nebelfetzen und alles scheint leblos, eine tiefe Stille herrscht um mich herum. Und doch weiß ich dass sich im Verborgenen geheimes Leben regt. In eisiger Ruhe schweigt der Wald und die Luft steht still. Den einzigen Ton den ich vernehme ist mein Stapfen durch den Schnee. Ängstigende Ruhe umgibt mich, anscheinend bin ich das einzige Wesen in diesem Wald.
Mit einem mal endet die Ruhe, wird zerrissen durch die singende Flügelschläge einer Krähe die ganz nah auf Augenhöhe an mir vorbeifliegt und sich in etwa 15 Meter Entfernung von meinem Standort auf einem Baumstumpf niederlässt.
Sie schaut direkt zu mir her, ich stehe still, vollkommen bewegungslos, Auge in Auge mit dem schwarzen Vogel. Das Wilde in ihren Augen faszinierte mich völlig, noch nie im Leben habe ich einen solchen Blick gesehen - einfach wild!
Mir schien es als würden wir uns eine Ewigkeit anstarren, die Krähe zeigte überhaupt keine Angst vor mir.
Dann geschah etwas ganz seltsames: Eigentlich spürte ich es nur, ich hatte plötzlich das Gefühl das mir die Krähe etwas mitteilen wollte. Ich bewegte mich langsam auf sie zu und sie ließ mich tatsächlich bis auf etwa 8 Meter an sie herankommen, dann flog sie elegant auf aber auch nur wieder ein paar Meter weit, wo sie sich diesmal auf einer umgestürzten Buche niederließ. Das Spiel begann von vorne, wieder konnte ich ziemlich nahe an sie heran laufen und das gegenseitige fixieren begann aufs Neue. Nach einiger Zeit ging ich erneut auf sie zu, diesmal ließ sie mich noch näher herankommen. Dann flog sie auf ließ sich im Wipfel einer Eiche nieder, sah mich wieder an, krächzte drei mal sehr laut und verschwand im Wald.
Für einige Zeit war ich noch wie gebannt dann setzte ich meinen Weg fort.
Wieder nur das Geräusch von knirschendem Schnee, wieder absolute Stille.
Es lag ein tiefes Geheimnis in der einsamen Krähe die gerade mich zu einer Begegnung herausforderte. Für mich ist der Vogel die Verkörperung der einsamen Natur im Winter geworden. Eine seltsame Sehnsucht hatte mich erfasst und mit einem mal wusste ich was mich die Krähe gelehrt hatte: Das Einssein mit der Natur.
hukwa



Am Futterhaus

Am Futterhaus das
Rotkehlchen
bleibt immer für sich.
hukwa

Dienstag, 9. Dezember 2014

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der Wald ist meine Kirche - der Baum mein Priester

Es gibt Wälder die betrete ich wie ein Gläubiger Hindu einen Shiva Tempel betritt. Denn was ist der Wald anderes als ein großer Tempel? Wer die Wälder oberflächlich behandelt ist aus meiner Sichtweise ein Tempelbeschmutzer. Wer sie rodet ist ein Tempelräuber und Tempelzerstörer. Wenn ich in den Wäldern schlafe gleicht mein Schlaf einem Tempelschlaf. Große Wälder haben eine Ähnlichkeit mit unserem Unbewussten - vielleicht haben deswegen viele Menschen Angst vor der Stille der Wälder.
hukwa

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Im Nebelwald

Ich stehe unter den Fichten im alten Haderwald. Das letzte Novemberlaub fällt. Große Stille ist über den Wald gekommen. Sanft bläst der Novemberwind, wirbelt manchmal ein Laubblatt durch die Lüfte. Es ist später Nachmittag, Nebel ist aufgezogen. Der Abend naht also mache ich mich auf zur Heimkehr. Wie verzaubert laufe ich durch den Nebelwald. Nach einer halben Stunde erreiche ich die Landstraße, als ich sie überquere und in den kleinen Waldpfad einbiege, der hoch zum Dorf führt, fällt die Dunkelheit über die Landschaft. Die Pfützen auf dem schmalen Weg und die Äste der alten Weiden die hier stehen leuchten geisterhaft auf wenn der Wind die Wolken am fahlen Mond vorbeitreibt. Ein feiner eisiger Regen setzt plötzlich ein. In der nähe des alten Ziegelbrunnens halte ich kurz an, Nebel, Wolken und Mond geben dem Wald eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ein Waldkauz fliegt an mir vorbei, die Wolken öffnen sich und Mondlicht fällt auf die Landschaft. Jetzt kann ich erkennen wie er sich wenige Meter von mir entfernt auf einem Baumstrunk niederlässt. Dreimal höre ich seinen Ruf dann fliegt er auf und verschwindet im Wald.
Vorbei an „den zwei Steinen“, so heißt die Feldflur hier, trete ich nun durch das kleine Tor in den Schlosspark ein. Ich verweile für einen Moment unter den mächtigen Eichbäumen die hier stehen und schaue hoch zum Schloss, das vom Mondlicht leicht beleuchtet wird. Wie in einen mystischen Glanz getaucht erscheint es mir heute. Wie verwandelt kommt es mir in der Novemberdunkelheit vor. Mit einem mal spüre ich etwas das sich nur fühlen lässt und man nicht beschreiben kann. Plötzlich, einem Spuke gleich war der Waldkauz wieder da, setzte sich in die Eiche unter der ich stand und stieß seinen unheimlichen Lockruf aus. Für kurze Zeit fühlte ich mich in eine Epoche versetzt die seit Jahrhunderten nicht mehr existierte. Ein Zeitsprung der mir so realistisch vorkommt dass ich für einen Moment glaubte tatsächlich in einem anderen Jahrhundert zu sein. Mir scheint es als bin ich in das zeit ferne Geheimnis des Parks und Schlosses eingetaucht. Vor mir tat sich ein farbiger Abgrund einer vergessenen Zeit auf. Die ganze süße Schwermut der Vergänglichkeit fiel regelrecht über mich her. Ein unwirklicher nicht gebrochener Zauber lag plötzlich über den alten von Efeu umrankten Steinfassaden der Parkmauer, der mich mit auf eine Zeitreise nahm. Der still gelegte Springbrunnen fing wieder an zu sprudeln und vor mir tauchten alte Laubengänge auf in denen Frauen und Männer gekleidet in der Mode des Barockzeitalters lustwandelten. Ich schaute dem treiben eine Weile gebannt zu, bis der Ruf des Kauzes mich wieder in die Realität zurückbrachte. Der schöne Spuk erlosch. Wie von einem Zauberbann befreit laufe ich langsam nach Hause, begleitet vom Ruf des Kauzes.

hukwa





Dienstag, 2. Dezember 2014

Winter

Der zarte Laut 
des Rotkehlchens
enthält
die ganze Traurigkeit des Winters
kleiner Seelenvogel
einsam sitzend
im kahlen Schlehenbaum
sehnsüchtig erwartes du den Frühling.
hukwa

Samstag, 29. November 2014

Der Schlüssel zu einem authentischen Leben

Der Schlüssel zu einem authentischen Leben ist die Natur, sie war mir in Kindheitstagen Erzieherin und Führerin. Sie ist auch der Eingang zu einer transzendenten Welt. Ihre Schöpfungen, ihr Werden und Vergehen, sind ein einziges Schöpfungsalphabet. Mit all ihren Wesen kann man in Verbindung treten. Um ihren Geheimnissen zu begegnen bedarf es des Schweigens. Die Stille der Natur macht es mir möglich mit meiner Seele Zwiesprache zu halten.
hukwa

Samstag, 22. November 2014

Wiederverzauberung mit der Natur

Der Mensch sollte immer im Versuch einer Wiederverzauberung mit der Natur leben. Bei meinem heutigen Nachmittagsspaziergang hörte ich immer wieder den Ruf des Grünspechts, Spechtrufe haben für mich immer etwas mystisches. Mir ist dann als hörte ich den Gesang der Erde. sein Ruf ist mir jedes mal wieder eine neue Wiederverzauberung mit der Natur.
hukwa

Sonntag, 9. November 2014

Natural mind

In der Natur herrscht ein Geist vor denn jeder finden kann wenn er nur will, eine Kraft, die zugleich eine Quelle der Weisheit ist. Natural mind! Sie erfüllt alle Wesen und Dinge, auch der Mensch ist eine Form dieser Kraft. Sie wirkt in uns, in den Pflanzen, in den Tieren, in den Mineralien. Durch seine Entfremdung von der Natur, hat sich der Mensch von dieser Kraft entfernt. Wir täten gut daran uns ihr wieder zu nähern.
hukwa

Donnerstag, 6. November 2014

Wildgänse über dem Karlstal

Noch fällt ein leichter Strahl in den Wald
doch immer dunkler wird das Licht im Tal
vom Dorf herunter das Abendläuten schallt 
die Dämmerung wirft ihre Schatten in den Wald.

Es naht die Nacht mit kühlem Wind hangauf
das Wasser schäumt um Sandsteinbrocken laut
das Lied der Moosalb in ihrem schnellen Lauf
ein letzter Häherschrei.

Im Tal kehrt nun die Stille ein
Wildgänse ziehen in Keilschrift dahin
wo ist ihr Ziel
ach dürft ich nur mit ihnen ziehen.
hukwa

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Von alten Trippstadter Waldflurnamen und Waldnutzungsrechten

Die Flurnamen verbinden die Menschen der Gegenwart mit der Vergangenheit, sie geben uns Kunde über die Siedlungsvorgänge, über die landwirtschaftliche Bebauung des Bodens sowie über das gesamt kulturelle Leben unserer Vorfahren. Manche dieser Flurnamen erinnern an alte Besitzverhältnisse, an längst vergessene Rechtsbräuche aber auch an ehemalige Waldberufe und Waldnutzungsrechte. Dem Kundigen der sie lesen kann geben sie ein lebendiges Bild der Vergangenheit.
Vor allem Heute wo vielerorts durch Landwirtschaft und Siedlungsbau ganze Ortsstrukturen verändert wurden deuten Flurnamen noch auf geschichtliche Zusammenhänge hin.

An die Tätigkeit von Daubenhauern, Köhlern, Glasbrenner und Pottaschsieder erinnern einige Flurnamen in der Waldlandschaft von Trippstadt. Die Pottasche verwendete man zur Glasherstellung, zur Düngung und zum Wäsche waschen; sie war das erste Waschmittel. Auch der Name Eschkopf bei Johanniskreuz erinnert an die Pottaschsiederei, er leitet sich von Asche her und nicht von Esche. Ein weiterer Flurname der an diese alte Tätigkeit erinnert ist das „Eschhebelerloch“ im Neuhöfertal. Die Bezeichnungen Glastal und Glashald am Schwanenberg ebenfalls im Neuhöfertal verraten uns das hier einmal eine Glashütte stand. Dabei handelte es sich um sogenannte Waldglashütten. Als Waldglas bezeichnete man durch Eisenoxide grünlich gefärbtes Pottascheglas, welches vom Mittelalter bis etwa ins 17. Jahrhundert hergestellt wurde.
Um Glas herzustellen benötigte man einen geeigneten Sand, denn man möglichst in der Nähe der Glashütte abbauen konnte. Geeignet war angeschwemmter verwitterter Sandstein in Bachbetten. Pottasche wurde dazu als Schmelzmittel verwendet.
Die Abteilung Harzofeneck zwischen Forsthaus Antonihof und Mölschbach weist auf einen Harzofen hin der hier einmal betrieben wurde. In solchen Öfen wurde aus Kiefernholz das Harz (Pech) herausgekocht.

Über die erste Nutzungen der Trippstadter Waldrechte erfahren wir einige aus dem Flörsheimer – Lagerbuch und aus dem Weistum von Wilenstein und Trippstadt.
Hier einige Ausschnitte aus dem Weistum:

  1. Der Wald, das Erbe genannt, steht den Herren von Flörsheim (Unterburg) zu.
  2. Wasser und Weide werden den beiden Herren der Ober- und Unterburg gemeinsam gewiesen zu gleichen Teilen.
  3. Beide Teile haben auch in den hohen Wäldern gemeinsam zu hagen und zu jagen. Niemand darf ohne Erlaubnis der Herren jagen oder fischen. Wird einer dabei ergriffen, muss er als Strafe 30 Schillinge Heller bezahlen.
  4. Eichen, die Bauholz liefern oder Eckerich tragen, dürfen von den Einwohnern nicht abgehauen oder gestümmelt oder gar nach auswärts verkauft werden, es sei den mit Genehmigung der Herrschaft.
  5. So sich Feuer in den Wäldern oder sonst erhebe, soll jeder schuldig sein herbeizulaufen und beim Löschen zu helfen. Tut er es nicht, soll er der Gemeinde ein halbviertel Wein zu vertrinken geben.
  6. Wenn in den Wäldern Eckerich vorhanden ist, darf jeder, der im Wilensteiner Gericht wohnt, soviel Schweine in den Ecker treiben als er auf seinem Mist gezogen hat. Doch ist dem Herrn der Oberburg (den Grafen von Falkenstein) der Dehm zu entrichten, nämlich von jedem Schwein sechs Pfennig und ein Heller, wovon der Förster den Heller erhält. Der fremde Schweine eintreiben will, muss die selbe Gebühr bezahlen wie auswärtige.
  7. Wer im Gebiet „Drippstadt“ bauen will, dem soll seine Herrschaft, auf deren Grund er baut, zwölf Stück Holz (Stämme) geben.
  8. Ein jeglicher armer Mann (Einwohner), der zu „Drippstadt“ seßhaft ist, hat Macht in den Wäldern der Herrn der Oberburg und der Flörsheimer ziemlich (ausreichend) Holz zu hauen für Wagen und Pfluggeschirr und auch um sein Haus und Garten zu machen. Doch vorher muss er dem jeweiligen Amtmann Bescheid geben, der ihm die stelle angibt, wo er hauen soll. Als Brennholz dürfen Windfälle und Taubholz aus den Wäldern entnommen werden.

Im Jahre 1600 fertigte der kurpfälzische Forstmeister Philipp Velmann von mehreren Waldungen, die an die Herrschaft Wilenstein angrenzen, sogenannte „Waldbeforschungen“. Darin beschreibt er die Grenzsteine, die Grenzbäume, die auch Lach- oder Lochbäume genannt wurden, denn sie waren mit einer Lache gekennzeichnet. Des weiteren schrieb er über die Jagd- und Fischereiverhältnisse sowie über die Baumarten und ihren Standort. Die „Beforschung“ zum Beispiel des Lauberwaldes ist recht kurz gehalten. Aus diesen Aufzeichnungen lässt sich entnehmen dass in diesem Wald die Eiche gut verbreitet war. Es werden 13 Eichen- doch nur 2 Buchen – Lochbäume erwähnt. Von zwei Stellen am Steinberg und am Pferdsgarten, schreibt er, das dort Auerhähne balzen.
Der Flurname Pferdsgarten geht auf ein altes Gestüt zurück. Ebenso der Name Stüterwald.
Für jeden Heimatforscher sind Flurnamen eine geschichtliche Fundgrube.

hukwa




Lit. Hinweise:
Weistum von Wilenstein und Trippstadt. Staatsarchiv Speyer Abt. Falkenstein St. 107, Seite 118f.

Ernst Bilfinger: Johanniskreuz eine Waldgeschichte.

Ernst Christmann: Pfälzische Glashütten der alten Zeit.

Erich Bauer: An der Wiege der deutschen Forstwissenschaft.

Ernst Bilfinger: Das Holzland.

Julius Wilde: Kulturgeschichte der rheinpfälzischen Baumwelt und ihrer Naturdenkmale.

Hans Wagner: Alte Waldberufe.

Alte Waldprotokolle aus dem Privatarchiv von Herrn Geißenbauer, Mannheim.




Die Wurzeln von Halloween

Inzwischen ist Halloween auch bei uns zu einem modernen Brauchtumsfest geworden. Inwiefern Halloween keltische Wurzeln hat, dürfte umstritten sein. Das Fest wurde ursprünglich in Irland, Schottland und Wales gefeiert und gelangte etwa Mitte des 19. Jahrhunderts mit irischen Einwanderern in die USA.

Wie viele Brauchtumsfeste hat auch Halloween heidnisch-christliche Wurzeln. Der Nacht vor Allerheiligen, also dem Fest der christlichen Märtyrer und Heiligen ging nach dem Volksglauben eine Nacht voraus, in der die Seelen von Verstorbenen, sowie Gespenster und Geister das Jenseits verlassen und ihren Spuk treiben. Eine Verbindung zum keltischen Samhain ist nicht direkt nachweisbar. Die irischen und amerikanischen Wurzeln von Halloween gehen allerdings auf die Sage von „Jack -o- Lantern“ zurück. Samhain war ja kein „Lichterfest“, im Gegenteil, in der Nacht auf Samhain wurde auf Anweisungen der Druiden im vorchristlichen Irland sämtliche Feuer- und Fackelstellen gelöscht bis zum frühen Morgen. Erst dann wurden die „Neujahrsfeuer“ angezündet. Samhain, das am 1. November gefeiert wurde war das keltische Neujahrsfest, mit ihm begann das neue Jahr. Die keltischen Priester (Druiden) rechneten mit aller Wahrscheinlichkeit mit dem Mondjahr, nach dem ihnen der Lauf des Nachtgestirns als Grundlage für die zwölf Monate und die notwendigen Schaltmonate galt.

Die sagenhafte Überlieferung des „Jack-o-Lantern“ berichtet uns folgendes:
Dieser war ein stets betrunkener Schmied der seine Seele an den Teufel verkauft habe. (Ein typisch christliches Bild des Mittelalters). In der Gaststätte, die Jack immer besuchte, überlistete dieser den Satan, der nun auf die Seele des Trunkenbolds verzichten musste. Nach seinem Tod wollte aber auch der Himmel nichts mit dem Sünder zu tun haben, so dass Jack nun dazu verdammt war als Untoter bis in die Ewigkeit umher zu irren. Allerdings hatte ihm der Teufel, als er von Jack überlistet wurde, ein Stück glühende Kohle nachgeworfen. Jack steckte diese in eine ausgehöhlte Rübe, die dem Verdammten nun ein wenig Licht in der ewigen Finsternis spendete. An die Stelle der Rübe trat in Amerika der Kürbis, beide gelten im alten Volksbrauch als Symbol der verdammten Seele.

In meiner Kindheit in den 60ziger Jahren wusste man noch nichts über Halloween. Dennoch schnitzten wir Kinder am Abend des 31. Oktober aus Rüben unsere „Feuerteufel“. Eine Rübe wurde ausgehöhlt, ein Gesicht hinein geschnitzt, eine Kerze hineingestellt, angezündet und bei Dunkelheit zogen wir mit unseren „Feuerteufeln“ durch unser Dorf.

Wenn wir uns nun ein wenig tiefer in den „Glauben und Sitten der Völker“ (Frazer) vertiefen, bemerken wir alsbald, dass auch die alten Ägypter ein „Allerheiligenfest“ zu Ehren ihres Gottes Osiris im November begingen.
Wir können also davon ausgehen, dass verschieden Völker unabhängig voneinander jeweils im November ein „Jenseitsfest“ feierten. Wahrscheinlich waren alle diese Völker davon überzeugt, dass im Neblung, wie unsere Altvorderen den November nannten, die Seelen der Verstorbenen für eine Nacht an ihren ehemaligen Heimatort zurückkehrten. Das Christentum hat schon immer heidnische Festtage für die eigene Glaubensüberlieferung zu nutzen gewusst, so entstand Allerheiligen, dessen Wurzeln zweifelsohne heidnischer Herkunft sind.
In seinem „goldenen Zweig“ schreibt Frazer: „……..Nicht nur bei den Kelten, sondern auch in ganz Europa scheint Halloween der Abend, der den Übergang vom Herbst zum Winter bildet, von alters her die Jahreszeit gewesen zu sein, da die Seelen der Verstorbenen ihre alte Heimat wieder aufsuchen sollen, um sich an dem Feuer zu erwärmen und an der Heiterkeit zu erfreuen, die ihnen ihre liebevollen Angehörigen in Küche und Wohnstube bereiteten. Es war vielleicht ein natürlicher Gedanke, dass das Herannahen des Winters, die armen, klappernden, hungrigen Gespenster aus den kahlen Feldern und entlaubten Wäldern in den Schutz des Hauses mit seinem behaglichen Feuer trieb…..“

Im modernen Volksglauben wurde Halloween zu einem Fest, bei dem man durch das Anzünden von Feuern oder das Erleuchten von Kürbissen, die Hexen und Geister vertreiben will.
Aber letztendlich war es in früheren Zeiten doch so, dass man diese anlocken wollte.
hukwa

Literatur Hinweise.
James George Frazer: Der goldene Zweig
Arnulf Krause: Die Welt der Kelten

Dienstag, 28. Oktober 2014

Sagenhaftes Karlstal

Weit über die Grenzen der Pfalz hinaus wird das romantische Karlstal als ein Kleinod unter den Tälern des Pfälzerwaldes geschildert. Kein geringerer als der bekannte Gartenarchitekt F. L. Sckell der für München den englischen Garten erbaute, hat vor fast 200 Jahren über das Tal folgend geschrieben: „Eines der schönsten Täler, die ich in dieser Art gesehen und auch bearbeitet habe, nämlich in dem ich die hinter den Ästen der Bäume und Sträucher versteckt gelegenen Felsmassen mit ihren Wasserfällen dem Genusse unter bildlichen Formen näher brachte und durch Zugänge die Möglichkeit bewirkte, diese ausgezeichneten Ruysdaels in ihrer ganzen Schönheit zu sehen, liegt in der Herrschaft Trippstadt in der Rheinpfalz, damals das Karlstal genannt. Ein kräftiger Bach stürzt sich da hinab in ein romantisches und durch die ehrwürdigen Buchenbäume in ein feierliches Dunkel gehülltes Tal. Kolossale Felsenstücke denen die Natur die ausgezeichnetsten malerischen Formen verliehen hat, wie ich sie fast nie schöner gesehen habe, liegen z. T. an den Berghängen und in der Tiefe, wo sie dem Bache auf eine Länge von ¾ Stunden unaufhörliche und abwechselnde Hindernisse darbieten, über die er bald mit einem Lärm, der im Tale widerhallt, herabfällt, bald murmelnd und ruhig bis zu einem neuen Kampfe dahingleitet. Nachdem sich aber der Bach durch dieses romantische Tal und zwischen diesen Felsmassen gewaltsam durchgedrängt und eine Menge Wasserfälle von vorzüglicher Schönheit und hohem Kunstwerke unter den verschiedensten Umrissen und Wirkungen gebildet hat, ergießt er sich am Ende in einen ruhigen Teich, in welchem sich die Trümmer einer längst zerfallenen Ritterburg, Wilenstein, von einer Anhöhe spiegeln. Hier hört aller Lärm auf und die Natur ist wieder in ihren ruhigen Zustand getreten“.
Auch die Sage weiß uns einiges aus alten Zeiten über das Tal zu berichten. So erzählt eine Legende von einer uralten Eisenschmelz die hier einst gestanden habe und die dem in einen alten Eichbaum verwandelten Grafen von Wilenstein jährlich eine Eisenrüstung liefern musste.
Sagenhaft ist auch die Verbindung zur Burg Wilenstein: „ Einst verdingte sich ein schöner Jüngling – man wusste nicht, woher er gekommen war – in die Nähe des Schlosses als Schäfer. Seine Schönheit und sein edles Wesen machten ihn bald bemerklich, so dass alles von ihm redete. Der Ruf von dem rätselhaften Hirten drang auch zu der Tochter des Ritters von Flörsheim auf Wilenstein und sie war begierig ihn zu sehen.
Beim Blumensuchen fand das Fräulein den Schäfer schlafend auf einer Wiese. Als dieser erwachte floh die Jungfrau mit raschem Schritte zur Burg, doch trug sie sein Bild mit sich fort im Herzen. Als sie ihn nach kurzer Zeit wiedertraf wechselten beide einige Worte. Täglich war sie nun auf dem erker des Schlosses wenn der Schäfer mit seiner Herde hier vorbeikam. Alle Bewerber, die auf Wilenstein erschienen und um ihre Hand anhielten wurden abgewiesen. Als aber ein Graf Siegbert um ihre Hand anhielt, drang der Vater auf Zusage und die folgsame Tochter schwankte schon. Nur noch einmal wollte sie vorher von ihrem Erker den Schäfer sehen, doch dieser kam nicht mehr.
Bangen Herzens eilte sie an den Ort, wo er gewöhnlich seine Herde weidete, dort traf sie einen anderen von dem sie hörte wie dem schönen Hirten das Herz vor Gram gebrochen war und er im kühlen Grabe schlummerte. Leichenblass und wankend suchte sie bei einem nahen Klausner Trost. Aber auf dem Rückweg zur Burg fiel die vor Schreck noch halb Betäubte von einem Steg, den sie überschreiten wollte, ins Wasser und ertrank.
Der Klausner berichtete alles dem verzweifelten Vater. Der ließ zum Gedenken ein Kirchlein bauen und Hirtenstab und Flöte gehauen in Stein am Turme einfügen. Beide Zeichen sind am Turm der untergegangenen Kirche beim Aschbacherhof noch heute zu sehen“.
Eine andere Sage erzählt von einer ledernen Brücke die einst die Burg mit dem Wilensteinerhof verbunden haben soll. Auch von einem Hund mit einem Schlüssel im Rachen der einen Schatz bewacht erzählt uns eine alte Legende.



Solche Sagen wie die aus dem Karlstal nennt die Volkskunde ätiologische Sage, d.h. Sie liefern eine „Erklärung“ für die Entstehung oder Herkunft eines augenfälligen Wahrzeichens der örtlichen Umgebung. Im Karlstal sind dies neben einigen Felsen, vor allem die Einsiedlerhöhle in der Karlstalschlucht. Ein bestimmter Platz oder Gegenstand regt die Sagenbildung an, gerade weil er den in der nächsten Umgebung Lebenden einzigartig erscheint; doch die daraus, entstehenden Geschichten sind alles andere als einzigartig, sie ordnen sich vielmehr fast immer in bestimmte Muster ein, die der Volkskundler als weit verbreitet erkennt.
Das Karlstal mit seiner wilden und Rauhen Schönheit hat immer wieder kreative Menschen dazu inspiriert seine Landschaft zu beschreiben oder im Bild festzuhalten.
Wahrscheinlich ist der Aufenthalt von Friedrich Schiller im Karlstal auch nur eine Legende. Die Anregung zu seiner Ballade „Ein Gang zum Eisenhammer“ soll er sich im „Wüstetal“ geholt haben.Obwohl Schiller wahrscheinlich niemals in Trippstadt weilte zeugt seine „angebliche einstige Anwesenheit“ von der Magie die von dieser Landschaft ausgeht.
Vom Trippstadter Friedhof aus führt eine Spur, wenn auch über einige Umwege zu Johann Wolfgang von Goethe. Hier erinnert ein gußeisernes Kreuz an Carl Friedrich Brion, einen Neffen von Goethes Straßburger Liebe Friedericke Brion aus Sessenheim. C.F. Brion war als Hüttenwerksdirektor in den Hüttenwerken im Karlstal tätig gewesen.
Neben seiner wildromantischen Schönheit hat das Karlstal auch kulturgeschichtlich seinen Besuchern viel zu bieten.
hukwa



Alle Fotos Copyrights Ute Knieriemen-Wagner





Dienstag, 21. Oktober 2014

Heimat

Versuch einer Annäherung.

„Weltkunde ist immer nur Heimatkunde.“
Siegfried Lenz – Heimatmuseum.

Für mich war Heimat immer der Ort wo ich geboren wurde, wo ich aufwuchs, wo ich denn Geschichten der Alten lauschte.
In einem kleinen Waldort im Pfälzerwald verbrachte ich meine Kindheit. Früh übte ich mich darinnen der Stimme der Landschaft zu lauschen, bemerkte alsbald dass es auch eine „Landschaft der Verkörperungen“ gibt. Ich meine damit eine Landschaft in der der Geist unserer Ahnen weiterlebt uns etwas hinterlässt. Eine „Lichtung“
Während meiner Grundschulzeit gab es noch das Fach Heimatkunde. Die Stunden in denen ich in der Schulbank oder auf Exkursionen das wichtigste über meine Heimat erfuhr zählen zu den schönsten meiner Schulzeit.
Letztendlich ist Heimatkunde viel mehr als nur die „Kunde von der Heimat“. Sie ist eine Gesamtwissenschaft.
Schließlich berührt die Heimatkunde durch die Erfassung des Menschen zu seiner Mitwelt, seinem Lebensraum eine große Anzahl von Einzelwissenschaften:
Geschichte, Volkskunde, Biologie, Geologie, Geografie, Botanik, Zoologie u.v.m.
Denn das was wir Heimatkunde nennen ist schließlich ein unteilbares Ganzes.
Schon sehr früh spürte ich dieses „große Ganze“. Eine innere Verbundenheit mit der Tier- und Pflanzenwelt, mit der Heimatgeschichte, mit alten Gebäuden und noch älteren Grenzsteinen und Ruinen die einsam in den Wäldern darauf warten das jemand ihre Geschichte erforscht und sie weitergibt.
Die alten Dinge haben ihre eigene Geschichte, wenn nicht sogar ihr eigenes Sein. Durch Entfremdung von der Heimat kann es schnell passieren das der Mensch in einer „Seinsverlorenheit“ landet. Ohne Heimatgefühl müsste ich den Weg der Selbstentfremdung gehen und davor ist mir Angst.
Dieses Gefühl hat sehr viel mit der „Muttersprache“ zu tun, bei mir eben mit dem „Pfälzischen“. Denn Heimat ist natürlich auch immer sehr subjektiv. So schrieb Carl Zuckmayer zu recht über die Pfalz...“Das Land am Rhein war schon immer eine große Völkermühle, die Kelter Europas“.
Und Heinrich von Riehl einer der ersten pfälzischen Volkskundler machte die Pfalz international:
„...ziehen wir die Summe unserer pfälzischen Völkertafel, so ist der erste Eindruck ein verwirrendes Gemisch: Kelten, Vangionen, Nemeter, Burgunder, Römer, Juden – der verwüstend durchstreifenden Alanen, Hunnen u.s.w. Gar nicht zu gedenken -, Alemanen, zweierlei Franken, Slawen, Friesen, Franzosen, Holländer, Zigeuner und so fort“.
All diese Völker die hier durchzogen hinterließen etwas dass in unsere Muttersprache einfloss.
Und dieser Durchzug der Völker ist ja lang noch nicht beendet.
„Im Jahr 2013 wurde für mehr als eine Million Zuwanderer Deutschland zur neuen Heimat. Inzwischen hat ein Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Die Zugezogenen arbeiten in Deutschland, gründen Familien. Viele wurden hier schon geboren. Deutschland ist ihre Heimat. Doch noch immer werden sie von der deutschen Mehrheitsbevölkerung nicht als gleichberechtigt akzeptiert...“ (Deutschlandfunk – Sendung – über die Schwierigkeiten ein Deutscher zu sein, 4.10. 2014)





Gewiss ist der Heimatbegriff eines Menschen der in der Großstadt lebt etwas anders als der des Menschen der in der kleinen Dorfgemeinschaft lebt - Heimat aber kennen beide.
Der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau der fast nie seine engere Heimat um das Städtchen Conncord verließ und der sich mit der Landschaft in der er lebte ganz identifizierte behauptete er betreibe nicht Heimatkunde sondern Kosmologie. Für ihn waren einfach die unermesslichen Wunder des gesamten Kosmos in der kleinsten Naturerscheinung präsent.
Heimatgefühl sollte nicht in Romantik enden – Heimat verpflichtet auch!
Nämlich jenen die ankommen, die aus ihrem eigenen Land vertrieben und verjagt wurden, eine Tür zu öffnen und ihnen dabei zu helfen eine neue Heimat, wenn vielleicht auch nur für eine gewisse Zeit zu finden. Vor allem wir Deutsche mit unseren blutigen, braunen Flecken in Geschichte und Heimatgeschichte stehen hier in besonderer Verantwortung.
Heimatgefühl darf also keine Türen verschließen sondern muss sie öffnen.
Heute erklären wir den Begriff Heimat gerne mit „regionaler Identität“ oder „Bioregionalismus“. Ich selbst finde an dem Wort Heimat nichts altmodisches oder „hanebüchenes“.
Der Historiker Wilhelm Jannsen sagte einmal: „Heimat definiert sich zu einem guten Teil über ihre Geschichte“. Und Enzo Bunz schrieb: „Heimatgeschichte ist nicht nur die Geschichte derer die anscheinend schon immer da waren, sondern auch jener die neu hinzukommen“.
Heimat das ist immer ein Doppelbild des Gestern und Heute, ein Dokument aus Gegenwart und Vergangenheit.
Als Menschen können wir die Gegenwart, die Realität in der wir leben und den oft dunklen Weg in die Zukunft denn wir gehen müssen nur durch ein kritisches Verständnis unserer geschichtlichen Vergangenheit erkennen und begreifen. Wir müssen unsere Geschichtlichkeit, die wir ja alle haben, immer vor Augen haben, denn nur so erlangen wir eine Identität. Gerade diese Geschichtlichkeit in die wir eingebunden sind gehört zum notwendigen Wissen über die Wirklichkeit und Realität in der wir ja täglich Leben. Die geschichtlichen Fakten sind zwar oft ungewiss, bedürfen der Nachforschungen aber sie sind doch realistischer als unsere Einbildungskraft. So wird für den der sich mit Heimatgeschichte beschäftigt diese zu einem Fundus aus dem er sich nehmen kann was er fürs Leben benötigt: erlebte Erfahrung!
In den Worten Goethes ausgedrückt: „Es gibt kein Vergangenes, das man zurücksehnen dürfte, es gibt nur ein ewig Neues, das sich aus den erweiterten Elementen des Vergangenen gestaltet...“
Heimat dass ist auch eine „innere Landschaft“.
Das Wissen von der Heimatgeschichte macht den Begriff Heimat zu etwas Ganzheitlichem, in der sich die Welt von Gestern in eine „innere Landschaft“ verwandelt. Und jene die Heimat haben kennen auch diese „inneren Bilder“. Es ist ein Reichtum an Gefühlen, Gedanken und Empfindungen die diese „Bilder“ in uns hervorrufen. Daher darf Heimat nie zur Nebensache werden, denn für jene die sich aufmachen müssen eine neue Heimat zu suchen, ist sie Hauptsache.
Heimat wird von vielen Menschen in ihren Tagträumen gesucht und diese Suche darf keine Vision bleiben. Daher muss es eine Solidarität geben zwischen dem Heimatbesitzenden und dem Heimatsuchenden.
Vergessen wir also jene nicht die hier schon lange angekommen sind, denen wir es aber schwer machen hier Wurzeln zu schlagen.
Heimat dass soll auch Hoffnung heißen – Hoffnung auf mehr Menschlichkeit. Ganz im Sinne des „Prinzips Hoffnung“ von Ernst Bloch, der am Schluss seines 1600 seitigen Hauptwerkes schrieb:

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worinnen noch niemand war: Heimat.“
hukwa




Lit. Hinweise:

Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung.
H.D.Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern.
J.W.Goethe: Gespräche mit Eckermann.
Martin Heidegger: Sein und Zeit.
Heinrich von Riehl: Die Pfälzer, 1857.
Carl Zuckmayer: Gesammelte Werke.
Deutschlandfunk: Über die Schwierigkeiten ein Deutscher zu sein.
Rainer Schlundt: Sagen aus Rheinland - Pfalz

Samstag, 11. Oktober 2014

Oktoberfülle - Gesicht der Zeit

Fasziniert von den Farben des Herbstes
fiel mir der Abschied
vom Sommer leicht
Verschwenderische Fülle des Oktobers
hat bald den November erreicht
des Monat des sich Fallen lassen
mein Selbst der Inneren Ruhe überlassend
Stille aufsuchend
der alte Waldteich
in dessen klarem Wasser
mein Gesicht
mit dem Spiegelbild der alten Eiche fließt 
Gesicht der Zeit.
hukwa

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Winter im Pfälzerwald

Kleines natur- und volkskundliches Kalendarium

Wer im Herbst durch die Wälder wandert kann vieles Schauen und Absolutes erkennen. Kann er doch in den Naturprozessen den Weg seiner eigenen Vollendung erblicken. Mit dem Fallen der bunten Herbstblätter erinnert er sich seiner geschichtlichen Zeit aber auch seiner schöpferischen Endlichkeit.
In den Wäldern begegnen wir nun besonders intensiv dem Spiel der Naturelemente, dem Zerfall und der Wiedergeburt. Hier der Friedhof des toten Laubes, aus dem mächtige Baumwurzeln gefallener, einst grüner Riesen, ragen. Auf halbvermorschten Bäumen regt sich neues Leben, kleine Bäumchen sprießen hier. Das Tote in der Natur bringt neues Leben hervor. Ein elementares Spiel treibt der Herbst in den Wäldern. Die Wucht seiner faszinierenden Farben betören den Wanderer und doch steckt in ihnen schon das Ahnen des Winters.
Hoch oben erscheinen am Abend die ersten diamantenen Herbststerne. Manchmal hat der Wanderer das Glück, wenn er spät am Abend aus dem Wald heraustritt, unter den funkelnden Diamanten des Himmels das Schnattern von Wildgänsen zu hören, dies sind besondere Augenblicke! Herbst das ist kein Niedergang! Diese Jahreszeit spricht in einem wunderbaren Schöpfungsalphabet zu uns. Im Lied des Herbstet steckt noch einmal die ganze Süße und Schwermut des vergangenen Sommers und zugleich die harte Wirklichkeit des nahenden Winters.

Das Lied des Herbstes – zwischen Herbst und Winter
Eine einzige Symphonie der Klänge und Farben der Natur ist der Herbst. Sein goldenes Licht ist Zauber für die Seele. Irgendwann verschwindet dieses Licht und der graue, düstere, geheimnisvolle Neblung übernimmt die Herrschaft in den Wäldern. Doch auch der November hat seinen Zauber und seine Schönheiten! Wie dunkle Riesen, Gnome und Elfen erscheinen im nebelhaften Wald nun die Bäume und Sträucher.
Nebelmond, so nannten unsere Altvorderen diesen Monat. Der November erscheint uns als die Verkörperung der Einsamkeit, sein Zuhause liegt zwischen Herbst und Winter. Das erste große Fest in diesem Monat ist Samhain, besser bekannt in seiner amerikanischen Version als „Haloween“. Bei den Kelten fand Samhain am 1. November statt, dieser Name bedeutet etymologisch „Ende des Sommers.“ Also Winteranfang!Doch das Herz des Monats schlägt an seinem 11. Tag, wenn alle Kinder mit leuchtenden Augen St. Martin feiern!

Zauberhafte Adventszeit – zwischen heidnischen Bräuchen und christlichem Brauchtum
Wenn der November sich seinem Ende zuneigt, fällt oft der erste Schnee. Und mit der Adventszeit beginnt die weihnachtliche Vorfreude. Der Dezember ist oft nicht weniger düster als sein Vorgängermonat und es ist wohl die Vorfreude und Erwartung, die uns diesen Monat so hell und licht erscheinen lässt. Es ist der Monat des Brauchtums, des Glaubens aber auch des Aberglaubens. In keinem anderen Monat des Jahres vermischen sich heidnische Bräuche und christliches Brauchtum so stark miteinander wie im Dezember.


Der Name Dezember ist lateinischen Ursprungs und bedeutet der „Zehnte“ und leitet sich von „decem“, „zehn“ ab, mit Cäsar wurde er dann endgültig der zwölfte Monat des Jahres! Sein altgermanischer Name war Julmond und geht auf das Brauchtum des Julklapp zurück. Maskierte Gestalten warfen mit dem Ruf „Julklapp“ ein Geschenk durch das Fenster oder die Tür. Dieser Julklapp war also der germanische Vorläufer unseres später entstandenen Weihnachtsfestes. Bereits am 4. Dezember, am Barbaratag beginnen die ersten Brauchtumsrituale. Man schneidet Zweige von einem Kirsch- oder Apfelbaum, stellt sie in eine Vase um sich am Weihnachtsfest eines blühenden Straußes zu erfreuen!
Mit dem alten Julfest, der „Wintersonnenwende“ nehmen die Tage wieder langsam zu. Und zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar beginnen die sogenannten Los- oder Rauhnächte. Nun reitet Wotan’s „Wildes Heer“ durch die Lüfte, um sich an den Abtrünnigen des alten Glaubens zu rächen.




Januar und Februar – das lange Warten hat bald ein Ende
Wenn der Winter sein weißes Tuch über die Landschaft geworfen hat, so dass der Schnee die Felder und Wälder bedeckt, sollte der Wanderer sich nicht scheuen durch die klirrende Kälte zu wandern. Ruhig und starr, wie Buddhastatuen stehen nun die Bäume im Wald. Als seien sie in ihrem eigenen Saft erstarrt. Manchmal ertönt das einsame Piepsen eines Vogels aus dem Dickicht, ansonsten herrscht eine geheimnisvolle Stille in der Natur vor. Dennoch wächst bereits neues Leben unter der gefrorenen Erde. Alles wartet anscheinend auf die ersten lauen Vorfrühlungswinde. Auf das Erstarken des Sonnenlichtes. Und der Wanderer weiß: Das erste Grün ist nicht mehr fern. Ja, selbst die erste gelbe Blüte des Huflattichs, kann man mit etwas Glück schon Ende Februar schauen, wenn dieser etwas mild ist.

Doch erst müssen wir noch den Januar überwinden.
Sein alter Name ist Hartung. Dies ist darauf zurückzuführen, weil er als kältester Monat des Jahres gilt. Zähflüssig sind seine Tage und so erscheint er uns als längster Monat des Jahres. Ganz langsam aber steigt nun wieder der Saft in den Bäumen. Bis zum 20. Januar, zu „Sebastian und Fabian“, wurde früher die Arbeit des Holzfällens ausgeübt. Bis zu diesem Datum hin galten die Bäume als widerstandsfähig, fest und wasserarm. Auch ein Hinweis darauf, dass unsere Urgroßväter schon ökologisch dachten. Der Name Januar hat etwas mit Tür, Tor und Durchgang zu tun. Ein solcher ist er tatsächlich, schließlich öffnet er die Pforten des neuen Jahres. Abgeleitet von dem lateinischen „Ianuarius“ ist dieser Monat dem Gott Janus geweiht gewesen; diese alte römische und vorrömische Gottheit war für die „Öffnungen“ verantwortlich, eben für Durchgänge, Türen und Tore.
An sonnigen Januartagen können wir jetzt schon die Kohlmeise etwas lauter hören. Man könnte sagen, sie singen noch nicht doch ihre Stimme erscheint uns schon freudiger. Am Nachtsternenhimmel ist nun der Orion das dominierende Sternbild. Aber auch Sirius steht schon zum Sprung bereit.
Der Hartung scheint uns Erstarrung zu bringen und doch, der Wanderer, den es jetzt in die vereiste Natur hinaus zieht, kann einiges beobachten. In Schwärmen fallen manchmal die Bergfinken bei uns ein, für einige Zeit haben sie ihre skandinavische Heimat verlassen, um hier einen „milderen“ Winter zu verbringen.
Ein Segen ist es, wenn der Vorfrühling ins Land zieht! In manch seltenem Jahr ist dies schon Ende Februar der Fall. Neben dem schon erwähnten Huflattich können wir vielleicht auch die erste Blüte des Haselstrauchs sehen! Wir finden das weißblühende Schneeglöckchen, dem noch fast zur gleichen Zeit der Märzenbecher folgt. Auch die ersten Frühlingsvorboten unter den Vögeln erscheinen in diesem Monat.
Wer Glück hat, kann nun den Rauhfußbussard, einen seltenen Gast aus der Tundra beobachten. Auch der Hausrotschwanz und die Bachstelze kann man Ende Februar schon sichten. Der gelbe Winterling und die ersten Krokusse erscheinen nun in Garten, Feld und Flur. Wenn der Februar schneefrei ist, kann der Wanderer vielleicht das Hermelin in seinem weißen Winterkleid entdecken. Seine Schwanzspitze allerdings bleibt immer schwarz. Man nennt es auch „Großes Wiesel“, sein Vetter das Mauswiesel legt kein Winterkleid an. In den noch vereisten Pfützen balzen nun die ersten Grasfrösche und künden den Vorfrühling an!
hukwa

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Vom richtigen Wandern

Auf meinen täglichen Wanderungen meide ich die wege die oft besucht werden. Es zieht mich in die Tiefe der Wälder oder in die Weite der Feldflur. Hier kann ich in Ruhe beobachten und die Natur auf mich einwirken lassen. Meine Wanderungen vergleiche ich mit dem Lesen eines Buches. Ich entziffere das Buch der Natur und lasse die Poesie der Landschaft auf mich einwirken. Jede Landschaft hat ihre eigene Stimme, jeder Wald verkündet uns sein eigenes Gedicht. Man muss dem Rauschen des Windes, dem Fall der Regentropfen und dem Gesang der Vögel nur bewusst lauschen. Was wir in der Natur an Tönen vernehmen ist Teil einer großen Sphärensinfonie.
hukwa

Dienstag, 7. Oktober 2014

Herbst im Schlosspark



Fotos Hans Wagner

Der Geist vom Trippstadter Schlosspark

Manchmal öffnet er die Tür
Schleicht sich in den Raum
Keiner hat ihn je gesehn
Morgens wird er wieder gehn
Nächtens aber sitzt er hier
Aus der Tür der Ewigkeit
Tritt er ein die die Jetztzeit
Nachts ans Fenster klopft er an
Auch im Park sieht man ihn dann
Geht durch ihn schon Jahrhunderte lang.
hukwa

Herbstzeit

Die Schwalben sind verschwunden
mit dem alten Sommer
Altweiberhaare funkeln
Spinnwebenhaft
im Lichte der Goldrute
Die Krähen erzählen sich Geschichten
Jetzt kommt bald die dunkle Zeit
für
Wein und Gedichte
ein inneres Wandern wird beginnen
Jetzt
sollst du Neues Vollbringen.
hukwa

Hier bin ich ein Kind des Waldes

Heute wanderte ich mal wieder hoch zum Scharderkopf. Mehrmals im Jahr suche ich diesen mystischen Kraftort auf. Seine Felsformationen üben eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Hier bringe ich der strahlenden Herbstsonne meine Verehrung dar. Immer wenn ich auf den hohen Felsen sitze, werde ich zu einem Teil dieses wunderbaren Stückchens Natur. Ich unterscheide mich nicht mehr von den Vögeln, Bäumen und Insekten die hier leben. Hier bin ich ein Kind des Waldes.
hukwa

Sonntag, 21. September 2014

Das Lied der Unke

Groß der Mond
über den dunklen Wäldern
Mantel der Nacht
Die Unke unter vermoosten Steinen
Schweigen im alten Waldweiher
Versinken seine Wasser im Absoluten
Des Unbekannten
Warte nur lange genug
Dann
Hörst du
Das Lied der Unke.
hukwa

Samstag, 20. September 2014

Im stilllen Wald

Was gibt es schöneres
Als hier zu Verweilen
Im stillen Wald
Der Ruf des Schwarzspechts dringt in den Kiefernhain
Harziger Duft atme ich ein 
Der Geist fährt tief in die Kindheit hinein
In dir zu sein
Du stiller Wald
Ist höchster Sinn in meinem
Erdendasein.
hukwa

Sonntag, 14. September 2014

Im Wald meiner Kinderzeit

Im Wald ist jene Wahrheit wach
die meiner Kindheit Träume wahrt
all jene Wunder sind dort entfacht
ein Schatz von Bäumen sie bewacht.

Wie oft ging ich im grünen Wald
durch Nebelwolken und Frühlingsgrün
was sang und träumte
ich in dir so sehr
im Wald sind alle Wunder wach.

Heut geh ich wieder durch den Wald
von Waldschraten und Hexen bewacht
o wunderschöner Ätherraum
o Wald der mich als Kind noch schaut.
hukwa

Samstag, 13. September 2014

Über den Pfälzer Würzwisch

Eine besondere Pflanzenverehrung in der Pfalz, galt von jeher die Kräuterweihe des „Pfälzer Würzwisch“, die noch bis in jüngste Zeit besonders in katholischen Gegenden ausgeübt wurde. Beim Würzwisch verschiedentlich auch Würzbüschel genannt, handelt es sich um ein Kräuterbündel das je nach Region zwischen 7 und bis zu 77 unterschiedliche Kräuter enthalten kann. Bereits aus vorchristlicher Zeit liegen uns Überlieferungen vor die von diesem heidnischen Kult berichten. Im Jahre 745 n. Chr. Wurde der Brauch verboten dann aber christianisiert weil er einfach unausrottbar für die Kirchenväter war. Man begann damals die Heilwirkung des Würzwisch vor allem auf Maria zurückzuführen. Im Sachsenspiegel aus dem 13. Jh. lesen wir:
Dat is to Krudemisse unser liben Frawn as sei to Himmel voer – was wir etwa so übersetzen können: Am Tag, als Maria zum Himmel fuhr, wird die Kräutermessse gehalten“.
Also zu Mariä Himmelfahrt (15. August).
Peter Weisrock beschreibt das Brauchtum um den Würwisch in der allgemeinen Zeitung Mainz wie folgt:

Wenn in früheren Jahren an Mariä Himmelfahrt der Würzwisch geweiht wurde, dann konnte man in den tagen vorher etliche Kindergruppen beim Pflücken großer Feldsträuße in der Gemarkung beobachten. Meist war ein Erwachsener oder ein Jugendlicher dabei, die sich mit der Auswahl der Pflanzen auskannten. Die Kräutersträuße wurden im sonntäglichem Hochamt feierlich gesegnet und zu Hause auf dem Dachboden oder in der Scheune aufgehängt.
Der Brauch der Kräutersegnung war in den katholischen Regionen weit verbreitet und geht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Es waren ausschließlich Heilkräuter, die gesammelt und getrocknet wurden, um als Hausapotheke zu dienen. Ursprünglich waren es vierzehn Kräuterarten, die von der Zahl der vierzehn Nothelfer herrührten. Mit der sich immer weiterentwickelten Kenntnis über die Heilkräfte von Pflanzen, wurde die Art und Zahl des Kräuterstraußes immer vielfältiger. So gab es früher auch in unserer Gemarkung eine erstaunlich große Zahl echter Heilkräuter, von denen die meisten erst im August zum Blühen kamen. Mit dem Aufkommen pharmazeutischer Heilmittel nahm die Bedeutung der Heilkräuter immer mehr ab, jedoch blieb der Brauch des Würzwisch Sammelns lange erhalten. In unserer bis Mitte der 1960er Jahre weitgehend bäuerlich geprägten Welt diente der geweihte Strauß nicht nur zur gesundheitlichen Hilfe. In Dachböden und Scheunen aufgehängt kam ihm eine besondere Schutzwirkung gegen Blitz- und Hagelschlag zu, also gefahren, die Haus und Ernte vernichten konnten. Heute sind es meist die Landfrauenvereine , die diese alte Tradition noch pflegen.“

Das Brauchtum um den Würzwisch ist von Region zu Region oft recht unterschiedlich. Interessant ist natürlich auch was Albert Becker dazu schreibt. In seiner Pfälzischen Volkskunde lesen wir:

Mitte August, am Tag Mariä Himmelfahrt, der als Geburtstag Napoleons I. In der Pfalz selbst dann noch gefeiert wurde, als die Revolution alle Heiligen tage weggefegt hatte, findet in katholischen Ortschaften die Kräuterweihe statt. Wie am Palmsonntag die „Palm“ eingesegnet wurde, wird jetzt der Würzwisch (mund. Werzwisch) geweiht. Neben Feldfrüchten (Hafer, Hanf, Nüsse, Weizenähren, Zwiebeln) sind im Würzwisch allerhand alte Heilkräuter nachweisbar: Johanniskraut, Muttergottes Bettstroh, Dausendgillekraut, Abnemmekraut, Frauenflachs oder Hasemailcher, Odermännelcher, die als Tee gegen Hämorhoiden gebräuchlich sind, Fleeschknepp, Blutkneppcher oder Blutstrepple, Wurmmehl oder Rainfarn; die weiße Himberknepp werden als Tee gegen Husten getrunken... „

Was an diesem Bericht interessant ist, das ist die Tatsache das man immer wieder Wege fand das alte Brauchtum aufleben zu lassen. Wurde das heidnische verboten wurde es von der Bevölkerung christianisiert, verbot man das katholische Brauchtum lebte es wie bei Mariä Himmelfahrt im Geburtstag Napoleons I . weiter.

Das in der Pfalz ein recht großes Wissen über Pflanzenbrauchtum und Volksheilkunde überliefert ist hängt ohne Zweifel auch mit drei großen Gelehrten des Mittelalters zusammen die hier wirkten: Hildegard von Bingen, Hieronymus Bock und Tabernaemontanus. Der Strom klösterlicher Heilkräuterkunde hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit mit heidnischen Überlieferungen vermischt und so entstanden die oft seltsam an zumutende Kräuterbräuche. Dazu kam das durch die Erfindung der Buchdruckerkunst Geistesgut praktisch jedermann der Lesen konnte zugänglich wurde. Zu den meist gedruckten und bestverkauften Verlagsobjekten gehörten die Kräuterbücher. So auch das bedeutendste Kräuterbuch des 16. Jahrhunderts, das „New Kreuterbuch“ von Leonhart Fuchs“ (1501 – 1566).
hukwa









Auf heimatgeschichtlichen Pfaden

Heimatgeschichte, Geomantie, Mythos und Sage - eine Symbiose


Jetzt im Herbst wandere ich gerne entlang der kahlen Felder und Äcker. Es ist die mystische Stimmung die mich hierher treibt. Es gibt immer etwas neues zu entdecken. Vor allem in der Feldflur wird man oft fündig, wenn man nur sucht. Scherben, Münzen oder bearbeitete kleine Steine aus alter und uralter Zeit finden sich immer wieder. Was die Erde vor Jahrhunderten verschlungen hat, gibt sie irgendwann auch wieder heraus. Aber auch in den Wäldern kann man vieles entdecken. Seltsame Steinformationen, uralte aufgeschüttete Erdhügel und man fragt sich was verbirgt sich darunter?
Hier treffen sich dann Heimatgeschichte und Geomantie, beide zusammen ergeben dann Heimatkunde. Man kann eine Ortsgebundene Sage viel besser verstehen, viel mehr aus ihr herauslesen, wenn man auch die alte Wissenschaft der Geomantie mit einbezieht. Schließlich klärt sie uns über die Strukturen einer Landschaft auf. Für viele Menschen ist Heimatkunde ein trockenes Steckenpferd doch in Verbindung mit der Geomantie wird sie lebendig und pulsierend. Sie gibt uns ein Gespür für die Landschaft und somit auch für Geschichte.
Schon als Kind habe ich dieses innige Verhältnis von Landschaft und Geschichte die mich umgab gespürt. Und immer waren es große Momente für mich wenn die Landschaft zu mir sprach.
Die Landschaft in der ich aufwuchs war das Gebiet das man in unserer Regionalgeschichte das alte Reichsland nannte. Ein Landstrich der sehr geschichtsträchtig ist. Auf solchen Wanderungen spüre ich oft dass mich nur eine dünne Nebelwand vom Dunkel der Geschichte trennt.
Landschaft will erwandert sein. Mit Sicherheit nehme ich die Landschaft bewusster auf, wenn ich sie erwandere, als wenn ich mit dem Auto durch sie fahre. So ist es auch mit der Geschichte, damit sie nicht abstrakt wirkt, muss ich Geschichte versuchen zu erfahren.
Als Schliemann seine großen Entdeckungen machte folgte er nicht seinem rationalen Verstand – er folgte einem Mythos, einer Sage, und wurde fündig.
Bei einer Sage stellt sich immer die Frage, was entspricht der Wahrheit, was der Phantasie. Also was ist die ätiologische Funktion einer Sage? Das soll heißen, liefert die Erzählung eine „Erklärung?“ eine solche Erklärung können augenfällige Wahrzeichen der örtlichen Umgebung sein, wo die Sage entstanden ist, es können Felsen, Quellen oder Gebäude sein die in der Sage eine Bedeutung gewinnen.
Die Sage ist eine Orts- oder Landschaftsbezogene Erzählung, sie will uns über die Landschaft und die Menschen die dort gelebt haben etwas sagen.
Wir Wissen das in jeder Sage eine kleine Wahrheit steckt, etwas historisches dass irgendwann einmal wirklich war.
Diesen einstmals „echten Kern“ der Sage herauszufinden bedarf einer intensiven Forschung. Dabei nutzen uns Flurnamen, volkskundliche Überlieferungen, Heimatgeschichte und Hermeneutik. In einer Sage befindet sich immer etwas „überliefertes“ dieses „Überlieferte“ ist nicht immer gleich erkennbar bedingt durch den Lauf von Jahrhunderten und Jahrtausenden. Auch finden sich in Sagen immer wieder unterschiedliche, kulturelle Strömungen.
Da sich viele Sagen ähnlich sind, wissen wir das der Mythos eine wichtige Rolle in der Sage innehat. 
hukwa



Hoch zum Scharderkopf

Herbstfärbende Blätter am Wegrand
Kiefernduft liegt in der Luft
Zilpzalp warnt im Dickicht
Fichten stehen bemoost
Adlerfarn in Büschen
Schenken dem Wanderer Trost
Septembersonne schenkt
Trost
entfachtem Herz
Ruhig wie ein Buddha
thront der Scharderkopf.
hukwa

Sonntag, 31. August 2014

Tanzender Elf im Karlstal

Durch stille Wälder leuchtet
das Mondlicht wunderbar
die Welt ist noch verdunkelt
bald graut der neue Tag.

Ein Wolkenvorhang schiebt sich
jetzt vor den Silbermond
und dunkel sanft und mystisch
nun Weg und Bäume ein.

Auf einer Wiese hüpfet 
im Mondlicht ein kleiner Elf
und wenn der Morgen sich lüftet
verschwindet er im Wald.
hukwa

Dienstag, 12. August 2014

Tagesspruch

Das Vermögen, jedes Sinnliche zu veredeln
und auch den totesten Stoff durch Vermählung
mit der Idee zu beleben,
ist die schönste Bürgschaft
unseres übersinnlichen Ursprungs.
hukwa

Montag, 11. August 2014

Im Karlstal - vor dem Diana Bildnis stehend

In dein Moosgrünes Haar geschrieben
sind dir die Zeichen der Nacht
in kalten Fels getrieben
Konturen deiner Macht
umrahmt von Fichten und Eichen
am steilen Abhang
dein Bildnis
verborgen im Morgennebel
des Nachts jedoch
wenn der Tau fällt
erwachst du zu neuem Leben
wenn Schilf und Gräser
schwarze Ornamente werden
und der Mond
dein steinernes Bildnis
mystisch umkränzt.
hukwa

Sonntag, 20. Juli 2014

Vom Wunder des Wanderns - Ambulator nascitur non fit


Es war Goethe der den Spruch prägte: „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“. Goethe wollte mit diesem Satz einfach aussagen, dass eine bewusste Wanderung weitaus mehr Eindrücke in uns hinterlässt als das Reisen in der Kutsche, heute sagen wir als das Reisen im Auto.
Mit Sicherheit nimmt man die Landschaft bewusster wahr wenn man sie erwandert. Durch eine Landschaft zu Wandern hat etwas mit erfahren zu tun, ich „er – fahre“ die Landschaft. Während einer Wanderung teilt sich mir die Landschaft mit. So ist Wandern auch eine Beschäftigung mit dem eigenen Geist. Während des bewussten Gehens tritt der Moment ein in dem Geist und Körper eine Harmonie bilden und man spürt alsbald eine Ganzheitlichkeit in sich.
In früheren Zeiten, bevor die ersten Eisenbahnen fuhren, war Laufen und Wandern etwas ganz alltägliches. Nur wohlhabende Menschen konnten es sich leisten sich mit der Kutsche oder dem Pferd von Ort zu Ort zu bewegen, die einfache Bevölkerung musste laufen.
Die Wege und Straßen waren damals noch Orte der Kommunikation. Man tauschte sich aus, erfuhr an Brunnen und Dorfplätzen Neues und trug so die Nachrichten in die Städte und Dörfer.
Es war ein buntes Volk das damals die Straßen und Wege bevölkerte. Bauern und Tagelöhner, auf dem Weg zum Feld und zur Arbeit. Viehtreiber, Packesel- und Ochsenführer. Bettler, Viehhändler und Hausierer. Kleine Geschäftsleute die Besen, Schnürsenkel, Schuhe, Uhren, Kräuter, Glas, Bürsten und andere Artikel zu ihren Kunden brachten. Ein buntes Völkchen in bunten Kleidern. Manche hatten aus Leinen genähte sogenannte Quer- oder Zwerchsäcke auf dem Rücken. Andere trugen hölzerne mit Waren beladene Traggestelle, die der Volksmund „Huchen“ oder „Hürdeln“ nannte. Frauen trugen Körbe, sogenannte „Kiezen“ auf dem Kopf.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchten die ersten „Bildungsreisende“ auf den Straßen auf. Studenten, Künstler und Reiseschriftsteller, die auf diese weise Land und Leute kennen lernten und in ihren Büchern über ihre Erfahrungen während des Wanderns berichteten. Zwischen diesem Fußvolk tauchte immer wieder der „Landbote“ auf, der Briefe, Dokumente und Geld zu Geschäfts- und Privatleuten brachte.
Gegenüber uns Heutigen waren die Laufleistungen dieser Menschen mehr als erstaunlich.
Ulrich Bräker (1735 – 1798) marschierte 1756, in preußische Dienste gezwungen, 800 Kilometer von Rottweil nach Berlin in ca. 24. Tagen. Er bewältigte ungefähr 33. Kilometer am Tag.
Der aus Frankfurt stammende Soldat Johann Konrad Friederich ( 1789 – 1858) marschierte 1805 die 33. Kilometer von Dürkheim nach Kaiserslautern in einem Tag. Von Lautern nach Landstuhl lief er in 3. Stunden.
Johann Friedrich Bruch (1792 – 1874) aus Pirmasens lief mit einem Mitstudenten im Oktober 1811 zu Beginn des Wintersemesters in zwei Tagen nach Straßburg - rund 100 Kilometer - „unter beständigem Regenwetter bis auf die Haut durchnässt“.
Etwas bescheidener waren die Laufleistungen von Friedrich Blaul (1809 – 1863) wie in seinen „Träumen und Schäumen vom Rhein“ nachzulesen ist. Sein Tagespensum betrug rund 20 Kilometer (Neustadt – Frankenstein; Frankenstein – Kaiserslautern). Von Kaiserslautern nach Trippstadt allerdings benutzte er die Mitfahrgelegenheit auf einem Fuhrwerk.
Der Meister auf „Schusters Rappen“ war zweifelsohne der Bildungsreisende Johann Gottlieb Seume (1763 – 1810). In seinen Erinnerungen schildert er wie er 1802 von Grimma bei Leibzig nach Syracus in Südsizilien wanderte. Diese strecke ist ungefähr 2300 Kilometer weit und er brauchte zu Fuß vier Monate dazu. In weiteren fünf Monaten bewältigte er den Rückmarsch, zur Abwechslung über Paris, Straßburg und Frankfurt. Er lief seine weg in den gleichen immer wieder frisch besohlten Stiefeln. Zur Verminderung des Gepäckgewichtes trug bei, das er einige seiner mitgeführten Bücher, meist klassische Autoren nach der Lektüre, ganz oder Blattweise wegwarf. Sein 1803 gedrucktes Buch „Spaziergang nach Syracus“ wurde zu einem Bestseller.
Ambulator nascitur non fit: „Spaziergänger kann man nicht werden, man ist es durch Geburt“. Schrieb der vielleicht leidenschaftlichste Wanderer der Weltliteratur H.D. Thoreau in seinem Essay „Vom Wandern“. Und setzte unter diesen Satz die Gedanken: „Ich glaube, das ich meine körperliche und geistige Gesundheit nur bewahre, in dem ich täglich mindestens vier, gewöhnlich jedoch mehr Stunden damit verbringe, absolut frei von allen Forderungen der Welt durch den Wald und über Hügel und Felder schlendere“.
Natürlich kann sich heute der Großteil der Menschen nicht mehr so seinen Alltag verbringen wie das Seume oder Thoreau taten, aber das man sich hin und wieder den „Luxus“ einer größeren Wanderung gönnt das kann sich fast jeder leisten. Am besten auch wieder im Sinne Thoreaus: „Bei meinen Nachmittagsspaziergängen möchte ich meine morgendliche Beschäftigungen und meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft vergessen“.
Wirkliches Wandern ist eine Lebensphilosophie.
hukwa