Sonntag, 25. Dezember 2016

Dienstag, 13. Dezember 2016

Die alten Wege

Oft wenn ich auf meinen Waldgängen entlang der ganz alten Wege wandere geht mir durch den Kopf wer in sehr frühen Zeiten wohl auf diesen Wegen gegangen ist? Einige dieser alten Wege bestanden schon zur Keltenzeit, wahrscheinlich schon zur Bronzezeit. Geschichtlich greifbar werden sie aber erst in der Zeit der römischen Besiedlung unseres Gebietes. Die Römer waren die Planer und Ausbauer dieser alten Wege. Neben militärischen Gesichtspunkten spielte vor allem der Handel die wichtige Rolle bei dem Ausbau dieser Wege. Dieses alte Wegenetz ist uns heute nur noch in groben Zügen bekannt. Im Mittelalter wurden aus den alten Römerwegen Geleitwege- und Strassen. Was mag wohl alles unter ihnen verborgen sein? Legionen zogen über sie hinweg. Was hat sich wohl vor über 2ooo Jahren auf ihnen abgespielt?
Sie sind sehr Geschichteträchtig diese alten Wege, man spürt es wenn man auf ihnen wandert.
hukwa

Samstag, 10. Dezember 2016

Samstag, 5. November 2016

Die Waldaxt

Von der Waldaxt der Römer zur Waldaxt der Freiherren von Hacke

Doppelsinnigkeit bei gallo – römischen Grabsteinen am Beispiel der Axtdarstellungen auf der Heidelsburg bei Waldfischbach – Burgalben und der Heidenburg in Oberstaufenbach bei Kusel.

Die symbolische Waldaxt ist uns vor allem aus der Literatur über die pfälzischen Haingeraiden bekannt. Axtdarstellungen finden wir schon bei den Kelten, wie etwa dem tau gallicum, Symbol der Doppelaxt, die auch als Abwehrmittel gegen den bösen Blick und die Pest verwendet wurde. Noch in christlicher Zeit wurden solche Zeichen auf den Mauern der Stadt Clermont abgebildet, um die Bewohner vor der Pest zu schützen. Die bekannteste Axtdarstellung sind die beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach. Der Großteil der pfälzischen Heimatforscher ging bisher davon aus dass es sich bei den Axtdarstellungen von der Heidelsburg um die einzigen Steindenkmäler dieser Art in unserem Raum handelt.
Vor einiger Zeit entdeckte ich einen weiteren Stein, bei dem es sich ebenfalls, wie bei den Denkmälern von der Waldfischbacher Heidelsburg um einen Grabstein mit Grabinschrift sowie zwei Ritzzeichnungen von einer Axt und einem Dechsel handelt. Der Stein der sich Heute im Historischen Museum in Speyer befindet, stand einst auf dem Friedhof der Heidenburg bei Oberstaufenbach im Landkreis Kusel. Während der Römerzeit wurde die Dechsel als Attribut der Zimmerleute dargestellt. Die Axt hingegen war das Attribut des römischen Försters, eines saltuarius.
Der Stein von Oberstaufenbach enthält neben den Werkzeugdarstellungen nur noch ein Inschriftenfragment, welches ihn als Grabdenkmalfragment erkennen lässt, da die Mutter als Stifterin in der Inschrift erwähnt wird. Zusätzlich zur Inschrift trägt der Stein die bereits erwähnten Attribute der Werkzeuge die anzeigen dass der Verstorbene in der Holzverarbeitung tätig war.
Darstellungen von Äxten auf Grabdenkmälern gelten auch als apotropäische (Übel abwehrende) Zeichen. Auch in der Antike wurde schon Grabräuberei und Grabschändung betrieben.
Mit der römischen Okkupation des gallisch – germanischen Raumes gelangt auch die Sitte, Garbinschriften zu setzen, in diese Region. Für die Römer war es von großer Bedeutung zu zeigen wem dieses Grabmal errichtet wurde und wer es errichten ließ. Dadurch findet man Informationen die allein durch das Bildmaterial nicht erschlossen werden können.



Als Beispiel hier die Grabschrift für den Dendrophoren L. Sabinius Cassianus in Lyon:
D/is) M(anibus) et quieti aeternae / L(uci) Sabini Cassiani / dendrophoro Au/ gustal(i) q(uaestori) corporis e/iusd(em) duplicario ex/ consensu univer/sorum omnibus ho/noribus apud eosd (em)/ functo homini op/timo et incompara/ bili Flavia Livia/ coniugi rarissi/ mi exempli er/ Priscius Eustochius/ collliberto sans/ tissimo inscriben/dum curaverunt / Priscius Eustochius/ colliberto sanc/tissimo inscriben/dun curaverunt/ et sub ascia dedi/ caverunt.



Den Manen und der ewigen Ruhe des Lucius Sabinius Cassianus, aus dem Collegium der Dendrophori Augustales, Quaestor desselbem Collegiums, mit Einverständnis aller Mitglieder mit doppelter Besoldung, der alle Ehrenämter bei ihnen durchlaufen hat, dem besten und unvergleichlichen Menschen, Flavius Livia, ihrem Gatten seltenen Beispieles, und Priscius Eustochius, seinem makellosestem Mitfreigelassenen. Sie haben dafür gesorgt, dass ihm die Inschrift geschrieben wurde und haben ihn unter der Axt geweiht.

Die Grabschrift des Freigelassenen L. Sabinius Cassianus wurde von seiner Gattin Flavia Livia und von seinem Mitfreigelassenem Priscius Eustochius besorgt. Sabinius war Quaestor des Vereines der augustalischen Dendrophoren gewesen, einer Handwerkerzunft die mit dem Magna – Mater – Kult in Lyon verbunden war. Er hatte in diesem Verein alle Chargen durchlaufen und war von den Mitgliedern zum Vereinskassierer mit doppelter Besoldung gewählt worden, eine besondere Auszeichnung für die Ehrlichkeit des Verstorbenen. Was die religiöse Formel sub ascia dedicare bedeutet, welcher Ausdruck auf vielen galllo – römischen Grabsteinen vorkommt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Einige sehen in dieser Axt das Symbol des gallischen Unterweltgottes, andere halten sie für eine Androhung göttlicher Strafe gegen Grabschänder.
Bemerkenswert ist auch noch dass Eseus der bei verschiedenen keltischen Stämmen als ein Unterweltsgott gilt in der Regel ebenfalls mit einer Axt dargestellt wird.

Die Axt als Symbol des Försterberufes dürfte wohl eindeutig aus den beiden Steinreliefs von der Heidelsburg bei Waldfischbach - Burgalben zu erkennen sein. Die Inschrift saltuarius bestätigt diese Annahme. Was verwunderlich ist das ist der Vergleich mit heutigen Äxten, die unseren Äxten gleicht nur ein wenig schwerer ist. Otto Roller schreibt zu recht: „Der Nachweis weiterer solcher Beispiele technischer Kontinuität scheint mir ein gewichtiger Beitrag zu unserer noch immer relativ geringen Kenntnis vom Vorgang der Landnahme zu sein, der wohl häufig ein Prozess der Übernahme bestehender Einrichtungen, wie Grenzen, Siedlungsstellen und vor allem Anwendungstechniken aus den Bereichen Landwirtschaft und Handwerk war“.
Gerade die Hortfunde von Werkzeugen auf der Heidenburg bei Kreimbach und auf der Heidelsburg bei Waldfischbach bestättigen die Annahme von Roller.
Der Hortfund von Waldfischbach zeigt gemischtes Inventar, darunter Werkzeuge, Geräte aus der Landwirtschaft, Beschläge für Wagen oder Küchengerät. Während in dem Waldfischbacher Fund Werkzeuge zur Holzbearbeitung überwogen, fanden sich im Kreimbacher Depot vorwiegend Schmiedewerkzeuge. Die Grabungsleiter verwiesen damals auf die Ähnlichkeit des gefundenen Werkzeuges mit dem der Gegenwart. Der formale Unterschied sei so gering, dass ein Laie, der die Fundumstände nicht kenne, zur Meinung komme, er habe moderne Eisensachen gefunden.

Eine weitere kontinuierliche Symbolik lässt sich bei der Waldaxt auch als Statussymbol erkennen.
Irgendwie hat die Waldaxt zu den Haingeraidenschultheißen der frühen fränkischen Siedlungen gefunden und war schließlich bis in die Neuzeit Forstsymbol. Eine Möglichkeit wäre das nach dem die Römer die Pfalz verlassen hatten in der Abgeschiedenheit einiger Walddörfer einige gallo-römische Siedlungen weiterexistierten und diese Bewohner ihr Wissen um die Symbolhaftigkeit der Waldaxt an die Franken weitergaben. Ihre besondere Symbolik fand die Waldaxt ja in den Haingeraidenwäldern der fränkischen Eroberer der Pfalz.
Zu jeder fränkischen Ansiedlung gehörte ein ungeteilter Anteil an der gemeinen Mark, der das Recht auf Nutzung von Wald, Weide und Jagd umfasste. Dadurch bildeten sich im 7. Jahrhundert Markgenossenschaften die man „Haingeraide“ nannte. Auch das Gebiet dieser Genossenschaften nannte man Haingeraide. Jeder Genosse besaß das gleiche Maß des Nutzungsrechtes und der allgemeine Nutzen reichte hin, um sämtliche Bedürfnisse der in den Geraidedörfern wohnende Einwohner zu decken.
Zur Aufrechterhaltung der Geraideordnungen wuren Geraideschultheißen, Zentmeister, Waldmeister und Waldknechte ernannt. Das Geraidegericht oder der Geraidestuhl setzte sich aus dem Geraideschultheiß oder Zentschultheiß, dem Ortsschultheiß und einer Anzahl von Schöfffen zusammen. An bestimmten Geraidelagen wurde vom Geraidegericht am Geraidestuhl nach der Geraideordnung in Geraidedingen verhandelt und der Geraidespruch gefällt. Als wichtigstes Symbol der Geraideordnung überhaupt galt die Geraide – oder Loogaxt. Der Geraideschultheiß war berechtigt die Waldaxt zu tragen und zu nutzen, also damit Bäume zu markieren. Die Axt wurde niemals am Ort aufbewahrt wo der Geraideschultheiß wohnte sondern immer in einem anderen Dorf. Benötigte der Schultheiß die Axt musste er sie nach der Geraideordnung anfordern.
Die Auflösung der Haingeraiden geschah um 1825.

Bis in die Zeit hinein wo vermehrt Grenzsteine gesetzt wurden, war die Loog- oder Lochaxt das unentbehrliche Werkzeug des Försters und seiner zuständigen Herrschaft. Als Loch – oder Loogbäume, auch Markbäume genannt, bezeichnete man auf oder an der Grenzlinie stehende Bäume, die beiderseits mit der Lochaxt gefitscht, angeschalmt wurden, indem man ein Stück Rinde entfernte. Auf die Lache, die freigelegte Stelle, wurde das Symbol der jeweiligen Herrschaft eingeschlagen. Wenn man auch bevorzugt wegen ihrer langen Lebensdauer Eichen als Lochbäume aussuchte, hatten diese Grenzzeichen dennoch eine beschränkte Dauer und mussten immer wieder durch neue Lochbäume ersetzt werden.
Dass Recht eine eigene Waldaxt zu führen, stand nicht jeder Herrschaft zu. Auch durfte der jeweilige Loogaxt Inhaber nicht einfach ausserhalb seines Waldes seine eigene Loogaxt zum Bäumezeichnen nutzen. Ein Beispiel dafür erwähnte der Heimatforscher Karl Munzinger aus Trippstadt in seiner Abhandlung über die „Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke“ hier schreibt Munzinger: „Im Dezember 1777 ordnete die kurpfälzische Verwaltung an, dass künftig im Meiser und Harderwald, beides Hackescher Wald, aber im Amte Fischbach und damit im Kurpfälzischen Hoheitsgebiet gelegen, künftig die kurpfälzische und nicht die Hackesche Axt zu verwenden sei“.
Franz Karl Joseph v. Hacke richtete daraufhin im Januar 1778 eine Bittschrift an den Kurfürsten, in der er bat, das uralt hergebrachte Recht der eigenen Waldaxtung bestehen zu lassen und ihm zu gestatten, weiterhin ruhig und ungestört wie seine Vorfahren in seinem „adeligen, ritterschaftlichen Meißer- und Haderwald“ seine eigene Waldaxt gebrauchen zu dürfen, „wann einiges Holtz“ darin gefällt werden sollte. Dass dies immer so gehandhabt wurde, könnte der kurpfälzische Forstmeister zu Lautern, Herr Rettig, bestätttigen, nicht alleine für seine Amtszeit, sondern auch für die Zeiten seines Vaters, Groß- und Urgroßvaters. Auch andere Adelsgeschlechter, die Waldungen in kurpfälzischen Gebieten besäßen, würden ihre eigenen Waldäxte gebrauchen, ebenso die Herzöge von Zweibrücken im Holzland, obwohl es kurpfälzisches Gebiet sei. Bei Keiper können wir nachlesen, dass in der kurpfälzischen Zeit die Oberforstmeister, also auch die Freiherren von Hacke,
als Zeichen ihrer Würde eine Waldaxt aus Elfenbein trugen, die von der linken Schulter zur rechten Hand herabhing.
Hukwa


Lit. Hinweise:
W. Liebenam: Zur Geschichte und Organisation des römischen Vereinswesens. Leipzig 1890.
Otto Roller: Axtdarstellungen auf den Förstergrabsteinen der Heidelsburg. Mitteilungen des
Historischen Vereins der Pfalz. Band. 84.
Karl Moersch: Geschichte der Pfalz.
Hans Wagner: Die pfälzischen Haingeraiden.
Karl Munzinger: Die Trippstadter Waldungen der Freiherren von Hacke 1716 – 1833
Blätter z. Heimatgeschichte v. Tripppstadt Sonderheft.
Bilfinger,E. Johanniskreuz eine Pfälzerwaldgeschichte. 1904
Eitelmann, W. Rittersteine im Pfälzerwald.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Montag, 17. Oktober 2016

Zeit

Zeit ist nie verloren.
Und noch die Stunden
da wir nichts tun
außer zu atmen
kann die
Vorbereitungszeit
für ein Wunder sein.
hukwa

Samstag, 15. Oktober 2016

Fallendes Herbstlaub - Haikus

Das Fallen der Herbstblätter
erinnert
an die Lebensreise.
hukwa

Fallendes Herbstlaub
erinnert
an Träume aus der Vergangenheit.
hukwa

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Samstag, 8. Oktober 2016

Lehrstück - Haiku

Das Fallen der Herbstblätter
und die Katzen am Fenster
lehren mich den Zen.
hukwa

Freitag, 7. Oktober 2016

Winterhaiku

Der alte Weidepfosten weist
vom Herbstreif vereist
in den Winter.
hukwa

Montag, 3. Oktober 2016

Samstag, 1. Oktober 2016

Oktobermond

Des Waldes tiefes Schweigen
durchleuchtete Baumkronen
vom Licht des weißen Mond 
Gestirn des Unbewussten
dringst du n die Stätten
meiner eigenen Tiefen ein
Mond
ewiger Beweger
der mich in Zauber bannt
tief in mir das Wort fand
uralte Dämmerung
wie Ebbe und Flut
schenkst du der Seele ihre Glut.
hukwa

Sonntag, 25. September 2016

Freitag, 23. September 2016

Waldgott

Krähiger Blick
im Fichtentann
der alte Waldgott
für die Dauer
einer Amselfeder Fall
kehrt wieder
im erdigen Wurzeldickicht
der Weißdornhecke
versteckt er seine Welt
lehrt Gräser und Pilze das Reden
im Gezwitscher der Tannenmeisen 
kehrt seine Stimme wieder
Nebel über den Wassern
darinnen
des Waldgott dunkles Wesen.
hukwa

Sonntag, 18. September 2016

Willkommen Einsamkeit ich lausche deinen Liedern

Jetzt schlafen alle Nymphen
der Herbst hat es vollbracht
die Sommerträume ruhen
in alt verinnerlichter Nacht
der winterliche Greis wartet
lässt sich in Waldschluchten nieder
Willkommen Einsamkeit
ich lausche deinen Liedern.
hukwa

Freitag, 16. September 2016

Die Heimat der Göttin oder am Quell der Diana

Es gibt Historiker die haben zwei Geschichtsbilder im Kopf. Das eine ist das Reale der Geschichte, wie wir sie aus Urkunden, archäologischen Funden und aus den Geschichtsbüchern kennen. Ich nenne es das blutige Bild unserer geschichtlichen Vergangenheit. Mord, Krieg und Totschlag. Ein Bild von Schlachten und Kriegen die oft genug in den Büchern noch heroisch dargestellt werden. Das zweite Bild das ich von der Geschichte in meinem Geist mit mir trage ist der Mythos. Er ist die Alternative zu jenem realen Geschichtsbild, das mir oftmals den Weg aus der Geschichte zeigt und in gewißen Sinne eine Art Hoffnung in mir aufkeimen lässt.
Auch in der Heimatforschung kommt zu dem Forschenden der Moment, wo das historisch-wissenschaftliche sich mit dem Mythos verbindet.
Nach Jahren des Studiums historischer Bücher, nach Forschungen in Urkunden und vor Ort, beginnt der Mythos selbst im Heimatforscher zu leben. Man kann den Mythos weder bestellen noch abbestellen, irgendwann beginnnt er in uns zu leben. Es ist wohl der Moment, da die Göttin ihre Energie in einem entfaltet. Gewiß, hat der Forschende durch seine intensive Beschäftigung mit dem Geist der Vergangenheit das große Geheimnis des Mythos in seiner Seele erweckt und nun muss er dem Mythos dienen, wie ein alter keltischer Priester, der er vielleicht in einem früheren Leben einmal war.
Der Mythos hat nichts mit Esoterik oder Religion zu tun, er ist ein Fluss der in uns fließt, wir können von seinen klaren Wassern kosten doch bis zu seinen Quellen werden wir wohl nie gelangen, denn diese Quelle ist jene unendliche Kraft die das ganze Universum durchzieht. Der Mythos ist die Verbrüderung mit der Allseele. So wie sich der Historiker mit dem Stammbaum eines adligen Geschlechtes beschäftigt, so sucht der Mythologe seine Wurzeln im Mythos. Die Beschäftigung mit ihm ist Realität und Traum zur gleichen Zeit. Dieses Gefühl Teil eines großen Wirklichkeitserlebnisses zu sein hat Jorge Louis Borges in wunderbaren Worten ausgesprochen:

Wenn nämlich die Welt der Traum eines Jemand ist, wenn es Jemanden gibt, der uns in diesem Augenblick träumt und der die Geschichten der Welten träumt... dann hat die Vernichtung der Religionen und der Künste, dann hat die Allgemeine Verbrennung der Bibliotheken nicht viel mehr zu bedeuten als die Verbrennung der Einrichtungsgegenstände eines Traumes. Der Geist der sie einmal geträumt hat, wird sie abermals träumen. Und so lange dieser Geist zu Träumen fortfährt, so lange ist nichts verloren“.
Heidelsburg bei Waldfischbach Fotos© Ute Knieriemen-Wagner


Der Pfälzerwald in dem ich lebe ist altes Keltenland. Zahlreiche längst vergessene Höhenheiligtümer verbirgt dieser dunkle Wald, der einst von den Vogesen bis in die Eifel reichte. „Wassichin“, nannten die Kelten dieses große Waldgebiet was soviel bedeutet wie „Auerochsengebirge“, die Römer nannten es „Vosagus“, nach einem alten Waldgott der hier hauste. Die realistische Geschichtsforschung hat uns die Kelten und Römer als Völker dargestellt wie sie auch tatsächlich waren: Kriegslüsterne Eroberer!
Doch es gibt noch eine „zweite Geschichte in der Geschichte“, nämlich jene der Muttergottheiten die in diesen Wäldern an vielen Quellen verehrt wurden, Plätze die das Volk zum Teil heute noch aufsucht. Und die Verehrung dieser Matronen das ist der Mythos von dem ich hier schreibe.
Diese Landschaft mit seinen dunklen Wäldern, seinen geheimnisvollen Woogen und Wildbächen, die von der Natur erschaffenen steinernen Gebilde, die Menhire von denen es hier noch einige gibt und die geheimnisvollen Felsbilder versteckt im Dickicht der Wälder das ist die Heimat der großen Göttin und es ist die Heimat des dunklen Waldgottes Vosegus – im Mythos existieren beide immer noch.
Es sind noch nicht einmal 2000 Jahre vergangen, seit man der Göttin hier Opfer brachte und sie an den heiligen Quellen verehrte. Was sind schon 2000 Jahre im Lauf der Geschichte; es ist noch nicht einmal der halbe Wimpernschlag des alten Vogesengottes.
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, der Mythos hat die Geschichtsschreibung immer begleitet und immer wieder werden wir ihm begegnen.
Gerade in diesem Gebiet der Mediomatriker und Treverer, deren Hauptstätte Trier und Metz waren, pflegte man die alten heiligen Kultplätze. In der Regel lagen sie in den weiten Wäldern der Mittelgebirge, von den heutigen Vogesen über den Pfälzerwald in den Hunsrück bis hinein in die Eifel und Ardennen. Die alten keltischen Naturkulte verbanden sich mit römischen Steinbauten, Stelen und Steinreliefs aus Buntsandstein, wie wir sie aus dem Pfälzerwald kennen. Noch heute findet der Kundige Reste dieser alten Weihedenkmäler von denen der alte Zauber der Göttin noch auszugehen scheint. So errichteten sie die Treverer für Diana, die römische Göttin der Jagd und des Wildes, die man mit der keltischen Arduinna gleichsetzte, der Gottheit des Gebirges der Ardennen, ähnlich wie eben Vosegus der Waldgott des Pfälzerwaldes und der Vogesen war.
Ein besonderer Kult genossen die Matronen (Mütter) die man vorwiegend an Quellheiligtümern, wie beim Gutenborn im pfälzischen Kindsbach verehrte. Diese Fruchtbarkeitsgötttinen genossen eine herausragende Verehrung. Gerade der Kult dieser Quellgottheiten war unter den romanisierten Germanen und Kelten stark verbreitet und stellte eine Vermischung aus römischen mit keltischen und germanischen Traditionen dar.
Auch der Name Pfalz stammt letztendlich von einer Göttin ab. Die Sprachforschung sagt uns dass „Pfalz“ aus dem lateinischen Wort „Palatium“ abgeleitet sei. Das „Palatium“ oder die „Pfalz“ steckt auch in dem Wort Palst oder Haus in dem die Herrscher wohnten, der Regierungssitz denn das Mittelalter als „Königspfalz“ bezeichnete. Aber auch andere festummauerte Wohnsitze nannte man damals Pfalz. Vom römischen Altertum haben sich die Abwandlungen des Wortes „Palatium“ allesamt weit entfernt. „Palatium“ so nannten die Römer in Rom einen Hügel. Nämlich einen der sieben Hügeln auf denen Rom erbaut war hieß so. Der älteste Siedlungsteil der „ewigen Stadt“ stand genau auf diesem Hügel. In vorrömischer Zeit stand auf diesem Hügel ein Tempel der der altitalischen Schutzgöttin „Pales“ geweiht war. „Pales“ war ähnlich der „Diana“ eine Naturgöttin.


In seinen „heroischen Leidenschaften“ schreibt Gordano Bruno über die Göttin Diana:

Die Wahrheit wird gesucht wie ein unzugängliches Ding, wie ein Gegenstand, der nicht nur unbegreiflich, sondern auch nicht zu vergegenständlichen ist, denn niemand hält es für möglich, in die Sonne zu schauen, den allerleuchtenden Apollo, in das durch seine höchste und vorzüglichste Wesensgestalt absolute Licht; wohl aber in ihren Schatten, ihre Diana,die Welt, das Universum,die Natur, die in den Dingen ist, das Licht, das in der undurchsichtigen Materie ist, jenes nämlich,das in der Finsternis leuchtet. Von den vielen also,die auf den genannten und auf noch vielen anderen Wegen in diesem wüsten Walde dahineilen, lassen sich nur ganz wenige am Quell der Diana nieder.Viele geben sich mit der Jagd auf wilde und unedle Tiere zufrieden; der größte Teil aber fängt gar nichts, denn er stellt die Netze nach dem Wind und hat schließlich nichts als Fliegen in der Hand. Selten gibt es, meine ich, einen Aktaion, dem vom Schicksal gewährt ist, Diana nackt zu schauen und dahin zu kommen, dass die schöne Liebesgestalt der Natur ihn ganz verzaubert, und der dann, durch die beiden Augen, durch die er den Glanz göttlicher Güte und Schönheit wahrgenommen, in den Hirsch verwandelt wird und fortan nicht mehr Jäger, sondern gejagtes Wild ist. Denn das letzte und endgültige Ziel dieser Jagd ist eben das, jene flüchtige und wilde Beute zu erreichen, durch die der Erbeuter selbst zur Beute, der Jäger zum gejagten Wild wird. Denn bei allen anderen Arten der Jagd, die man auf einzelne Dinge richtet, gelangt der Jäger schließlich dazu, diese anderen Dinge an sich zu reißen,indem er sie mit dem Munde der eigenen Erkenntnis erfaßt; bei jener göttlichen und allumfassenden Jagd aber vollzieht sich das Fangen so,dass auch er notwendigerweise gefangen,aufgesogen und geeint wird. Dadurch wird er aus einem gewöhnlichen,durchschnittlichen und dem alltäglichen Volk angehörenden Menschen zu einem wilden Wesen, wie ein Hirsch oder ein Bewohner der Wildnis; gleichsam göttlich lebt er in der erhabenheit des Waldes, in den nicht nur Menschenkunst gestaltezten Gemächern höhlenreicher Berge, wo er den Ursprung der großen Ströme bewundert, wo er von den gewöhnlichen Begierden unberührt und rein dahinlebt, wo die Gottheit freier umgeht...So verschlingen die Hunde, die Gedanken göttlicher Dinge, diesen Aktaion, töten ihn für das rohe Volk und die Menge, lösen ihn aus den Verstrickungen der verwirrten Sinne, befreien ihn aus dem Leibeskerker der Materie, so dass er nun nach seiner Diana nicht mehr wie durch Ritze und Fenster zu spähen braucht, sondern die trennende Wände niederwirft und angesichts der ganzen Weite des Horizonts ganz Auge wird. So schaut er das ganze wie ein Einziges und sieht nicht mehr durch Unterscheidung und Zählung, wie sie sich aus der Verschiedenheit der Sinne ergibt, durch die man wie durch Ritzen nur in verworrener Weise wahrnehmen kann. Er sieht Amphitrite, denn Urquell aller Zahlen, aller Arten, aller Begriffe: Sie ist die Monade, die wahre Wesenheit im Sein aller Dinge; und wenn er sie auch nicht in ihrer Wesenheit selbst, in absolutem Lichte sieht, so sieht er sie in ihren Hervorbringungen, welche ihr ähnlich, ihre Abbilder sind. Denn aus jener Monade, welche die Gottheit ist, geht diese Monade hervor, welche die Natur, das Universum, die Welt ist...

Es ist nur eine der vielen Metamorphosen der großen Göttin die Giordano Bruno hier beschreibt. Wir finden sie versteckt in den Märchen und Sagen, aber auch als christliche Heilige kennen wir sie. So nahm die alte Göttin im Laufe der Jahrtausende viele Gesichter und Persönlichkeiten an. Auf einigen der Steinreliefs auf denen die Göttinnen abgebildet sind, erkennt man auch Pflanzen und Bäume. Dies führt in die Zeiten zurück da die Göttin noch kein „Gesicht“ hatte, und die Kelten sie noch in den heiligen Baumhainen verehrten.

hukwa

 

Dienstag, 13. September 2016

Herbst im Pfälzerwald

Eine naturphilosophische Betrachtung

 
Foto © Ute Knieriemen-Wagner
Der naturkundige Wanderer kennt die Stimmung, wenn im Herbst am Morgen der Nebel noch Tal und Hügel, Wälder und Fluren wie mit einem feinen Schleier verhüllt, den die heraufsteigende Sonne allmählich durchdringt und auflöst. Millionen von Spinnweben funkeln in Gebüsch und Bäumen und verzaubern die Landschaft. Es ist die Zeit der gedämpften Farben und des mystischen Lichts.

Die letzten Zugvögel werden unruhig, weil es bald auf große Reise geht. Auf den Feldfluren ist nun Ruhe eingekehrt und am Waldrand reifen die schwarzen Schlehen, warten auf den ersten Frost, der etwas Süße in sie senkt. Die letzten Früchte des Holunders funkeln in der Sonne und die überreifen Brombeeren laden zum Verweilen ein. Ein letztes Mal verwöhnt uns die Natur mit ihrer herbstlichen Fülle. Mensch und Tier wissen, dass nun bald die dunkle Jahreszeit Einkehr hält und wollen ein letztes Mal von der Natur verwöhnt werden.

Im Wald erscheint uns nun die Stille noch intensiver, als wir sie im Hochsommer empfunden haben. Jene, die Altmutter Natur lieben, zieht es nun wie unter einem Zwang hinein in die Wälder, ihre Geheimnisse und Schönheiten aufsuchend. Man fühlt in sich Momente, in denen man spürt, dass wir mit dieser erhabenen Natur verwandt sind.

Der Schrei des Habichts in den Lüften, das plötzliche Aufbrechen von Wild im Gebüsch, das Schimpfen des Eichhörnchens vom Baum herab oder das einsame Fallen einer Eichel erscheinen uns wie ein Gebet, das Mutter Natur zu uns spricht. Der ganze Wald spricht zu uns in seiner großen Stille.

Indem wir ihm zu hören, schauen wir in uns selbst hinein. Ist uns die Natur eine Mutter, so ist der Wald uns Vatergestalt, seine Bäume sind uns Brüder und die verwunschenen Weiher sind uns Schwestern.


Fern vom Getöse der Menschen erwartet uns im Wald reine Beschaulichkeit.
Kurz ist der „Goldene Oktober“, der ein einziger Herbststrauß zu sein scheint. Kommt der Wanderer durch Buchenwald, versinkt er bis zu den Knöcheln im sanften Laub.
In einem Laubwald dauert es mitunter bis zu fünf Jahre, bis ein Buchenblatt als solches nicht mehr zu erkennen ist. Bis dahin geht es in Teilen durch Dutzende von Mägen der sogenannten Zersetzer. Also von Tieren, die vom „Abfall“ der Natur leben. Im Laubwald fallen jährlich pro Hektar vier Tonnen Pflanzenmasse an, die es zu verwerten gilt. Mutter Natur bewältigt diese Mengen mit einem Heer von hungrigen Mäulern. Die Erstverwerter der Laubstreu sind Spring-schwänze, Asseln, Milben, Regenwürmer und Tausendfüssler. Diese kleinen Bodentiere können jedoch die pflanzlichen Reststoffe nur durchlöchern. Das weitere Zerkleinern obliegt winzigen Bodenbewohnern, die insgesamt noch einmal das Hundertfache der Regenwürmer auf die Waagschale bringen. Diese Mikrowelt ist mit mehreren Milliarden Tieren pro Quadratmeter so groß, dass sie der Mensch bisher kaum erfassen und bestimmen kann. Diese Winzlinge stellen das Bindeglied zwischen der toten Pflanzenmaterie und den größeren Zersetzern der Streu dar. Einige wenige aus diesem Mikrokosmos sind in der Lage, die schwer verdaulichen Teile wie Zellulose und Lignin zu knacken. Sie besitzen hierfür Enzyme, über die nur wenige Abfallverwerter verfügen. Anschließend machen sich Mikroorganismen über den Nahrungsbrei her. Sie verdauen ihren eigenen Kot mit den darauf lebenden Kleinstlebewesen. Die Energieausbeute erhöht sich damit um mehr als das Doppelte. Entgegen der Welt der Menschen kann die Natur ihre „Abfallprobleme“ äußerst nachhaltig regeln.

Der Wald strahlt zu dieser Zeit in den herrlichsten Farben!
Es sind nicht nur die Buchen, die im Herbst in purpurner Farbe zu brennen scheinen. Auch der wilde Kirschbaum entfaltet um diese Jahreszeit eine üppige Strahlkraft. Erfreut er im Frühling das Herz des Wanderers mit seinen schneeweißen Blüten, so wirkt nun das Rot seines Herbstkleides fast magisch auf uns. Aber auch ein Nadelbaum wirft seinen Zauber über uns: wie brennende Fackeln stehen die Lärchen am Bergeshang. In den frühen Morgenstunden funkeln tausende von silberfarbenen Spinnweben in den Büschen. Wie versponnene Elfenlocken scheinen die Fruchtstände des Waldweidenröschens ineinander verwoben, wenn man Mitte Oktober durch die Trippstadter Wälder streift.
Die unruhig schlanke Birke in ihrem gelbfarbenen Herbstkleid fällt dem Wanderer besonders auf. In ihrer Nähe befinden sich oft die roten Fruchtknollen des Fliegenpilzes. Beide, Baum und Pilz, sind durch Symbiose verbunden.
An den Abenden ist es nun schon sehr kühl geworden. Ein Blick in den Herbststernenhimmel zeigt uns, dass der Winter bald seinen Einzug hält. Tief im Norden werden schon die ersten Vorboten des Winterhimmels sichtbar, insbesondere in Gestalt des Sternbildes Stier, das zumindest für Mittel- und Nordeuropa bereits vollständig aufgegangen ist. Sein Hauptstern heißt Aldebaran, wie ein großes Juwel funkelt er nun am nächtlichen Sternenhimmel.

Herbstzeit ist Wanderzeit!

hukwa

Herbst - von Nikolaus Lenau (1802-1850)
Rings ein Verstummen, ein Entfärben: Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln, Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln; Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise, Die Zeit der Liebe ist verklungen, Die Vögel haben ausgesungen, Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden, Aus dem Verfall des Laubes tauchen Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen, Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen Ist mir als hör' ich Kunde wehen, daß alles Sterben und Vergehen Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

Vergangenes Handwerk und erloschene Berufe in Trippstadt

Der vorliegende Text versucht eine Gesamtschau auf das alte Handwerk in Trippstadt und Berufe von „einst“ zu werfen. Er beschränkt sich auf die Zeit von ca. 1670 bis 1890. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt in einem Zeitraum von ungefähr 200 Jahren. Die Gründe dafür liegen zum einen in der größeren Literatur– und Quellenbasis aus dieser Zeit, doch vor allem in der Tatsache, dass in diesem Zeitraum Handwerksberufe, als auch andere Berufssparten, eine enorme Entwicklung erfahren. Dieser Text will keine sentimentale Rückschau auf eine vergangene „heile Welt“ beschreiben, die es ja eh nicht gab, sondern es ist der Versuch, dem Leser ein Stück Heimatgeschichte aus alter Trippstadter Zeit zu vermitteln.
Es ist der Versuch, ein Bild zu entwerfen über verschiedene Berufe und Tätigkeiten die noch vor etwa 100 Jahren in unserem Ort angesiedelt waren und ausgeübt wurden.
Natürlich gab es diese Berufe auch in anderen Orten der Region. Trippstadt habe ich aus dem Grund ausgewählt, weil für den Ort reichliches Quellenmaterial zur Verfügung steht. Hier möchte ich besonders auf das Bürgerbuch von Heinrich Haas und die Glöckner Datei hinweisen.
Doch Trippstadt ist für eine solche Publikation noch aus anderen Gründen geeignet. Der Ort hatte eine blühende Eisenindustrie, was natürlich unterschiedliche Berufsgruppen anzog; Trippstadt ist waldreich und hat eine Jahrhunderte alte Tradition bei den Waldberufen, auch die Landwirtschaft in Form des Waldbauerntums spielt eine Rolle. Hinzu kommen noch jene „Hausberufe“ wie Leineweber, Seiler, Seifensieder, Korbflechter, usw., die hier ausgeübt wurden. Sämtliche Berufe die hier beschrieben werden kann man in den beiden erwähnten Bürgerbüchern finden und nachlesen.
Es versteht sich als obligatorisch, dass man bei einer solchen heimat-geschichtlichen Recherche immer wieder mal über den „Kirchturm hinaus“ in benachbarte Orte schauen muss, um Vergleiche anzustellen aber auch um ein Gesamtbild zu erreichen. Doch der Hauptinhalt dieses Textes ist Trippstadter Ortsgeschichte.
In den Notzeiten der beiden Weltkriege lebten verschiedene alte Berufe noch einmal auf, wie z.B. die Köhlerei und die Herstellung von Holzschuhen. Wie Forstrat W. Albert berichtet, wurde Holzkohle aus Trippstadt und Kaiserslautern bis in die 1920er Jahre nach Spanien exportiert. In Kaiserslautern gab es bis in die fünfziger Jahre noch eine Holzschuhfabrik. Auch eine Holzschuhmacher Innung, in der Holzschuhmacher und Schindelmacher organisiert waren, existierte bis in diese Zeit in der Pfalz.
Die hier beschriebenen Berufe zeichnen auch das Bild einer Region, eines Ortes nach. Bei vielen dieser Berufe bildete eine kleine Landwirtschaft eine zusätzliche Erwerbsquelle für die Familie. Zu gewissen Zeiten, vor allem aber während der Aussaat und Erntezeiten, wurde für Tage oder Stunden das Handwerkszeug mit dem Ackergerät vertauscht. In Kriegs– und Notzeiten war diese Neben-beschäftigung oft ein lebenserhaltender Faktor.
Bevor ich nun einige Berufsgruppen beschreibe, hier eine Auflistung dieser heute zum Teil nicht mehr existierenden Berufe:
Schindelmacher, Bürstenbinder, Seiler, Leineweber, Ziegler, Bierbrauer, Ölmüller, herrschaftlicher Geldheber, Bader, Tagner, Wolfsjäger, Daubenhauer, Büglerin, Wagner, Schuster, Küfer, Feldschütz, Hammerschmied, Steuereinnehmer, Churpfälzischer Zöllner, Köhler, Korbmacher, Kammacher, Kesselschmied, Blaufärber, Stuhlmacher, Barbier, Pottaschbrenner, Almosenpfleger, Faßbinder, Tuchmacher, Hirte Waldhüter, Pudler, Holzsetzer, Fuhrmann, Färber, Kuhhirte, Hufschmied, Schneider, Einnehmer, Webermeister, Gemeindeschreiber, Blechschmied, Platzknecht, Pflasterer, Hafner, Steinhauer, Steinbrecher, Einleger, Postillion-Kutscher, Schäfer, Seifensieder, Wollspinner, Bordschnitter, Messerschmied, Rotgerber, Papiermacher, Nagelschmied, Nachtwächter, Glasschleifer, Dienstmädchen.


Der approbierte Bader:
In einer einfachen Rasierstube übte er seinen Beruf als Friseur, Wundpfleger und Zahnzieher aus, sofern er nicht seine Kundschaft zu Hause besuchte. Aber auch für andere Schmerzen wusste er oft Rat. Manche Ärzte zogen bei Hausoperationen den Bader als Gehilfen hinzu. Auch für die Leichenschau war er verantwortlich. Er hatte eine Lehrzeit zu absolvieren und musste, in der Regel nach Ableistung seines Militärdienstes, zu einem mehrmonatigen medizinischen Kursus nach Frankenthal, wo die pfälzischen Bader unter der Leitung von Ärzten geschult wurden. Nach Beendigung des Kurses erhielten sie neben einem Diplom die sogenannte Approbation, mit der sie ihr Geschäft betreiben durften.
Mein Großvater, der auf dem Wiesenthalerhof wohnte, erzählte mir, dass er zum Zahn ziehen in den Nachbarort Erfenbach zum dortigen Bader ging. Einen Zahn ziehen zu lassen kostete damals eine Reichsmark.
Im Trippstadter Bürgerbuch finden sich mehrere Bader.

Blechschmied:
Er war mit allen Blecharbeiten vertraut. Neben größeren Arbeiten wie der Herstelllung von Dachrinnen und deren Anbringung reparierte er auch Kochtöpfe und den Wasserkessel. In Trippstadt gab es viele Blechschmiede und man kann davon ausgehen, dass die meisten von ihnen in den Trippstadter Eisenhüttenwerken in den dortigen Eisenberufen gearbeitet haben.

Die Büglerin:
Die besser gestellten Geschäftsleute und Bürger ließen einmal die Woche die Büglerin in ihr Haus kommen, die ihre Wäsche glättete. Sie stärkte und bügelte Vorhänge, Deckchen und Herrenhemden.
Eine bekannte Trippstadter Büglerin war „das Felsenweib vom Karlstal“, mit bürgerlichem Namen Anna Katharina Kaiser, geboren am 13. Februar 1777.

Der Leineweber:
Flurnamen wie Brechkaut, Hanfdelle und Hanfacker erinnern noch heute in Trippstadt an das alte Handwerk der Leineweber. Hauptberufliche Leineweber arbeiteten immer als „Heimarbeiter“. In vielen bäuerlichen Haushalten stand auch ein Webstuhl der den Tagnern und Ackerern ein Zubrot gab. Die meisten Bauern hatten ihren Hanfacker der besonders gepflegt wurde. Sobald geriffelt, gröstet, gebrochen und wieder getrocknet war, besorgten die Frauen das „Schwingen“, dann kam der „Hechelmacher“ und durchzog auf der „Hechelbank“ die Hanfbündel. Nach einigen weiteren Arbeitsvorgängen wurde dann der Flachshanf versponnen. In Trippstadt waren einige Leineweber tätig. Trippstadt hatte 3 Brechkauten: 1. Wo Mandel- und Brotdeich zusammenstoßen, 2. in der Nähe der Schanz, 3. am Friedhof.

Gerber, Schindelmacher, Korbflechter:
Im ehemaligen „Häusschen“ am Ertl, wirkte lange Zeit ein Gerber, daher auch der Name Gerbfeld, eine Gewanne die sich in der Nähe dieses Hauses befindet. Auch der Schindelmacher Johann Kallenbach und der Korbflechter Heinrich Rösel hatten hier ihre Werkstatt.

Der Küfer:
Fässer, Fleisch- und Waschbütten, kleinere Bütten für Sauerkraut und saure Bohnen, Bütten und Fässer in allen Größen, stellte der Küfer her. Es war eine, große Genauigkeit erfordernde Arbeit, ein Fass herzustellen. Aus dem Rohholz, in der Regel Eiche, die Dauen so zu bearbeiten, dass sie sich millimetergenau zu einem Fass zusammenfügten.Am Ende versah man sie mit den Fassböden durch Einklemmen in eine gefräste Nut. Die dann aufgezogenen Fassreifen pressten die Dauen zusammen und nach Einbohren des Füll- und Zapfloches war das Fass fertig. Als Dichtungsmittel wurde Pech oder auch Liesch, eine Sumpfpflanze verwendet.

Der Schweinehirt:
Dieser Beruf ist einer der ältesten Berufe und wird schon in der Odyssee Homers erwähnt. Im Volksmund sagte man einfach „Sauhirt“.
Er trieb die Tiere, die vielen Besitzern gehörten, mit Beginn des Frühjahrs an Feldwege und abgeerntete Felder, bis der Herbst durch nasses und kaltes Wetter den Austrieb beendete. Der Hirt bekam seinen Lohn wöchentlich ausbezahlt und im Herbst bekam er nochmals Naturalien als Entlohnung.
In jeder größeren Ortschaft stand ein Hirtenhaus in dem der Hirte wohnte.

Der Seifensieder:
Der Seifensieder stellte vor allem Kernseife her.

Der Stuhlmacher:
Eigentlich müsste es Stuhlsitzflechter heißen, denn er hat die Stuhlsitze geflochten und repariert.

Der Ziegler:
Unterhalb des Wilensteinerhofes befand sich eine Ziegelei. Der dortige Brunnen heißt noch heute Ziegelbrunnen. In den „Blättern zur Heimatgeschichte von Trippstadt“ - Sonderheft Tripppstadter Flurnamen kann man lesen: „Der für die Ziegelei benötigte Lehm wurde auf dem Wilensteiner Feld abgebaut. In dem Waldhang zwischen Kaltenborner Tal und Wilensteiner Feld ist jetzt noch die Stufe eines diagonal den Hang heraufziehenden ehemaligen Weges zu erkennen. Die Ziegelproduktion dürfte in der Zeit um 1800 eingestellt worden sein, nachdem die Familie von Hacke ihr Eigentum abgeben musste. Ein Gebäude wurde weiterhin zu Wohnzwecken genutzt, über die Zeit des Abrisses, legen keine Unterlagen vor“.

Der Pflasterer:
Mit dem Aufkommen von Teer- und Asphalt für Straßendecken war auch das Geschäft des Pflasterers notleidend geworden und nur noch in Höfen, Ställen und Rinnen beansprucht. Der im Volksmund gebrauchte Ausdruck „Poweier“ für den Pflasterer war kein Schimpfwort, sondern nur eine Verballhornung des französischen Wortes Paveur = Pflasterer oder Steinsetzer, das über die französisch-lothringische Grenze seinen Weg zu uns gefunden hat.

Der Schmied:
Das Berufsbild des Schmiedes bedarf einer etwas längeren Abhandlung in diesem Artikel. Gab es doch in Trippstadt fast sämtliche Vertreter dieser Berufsgruppe: Huf-, Gesenk-, Rad-, Nagel-, Büchsen (Waffen)-, Waagen (Gewicht)-, Kunst und Goldschmied-, Kessel-, Messer-, Blechschmied.
Eine Spezialisierung griff oft in die andere über, so das mehrere solcher Berufszweige von einem Schmied ausgeübt wurden. Auch war es wohl die Eisenindustrie in Trippstadt die viele Schmiedegesellen in unsere Gemeinde lockte. Noch heute sagt ein altes Sprichwort, das man aus einem Schmied einen Schlosser machen kann, aber nicht umgekehrt aus einem Schlosser einen Schmied. Das galt wohl auch für die Eisenverhüttung. Das Berufsbild des Schmiedes ist so umfangreich, das man im Schmied den Mutterberuf für das gesamte Metallhandwerk sehen kann. Doch auch mit vielen anderen Berufszweigen stand das Schmiedehandwerk in enger Verwandtschaft: Schlosser, Klempner, Wagner, Schreiner, Maurer, Müller, Schiffsbauer, Brunnenbauer, Bergmann, Steinmetz, Steinbrecher, Zimmermann, aber vor allem mit dem Landwirt und dem Winzer. Den Schmied zog man bei vielem hinzu, so z.B. wegen seiner tierärztlichen Kenntnisse (Hufschmied), bei der Geburt von Kälbern oder Fohlen. Der Schmiedemeister oder Geselle legte seine Prüfung vor der Handwerkskammer ab, der Hufschmied vor einer staatlichen Prüfungsstelle, so wie das auch vom Apotheker und vom Schornsteinfeger verlangt wurde. Der Hufschmied hatte es ja mit einem Tier, also mit einem lebendigen Wesen zu tun und die Voraussetzung für diesen Beruf war auch das Wissen über Tierheilkunde. In den alten Hufbeschlagsschulen wurden immer auch Tierärzte als Lehrer beschäftigt. Die Vorläufer unserer Tierärzte waren tatsächlich die Schmiede und Schäfer.

Jedes Pferd hat seine eigene Gangart, darauf musste der Hufschmied achten. Auch ob eine Krankheit, ein Senkfuß oder eine Druckstelle vorhanden war. Demgemäß musste er das Eisen anfertigen und anpassen. Voraussetzung für das Anpassen eines Hufeisens ist und war handwerkliches Können. Es wurde nicht groß gemessen, sondern nach Augenmaß gearbeitet. Alle zwei Monate musste ein Pferd neu beschlagen werden.

Mein Großvater erzählte mir, dass noch in den 1920zigern Jahren in Kaiserslautern zwei Nagelschmiede tätig waren. Dies hatte einen einfachen und logischen Grund. Damals gab es noch einige Wagnereien in Stadt und Umland. Es gab zwar schon maschinell hergestellte Drahtstifte, doch die handgeschmiedeten Nägel hatten einen enormen Vorteil: es platzten keine Köpfe ab. Solche handgearbeitete Nägel wurden für die Beschläge an landwirtschaftlichen Wagen und Geräten benutzt aber vor allem an der Deichsel und an den Mück- oder Bremsklötzen.

Eine weitere Spezialisierung im Schmiedehandwerk war der Bergschmied. Ein solcher war tätig im Bergwerk der Gienants auf Erzhütten–Wiesenthalerhof. Seine Aufgabe war es, die zum Bergbau (Erzabbau) erforderlichen Gerätschaften aus Eisen zu schmieden. Er unterstand der Berggerichtsbarkeit, was ihm neben besonderen Privilegien, auch besondere Pflichten einbrachte. Diese waren in der Bergschmiedeordnung geregelt. Legte er die Meisterprüfung ab, musste er eine Kratze und einen Keil anfertigen. Dann musste er vor dem Bergamt den Bergschmiedeeid sprechen. Er gelobte, dass er die Grubengerätschaften in bestem Zustand liefern würde und weder altes noch neues Eisen veruntreuen würde. Ein besonderes Privileg war, dass er eine beschränkte Schank-genehmigung besaß. Er durfte den Bergleuten und den Fuhrknechten Bier und Branntwein als „Labetrunk“ ausschenken.

Oft musste der Bergschmied auch die Arbeit des Kuhschmieds übernehmen. Er musste also Kühe, Ochsen und Bullen beschlagen. Das Erz, das nach Trippstadt transportiert wurde, kam mit Esel- und Ochsenkarren hier an. Vor allem im Winter mussten die Tiere beschlagen werden.

Zimmermann:
Die Arbeit des Zimmermanns ist bekannt. Weniger bekannt ist vor allem die Winterarbeit der Zimmerleute das sogenannte Holzbeschlagen. Dies war eine harte und anstrengende Arbeit. Im Wald wurden die Stämme zu verschiedenen Balken zurecht geschlagen. Manchmal wurde auch ein ganzer Dachstuhl im Wald gezimmert.
So schreibt Johann Keiper über Oberstjägermeister Karl Theodor von Hacke, den Trippstadter Schloss- und Waldbesitzer: „Man erzählt sich heute noch, dass in dem Jahrzehnt 1780 – 1790 Oberstjägermeister Karl Theodor von Hacke seinen Holzanfall vorteilhafter als früher verwertete dadurch, dass er viel Eichenbauholz schlagen ließ, das an Ort und Stelle im Walde zimmermannsmäßig bearbeitet wurde. Deshalb seien die Landleute von weither in den Trippstadter Wald gefahren, da sie dann für ihre Hausneubauten daheim das Eichengebälke nur mehr richtig zusammenzusetzen und zum Dachstuhl aufzuschlagen hatten“.


Literaturhinweise:
Hans Grandke: Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung gegenüber der Großindustrie – Leipzig 1897
Paul Hagger: Handwerk zwischen Idealbild und Wirklichkeit – Stuttgart 1991
Wilhelm Weidmann: Streiflichter durch die Wirtschaftsgeschichte von Stadt- und Landkreis Kaiserslautern – 1976
Rudolf Zorn: Handbuch der Sozialwissenschaftler – 1965
Fritz Schellack
Günter Schifferer: Geschichte des pfälzischen Handwerks

hukwa

Mittwoch, 10. August 2016

Als der Jäger aus Kurpfalz in Trippstadt auf die Jagd ging


Der Mann, den wir gerne als „Jäger aus Kurpfalz“ bezeichnen wurde in Simmern am Nordrand des Soonwaldes geboren. Er war das vierte Kind des späteren Kurfürsten von der Pfalz, Friedrich III. genannt „der Fromme“ und seiner Gemahlin Maria von Brandenburg-Ansbach. Seine Jugendjahre verbrachte er lange Zeit als Page am Hof von Paris und Nancy. Reiten und Jagen sowie die Geselligkeit in frohen Weinrunden waren seine Leidenschaft. Als sein Vater im Jahre 1559 in Heidelberg den Kurfürstenstuhl besetzte, wurde er einer seiner politischen Berater, war es doch eine politisch und religiös sehr bewegte Zeit.

Nach seiner Vermählung im Jahre 1570 bezog er mit seiner Frau die Barbarossa Burg in Lautern. In dieser Zeit begann er auch mit den Vorbereitungen zum Bau eines neuen Schlosses im Renaissancestil, unmittelbar neben der alten Burg, das 1577 vollendet wurde,
Von nun an liefen für mehr als ein Jahrzehnt in Kaiserslautern die Fäden einer Politik zusammen, die europäischen Charakter trug. 

Johann Casimir Zeichnung © Ute Knieriemen-Wagner
 

Johann Casimir war wie erwähnt ein leidenschaftlicher Jäger. Fast täglich ging er schon sehr früh zur Jagd oder hielt sich in seinen Parks und Tiergärten auf. Ein wertvolles Vermächtnis über das Leben des Kurfürsten, vor allem was die Jagd und den Wald betraf, stellen seine „Schießbücher“ und sein Kalendertagebuch dar. Sie umfassen die Jahre zwischen 1567 und 1589 also seine „Lauterer Jahre“. Diese Tagebücher sind nicht nur für die Jagd und Fischerei des 16. Jahrhunderts von Bedeutung, sie schildern auch mit kurzen treffenden Worten die politischen Verhältnisse der Pfalz in dieser Zeit.

Eine seiner großen Jagdleidenschaften war die „Auerhahnenfals, also die Jagd auf Auerhähne. Eines der besten Auerhahngebiete im Umkreis von Kaiserslautern war der Lauberwald bei Trippstadt. Worüber der Kurfürst auch in seinem Kalendertagebuch und seinen Schießbüchern mehrfach berichtet. So lesen wir unter anderem für den Monat März 1580:

Früh wieder auf die Hahnenfals, 2 Hähne geschossen. Zu Lauber (Lauberwald) gegessen. Folgents wieder nach Lautern gezogen. Carlowitz angekommen, desgl. Beutrich (Hofbeamte).
Früh wieder zwei Forellenweiher gefischt. Zuvor auf die Hahnenfals gezogen. Nichts ausgerichtet. Nachmittags „uff den Waldt Birchen gezogen. 2 Rehe und ein Schwein geschossen.

Früh auf Hahnenfals. Nichts ausgerichtet. Nachmittags Geschäfte verrichtet.

Früh auf die Hahnenfals gezogen und nichts geschossen. Danach einen „Forel Weiher“ gefischt. Ist meine Gemahlin mit der Gräfin von Hohenlohe hernach gekommen.

Früh auf die Hahnenfals gezogen. Einen geschossen. Fürters zu Lautern gegessen und folgend nach Friedelsheim gezogen.

Früh mit dem Grafen auf die Auerhahnenfals gezogen. Nichts ausgerichtet. Danach in den Tiergarten gegangen. Nachmittags Geschäfte in der Kanzlei verrichtet.

Früh Suppen (Frühstück) gegessen. Danach mit dem Grafen zum Birschen gezogen. Hat der Graf ein Stück Wild (Kahlwild) geschossen, ich einen Rehbock und einen Auerhahn.“

Soweit im Tagebuch genannt waren die Erlegungsorte für Auerhähne in der Regel der Lauberwald, der anscheinend einer der Lieblingsaufenthalte des Kurfürsten war wenn er zur Jagd ging. Auch bei Dansenberg und dem Aschbacherwald ging er gerne zur Jagd. Doch auch in den Wäldern um Johanniskreuz war der Kurfürst aktiv. In seinem Schießregister können wir unter anderem Lesen:

1 auerhanen vff den hornbach. Weld. Nitt weitt von hahnberg.
1 auerhahnen vff dem laberwald“.

1 hasell huhn bei dem hoff laber, so dem kloster Eussertall gehörig.“


Der Auerhahn gehörte der „Hohen Jagd“ an und durfte nur vom Landesherrn selbst bejagt werden.
Im Lauberwald hatte die Kurpfalz das Jagdrecht. Balzplätze des Auerwildes wurden in den Waldbeschreibungen gesondert festgehalten. So kann man bei Velmanns „Beforschung des Lauberwaldesnachlesen: ...da zur Rechten der Steinberg im Laberwaldt, so ein herrlicher Auerhahnenfals und zur linken Handt der Grevensteiner Waldt, das Teufelslooch genannt gelegen“.

In seinem Buch „Wildanger“ schreibt der pfälzische Mundartdichter Franz von Kobell im Jahre 1859:In der Pfalz war vormals der Auerhahnfals um Johanniskreuz berühmt und bestanden zum churfürstlichen Aufenthalt während der Falszeit die Jagdschlösser Breitscheid und der Speckheinrich“.
Das Jagdhaus Speckheinrich befand sich bei Elmstein und Breitscheid in der Nähe von Schwarzsohl.

Wohl jeder Pfälzer kennt das Lied „der Jäger aus Kurpfalz“. Es gab immer wieder Zeiten, in der bewegten Geschichte unserer Pfalz, da man dieses Lied als „Pfälzer Nationallied“ bezeichnete. In seiner „Pfälzischen Volkskunde“ schreibt Albert Becker: So erlebte das alte Pfälzer „Nationallied“ vom „Jäger aus Kurpfalz“ aus stolzer Freude heraus eine Zeit der Blüte, als der „Rheinkreis“ (1838) wieder den alten Namen „Pfalz“ erhielt und fast wie ein neues Polen auferstehen durfte. Mendelssohn–Bartholdy hat uns in einem Reisebrief von der Stimmung jener Tage berichtet und darin die Melodie des Liedes aufgezeichnet, das Pfälzer und Nichtpfälzer auch gerne parodierten oder umdichteten und neuvertonten“. 
 
hukwa

Literaturhinweise:
Ludwig Zimmer: Jagdgeschichtliches aus dem Gräfensteiner Wald.
Albert Becker: Pfälzische Volkskunde.
Hubert Zintl: Johanniskreuz – Im Herzen des Pfälzerwaldes.
Erich Bauer: Der Stadtwald Kaiserslautern.
Franz von Kobell: Wildanger. Jagdgeschichte.


Freitag, 17. Juni 2016

Die spirituelle Botschaft der Natur

Die Natur ist weit mehr als nur eine Welt materieller Erscheinungen. Wenn wir ihre Wesen genau beobachten und ihre "Signatur" studieren öffnet sich uns das Buch einer Offenbarung. Wenn wir in diese Naturphänomene spirituell eindringen können wir diese Botschaft lesen. In jedem Vogellied, in jedem Windhauch können wir die Botschaft auch akkustisch wahrnehmen.
hukwa

Mittwoch, 15. Juni 2016

Schlossgeist vom Trippstadter Schloss

Manchmal öffnet er die Tür
schleicht sich in den Raum
keiner hat ihn je gesehn
am Morgen wird er wieder gehn
Nachts aber dann sitzt er hier
aus der Tür der Ewigkeit
tritt er ein in unsere Zeit
am Fenster klopft er manchmal an
auch im Park sieht man ihn dann
geht durch ihn Jahrhunderte lang.
hukwa

Montag, 25. April 2016

Unterwegs sein

Wegen starkem Regen habe ich in letzter Zeit mehr philosophiert als dass ich unterwegs war. Nun, beides ist wichtig außerdem ist Philosophieren auch ein Unterwegs - Sein. Es ist die reine Wahrnehmung mit dem Geiste. Ich möchte beide Wanderarten nicht missen, ergänzt dass Eine doch dass Andere.
hukwa

Freitag, 22. April 2016

Freitag, 15. April 2016

Wandern

Wanderer! Ich liebe diese Bezeichnung. Ein Wanderer ist zu ehren. Sein Beruf ist das beste Sinnbild unseres Lebens. Von einem Ort aufbrechen zu einem anderen, das ist die Geschichte eines jeden von uns.
Thoreau

Montag, 11. April 2016

Bezug zur Natur

An Tagen wie Heute möchte ich von keinem Menschen gestört werden. Ich genieße die Gemeinschaft von Stein, Pflanze und Tier. Sie sind für mich die große Gemeinschaft und nicht die Ansammlungen und Versammlungplätze der Menschen.
Wenn man den richtigen Bezug zur Natur hat ist man nie allein.
hukwa

Sonntag, 20. März 2016

Ein Kriminalfall aus Trippstadt vor 156 Jahren und ein interessanter Briefwechsel aus gleicher Zeit.

Vor einiger Zeit durfte ich mal wieder im Privatarchiv von Herrn Geißenbauer bei Mannheim stöbern und wurde alsbald in seiner großen heimatkundlichen Sammlung fündig. Neben einem alten Briefwechsel, denn ein Trippstadter mit einem Mannheimer führte, fand ich in den zahlreichen alten Zeitungen, die zu Herrn Geißenbauers Sammelleidenschaft gehören, einige Artikel, die von Trippstadt handeln. Einen dieser Zeitungsberichte der vor 181 Jahren handelt möchte ich hier wiedergeben.

So kann man im „Zweibrücker Wochenblatt“ Nr.71 vom 4. September 1835 folgenden Bericht lesen:

Beschluß der Assisen – Verhandlungen vom 29. August: Peter Streifler, 28 Jahre alt, Fuhrmann, geboren und wohnhaft zu Trippstadt (Vertheidgt durch den Herrn Rechtskandidaten Weiß).

Aus den heutigen Verhandlungen gehet hervor, daß der Angeklagte, welcher überhaupt in einem schlechten Ruf steht, auf die roheste Weise ohne vorherige Veranlassung einen Menschen seines Lebens beraubt hat.
Die den Geschworenen gestellte Fragen, ob Streifler schuldig sey, in der Nacht vom 13.-14. Juli dieses Jahres zu Trippstadt den philipp Schäfer, von da mit einem Sielscheide der Art freiwillig auf den Kopf geschlagen zu haben, daß eine bedeutende Kopfverletzung daraus entstanden, und derselbe in nothwendiger und absoluter Folge dieser verletzung am 15. desselben Monats gestorben ist – wurde bejahend entschieden.
Das Aisissengericht in Anwendung der Art. 295, 304 und 20 des Code penal verurtheilte den Angeklagten zur Strafe der Zwangsarbeiten auf Lebenszeit, zur Brandmarkung und zu den Kosten. Gegen dieses Straferkenntniß hat der verurteilte das Rechtsmittel der Kassation ergriffen“.

Interessant ist nun der von mir oben erwähnte Briefwechsel aus etwa gleicher Zeit. Hierbei handelt es sich um 36. Briefe in dem sich die Briefschreiber auch mit diesem und einigen anderen Fällen beschäftigen. Nebenbei bekommt man bei der Lektüre dieser Briefe auch viel vom Zeitgeist der damaligen Zeit mit. Der Briefwechsel dauerte von ca. 1834 bis 1845 und ist nicht ganz vollständig.
Inhalt der Briefe sind vorwiegend Trippstadter und Mannheimer „Alltagsgeschichten“, es wird über Politik debattiert und Familienangelegenheiten werden ausgetauscht, über Abergläubisches weiß man sich zu berichten und über die Nachbarn wird gescholten.
Alles in allem ein Fundus für einen realistsichen heimatgeschichtlichen Roman.


hukwa





Mittwoch, 9. März 2016

Über ehemalige Trippstadter Hang – und Waldgärten und alte Trippstadter Trockenmauern

Im Sonderheft „Flurnamen“ der Trippstadter Blätter zur Heimatgeschichte berichtet Kurt Knebel von sogenannten „Hangäckern“ im Kaltenborner Tal. Unter anderem schrieb er dort „...früher wurde ein Teil des zum Wilensteiner Feld liegenden Hanges ackerbaulich genutzt, Reste der terrassenförmigen Aufmauerungen sind heute noch in dem aus Anflug entstandenen Wald zu erkennen“.
Also habe ich mich auf die Suche begeben und nach Resten dieser ehemaligen „Waldgärten“ zu suchen. Bereits unterhalb des „Köpfchens“ wurde ich fündig und fand mehrere in Trockenmauerbau angelegte Terrassen. Auch gegenüber der Kläranlage von Trippstadt im Kaltenborner Tal finden sich diese „Hang- und Waldgärten“. Ebenso im Bereich des „Kussweges“ in der Nähe des Trippstadter Köhlerplatzes. Auch im Bereich des Nabenberges finden sich noch Steinreste die auf solche ehemalige „Kleinstäcker“ hindeuten.
Auf meinen Wanderungen in den Wäldern von Elmstein, Frankenstein und Hochspeyer entdeckte ich ebenfalls diese Trockenmaueranlagen. Sie müssen für die Menschen des 17. und 18. Jahrhunderts zum Überleben sehr wichtig gewesen sein. Wohl wurden sie vor allem von Taglöhnern, kleinen Ackerbauern, sogenannte „Ein Kuh Bauern“ angelegt.
Heute erfüllen diese Trockenmauerreste eine wichtige ökologische Funktion für Kleinstlebewesen, Insekten, kleine Säugetiere und Vögel.
Diese Waldhanggärten gehören wie so viele Kleindenkmäler einfach zur Trippstadter Heimatgeschichte, daher habe ich begonnen sie zu archivieren und fotografisch zu dokumentieren.
Irgendwann werden auch diese Überreste, wie inzwischen z.B. schon so viele Grenzsteine, verschwunden sein.
Gewiss haben in der damaligen Zeit Menschen aus Trippstadt Teile des Waldes gerodet, damit die Sonne den Boden länger erwärmen kann. Dem feinen und dünnen Waldboden wurde wohl auch Mist zugeführt. Man baute darauf Buchweizen, Kartoffeln und Gemüse an, Früchte die zum Überleben nötig waren.
Zweifelsohne sind diese ehemaligen Waldgärten historisch von Bedeutung, erzählen sie uns doch einiges über das Leben unserer Vorfahren.

Trippstadt ist reich an alten Trockenmauern. Sie sind fester Bestandteil unserer heimischen Landschaft und Zeugen vergangener Handwerkskunst. Zudem bilden diese Mauern ökologisch wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Mauerwerk werden Trockenmauern ohne Mörtel, also trocken, aufgeschichtet. In ihrer typischen Form bestehen sie aus rohen oder nur wenig bearbeiteten Bruchsteinen.
Foto©Ute Knieriemen-Wagner

Der Wanderer braucht in Trippstadt nicht weit zu laufen, will er solch alte Handwerkskunst bewundern. Fast überall begegnen ihm die ökologisch wertvollen Steingebilde, als Zeuge unserer Geschichte. Zudem bieten diese Trockenmauern vielen „Lebenskünstlern“ eine letzte Zuflucht, sind somit letztes Refugium bedrohter Pflanzen und Tierarten.
Vor allem an vielen schattigen und feuchten Hängen finden wir Trockenmauern vor, die einst als Stütze angelegt wurden. Ihre Fugen sind beliebter Aufenthaltsort einer Fülle von kleineren Tieren wie Käfer, Bienen, Hummeln und Wespen. Im Sommer finden wir hier vor allem sehr unterschiedliche Moose, das Schöllkraut (Chelidonium majus), Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) und vor allem den Efeu (Hedera helix). Aber auch seltene Gewächse wie der Trauben–Steinbrech (Saxifraga paniculata), können dem pflanzenkundigen Wanderer begegnen. Der sehr seltene Lanzen–Schildfarn (Polystichum lonchitis) findet sich noch an zwei Stellen.

An den trockenen Mauern finden wir vor allem den Mauerpfeffer (Sedum acre) und das Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) und eine große Anzahl unterschiedlicher Gräser. Gehölze wie Birke und Holunder siedeln sich immer wieder in den Nischen und Fugen an. Farne sind zahlreich vertreten. Das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) blüht schon Ende März.
Laubmoose (Musci) und Lebermoose (Hepaticae) sind ebenfalls reichlich vorhanden.

Verschiedene räuberische Laufkäfer bekommen wir seltener zu sehen da sie sehr nachtaktiv sind. Doch den einfarbig schwarzen Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus) sowie einen unserer schönsten heimischen Laufkäfer, den grün–metallisch glänzenden Puppenräuber (Calosoma sycophanta) können wir im Sommer an sonnigen Trockenmauerstellen recht oft beobachten.

An Hummeln finden wir die Steinhummel (Bombus lapidarius) und die gelbrot gefärbte Mooshummel (Bombus muscorum), die wie ihr Name besagt, Moose liebt und dort ihr Nest baut. Tagsüber verstecken sich gerne Kreuzkröten (Bufo calmita) und Erdkröten (Bufo bufo) in den Steinfugen. Die Waldeidechse (Lacerta vivipara), die gegen Kälte ziemlich unempfindlich ist, wurde schon an feuchteren Trockenmauerstellen gesichtet. Sie ist übrigens unsere einzige heimische Echsenart, die ihre Jungen lebend zur Welt bringt. Unsere größte und wohl schönste Eidechse die Smaragdeidechse (Lacerta viridis), fällt durch ihren leuchtend grün gefärbten, dunkel gefleckten Rücken auf.
Dem naturbewussten Beobachter wird sie, wenn er Glück hat, im Karlstal an sonnigen Tagen begegnen, wenn sie dort über eine der wunderbaren Trockenmauern läuft. Da sich den Trockenmauern oftmals aufgestapeltes Altholz befindet, kann es schon einmal passieren, dass zwischen einer Mauerritze ein Feuersalamander hervorschaut.
Die hier erwähnten Pflanzen und Tiere sind nur ein kleiner Teil von vielen Bewohnern unserer heimischen Trockenmauern, deren Bestand als absolut schützenswert gilt.

Freitag, 4. März 2016

Gefieder der Zeit

Stein am Ufer darinnen
das lied des Dompfaffs
vom vergangenen Sommer träumt
bemalte Altäre am Bachrand
sehnen sich nach dem Licht
silberner Kometen
doch
am himmel schwebt
einsam
das Gedicht
im Gefieder der Zeit.
hukwa

Sonntag, 28. Februar 2016

Die Kiefer - der Baum Merlins

Kein Baum bildet im mittleren und nördlichen Europa so ausgedehnte Wälder wie die Kiefer, auch Föhre, Forche oder Fohrle im Volksmund genannt. Diese Wälder heißen in fast ganz Norddeutschland auch „ Heiden „. Obgleich die Kiefer auf allen Bodenarten gedeihen kann, überwiegt sie auf Sandböden, die den meisten anderen Waldbäumen nicht zusagen. Nehmen wir eine junge Kiefer aus dem Boden, so sehen wir, dass sie ein gr0ßes und stark verzweigtes Wurzelgeflecht hat. Sie hält sich also wie mit tausend Armen in dem lockeren Grunde fest und steht um so sicherer, als sie eine Pfahlwurzel tief in die Erde senkt. Mit dem mächtigen Wurzelwerk durchzieht sie ferner eine sehr große Erdmasse, so das sie selbst unfruchtbarem Sandboden genügend Wasser und Nahrung entnehmen kann. Zahlreiche Wurzeln breiten sich bereits dicht unter der Erdoberfläche aus und vermögen so auch Tau und kleine Mengen von regen aufzusaugen, die von der verwesenden Nadelschicht des Waldbodens festgehalten werden. Die „ Waldstreu „zu entfernen ist daher für den Baum von Nachteil. Die feinsten Enden der Kiefernwurzel sind von Pilzfäden umsponnen. Aus vielfachen Versuchen ergibt sich, das sich die Kiefer, nur in solcher Erde kräftig entwickeln kann, die zahlreiche Pilzkeime enthält. Wahrscheinlich nehmen die Pilzfäden gewisse Nahrungsstoffe aus dem Boden, wozu die Kiefer allein nicht imstande ist. Der Stamm und die Zweige sind bei jungen Bäumen mit einer rötlichen Rinde, später aber mit einer dicken, graubraunen, rissigen Borke bedeckt. Aus Wunden fließt klebriges Harz hervor, das sich in allen Teilen der Kiefer findet. Es verschließt die Wundstellen,
verwehrt also Pilzkeimen, die Krankheit oder Fäulnis erregen, in die Pflanze einzudringen. Außerdem bildet es einen gewissen Schutz gegen Tierfraß. Der Stamm wächst in jedem Frühjahr um ein Stück, so das eine kerzengerade, bis fast 50m hohe Säule entstehen kann. Gleichzeitig bilden sich nahe am Ende des Stammes alljährlich mehrere quirlförmige gestellte Zweige. Daher zählt der jüngere Baum so viele Jahre als er „ Stockwerke „ aufweisen kann. Auch die Zweige wachsen fortgesetzt weiter, wobei sie sich regelmäßig verästeln, so das die junge Kiefer die Gestalt einer Pyramide bekommt. Später sterben die unteren Zweige des Baums aus Lichtmangel ab, während die oberen sich im lauf der Jahre immer stärker ausbreiten. Ältere Bäume eines Kiefernwaldes besitzen deshalb eine schirmförmige Krone. Im Frühjahr erscheinen junge Zweige, die Maitriebe, die aus braunen Knospen hervorgehen. Sie stehen zunächst aufrecht und werden von rostfarbenen , ausgefransten Blättchen, den Tragblättern, umhüllt. Diese sind untereinander verklebt und schützen die zarten, saftreichen Triebe. Später fallen sie ab, und die jungen Zweige neigen sich, mit Ausnahme des Gipfeltriebes zur Seite, nehmen also ihre bleibende Stellung ein. In der Achsel eines jeden Tagblattes entsteht frühzeitig ein kleiner Höcker, der ein Nadelpaar entwickelt. Da aus den Achseln von Blättern stets Seitensprossen hervorkommen, sind auch die Höcker kleine Sprossen: Der Maitrieb ist also ein Langtrieb mit zahlreichen Höckerartigen Kurztrieben. Die beiden Nadelförmigen Laubblätter sind Anfangs weich und von silberweißen Blättchen schützend umhüllt, die später auf Reste verschwinden. Infolge der Nadelform haben die Blätter eine verhältnismäßige kleine Oberfläche. Sie sind zudem von einer so dicken Oberhaut bedeckt, das sie hart und trocken erscheinen. In der Oberhaut befinden sich nur wenige Spaltöffnungen. So kommt es das die Kiefernadel wie die Blätter einer Trockenpflanze nur wenig Wasser verdunstet. Im Gegensatz zu den Laubbäumen, kann die Kiefer den größten Teil ihrer Blätter sogar während des trockenen Winters behalten: sie ist Immergrün.
Die einzelne Nadel lebt 2 – 3 Jahre. Die meisten Nadeln sitzen an den enden der biegsamen Zweige ; daher kommt es in schneereichen Wintern selten zu einem „ Schneebruch „ . Die Samenblüten stehen als rötliche Zapfen an der Spitze der Maitriebe und sind anfänglich wie diese von braunen Schuppen umhüllt. Die Kiefer wird vom Wind bestäubt. Die Bestäubung führt nicht gleich zur Befruchtung. Erst im nächsten Frühjahr treiben die Pollenkörner aus. der Kiefernwald nimmt in Deutschland einen bechtlichen Raum ein. Man unterscheidet reine Kiefernwälder von Mischwäldern aus Kiefern, anderen Nadelgehölzen und Laubwäldern. Das Tierleben im Kiefernwald ist um so reicher, je stärker die Strauch- und die Bodenpflanzenschicht entwickelt ist. Die Straucharmen, trockenen Kiefernwälder der Ebenen erscheinen oft wie ausgestorben, weil das Unterholz fehlt und viele Vögel weder Nahrung noch Unterschlupf finden. Eine große Anzahl von Kleingetier, Würmern, Spinnen und Käfern belebt den Kiefernwald. Manche sind schlimme Schädlinge z.b. die Raupen des Kiefernspanner, Nonne, Kieferneule, die oft ganze Wälder vernichten, vor allem aber die Borkenkäfer denen die vom Waldsterben betroffenen Wälder zum Opfer fallen. Dem Kleingetier folgen seine Feinde, der Kuckuck und die Spechte, aber auch die Meisen und Goldhähnchen, deren Lockrufe wir aus den Baumkronen vernehmen. Sehr häufig treffen wir hohe aus Kiefernnadeln, gebaute Ameisenhaufen an, sie werden vor allem vom Grünspecht durchwühlt, der die Bewohner als Leckerbissen schätzt. Mit Hilfe der Kiefer lässt sich selbst einem Sandboden, auf dem fast keine andere Nutzpflanze mehr gedeiht, noch ein Ertrag abringen. Sie liefert ein sehr wichtiges Bau und Werkholz, sowie den Rohstoff zu Packpapier und Pappen. Aus dem Harz gewinnt man Terpentinöl, das besonders vom Maler aber auch in der Heilkunde verwendet wird. Auch Geigenharz und Fasspech, gewinnt man daraus. Das Harz der Kiefer gilt als altes Heilmittel. Neben Fichte und Tanne gehört die Kiefer zu den Bäumen die in der Heilkunde seit Jahrhunderten als Lungenmittel eingesetzt werden. Man benutzt die Kiefer als Inhalation, als auch in Form von Bädern und Tee.
Die ältesten noch lebenden Bäume der Erde sind krüppelige und verwachsen wirkende Grannen – Kiefern. Sie verdanken ihr Alter von über 4 Jahrtausenden (nachgewiesenes Höchstalter 4700 Jahre) möglicherweise der Tatsache, dass sie an ihrem Hochgebirgsstandort in der Sierra Nevada die längste Zeit des Jahres vereist bei Tiefkühltemperaturen zubringen müssen. Als diese Bäume schon standen hatten wir in Europa noch die Bronzezeit.
In der Mythologie spielt die Kiefer eine bedeutende Rolle im Attis – Kult. Die Sage spricht davon dass der phrygische Gott, ein menschliches Wesen sei, dass in eine Kiefer verwandelt wurde. Wohl daher haben die Phrygier die Kiefer, vor allen anderen Bäumen verehrt. Über den Baumkult des Dionysos, lesen wir bei Frazer: " Zu den Bäumen, die ihm außer dem Weinstock besonders heilig waren, gehörte die Kiefer. Das delphische Orakel befahl den Corinthern, eine besondere Kiefer, in gleichem Maße wie den Gott zu verehren. Daher machten sie zwei Bilder von Dionysos daraus mit roten Gesichtern und goldenen Leibern. In der Kunst tragen der Gott oder seine Anhänger gewöhnlich einen Stab, an dessen Spitze ein Kiefernzapfen befestigt ist." Kiefernzapfen galten in der Antike als Sinnbild und Mittel der Fruchtbarkeit.
Im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert, feierte man in Rom vom 15. bis 27. März, das fest der heiligen Kiefer. Ein Fest zu Ehren der Kybele und des Attis. Dieses Fest bei dem den Dendrophoren (Baumträgern) eine wichtige Rolle zu kam, war ein Vegetationsfest. Die Baumträger trugen die heilige Kiefer aus dem Wald, wo sie diese unter Ritualen gefällt hatten. Man umwickelte den Stamm des geschlagenen Baumes, mit wollenen Bändern wie ein leichnam, der den Gott Attis darstellen sollte. Jacques Brosse berichtet in seiner Mythologie der Bäume folgendes: "Am 23. März erklangen die Trompeten, die man vorher gereinigt hatte; sie kündigten wahrscheinlich den "Tag des Blutes" an. Am 24. März schnitt sich der Hohepriester des Attis, der Archigallus, in den Arm und bot der heiligen Kiefer sein Blut als Opfer an, während Zimbeln und Tamburine lärmten und die von grellen Flöten begleiteten Hörnern dröhnten. Auf dieses Signal hatten die anderen Priester gewartet; mit flatterndem Haar stürzten sie sich nun in einen wild wirbelnden Tanz, geißelten sich bis aufs Blut und schnitten sich mit den Messern..."
Auch die Merlinsage ist eng mit der Kiefer verknüpft. Für seine Prophezeiungen benutzte Merlin Bäume. Es gibt alte Texte die davon berichten dass Merlin meist unter einem Apfelbaum oder einer Kiefer lehrte. Am Brunnen von Barenton, der in der Merlinlegende eine wichtige Rolle spielt, stand eine heilige Kiefer, in die Merlin oft stieg, und in deren Wipfeln, er zur höchsten Erkenntnis gelangt sein soll.
Einen Bezug zur Kiefer finden wir bei den Griechen auch bei der Nymphe Pitys, die wie – Syrinx – in Gefahr war, von Pan vergewaltigt zu werden, diesem aber durch eine Metamorphose entging. Sie wurde zur Kiefer. Nach weiteren Legenden wurde die jungfräuliche Pitys gleichzeitig von Pan und Boreas, dem Nordwind begehrt. Da Pitys Pan vorgezogen hatte, blies Boreas mit solchem Zorn,, das er die Unglückliche von einer Klippe stürzte. Pan fand sie dort halbtod und verwandelte sie sogleich in eine Kiefer. Aus diesem Grund fließt seither, wenn im Herbst Boreas bläst, ein durchsichtiges Harz aus den Kiefernzapfen; es sollen die Tränen der Pitys sein.

Seit Altersher benutzt man das Harz der Kiefer in der Naturheilkunde und Volksheilkunde. Diesen Ausgangsstoff kennt man in vielen Zubereitungsarten. Zur Gewinnung des Harzes wurden die Kiefern angezapft. Aus diesem Harz wird das Terpentin hergestellt. Bereits vor 4000 Jahren nutzten die Ägypter Terpentin aus Kiefern zur Mumifizierung. Neben dem Terpentinöl erhält man bei der Destillation das festere Kolophonium, das Geigenharz.
Das Harz der Kiefer, ihre Sprossen und Nadeln wirken hustenreizstillend., auswurffördernd, antiseptisch, haut – und schleimhautreizend, durchblutungsfördernd, beruhigend und harntreibend.
Neben der Fichte und der Tanne, gehört die Kiefer zu den erprobten Lungenheilmitteln der Naturheilkunde.
Sitzt man in einem Kiefernwald, beleben die Ausdünstungen der Bäume die Bronchien. 
hukwa 

Hindenburgkiefer bei Johanniskreuz - Fotos © Hans Wagner





Aber auch der Föhrenwald
Lass ich mir nicht schelten
Wenn mein Jauchzen widerhallt
in dem sommerhellten!

Heiter ists und aufgeräumt
Und das Wehn der Föhren,
Wenn die Luft in ihnen träumt,
Angenehm zu hören!

Schlanken Riesenkindern gleich
Stehn sie da im Bunde,
Jedes erbt ein kleines Reich
Auf dem grünen Grunde.

Aber oben eng verwebt,
Eine Bürgerkrone
Die Genossenschaft erhebt
Stolz zum Sonnenthrone.

Schmach und Gram umfängt sie nie,
Nimmer Lebensreue;
Schnell und mutig wachsen sie
In des Himmels Bläue.

Wenn ein Stamm im Sturme bricht,
Halten ihn die Brüder;
Und er sinkt zur erde nicht,
Schwebend hängt er nieder.

Lieg ich so im Farrenkraut,
Schwindet jede Grille,
Und es wird das herz mir laut
In der Föhrenstille.

Weihrauchwolken ein und aus
Durch die Räume wallen –
Bin ich in ein Gotteshaus
Etwa eingefallen?

Doch der Unsichtbare lässt
Lächelnd es geschehen,
Wenn mein wildes Kirchenfest
Hier ich will begehen. 
Gottfried Keller