Sonntag, 12. April 2015

Frühling im Trippstadter Wald - in jedem, noch so kleinen Teich oder Bächlein entsteht neues Leben!

Fotos Ute Knieriemen-Wagner





Fame, bellum, peste. - Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen für Kaiserslautern und Umgebung

Die Nacht der Geschichte
gebiert Ungeheuer.
Rüdiger Safranski

Der Dreißigjährige Krieg mit seinen Grenzzahlen 1618 – 1648 ist auch für das Gebiet des heutigen Landkreis Kaiserslautern natürlich nicht genau umschrieben.
Der Kurpfälzer Friedrich V. Residierte einen Winter lang als König in Prag und machte damit, unfreiwillig, die Pfalz zum Aufmarschfeld des Dreißigjährigen Krieges, dessen Kriegsfurie aufs schrecklichste auch unseren heutigen Landkreis heimsuchte. Er hinterließ ein von Kaiserlichen und Protestanten, von Schweden, Kroaten, Spaniern und Deutschen gleichermaßen verheerendes und ausgelaugtes Land.
Am 19. September 1610 stirbt Kurfürst Friedrich IV. In Heidelberg, seine Kinder sind zu dieser Zeit noch unmündig. Sein ältester Sohn und zukünftiger Nachfolger wird am Hofe seines Schwagers, des Herzogs Heinrich von Bouillon erzogen. Im Jahre 1615 nach seiner Volljährigkeitserklärung kann er als Kurfürst Friedrich V. Von der Pfalz die Regierungsgeschäfte übernehmen. Bis zum Jahr 1620 verwaltet Friedrich V in Personalunion die pfälzischen Landteile, die Laut des Testamentes seines Vaters dem noch unmündigen Bruder Ludwig Philipp zugefallen sind: das Herzogtum Simmern und das Fürstentum Lautern.
Als Teilgebiet der Kurpfalz umfasste das Fürstentum Lautern das Oberamt Lautern. Hauptort war das heutige Kaiserslautern. Unterämter waren Rockenhausen, Otterberg und Wolfstein. Hinzu kamen die Gerichte Kübelberg, Ramstein, Steinwenden, Weilerbach, Morlautern, Alsenborn, Neukirch und Waldfischbach.
Im Jahre 1617 wird Kaiser Ferdinand II. Mit den Stimmen der vorwiegend protestantischen Stände des Landes zum König von Böhmen gewählt. Allerdings missachtete er die von ihm versprochene Religionsfreiheit (Sein Wahlspruch war: „lieber über eine Wüste als über ein Land voller Ketzer regieren“). Die böhmischen Stände erklärten Ferdinand II. Als böhmischen König für abgesetzt und setzten Friedrich V. Die Krone auf. Mit diesem Schritt war das Schicksal von Friedrich V. Als Landesherr besiegelt. Kaiserliche Truppen marschierten Richtung Prag und schlagen am 8. November 1620 am „Weißen Berg“, in der Nähe des Königsschlosses, das böhmische Heer. Der mit dem Spottnamen „Winterkönig“ betitelte Friedrich V. Flüchtete mit seiner Familie zunächst nach Breslau, schließlich nach Holland. Von nun an wird die Kurpfalz und das Herrschaftsgebiet des Pfalzgrafen Ludwig Philipp zum Spielball gegnerischer Mächte.
Schon im August 1620 marschieren burgundische und spanische Soldaten aus den Niederlanden in Richtung Pfalz. Die ersten pfälzischen Städte werden von Spaniern besetzt.
Der dreißigjährige Krieg hat die Pfalz erreicht.
Für unser Gebiet ist das einschneidendste Ereignis die Belagerung von Kaiserslautern im Jahre 1635, der sog. Kroatensturm.
Die Kaiserlichen hatten die Stadt mit einer Armee von 7000 Mann vorwiegend Deutsche, Polen, Kroaten und Ungarn belagert. Am 17. Juli 1635 schießen sie eine Bresche in die Stadtmauer beim Schloss, dringen in die Stadt ein, berauschen sich mit dem Wein aus dem Schlosskeller und richten ein schreckliches Gemetzel und Blutbad unter der Bevölkerung an. Die Stadt wird zum Teil niedergebrannt. Etwa 1500 Menschen sind ums Leben gekommen. Einige Überlebende retten sich in die Wälder. Ein Teil der Geflüchteten wird im Reichswald bei Dansenberg entdeckt und niedergemetzelt. Es dauert 150 Jahre bis die Zahl der Einwohner aus der Zeit vor dem Krieg wieder erreicht ist. Nach dem Sturm ziehen die Kaiserlichen weiter nach Westen an die Saar. Anfang November 1635 kommen die Truppen auf ihrem Weg an den Rhein zurück nach Kaiserslautern, wieder wird geplündert und gemordet. Diesmal wird auch die Burg zum Teil niedergebrannt.
Über die Ereignisse vom 17. Juli 1635 in Kaiserslautern schreibt Karl Scherer:
„Einen ersten Leitangriff vermochten die Verteidiger abzuschlagen,... Im Schutze dichter Rauchschwaden drang Oberstleutnant Raimundu Montecuccoli (berühmt geworden durch den Türkensieg bei St. Gotthard an der Raab, 1664, und als Verfasser militärtheoretischer Schriften) an der Spitze von 200 abgesessenen Kürassieren des Regimentes Aldobrandini in die Stadt ein und naghm im erbitterten Straßenkampf den Stadtkommandanten gefangen. Durch aufgeschlagene Tore und weitere Breschen einstürmende Kroaten vollendeten die Eroberung...“
Wir wissen heute dass der bekannte Philologe und Pädagoge Daniel Pareus, der Verfasser der „Historia Palatina“, an diesem Tag auch ums Leben kam. Pareus wollte in Kaiserslautern eine Schule eröffnen.

Den Dörfern um Kaiserslautern erging es genau so: es wurde geraubt, gebrandschatzt, gefoltert, gemordet. Die Söldner mussten für ihre Verpflegung selbst sorgen. Sie taten es in dem sie mordend und raubend in die Dörfer eindrangen. Die Dörfer der Herrschaft Wilenstein also Trippstadt, Mölschbach, Stelzenberg, die Waldsiedlung Hilsberg (der heutige Stüterhof) waren jahrelang ausgestorben; wenige Bewohner konnten sich in die Wälder retten.
Hier versteckten sie sich meist sogar bis nach dem Krieg.
Auch die Holzland Dörfer also Schopp, Steinalben, Waldfischbach und die hier gelegenen Mühlen wurden zerstört und niedergebrannt. Noch 1856 waren diese Dörfer unbewohnt. Die Häuser waren nur noch Ruinen, falls überhaupt noch Mauerwerk stand, und die Felder übersät mit Unkraut und Dornen.
Im Gericht Steinwenden, zu dem u.a. die Orte Mackenbach, Kottweiler und der kurpfälzische Teil von Schwanden gehörten, sind in diesen Orten 1684 – man bedenke: sechsunddreißig Jahre nach dem Kriegsende – noch immer keine Einwohner vorhanden. Im gesamten Gericht Steinwenden zählte man erst nach Jahrzehnten des Friedens ca. zwanzig Prozent seiner Einwohner von vor dem Krieg, als es rund 300 waren. Ramstein und Otterberg hatten vor dem Kriege ca. 100 bzw. 1570 Einwohner. Im Jahre 1684 waren es noch 35 bzw. 415 Einwohner.
Auch das Amt Wolfstein blutete aus. Zu diesem Amt gehörten außer Katzweiler, Mehlbach, Hirschhorn, Sulzbach, Olsbrücken und Frankelbach noch vier weitere Orte aus dem heutigen Landkreis Kusel. Das Amt hatte vor dem Kriege etwa 800 Einwohner bei Kriegsende waren es nur noch 200 Einwohner. Katzweiler hatte keinen einzigen Einwohner mehr. Erst 1684 zählte die Einwohnerzahl des Amtes Wolfstein wieder 3/5 der Bevölkerungszahl von vor dem Krieg.
„Fame, bellum, peste“ - Hunger, Krieg und Pest! Diese drei Worte umschreiben das Elend, das der Dreißigjährige Krieg über das Deutsche Reich brachte. Nach dem dreißigjährigen Sterben war die vormals blühende Pfalz ein einziges „Distelfeld“.


Dieser schreckliche Krieg war dennoch dass „größte Lehrstück“ unserer Geschichte. Seine ungeheuerlichen Zerstörungen wurden zum Geburtshelfer der modernen europäischen Staatengemeinschaft. Dadurch dass zahlreiche europäische Völker sich blutig abschlachteten, konnte sich in Europa das erste mal so etwas wie eine europäische Schicksalsgemeinschaft bilden. Am ende dieses Krieges erkannte Europa das erste mal dass es so etwas wie eine zusammenhängende Staatengesellschaft gibt. Hier gilt das Wort des Heraklit: Der Krieg als Vater aller Dinge. Aus diesem großen Krieg ging der Westfälische Frieden hervor, der zwar nicht jeden Krieg verhindern konnte aber mit Sicherheit gab es nun etwas dass es vorher nicht gegeben hat: Geschichtsbewusstsein!

hukwa



Lit. Hinweise:
Karl Scherer: Der Dreißigjährige Krieg in der Pfalz; in: Pfälzische Landeskunde.
Friedrich von Schiller: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges.
Ernst Christmann: Der Dreißigjährige Krieg im Oberamt Lautern.
Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit.
Rüdiger Safranski: Schiller – eine Biographie.

„Auf dem ältesten Altare der Menschheit stehend“

Gedanken beim Besteigen eines Berges bei Trippstadt


An solchen Orten erkennnnt man dass Natur vielmehr ist als das wissenschftlich Messbare oder wirtschaftlich Verwertbare. Solche Plätze sind ein Sinnbild für seelische und kosmische Verbindungen. Es sind Landschaftsräume von Andacht, Demut und Stille. Wenn man sich hier aufhält kommt der Moment wo der Geist zwischen Tag und Nacht, Wachheit und Phantasie, zwischen Gegenwart und ältester Vergangenheit weilt.
Einsam auf einem Bergrücken im Pfälzerwald gelegen steht eine seltsame Formation von Buntsandsteien. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren als wären sie einst von Riesen errichtet worden. Es handelt sich natürlich um ein Steingebilde das in der Eiszeit entstand.
Die Anordnung der Felsen ist so bizarr das man davon ausgehen muss dass sich hier in der Frühgeschichte ein heidnischer Kultplatz befand. Verwitterte Ritzungen in den Steinen und kaum noch deutbare Felszeichnugen lassen ahnen dass dieser Platz einst für religiöse Handlungen genutzt wurde.
Etwas entfernt im Gebüsch von Farn und Brombeerranken bedeckt liegt ein spitz zu laufender Stein von etwa drei Meter Länge bei dem es sich um einen Menhir handeln dürfte. Eine Vertiefung auf der Buntsandstein Formation hat die gleichen Umrisse wie der Sockel dieses Steins. Noch etwas weiter entfernt findet sich eine Steinanlage die mit Sand ausgefüllt ist und bei der es sich wohl um einen urzeitlichen Grabhügel handeln muss.
Wenn man die Felsformation erklettert hat und auf der Plattform steht auf der mindestens zehn Menschen Platz haben empfängt einem das erhabene Schweigen dieser mystischen Waldlandschaft. Wie Mahner oder Wächter stehen die mächtigen Buchen und Eichbäume hier. Die darauf achten dass die moderne und entmytologisierte Gegenwart hier nicht so einfach eindringen kann. Der Weg hier herauf führt vorbei an abgelegenen Felsplateaus, verwunschenen Steinen und dichtem Wald. Die Moose an den mächtigen Buntsandsteinblöcken erscheinen wie Metaphern für das zähe Überleben dieses mythischen Raums. Wie schlafende Riesen mahnen sie uns an ein goldenes mythisches Zeitalter. Auf der Bergkuppe weilend scheint sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu Vereinen. Es ist der Moment wo sich die Gedanken einem Höherem, einem Anderen zuwenden. Und dieses Andere scheint jetzt in seiner urgewaltigen, archaischen Sprache zu sprechen. Es ist als würde sich ein Vorhang Lüften der für einge Sekunden einen Blick in die Frühgeschichte der Menschheit preisgibt. Und im leisen rauschen der Bäume, im Rascheln der trockenen Blätter und im Wispern des Windes scheint plötzlich die Stimme Goethes zu ertönen:
„In diesem Augenblick, da die inneren anziehenden und bewegenden Kräfte der Erde gleichsam unmittelbar auf mich wirken, da die Einflüsse des Himmels mich anher umschweben, werd ich zu höheren Betrachtungen der Natur hinaufgestimmt, und wie der Menschen Geist allles belebt, so wird auch ein Gleichnis in mir rege, dessen Erhabenheit ich nicht widerstehen kann. So einsam sage ich zu mir selber, in dem ich diesen ganzen nackten Gipfel hinabsehe und kaum in der Ferne ein gering wachsendes Moos erblicke, so einsam sage ich, wird es dem Menschen zu Mute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seiner Seele öffnen will. Da kann er zu sich sagen: Hier, auf dem ältesten ewigen Altare, der unmittelbar auf die Tiefe der Schöpfung gebaut ist, bringe ich dem Wesen aller Wesen ein Opfer dar“.
hukwa