Sonntag, 14. Dezember 2014

Aus Heinrich Hansjakobs - Reise nach Trippstadt, am 18. Juni 1903, Auszug aus seinen Reiseerinnerungen und Tagebuchblättern dritter Band – Sommerfahrten

….Endlich kommt eine größere Lichtung, und auf einer rauhen Hochfläche erscheint das große Walddorf Trippstadt.
Es ist erst elf Uhr Morgens. Im Gasthaus von Spanier hat mir der Apotheker Zapf per Telefon mein Mittagsessen bestellt; ich habe aber vor dem Essen noch Zeit genug, um den katholischen Pfarrer aufzusuchen.
Auf der breiten Dorfstraße hinabschreitend, grüßte mich ein dicker Herr, der Typus eines biederen Landarztes, und sagte mir, dass er auch ein Schwarzwälder sei und zwar aus Falkau unweit vom Titisee.
Ich staunte nicht wenig darüber, im fernen Pfälzerwald einen Schwarzwälder als Arzt zu finden. Er hat in Würzburg studiert und praktizierte erst im Spessart, bevor er hierherkam.
Wenn ein Schwarzwälder in die Fremde geht und kein Heimweh haben will, so zieht er am besten nach Trippstadt, wo alles an den Schwarzwald erinnert und wo man glaubt, inmitten dieses Waldes zu sein. -
Die katholische Kirche und das Pfarrhaus liegen am ende des Dorfes, und der Kirche nach sind die Katholiken die kleinere Zahl der Bewohner. Der Pfarrer war nicht daheim, sondern auswärts auf einer seiner Filialorte, aber seine Schwestern empfingen mich in dem kleinen Pfarrhäuschen mit unverhohlener Freude und zeigten mir das Zimmer, das sie für mich hergerichtet.
Ich hatte ursprünglich vorgehabt, gestern bis Trippstadt zu fahren, und so war auch hier mir Quartier bereitet worden.
Wenn ich gewußt hätte, dass es mich im Pfarrhaus zu Lautern so frieren würde und das Zimmer in Trippstadt, das meiner wartete, eine so herrliche Aussicht böte, wäre ich gestern Abend noch hierher gefahren.
Vor den Fenstern dieses Zimmers liegt eine Waldwelt, wie sie der Schwarzwald an seinen schönsten Punkten nicht schöner und großartiger zeigt.
Wenn ich nicht jener Wanderer wäre, dens immer wieder möglich schnell von dannen treibt, dann hätte ich im zierlichen Pfarrhäusle zu Trippstadt einen halben Tag gerastet und mich satt getrunken an dem herrlichen Blick in deutschen Tannenwald.
Zurückgekehrt zu meiner Herberge, traf ich den Arzt nochmals, und ich wollte mit ihm gehen, um mich seiner Frau, die zu meinen Leserinnen gehört, vorzustellen. Aber er wohnt so weit im Dorf droben, dass ich unterwegs wieder umkehren musste, wenn meine Bewegungsnerven nicht streiken sollten.
Erst schaute ich den Frauen und Kindern des Dorfes zu, wie sie Wasser holten am Dorfbrunnen und dazu eine mir unverständliche Sprache redeten.
Ich dachte an die Worte, des pfälzischen Dialektdichters Fritz Claus in seinem Lied, in welchem er die Westricher Bauern, die in der Weinpfalz gerne verspottet werden, den Vorderpfälzern gegenüber sagen lässt, das sie den Brunnen dem geschmierten Wein vorzögen, den jene in das Westrich schickten, und im übrigen keine Not litten.
Ich unterhielt mich dann noch im Hotel des Spaniers mit dessen Bäckerburschen, der eben frisches Schwarzbrot, das gar lieblich duftete, in Körbe legte, über das ehrbare Handwerk der Bäcker und bekannte mich auch als einen aus der Zunft.
Der Spanier, so heißt der Wirt mit seinem Geschlechtsnamen, ist zweifelslos ein kluger Mann und hat meiner Beobachtung nach, eine noch hellere Frau; denn beide betreiben nicht bloß eine Wirtschaft, sondern auch eine Bäckerei und einen Kramladen. -
Ich müßte mich nur wundern, dass es in Trippstadt nicht wimmelte von Kurgästen und dass diese prächtige Waldgegend nur von so wenigen Sommergästen frequentiert wird.
Ist die Gegend, die von hier bis ins Queichtal hinunter ein Paradies abgäbe für Luftkuristen, zu wenig bekannt, oder sind die reichen Weinleute der Vorderpfalz keine Freunde von Luftkuren, oder liegt dieses Waldland zu nieder, das der Schwarzwald ihm vorgezogen wird? Das letztere mag für Fremde viel ausmachen.
Trippstadt liegt nur 457 Meter hoch, und die höchsten Punkte dieses Waldgebiets gehen kaum über 600 Meter.
Der Spanier gab mir zum Mittagessen guten Wein und eine Rehkeule und zum Ruhen ein bequemes Sofa, und erfrischt und gestärkt fuhr ich am Nachmittag dem einsamen Waldland zu, das man „Frankenweide“ nennt.
Der Pfarrer Minges, bei dem ich nochmals im vorbeifahren anklopfte, begleitete mich bis zum Karlstal, einer ungemein malerischen Waldschlucht, aus der die Ruinen der großen Burg Wilenstein, eine Gründung Barbarossas, noch malerisch hervorragen.
An der Straße hin rinnt zwischen schwachen Felspartien ein noch schwächeres Wasser und erinnert wieder an die Wasserarmut des Pfälzerwaldes. Hier verließ mich der Pfarrherr.
Bald war ich mitten im Herzen des Pfälzerwaldes, in Johanniskreuz, einer einsamen Lichtung, auf der ein Forsthaus und ein Kurhaus friedlich beisammen liegen, und dessen Bewohner jeder Naturfreund beneiden muss......

hukwa

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