Dienstag, 12. Juni 2018

Sonntag, 20. Mai 2018

Unterm Eulenberg

Ein kleiner historischer Spaziergang entlang der Westerbach

Gestern eine Wanderung durchs Eulental unternommen. Dass sehr romantisch gelegene Waldtal, durchfließt ein kleines Bächlein. Im Mittelalter stand hier eine Glashütte, deren Glaswaren weit über die Grenzen des Pfälzerwaldes begehrt waren. Seinen Namen hat das Tal nach dem von Buchen und Eichen bewachsenen Eulenberg. 

Eulental - Fotos©UteKW
 
Im Mitttelalter gehörte diese Landschaft noch zum Gericht Trippstadt. Ein falkensteinischer Zweig der auf Burg Wilenstein wohnte, hatte hier Lehen. Auch die alten Glashüttenmeister mussten an die Falkensteiner Abgaben zahlen. Und nicht wenig, das kann man dem falkensteinischen Zins- und Rentbuch für das Amt Wilenstein entnehmen. Darin lesen wir das eine „Alte Hütte“ in der Rambach südöstlich von Mölschbach abgebrannt war, aber 1621 bereits durch eine „Neue Hütte“ unden am Eulenberg ersetzt wurde. Zu dieser Glashütte gehörten neben dem Jerg Fischer noch Jacob Hirsch und Hanß Wolf der Schürer. Im Jahr 1630 wurden zwei neue Glashütten auf der gegenüberliegenden Seite des Scheidwalds in der Schankbach dem heutigen Neuhöfertal gebaut. Diese beiden Hütten scheinen einen guten Umsatz gemacht zu haben, die dortigen Hüttenmeister Conrad Fleckensteiner und Jonas Richter beschäftigten eine Anzahl von zehn Mitarbeitern und mussten an die Herrschaft Falkenstein einen hohen Zins abliefern. Im Jahr 120 Gulden und tausend Fensterscheiben (kleines Butzglas).
Hauptrohstoff zur Glasherstellung war Kiesel oder Quarz. In den Hütten wurde Glas hergestellt, indem man Sand oder gepulverten Kiesel mit Pottasche oder Soda vermischte und diese Mischung einer starken Glühhitze aussetzte. Dazu benötigte man sehr viel Holz, daher waren diese alten Glashüttten regelrechte „Waldfresser“, nach etwa zehn Jahren wurde die Glashütte verlassen und an einem andern Ort wieder aufgebaut, da das Holz der umliegende Wälder aufgebraucht war. So romantisch wie heute war es damals wohl nicht im Eulental. Die Glashütte im Eulenbachtal wurde 1767 aufgelassen und ist zerfallen. Ein Ritterstein erinnert an sie.
Nicht weit vom Eulenberg entfernt auf dem nördlichen Ausläufer vom Scheidwald liegt das Augustenköpfchen eine ehemalige kleine romantische Waldanlage. Erbauen ließ sie Freiherr Karl Theodor von Hacke, der letzte kurpfälzische Obersforstmeister und Besitzer des Trippstadter Schlosses, für seine einzige Schwester Auguste Elisabetha. Daher also der Name Augustenköpfchen. 

Fotos©UteKW
 
In den waldkühlen dunklen Schluchten zwischen Eulenberg und Augustenköppchen wo die Westerbach sich ihren Weg bahnt scheint die Zeit manchmal still zu stehen. In früheren Zeiten hieß das Eulental Westerbachtal, nach dem Bächlein das von hier in Richtung Mölschbach fließt. Die Wälder auf den Höhen sind tief und dicht und im Frühjahr dringt aus ihnen ein jubilierendes Vogelkonzert das den Wanderer auf seinen einsamen Waldwegen begleitet.
hukwa

Donnerstag, 10. Mai 2018

Friedrich von Hausen und die Hohenstaufen

Im Jahre 1172 wird der Minnesänger Friedrich von Hausen in Lautern als Zeuge einer Urkunde benannt. Wer war dieser Friedrich von Hausen?
Aus seiner oberrheinischen Heimat, sein genauer Geburtsort ist nicht bekannnt, liegen uns einige Urkunden von Friedrich vor. Desweiteren wird in mehreren Chroniken über sein Wirken und seine Lebensstationen im Umfeld Kaiser Friedrich Barbarossas berichtet. Friedrich von Hausen war ein Ministeriale, Ritter und Minnesänger. Auch bezeugen einige Dichter seiner Zeit, seinen Ruhm und ausserordentliche Begabung als Minnesänger.
Zwischen 1171 und 1190 ist ein Fridericus de Husen (= lateinische Namensform) in verschiedenen Urkunden genannt, so als Sohn des homo liber Waltherus de Husen. Dieser besaß Eigengüter in Dogesheim, Dienheim und Gensingen, sowie die Vogtei über die Dörfer Worms-Ibersheim und Groß-Rohrheim.
Ein erster kurzer Überblick über seine bezeugte Lebensstadionen zeigt welch unruhiges und abenteuerliches Leben Friedrich von Hausen geführt hat.
Zwischen 1185 und 1186 reist er durch Italien im Gefolge von Barbaossas Sohn Heinrich, dem späteren Kaiser Heinrich VI zur Vermählung mit der Erbtochter des sizilianischen Königreiches, Konstanze von Sizilien. Konstanze war gewiß nicht die „Idealfrau“ Heinrichs. Sie war 11 Jahre älter als der Stauferkönig und galt daher für die damaligen Verhältnisse als „alte Jungfer“. Die Hochzeit fand in einer roh gezimmerten Holzhalle statt, da ja Mailand, das durch Barbarossa zerstört war, keine fürstliche Baulichkeit anbieten konnte. Konstanze wurde die Mutter des späteren Kaisers Friedrich II von Hohenstaufen.
Im Jahre 1187 erscheint er im Gefolge Kaiser Barbarossas bei dessen Begegnung mit dem französischen König Philipp August.
1189 nimmt Friedrich von Hausen am 3. Kreuzzug der von Friedrich I Barbarossa geleitet wird teil.
Am 6. Mai 1190 stirbt Friedrich von Hausen bei einem Reitunfall in der Schlacht bei Philomelium, dem heutigen Aksehir, nahe Konya in der Türkei. Am 10. Juni 1190 fand Kaiser Friedrich Barbarossa bei diesem Kreuzzug den Tod.
Friedrich von Hausen wird in der Nähe von Konya, das damals ein Zentrum des Sufismus war beigesetzt.
Der Literaturwissenschaftler und Forscher über den deutschen Minnesang des Mittelalters schrieb über Friedrich von Hausen: „Nicht weniger als fünf mittelalterliche Chroniken beklagen den Tod dieses vir probus et nobilis (dieses tapferen und edlen Mannes) und miles stremuus et famosus (dieses hervorragenden Kämpfers und berühmten Ritters).
Von Hausen war einer der zehn hohen Urteilssprecher, die der Kaiser in Angelegenheiten des Grafen von Hennegau bestellte. Im Jahre 1188 geleitete der Ritter und Minnesänger den Grafen nach Worms wo dieser am 23. Dezember von König Heinrich VI in einem Geheimabkommen die Zusage erhalten hat ein Reichslehen zu bekommen. Ein Jahr später begeleitete er nochmals den Grafen nach Worms zur Belehnung durch König Heinrich und erscheint bei den darauffolgenden Verhandlungen als Zeuge.
Wahrscheinlich hatte Hausen zur gleichen Zeit mit dem Kaiser auf dem Mainzer Hoftag im März 1188 das Kreuz genommen, also sich entschlossen am Dritten Kreuzzug teilzunehmen.
Das Heer mit dem Barbarossa am 11. Mai 1189 von Regensburg aus aufbrach, war wohl das glanzvollste und größte Kreuzzugsheer aller Zeiten.
In dieser Zeit entstand Friedrich von Hausen`s berühmtestes Kreuzlied:

Min herze und min lip diu wellent scheiden,
diu mit ein ander wären nu manige zit.
Der lip wil gerne vehten an die heiden,
so hät iedoch daz herze erwelt ein wip
vor al der werlt. Dazu müet mich ierner sit,
daz siu ein ander niht volgent beide.
Mir habent diu ougen vil getan ze leide.
Got eine müese scheiten noch den strit.

Ich wände ledic sin von solcher swaere,
do ich daz kriuze in gottes ere nam.
Ez wäere ouch reht, daz ez also waere,
wan daz min staetekeit mir sin verban.
Ich sollte sin ze rehte ein lebendic man,
ob ez den tumben willen sinverbaere
nu sihe ich wol, daz im is gar unmaere
wie ez mir süle an dem ende ergän.



Friedrichs Lieder zeugen von einer hohen dichterischen Begabung. Er bezieht die ritterliche Wirklichkeit, seine Italienfahrt aber auch die Kreuzzüge in seine Lieder ein. Das interessante an ihm ist ja vor allem, dass er nicht nur im Minnedienst seine Aufgabe fand sondern auch als Ministerialer und Ritter am gesellschaftlich-politischen Leben teilnahm und diese Erfahrungen in seine Lieder miteinbringen konnte. Seine Teilnahme als Ritter und Minnesänger am Mainzer Hoffest von 1184 dürfte als gesichert gelten. Auch ist er hier auf die urkundlich bezeugten Minnesänger Heinrich von Veldeke, Guiot des Provins (dieser berichtete über den Mainzer Hoftag), Doetes de Troyes und andere Sänger getroffen.
Schwertträger des Kaisers war bei diesem Fest der schon erwähnte Graf von Hennegau.
Friedrich von Hausen lebte nicht nur nach dem Ideal der Minnesänger sondern vor allem nach dem ritterlichen Lebensideal. Er war ganz und gar ein Mensch der Stauferzeit, dieser lebte in einer vom christlichen Glauben geprägten Welt und möchte in keiner anderen leben. Wertordnungen anderen Ursprungs gab es nicht.

Literaturhinweise:
Bürgerbuch der Stadt Kaiserslautern.
Erna Barnick: Kaiser Friedrich Barbarossa in der Geschichte.
Arthur Diederichs: Staufer und Welfen.
Robert Kohlrausch: Herrschaft und untergang der Hohenstaufen in Italien.
Rainer Haussheer: Die Zeit der Staufer.
Julius Weichardt: Friedrich von Hausen und der ältere deutsche Minnesang.
Ferdinand Seibt: Glanz und Elend des Mittelalters.
Hans Wagner: Die Hohenstaufen und das Lauterer Reichsland. Unveröffentlichtes Manuskript.

hukwa

Philipp von Falkenstein I

Im Jahre 1246 beurkundet Konrad IV (1228-1254- Sohn Friedrich II), dass ihm Isengard, die Frau seines Truchsesses Phillip I von Falkenstein (1200 – 1271), die Burg Trifels mit den genau aufgeführten kaiserlichen Insignien sowie den Burgen Guttenburg, Neukastell, Spiegelburg und Anebos übergeben habe, die alle der alten Reichsburg Trifels zugeordnet wurden. Dieser Eintrag im falkensteinischen Kopialbuch ist das älteste Verzeichnis der Reichskleinodien.
PhilippI von Falkenstein stammte aus dem mächtigen Haus der Bolander. Er war ein Sohn von Werner III von Bolanden und dessen Ehefrau Agnes von Isenburg-Braunsberg.
Philipp I ist der eigentliche Gründer des Geschlechts „von Falkenstein“. Seinen Namen benannte er nach einem Felsen auf dem zwischen 1124 bis 1135 die Reichsburg der Falkensteiner erbaut wurde.
In einer Urkunde aus dem Jahre 1019 wird der Felsen Falkenstein als Grenzpunkt der Mark Albusheim (einer Wüstung bei Imsbach) und Sippersfeld genannt. Dieser Felsen galt als der nördlichste Grenzpunkt des Reichslandes Lautern.
PhilippI von Falkenstein heiratete 1225 Isengard von Münzenberg, eine Erbtochter Ulrich I von Münzenberg. Unter Kaiser Friedrich II begann der Aufstieg Philpps I. Er war von 1246 bis 1253 Reichstruchsess. Im Jahre 1257 wurde ihm das Reichskämmeramt aufbeliehen und er wurde beauftragt, die Reichskleinodien auf dem Trifels zu verwalten.
In den Jahren 1255/58 fiel ihm durch seine Frau ein Sechstel des Münzenberger Erbes zu, darunter die Herrschaft Königstein, Assenheim und der Forst Dreicheich.
Als Hüter der Reichsinsignien, Reichskämmerer und ehemaliger Truchsess gehörte Philipp I von Falkenstein zu den wichtigsten Hofbeamten des Reiches. Philipp verstarb um 1271. Er hinterließ zwei Söhne Philipp II und Werner I diese gründeten zwei Linien der Falkensteiner, die Butzenbacher und die Licher Linie. 

hukwa 

Montag, 30. April 2018

Der Ziegelbrunnen

Romantisch passt sich der Ziegelbrunnen der Landschaft an. Der alte Brunnen muss schon viel gesehen haben. Zwischen Wilensteinerhof und Kaltenborn, nicht weit entfernt von der Karlstalschlucht, wacht der Laufbrunnen über die Landschaft. Vom Tal herauf auf einem Berggipfel thronend grüßt die Burgruine Wilenstein. Wo sich heute Weideland und entwässerte Wiesen breitmachen war zur Zeit der Ritter von Wilenstein, Flörsheim und Falkenstein wohl viel Wasser und Morast.
Sein Wasser erhält der Brunnen von einer Quelle im Kaltenbornertal. Errichtet wurde er zur Wassserversorgung einer ehemaligen Ziegelhütte ganz in seiner Nähe.

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Burg Wilenstein - Fotos©UteKW


Ziegelbrunnen Fotos©UteKW

















Haiku

Im Licht des frühen Morgen
die Birken
leuchten wie Marmor.
hukwa

Montag, 23. April 2018

Kaltenborn

Beschattete Mauern
wie vom Alter gebeugt
vom Regen ausgehöhlt
von Moosen und Efeu bewachsen
uralter Fels
der Brunnen plätschert
als singe er
ein Lied aus der Vergangenheit.
hukwa

Mittwoch, 11. April 2018

Der Winzerbrunnen

Winzerbrunnen - Foto©Hans Wagner

Ein Brunnenbewohner Foto©Hans Wagner
Versteckt in einem dicht bewachsenen Waldhang sprudelt einer der ältesten gefassten Brunnen von Trippstadt. Der Winzerbrunnen im Winzertal. Die mit unbehauenen Sandsteinen gefasste Quelle, läuft nicht sehr stark. Das Wasser fließt in einem vermoosten Steintrog gleich unter diesem liegt ein aus Sandstein gebildetes Becken in dem sich dieses sammelt. Spuren im nassen Erdreich verraten das der Brunnen von Wildtieren als Tränke genutzt wird. Niemand weiß wann dieser Brunnen erbaut wurde noch gibt es irgendwelche Beschreibungen oder Urkunden in denen er erwähnt wird.
Versteckt an einem idyllischen Ort scheint der Brunnen in einem tiefen Dornröschenschlaf zu liegen.
hukwa

Dienstag, 6. Februar 2018

Alte Pfälzer Herd- und Feuerstelle

Noch während des 18.Jahrhunderts war die sogenannte „Feuerstätte“ typisch für die ärmere Bevölkerung. Der typologische Beschreibung der südwestdeutschen Öfen, Herde und Feuerstellen stehen recht vielfältige, regional und sozial verschiedene Funktionen und Abweichungen gegenüber; so war die Stube oft Essraum und Küche; daneben diente sie – vor allem bei Kleinhandwerkern und Kleinbauern – als Arbeitsraum. Bei Leinewebern wurde der größte Teil des zur Verfügung stehenden Platzes von einem oder mehreren Webstühlen eingenommen. Auch war es keine Ausnahme, das im Winter das Vieh – vom Federvieh über Ziegen und Schweine bis hin zum Kalb – in der Stube untergebracht wurde. Schließlich diente sie dazu auch noch häufig als Schlafraum für die Familie.
Mit der „Feuerstätte“ in einem Raum begann die Entwicklung der Öfen. Dieser offenen Feuerstelle folgte der sogenannnte „Pfälzer Ritschofen“, der für die damalige Zeit schon sehr „modern“ war, da es nun möglich war mehrere Töpfe auf einem Herd abzustellen. 
Offene Feuerstätte 18. Jahrhundert - Foto Deutsches Ofenmuseum

Füll- Regulier-Ofen 19. Jahrhundert - Foto Eisenhüttenmuseum Trippstadt
Detail
Ritschofen - Kochplatte

Pfälzer Ritschofen 18. Jahrhundert - Foto Eisenhüttenmuseum Trippstadt

Sonntag, 4. Februar 2018

Freitag, 2. Februar 2018

Bilder aus Alt-Lautre: ehemalige Synagoge Kaiserslautern um 1925



Die Kaiserslauterer Synagoge

Eines der schönsten, wenn nicht gar das schönste Gebäude von Kaiserslautern war die Jüdische Synagoge. Das im maurisch/byzantinischen Stil errichtete Gebäude wurde im Februar 1886 festlich eingeweiht. Die „Pfälzische Presse“ bezeichnete damals das Gebäude als...“eine Zierde ihrer Stadt und eine Perle unter den monumentalen Bauten ihrer engeren Heimat....“ Ferner heißt es in diesem Zeitungsartikel: „Möge denn der neue, in allen Teilen so wohlgelungene Tempel viele Jahrhunderte hindurch den Stürmen der Zeit Trotz bieten, den späteren Generationen noch eine Heimstätte des Friedens und der religiösen Erhebung sein und hineinragen in eine andere, schönere Zeit wo alle Erdensöhne, ohne Unterschied der Konfession, es gelernt haben, sich als Brüder und Kinder eines Vaters zu erkennen“.
Die wunderschöne Synagoge wurde im Jahre 1938 von den nationalsozialistischen Mordbrennern zerstört. 

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Bilder aus Alt-Lautre: Donnerstagmarkt um 1905

Wittelsbacherplatz KL
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Bilder aus Alt-Lautre: Haus Hexenbäcker

Haus Hexenbäcker Kaiserslautern - Alte Postkarte

Auf der Rückseite der Postkarte aus den 1960zigern Jahren findet sich folgender Text:
Schon anno 1832 in Familienbesitz. Der erste maschinelle Dampfbackofen in Kaiserslautern brachte dem Vorfahren den Spitznamen „Hexenbäcker“. Im Jahre 1902 zum Königl. Bayer. Hoflieferanten ernannt.

hukwa

Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Salingsmühle in Kaiserslautern

Die Salingsmühle in Kaiserslautern wurde 1966 abgerissen
Johann Peter Saling (1701 – 1755) der „weiße Indianer aus Kaiserslautern“

Die ehemalige Salingsmühle in Kaiserslautern hat ihren Namen von der Familie Salin aus Metz, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Lautern ansiedelte. Seit 1653 wird Pierre Salin, der Großvater von Johann Peter Saling, in den Ratsprotokollen der Stadt genannt, wo er als Ratsbürgermeister und kurpfälzischer Schultheiß wirkte. Johann Peters Vater, Johann Nikolaus, stand auch im Dienste der Stadt. Ihm gehörte die Salingsmühle, eine Mahl-, Loh-, - und Sägemühle. Er verkaufte die Mühle 1731. Mit diesem Geld wanderte sein Sohn Johann Peter nach Amerika aus wo er sich 1733 im Conestoga Tal in Lancaster County niederließ. Im Jahre 1740 zog er mit seiner Familie an den James River nach Virginia wo er unter Trappern und Waldläufern lebte. Zahlreiche Expeditionen führten ihn immer tiefer nach Westen ins Indianerland. Hier geriet er in die Gefangenschaft der Cherokee Indianer, die ihm den Namen „Menou“ gaben, dies bedeutet der „Schweigsame“. Lange Zeit lebte er unter Indianern, lernte deren Sprachen, Sitten und Gebräuche.
Der „weiße Indianer aus Kaiserslautern“ starb im Jahre 1755 gezeichnet durch ein hartes, entbehrungsreiches Grenzerleben.
hukwa
Lit. Hinweise:
Hans Wagner: Der weiße Indianer aus K-Town.
The Journal of Johann Peter Saling – Expeditionstagebuch- 1751.

Historische Aufnahmen aus Alt-Lautre

Marktstraße Kaiserslautern 1905

Stiftsplatz Kaiserslautern 1905

Stiftsplatz Kaiserslautern mit "Karlsberg" 1903
Aus der Sammlung Hans Wagner
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Montag, 29. Januar 2018

Geschichtliches und Sagenhaftes aus dem Trippstadter Wald


Burg Wilenstein - Fotos©UteKW



Die Flurnamen verbinden die Menschen der Gegenwart mit der Vergangenheit, sie geben uns Kunde über die Siedlungsvorgänge, über die landwirtschaftliche Bebauung des Bodens sowie über das gesamt-kulturelle Leben unserer Vorfahren. Manche dieser Flurnamen erinnern an alte Besitzverhältnisse, an längst vergessene Rechtsbräuche aber auch an ehemalige Waldberufe und Waldnutzungsrechte. Dem Kundigen, der sie lesen kann, geben sie ein lebendiges Bild der Vergangenheit.
Vor allem Heute, wo vielerorts durch Landwirtschaft und Siedlungsbau ganze Ortsstrukturen verändert wurden deuten Flurnamen noch auf geschichtliche Zusammenhänge hin.

An die Tätigkeit von Daubenhauer, Köhler, Glasbrenner und Pottaschsieder erinnern einige Flurnamen in der Waldlandschaft von Trippstadt. Die Pottasche verwendete man zur Glasherstellung, zur Düngung und zum Wäsche waschen, sie war das erste Waschmittel. Auch der Name Eschkopf bei Johanniskreuz erinnert an die Pottaschsiederei, er leitet sich von Asche her und nicht von Esche. Ein weiterer Flurname der an diese alte Tätigkeit erinnert, ist das „Eschhebelloch“ im Neuhöfertal. Die Bezeichnungen Glastal und Glashald am Schwanenberg, ebenfalls im Neuhöfertal, verraten uns, dass hier einmal eine Glashütte stand. Dabei handelte es sich um sogenannte Waldglashütten. Als Waldglas bezeichnete man durch Eisenoxide grünlich gefärbtes Pottascheglas, welches vom Mittelalter bis etwa ins 17. Jahrhundert hergestellt wurde.
Um Glas herzustellen benötigte man einen geeigneten Sand, den man möglichst in der Nähe der Glashütte abbauen konnte. Geeignet war angeschwemmter verwitterter Sandstein in Bachbetten. Pottasche wurde dazu als Schmelzmittel verwendet.
Die Abteilung Harzofeneck zwischen Forsthaus Antonihof und Mölschbach weist auf einen Harzofen hin der hier einmal betrieben wurde. In solchen Öfen wurde aus Kiefernholz das Harz (Pech) herausgekocht.
Auch die Namen der Bäche verraten uns viel über die Geschichte einer Landschaft. Vor allem der Bachname „alb“, der ja die Moosalb auszeichnet, die durch Trippstadter Gebiet fließt.
Der Namensbestadteil – „alb“, stellt eine altwestische (vorindogermanische) Bezeichnung für Fluss- und Bachbette sowie Weißwasser dar, die sich im keltischen Sprachschatz als „albis“ widerspiegelt. Man kann daher davon ausgehen, dass dort wo Bäche mit diesem Namensbestandteil vorkommen, einst keltisches Siedlungsgebiet war.
Im Laufe der Geschichte veränderten sich diese Namen manchmal oder wurden in Nachbargemeinden anders genannt. Was man sehr deutlich bei der Moosalb verfolgen kann. Im Jahre 1600 hatte die Moosalb mehrere Namen, wie aus Velmanns Beforschung zu ersehen ist.
So nannte man sie unter anderem „Fischbach“, „Diemersteinerbach“, „Hertersweilerbach“, „Humbergerbach“ und „Horkosterbach“. Je nachdem durch welches Herrschaftsgebiet sie floß. Jener Bachteil der den Sickingern gehörte nannte man „Sickingenbach“. Ihr ältester Name ist wohl „Muschalb“. In der Flurnamenforschung ist es sehr wichtig immer nach der ältesten bekannten Form zu suchen, da sie viel über die Dorf- und Landschaftsgeschichte aussagen kann.


Über die erste Nutzung der Trippstadter Waldrechte erfahren wir einiges aus dem Flörsheimer – Lagerbuch und aus dem Weistum von Wilenstein und Trippstadt.
Hier einige Ausschnitte aus dem Weistum:

  1. Der Wald, das Erbe genannt, steht den Herren von Flörsheim (Unterburg) zu.
  2. Wasser und Weide werden den beiden Herren der Ober- und Unterburg gemeinsam gewiesen zu gleichen Teilen.
  3. Beide Teile haben auch in den hohen Wäldern gemeinsam zu hagen und zu jagen. Niemand darf ohne Erlaubnis der Herren jagen oder fischen. Wird einer dabei ergriffen, muss er als Strafe 30 Schillinge Heller bezahlen.
  4. Eichen, die Bauholz liefern oder Eckerich tragen, dürfen von den Einwohnern nicht abgehauen oder gestümmelt oder gar nach auswärts verkauft werden, es sei denn mit Genehmigung der Herrschaft.
  5. So sich Feuer in den Wäldern oder sonst erhebe, soll jeder schuldig sein herbeizulaufen und beim Löschen zu helfen. Tut er es nicht, soll er der Gemeinde ein halbviertel Wein zu vertrinken geben.
  6. Wenn in den Wäldern Eckerich vorhanden ist, darf jeder, der im Wilensteiner Gericht wohnt, soviel Schweine in den Ecker treiben als er auf seinem Mist gezogen hat. Doch ist dem Herrn der Oberburg (den Grafen von Falkenstein) der Dehm zu entrichten, nämlich von jedem Schwein sechs Pfennig und ein Heller, wovon der Förster den Heller erhält. Der fremde Schweine eintreiben will, muss die selbe Gebühr bezahlen wie Auswärtige.
  7. Wer im Gebiet „Drippstadt“ bauen will, dem soll seine Herrschaft, auf deren Grund er baut, zwölf Stück Holz (Stämme) geben.
  8. Ein jeglicher armer Mann (Einwohner), der zu „Drippstadt“ seßhaft ist, hat Macht in den Wäldern der Herrn der Oberburg und der Flörsheimer ziemlich (ausreichend) Holz zu hauen für Wagen und Pfluggeschirr und auch um sein Haus und Garten zu machen. Doch vorher muss er dem jeweiligen Amtmann Bescheid geben, der ihm die Stelle angibt, wo er hauen soll. Als Brennholz dürfen Windfälle und Taubholz aus den Wäldern entnommen werden.

Im Jahre 1600 fertigte der kurpfälzische Forstmeister Philipp Velmann von mehreren Waldungen, die an die Herrschaft Wilenstein angrenzen, sogenannte „Waldbeforschungen“. Darin beschreibt er die Grenzsteine, die Grenzbäume, die auch Lach- oder Lochbäume genannt wurden, denn sie waren mit einer Lache (einem Zeichen) gekennzeichnet. Des weiteren schrieb er über die Jagd- und Fischereiverhältnisse sowie über die Baumarten und ihren Standort. Die „Beforschung“ ,zum Beispiel des Lauberwaldes, ist recht kurz gehalten. Aus diesen Aufzeichnungen lässt sich entnehmen, dass in diesem Wald die Eiche gut verbreitet war. Es werden 13 Eichen- doch nur 2 Buchen–Lochbäume erwähnt. Von zwei Stellen am Steinberg und am Pferdsgarten, schreibt er, dass dort Auerhähne balzen.
Der Flurname Pferdsgarten geht auf ein altes Gestüt zurück. Ebenso der Name Stüterwald.
Für jeden Heimatforscher sind Flurnamen eine geschichtliche Fundgrube.
Eine der historischsten Stätten im Trippstadter Wald ist die im Haderwald liegende Amseldell. Der älteste bekannte Flurname von diesem Tal ist „Ramseldell“ was Rabental bedeutet.
Um das Jahr 1860 hat Karl Freiherr von Gienanth hier eine extravagante Waldanlage erbaut. Mit Irrgarten, Kegelbahn und Schutzpavillon. Hier empfing er immer wieder hohen Besuch, vom niederen Adel bist zum hohen Prinzregenten. Wovon heute noch die Denkmäler und zwei gußeiserne Tafeln mit Inschriften berichten.


Weit über die Grenzen der Pfalz hinaus wird das romantische Karlstal als ein Kleinod unter den Tälern des Pfälzerwaldes geschildert. Kein geringerer als der bekannte Gartenarchitekt F. L. Sckell, der für München den englischen Garten erbaute, hat vor fast 200 Jahren über das Tal folgendes geschrieben: „Eines der schönsten Täler, die ich in dieser Art gesehen und auch bearbeitet habe, nämlich in dem ich die hinter den Ästen der Bäume und Sträucher versteckt gelegenen Felsmassen mit ihren Wasserfällen dem Genusse unter bildlichen Formen näher brachte und durch Zugänge die Möglichkeit bewirkte, diese ausgezeichneten Ruysdaels in ihrer ganzen Schönheit zu sehen, liegt in der Herrschaft Trippstadt in der Rheinpfalz, damals das Karlstal genannt. Ein kräftiger Bach stürzt sich da hinab in ein romantisches und durch die ehrwürdigen Buchenbäume in ein feierliches Dunkel gehülltes Tal. Kolossale Felsenstücke denen die Natur die ausgezeichnetsten malerischen Formen verliehen hat, wie ich sie fast nie schöner gesehen habe, liegen z. T. an den Berghängen und in der Tiefe, wo sie dem Bache auf eine Länge von ¾ Stunden unaufhörliche und abwechselnde Hindernisse darbieten, über die er bald mit einem Lärm, der im Tale widerhallt, herabfällt, bald murmelnd und ruhig bis zu einem neuen Kampfe dahingleitet. Nachdem sich aber der Bach durch dieses romantische Tal und zwischen diesen Felsmassen gewaltsam durchgedrängt und eine Menge Wasserfälle von vorzüglicher Schönheit und hohem Kunstwerke unter den verschiedensten Umrissen und Wirkungen gebildet hat, ergießt er sich am Ende in einen ruhigen Teich, in welchem sich die Trümmer einer längst zerfallenen Ritterburg, Wilenstein, von einer Anhöhe spiegeln. Hier hört aller Lärm auf und die Natur ist wieder in ihren ruhigen Zustand getreten“.

Auch die Sage weiß uns einiges aus alten Zeiten über das Tal zu berichten. So erzählt eine Legende von einer uralten Eisenschmelz die hier einst gestanden habe und die dem, in einen alten Eichbaum verwandelten, Grafen von Wilenstein jährlich eine Eisenrüstung liefern musste.
Sagenhaft ist auch die Verbindung zur Burg Wilenstein: „Einst verdingte sich ein schöner Jüngling – man wusste nicht, woher er gekommen war – in die Nähe des Schlosses als Schäfer. Seine Schönheit und sein edles Wesen machten ihn bald bemerklich, so dass alles von ihm redete. Der Ruf von dem rätselhaften Hirten drang auch zu der Tochter des Ritters von Flörsheim auf Wilenstein und sie war begierig ihn zu sehen.
Beim Blumensuchen fand das Fräulein den Schäfer schlafend auf einer Wiese. Als dieser erwachte floh die Jungfrau mit raschem Schritte zur Burg, doch trug sie sein Bild mit sich fort im Herzen. Als sie ihn nach kurzer Zeit wiedertraf, wechselten beide einige Worte. Täglich war sie nun auf dem Erker des Schlosses, wenn der Schäfer mit seiner Herde hier vorbeikam. Alle Bewerber, die auf Wilenstein erschienen und um ihre Hand anhielten, wurden abgewiesen. Als aber ein Graf Siegbert um ihre Hand anhielt, drang der Vater auf Zusage und die folgsame Tochter schwankte schon. Nur noch einmal wollte sie vorher von ihrem Erker den Schäfer sehen, doch dieser kam nicht mehr.
Bangen Herzens eilte sie an den Ort, wo er gewöhnlich seine Herde weidete, dort traf sie einen anderen von dem sie hörte, wie dem schönen Hirten das Herz vor Gram gebrochen war und er im kühlen Grabe schlummerte. Leichenblass und wankend suchte sie bei einem nahen Klausner Trost. Aber auf dem Rückweg zur Burg fiel die vor Schreck noch halb Betäubte von einem Steg, den sie überschreiten wollte, ins Wasser und ertrank.
Der Klausner berichtete alles dem verzweifelten Vater. Der ließ zum Gedenken ein Kirchlein bauen und Hirtenstab und Flöte gehauen in Stein am Turme einfügen. Beide Zeichen sind am Turm der untergegangenen Kirche beim Aschbacherhof noch heute zu sehen“.

Eine andere Sage erzählt von einer ledernen Brücke die einst die Burg mit dem Wilensteinerhof verbunden haben soll. Auch von einem Hund mit einem Schlüssel im Rachen der einen Schatz bewacht, erzählt uns eine alte Legende.

Solche Sagen, wie die aus dem Karlstal, nennt die Volkskunde ätiologische Sage, d.h. sie liefern eine „Erklärung“ für die Entstehung oder Herkunft eines augenfälligen Wahrzeichens der örtlichen Umgebung. Im Karlstal sind dies neben einigen Felsen, vor allem die Einsiedlerhöhle in der Karlstalschlucht. Ein bestimmter Platz oder Gegenstand regt die Sagenbildung an, gerade weil er den in der nächsten Umgebung Lebenden einzigartig erscheint; doch die daraus entstehenden Geschichten sind alles andere als einzigartig, sie ordnen sich vielmehr fast immer in bestimmte Muster ein, die der Volkskundler als weit verbreitet erkennt.
hukwa


Lit. Hinweise:
Weistum von Wilenstein und Trippstadt. Staatsarchiv Speyer Abt. Falkenstein St. 107, Seite 118f.

Ernst Bilfinger: Johanniskreuz eine Waldgeschichte.

Ernst Christmann: Pfälzische Glashütten der alten Zeit.

Erich Bauer: An der Wiege der deutschen Forstwissenschaft.

Ernst Bilfinger: Das Holzland.

Julius Wilde: Kulturgeschichte der rheinpfälzischen Baumwelt und ihrer Naturdenkmale.

Hans Wagner: Alte Waldberufe.

Alte Waldprotokolle aus dem Privatarchiv von Herrn Geißenbauer, Mannheim.



Der Sandmann von Alt-Lautre


Eine heimatkundliche Erzählung


Noch in den 1960zigern Jahren, hieß es wenn wir Kinder am späten Abend nicht schlafen gehen wollten „euch holt die Nachteule“ oder "wenn ihr jetzt nicht zu Bett geht, kommt der Sandmann“. Vor beiden Spukgestalten hatten wir Kinder großen Respekt, wohl auch aus dem Grund, weil es sich tatsächlich um reale Gestalten handelte.
Die „Nachteule“ wenn auch ein Waldkauz, hörten wir öfters an den Abenden und den Sandmann kannten wir recht gut aus den Erzählungen der Urgroßmutter. Unser Sandmann war also keine Adaption aus den Erzählungen von E.T.A. Hoffmann, sondern er war eine ganz reale Person die uns von der Urgroßmutter sehr plastisch aus ihren Erzählungen nahe gebracht wurde.
Die Urgroßmutter wohnte gerade mal 50m von meinem Elternhaus entfernt und vor dem Schlafen gehen ging ich immer noch mal bei ihr vorbei und sie erzählte mir eine Geschichte.
Diese „Gutenachtgeschichten“ waren weniger Märchen, sondern meist irgendwelche Erlebnisse aus ihrem Leben.
Die Authenzität solcher mündlichen Erzählungen fesselten mich als Kind natürlich weit aus mehr als irgend ein Märchen dasss mit „es war einma“ begann.
Schon die Erzählsituation hatte einen ganz anderen Ausgangspunkt als die beim Märchen. Es waren einfach wirklich, erlebte Geschichten.
Vor allem im Herbst und Winter achtete ich darauf keinen „Geschichtsabend“ zu versäumen und war immer rechtzeitig nach dem Abendessen bei der Urgoßmutter in der Küche. Im Winter war die Stimmung besonders heimelig. Die Küche war zugleich auch Wohnstube von Urgroßmutter und Urgroßvater, die beiden zwar über neunzig Jahre alt waren sie körperlich und geistig noch sehr rege. Überall in der Küche hingen Kräuter und an den Winterabenden wurde der Raum oft nur vom großen Küchenherd erleuchtet in dem man einfach die ofentür aufstehen ließ. Als zusätzliche Beleuchtung stand auf dem Tisch eine Kerze, das Licht wurde erst recht spät angeschaltet.
Das Ofenfeuer warf seltsame Schatten an die Wände, im ganzen Raum lag der Geruch von Kräutern und Holz und die alten Möbel strahlten eine warme Behaglichkeit aus. In dieser Küche verwandelte sich alles in etwas Urvertrautes.
Urgroßvater saß im Korbsessel und trank seine Tasse „Muckefug“, also Malzkaffee, unter den die Urgroßmutter noch Löwenzahnwurzel gemischt hatte. Ich saß auf dem Kanapee mir gegenüber saß strickend mit einem Wollknäuel in der Schürzentasche die Urgroßmutter und erzählte ihre Geschichten. Der Urgroßvater nickte immer mal wieder so als wolle er alles auf seine Echtheit bezeugen.
So erzählte sie mir eines Tages auch die Geschichte vom Sandmann, der früher regelmäßig von Kaiserslautern her in unsere abgelegene Waldsiedlung kam um „Sand zu verkaufen“.
Diesen „Silbersand“ benutzte man zum reinigen von Töpfen aber auch zum Scheuern der Stube. Noch bis ins Jahr 1905 erzählte die Großmutter kam der Sandmann in unsere Siedlung.
Ein Kinderschreck muss er auf jeden Fall gewesen sein. Er hatte einen riesigen Bart, trug einen Schlapphutt, ging an zwei Krücken und anstatt Hosen hatte er einen Rock an. Es hieß er würde einen Rock tragen weil er Beine und Füße wie eine Ziege hätte. Zwei Ziegenböcke zogen auch den kleinen Karren mit dem er den Sand transportierte.
Man nannte ihn „Kellers – Bock“, weil er mit seinen beiden Ziegen in einem schäbigen Stall in der einstigen Ziegelei Keller am Nordbahnhof hauste. Da er auch bei seinen Ziegen schlief roch er immer wie ein „Gäßbock“.
Den Rock trug er weil er an den Beinen eine Lähmung hatte.
Lange Zeit wohl musste der Kellerbock seinem Wandergewerbe nachgegangen sein. Als im Jahre 1886 der Lehrer Müller auf seinem Weg von Kaiserslautern nach Erzhütten überfallen wurde und man ihn in ein Gebüsch schleifte, von wo aus er um Hilfe rief, war auch der Keller – Bock, hoch auf dem Weg in die Siedlung. Er hörte die Schreie und schaffte sich mit seinen Krücken mühselig durchs Gebüsch, als die beiden Räuber ihn sahen, erschraken sie so, dass sie sofort die Flucht ergriffen, erzählte die Urgroßmutter, wahrscheinlich dachten sie der „Leibhaftige“ eilte dem Lehrer zu Hilfe. 
 
hukwa

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Menhir von Martinshöhe


Menhir Martinshöhe
Die Menhire auf der Sickinger Höhe scheinen in irgendeiner kultischen Beziehung miteinander in Verbindung zu stehen. Diese Linie zieht sich westwärts zum Menhir von Rentrich im Saarland und schließlich zum Gollenstein bei Blieskastel. Man kann bei den Menhiren der Sickinger Höhe von einem Alignement (Menhirreihe) sprechen. Einem Ensemble von Menhiren, die auf einer oder mehreren, parallelen oder sich kreuzenden Linien gestelllt wurden.
hukwa

Donnerstag, 11. Januar 2018

Der Menhir von Bann

Viele Menhire wurden, vor allem während des Mittelalters, vom heidnischen Kultmal zum weltlichen Grenzmal – Grenzstein umfunktioniert. Da man in der Bevölkerung von der Unantastbarkeit der Kultsteine wusste blieben einige bis heute stehen. Natürlich hat man nicht vergessen ein christliches Kreuz daran anzubringen, wie bei dem Menhir von Bann. Ein weiteres Zeichen das man oft in Menhire eingeritzt vorfinden ist der sogenannte „Hühnerfuss“. Dieses Zeichen ist zur Römerzeit das Sternzeichen Jupiters gewesen, des Beschützers der Grenzen und Wahrer des Rechts. Im Mittelalter aber war es ein apotropäisches Zeichen, das die bösen Geister von der Grenze abhielt, die nach mittelalterlichen Glaubensvorstellungen in der Nacht ihr Unwesen auf der Grenze trieben. Menhire sind vorkeltischen Ursprungs, gehören also nicht zur keltischen Kultur. Ihr wirklicher Ursprung liegt in der Vorgeschichte verborgen.

Menhir von Bann
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Montag, 8. Januar 2018

Zur Geschichte des Blechhammers bei Kaiserslautern

 
Der Blechhammer von 1920


Um 1620 gab es nachweislich 44 Wooge in und um Kaiserslautern. Heute existieren davon nur noch zwei nämlich der Blechhammerweiher auch Fischerwoog genannt oder Langenwoog und der in der Nähe des Blechhammerweihers gelegene Vogelwoog. Der Blechhammer wurde im Mittelalter von Mönchen als Fischzuchtweiher angelegt.
Er steht in einer gewissen Verbindung mit den Eisen- und Schmelzhütten im Karlstal bei Trippstadt.
Schon vor 1500 wurde am Fischereck in Kaiserslautern ein Fischweiher von etwa 700 Meter Länge angelegt und als Langenwoog oder Fischerrückerwoog bezeichnet. Das Gebiet am Fischereck ist sehr wasserreich so dass sich in der Nähe schon sehr früh einige Mühlen ansiedelten. Früher standen in der näheren Umgebung die Kaisermühle, die Dammmühle, die Neumühle und die Kaisermühle, die Gegend war sehr Wald und Wiesenreich. Aus einem Protokoll vom April 1662 geht hervor dass die Stadt Kaiserslautern einen Schweinehirten angeklagt hat, weil er an der Neumühle am Hang des Fischerecks den Ginster angezündet hatte. Dadurch war ein Waldbrand entstanden. Der Hirte gab zu seiner Verteidigung an,, er habe im Ginster einen Wolf vermutet, der ihm drei Ferkel aus der Herde geholt hatte. Diese Gegend unterhalb des Alberichsberges ist sehr Geschichtsträchtig. Ganz in der Nähe des Fischerecks befand sich die bereits erwähnte Kaisermühle mit dem „neuen“ Kaiserwoog angelegt um 1388. Um diesen Woog zu errichten baute man einen großen Damm, heute führt über diesen ehemaligen Damm die Strasse hoch in die ehemalige Bergarbeiterenklave Erzhütten – Wiesenthalerhof. In diesen wasserreichen Woog flossen die Zuflüsse von Lauter, Eselsbach und Vogelbach. Direkt der Kaisermühle gegenüber stand die alte Dammmühle die im Jahre 1950 abgerissen wurde.
In den „Pfälzischen Geschichtsblättern“ von1912, Ausgabe 8, berichtet uns Theodor Zink von einem alten Morlauterer Weistum aus dem Jahre 1601 in dem über den alten Damm berichtet wird. 

 
Zeichnung von Etienne Blechhammer und Kaisermühle
Interessant ist auch das der Kaiserwoog auch als Richtstätte diente. So berichtet Martin Dolch im „Kaiserslauterer Jahrbuch für Pfälzische Geschichte und Volkskunde“ 2001: „Den pfälzischen Amtleuten in Kaiserslautern diente der von Vellmannn als „Hauptwoog zur Burgvogtei“ bezeichnete Kaiserwoog auch als Exekutionsstätte für Ehebrecherinnen. Ein solcher Fall ist urkundlich aus dem Jahre 1578 bezeugt, als sich der Junker Friedrich von Flersheim empört über den Eingriff in seine Gerichtsbarkeit zu Alsenbrück durch die Lauterer Amtleute beschwerte, weil sie ohne sein Wissen nachts die Frau des Alsenbrücker Wirtes Hans Dorn, die mit ihrem Knecht Ehebruch trieb, verhaftet, in Kaiserslautern peinlich befragt und verurteilt hatten, die Frau wurde im Kaiserwoog ertränkt, der Knecht mit 50 Talern bestraft“.
Nach diesem kurzen geschichtlichen Ausflug in die Nachbarschaft des Fischerrückwoogs kehren wir nun wieder zu diesem zurück.
Im Jahre 1739 gründete ein aus dem französischen Heeresdienst zurückgekehrter Leutnant Schwarz unterhalb des großen Woog – Dammes einen Wappenhammer. Er produzierte hier in der Hauptsache Messer, Äxte, Kuchenbleche, Sensen und Sicheln. Interessant sind auch hier wieder die Verbindungen nach Trippstadt. Das lutherische Kirchenbuch nennt 1740 „Friedrich Jacob Wagner, Director auf der Eisenschmelz“ als Pate bei einer Kindtaufe der Familie Schwarz. Im Jahre 1740 vernichtete ein Unwetter große Teile des Hammerwerkes, als es zu einem Dammbruch kam. Damals hieß es der Kaisermüller Fleck, Besitzer der Kaisermühle, der in Feindschaft mit Schwarz stand, hätte „seine Finger bei dem Dammbruch mit ihm Spiel gehabt“. Durch dieses Unglück war Schwarz gezwungen zu verkaufen. Erwähnt sei hier übrigens, das bei den Arbeitern, die ab 15.April 1741 mit der Wiederherstellung des zerstörten Dammes des Schwarz`schen Waffenhammers eingesetzt waren, außer den Leuten der nahen Mühlen und Höfe (so z.B. der im Jahre 1769 bei einem Jagdunfall im Stiftswald umgekommene Joh: Nicolaus Assenmacher) auch Personen vorkommen, die auf den „Hütten“ gewohnt haben. (1.)
Gleich nach dem Dammbruch verkaufte Schwarz das Werk an den Unternehmer Perpente aus Alzey. Schwarz kehrte wieder in die französischen Heeresdienste zurück. Perpente führte nun fünf Jahre lang erfolgreich das Hammerwerk am Fischereck, um dieses dann 1745 an den Posthalter Didier aus Kaiserslautern abzutreten. Dieser konnte den Betrieb jedoch nie richtig aufrechterhalten. Als Didier starb ging der Betrieb an den Schwiegersohn, den Kaiserslauterer Hofgerichtsrat Rügemer.
Schließlich erwarb die Familie Gienanth, denen die Trippstadter Hüttenwerke damals gehörten, den Wappenhammer. Unter den Gienanths hatte das Hammerwerk, dass sie in einen „Blechhammer“ umwandelten bis 1848 Bestand. In der Umgebung vom Fischereck, bauten die Gienanths Erz ab und waren somit maßgeblich an der Entstehung der ehemaligen Bergarbeitersiedlung „Im Reichswald“, heute Erzhütten Wiesenthalerhof, beteiligt.
Der Landwirt Schalk der den Hahnbrunnerhof ganz in der Nähe des Fischerecks bewirtschaftete kaufte nach 1848 den Blechhammer wie er jetzt genannt wurde und errichtete hier einen Ultramarienbetrieb. Im Jahre 1867 ertranken während eines Unfalls im Blechhammer sechs Seminaristen, die dort Schwimmunterricht erhielten. Nach dem deutsch – französischen Krieg 1870 / 71 kaufte der Kaiserslauterer Bierbrauer Karl Orth das Anwesen. Eine wahre Blütezeit erlebte der Blechhammer mit Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Familie Henn hier ein Sägewerk errichtete und einen Holzhandel betrieb. Die Orth`sche Gaststätte wurde damals zum beliebten Ausflugsziel der Lauterer Bürger und als 1883 die Lautertalbahn in Betrieb genommen wurde bekam der Blechhammer sogar eine eigene Haltestelle in der Nähe der heutigen Kläranlage von Kaiserslautern. Um 1900 wurde am Blechhammer ein bedeutender Fund aus der Bronzezeit (1000 v. Ch.) gemacht, er enthielt Sichel, Beile und Schmuck. Heute ist aus dem ehemaligen Wappenhammer das Hotel Blechhammer geworden.

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