Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu

Ein Jahresring hat sich geschlossen
ich wünsche euch ALLEN
ein FROHES HARMONISCHES NEUES JAHR
draußen fliegen noch die Krähen und Elstern
Stare und Rotkehlchen sehen wir auch noch
und durch die heimischen Wälder schleicht versteckt
hier und dort noch eine Wildkatze
einmal schaute ich in den Gartenteich da sah ich Kaulquappen
die haben eine Ähnlichkeit mit Walen finde ich
Du glaubst nicht das Kaulquappen eine Ähnlichkeit mit Walen haben
Dann hast du nie genau hingeschaut
Ich sag dir noch was – ich habe gestern eine Forelle gegessen
natürlich selbst gefangen mit meiner Hand
ich habe ein Feuer entfacht und sie in der Glut von Buchenholz geräuchert
allein im Wald mit einem kleinen Feuer und einer Forelle das ist schon was besonderes
Als ich an den Horizont schaute dachte ich jetzt beobachten sie mich vielleicht mit einem
Satelliten
die Forelle hat wunderbar geschmeckt
Ich weiß nicht wann ich mal wieder eine selbst gefangene Forelle essen kann
das ist nichts ALLTÄGLICHES nein es ist eine fast heilige Handlung
ja die Satelliten
Heute sagte mir einer der noch verrückter ist als ich diese Satelliten seien
doch tatsächlich die
Augen des
Techno- – Gottes
ich lächelte über diesen Schwachsinn und dachte an den
Forellenkopf
den habe ich für den Fuchs liegen lassen
Forellen haben harmonische Augen
in ihnen spiegelt sich der Glanz der Waldelfen
natürlich wünsche ich auch den Elfen
ein frohes neues Jahr. 

hukwa

Raunacht

Am Waldweg
die Autospuren sammeln das Regenwasser
in den entlaubten Bäumen
summt der Dezemberwind wie Geisterschar
Raunacht
rief da eben nicht
Jorinde
das sie der Geliebte finde
ewig ist der
Augenblick
in
Gedicht
und
Sage
hier im Wald
im Wurzelstock
schaue ich
Kentaurengestalt.
hukwa

Dienstag, 30. Dezember 2014

Auch ich war in Arkadien - ET IN ARCADIA EGO

…Auch ich war in Arkadien und bin auch heute noch des öfteren in dieser sehr schönen bukolischen Landschaft. Es war ein Maler der Renaissance, der Arkadien, berühmt machte.
Der Maler Poussin hatte es geschaffen. Vor einem Grabdenkmal in einer einfachen Naturgewaltigen Landschaft kniet ein Schäfer und entziffert seinen beiden jüngeren Gefährten und einem Hirtenmädchen die halberloschene Inschrift: ET IN ARCADIA EGO, auch ich war in Arkadien. Man findet sein Arkadien dort in der Natur, wo man sich zu Hause fühlt, ich finde es heute in diesem großen alten Garten.
Oft sitze ich hier und beobachte diesen alten Garten, in seiner farbenprächtigen Vielfalt, ein Stück verwilderter Kultur. In seiner Farbenpracht, in der Vielfalt seiner Pflanzen und Besucher, täglich verändert er sich, doch das Fundamentale bleibt gleich an ihm. Er ist eine starke Daseinsform und im Sommer vergeht kein Tag, wo ich mich wenigsten nicht für eine kurze Zeit in ihm aufhalte. Verwunschen ist er märchenhaft und voller Zauber. Ich mag alte und verwilderte Gärten sie sind reiner Ausdruck.
Oft gehe ich dann hinein in die bunte Farbenvielfalt dieser Gärten, schmecke, rieche und schaue die Schönheiten solch geheimnisvoller Reiche. Mehr träumend als denkend bewege ich mich dann durch die volle Farbenpracht und den grünen Pflanzenrausch. Ich taste mich mit meiner Seele hinein in die grüne Pflanzenwelt, allein mit dem Intellekt sind sie nicht zu fassen. Und ich spüre hier wird berichtet von den Uranfängen von so vielem.
Wenn ich hier am frühen Morgen sitze höre ich von weitem den Ruf des Schwarzspechts, es ist ein markanter Ruf, schon in der Kindheit habe ich ihm mit Vorliebe gelauscht. Oft trägt er mich fort, hinein in die ziehenden Wolken, in den Wald und noch tiefer, hinein ins reich der Erinnerungen, ins Zauberland der Kindheit. Weit weg bringt mich der Ruf des Spechts, an längst vergessene Orte die mir fremd erscheinen und dann plötzlich wieder so bekannt werden, wie Arkadien.
Dann erkenne ich immer wieder aufs neue wie die Natur in steter Wechselbeziehung mit mir spielt. Nein dies ist kein rasch verblühender Zaubergarten, hier ist Arkadien, ich war auch dort, so geht es mir durch die Sinne. Hier ist Verweilen pure Lust und Liebe, wie eine wunderschöne Frau nimmt mich der alte Garten auf.
O lacht nur ihr Betonanbeter, was wisst ihr von der einfachen Mentalität der Bewohner Arkadiens. Juvenius Arcadicus, arkadischer Jüngling, war einst ein Tadel. So benannt nach den Einwohnern Arkadiens, die der Natur näher standen als den Städten. Die Arkadier galten als wild wie der erymanthische Eber der in den Wäldern Arkadiens hauste. Als Terenz der Welt den Rücken kehrte, wusste er keinen besseren Ort um sich zu verkriechen als das wilde Arkadien, das äußerste Ende der Welt wie man dies damals nannte. Auch die Arkadier hatten einen Tempel, denn Phigalia, das Gegenstück zum Parthenon in Athen. Itkinos, einer der Männer die am Parthenon mitgebaut hatten, errichtete ihn auf Wunsch der Arkadier. Noch heute künden die Reste des Säulenumganges von Größe und Seltsamkeit, dieses nicht gerade für seine zeit gewöhnlichen Tempels. Er war eben Arkadienhaft!
So ist auch dieser Garten, hier blüht Arkadien mir und arm sei der Mensch der kein Arkadien hat. Wie es Hölderlin einmal ausdrückte: "Nicht begrenzt werden vom Größten und dennoch ein beschlossen sein vom geringsten, das ist göttlich". Das ist Arkadien.

hukwa

Montag, 29. Dezember 2014

Waldwache

Hier zwischen Nacht und
Mitternacht
im Wald
hier habe ich meine
meiste Zeit verbracht
habe ich was versäumt
Waldnächte schenkten mir
die wunderschönsten Stunden
O Vollmond Nacht
beglückte Stunde
in voller Pracht.
hukwa

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Mein alter Garten

Als hätten Blumen bekränzte Feen ihr geheimes Reich geöffnet so durchzieht der süß-schwere Maiduft den alten Garten. Der Welt entrückt, verborgen hinter den Blütenschleiern des weißen Hartriegels und des überschäumenden und verführerischen Perlmuttsstrauchs existiert hier eine eigene Welt. Der Märchenwelt scheint er entstiegen zu sein oder der Traum Dornröschens hat ihn hierher verbannt. Ein wunderschöner kleiner Teich ladet nicht nur Libellen und Schwebfliegen zum Verweilen ein sondern auch Nymphen und Elfen. In diesem kleinen Paradies scheinen auch Gnome und Kobolde gern gesehene Gäste zu sein. Bizarre Wurzeln, Äste, Findlinge und bemooste Steine am Teich bilden einen wundervollen Kontrast zu den filigranen Strukturen der Pflanzen und über allem regiert der süßliche Duft des Mai.
Eine grüne Pflanzenmagie umrahmt vom märchenhaften Zauber des wildwuchernden Efeus lässt hier alles etwas jenseitig erscheinen. Als wäre der alte Garten Teil der Anderswelt. Wahrscheinlich ist er aber eine Zwischenwelt, eine Welt zwischen Jenseits und Diesseits, zwischen realer Welt und Anderswelt.
Wer hier wandelt fühlt sich ins Reich der Romantik versetzt und beginnt alsbald mit der Suche nach der blauen Blume die man hier vermutet. Jene Blume die der Wirklichkeit das voraus hatte, dass sowenig wie sie gefunden werden kann, wird sie auch niemals verloren gehen. Wenn sie auch nirgendwo wächst, dann lebt sie doch auf ewig. Denn sie ist das Urbild des grenzenlosen Geistes. Doch hier, in diesem alten verträumten Garten, könnte sie tatsächlich wachsen. Es liegt ein unbeschwerter und geheimnisvoller Zauber über diesem alten Garten, der jenen die ihn betreten wie ein Gruß aus einem anderen Zeitalter empfängt.
Man spürt deutlich die Kraft die hier wirkt, eine Kraft von der alle hier wachsende Wesen erfüllt sind und die beim Betreten dieses Idylls auf einem überzugehen scheint. Die uns berührt wie ein Zauber als würde uns für einen Moment die Göttin Aurora persönlich berühren.
Es heißt das Urbild aller Gärten sei der Paradiesgarten und dieser hier schien nach seinem Ebenbild geschaffen zu sein. Der Glückliche nimmt hier, wenn auch nur leicht und verschwommen, jene Wesen wahr, die ansonsten nur in seiner Einbildung, in seiner Imago, existieren. Er weiß sie sind vorhanden, aber eben nicht von dieser Welt, doch die Welt des alten Gartens ist nun einmal eine Zwischenwelt, wer sie betritt sollte sich darauf gefasst machen, dass die unsichtbaren Geister die ihn begleiten sich für einige Zeit verkörpern und er somit das erste Mal die wirkliche Realität schaut und nicht nur einen Teilaspekt von ihr. Denn hier ist alles verwunschen.
Durch eine Sandsteinmauer schirmt sich der Garten von der profanen Welt ab. Keine Schmutzwässer sickern ein in dieses Paradies und seine unsichtbaren Bewohner haben hier ein Refugium gefunden. Wer von außen an der hohen Steinmauer vorbei läuft ahnt nicht das sich hier ein letztes Kleinod verbirgt.
Nur jenen die noch beseelt sind vom alten Glauben öffnen sich seine Pforten und er bekommt ein Einblick in die Geheimnisse einer Welt von der wir denken dass sie nie existiert hat.
Schon lange haben sich die Geister aus der Welt der Menschen zurückgezogen, nur noch wenige Plätze existieren, wo sie sich in dieser Welt behaupten können, der alte Garten ist solch einer.
Sie die nur noch in den Träumen von Dichtern existieren haben hier eine letzte Zufluchtsstätte gefunden. Und wer für einige zeit hier verweilen darf dem passiert es vielleicht, das sich das Tor zur Anderswelt öffnet und er einen Blick in sie werfen kann um geläutert aus dem alten Garten heim kehren zu können in die wahre Heimat die wir lange schon verlassen haben.



Der alte Garten liegt am ende der Stadt, gleich dort wo der Wald beginnt. Wie oft habe ich als Kind hier auf der vermoosten Steinbank gesessen und dem zarten Flügelschlag der Elfen geschaut und das fröhliche Gelächter der Gnomen in mich aufgenommen. An Abenden wenn vom nahen Wald die weißen Nebelschwaden aufstiegen und sich manchmal über den Garten legten und ihn noch mehr verzauberten als er es ohnehin schon war. Nie hätte ich sein Geheimnis verraten und behielt es bis Heute für mich. Jetzt kann ich darüber schreiben denn niemand außer mir weiß wo der Garten ist.
Und so soll es auch bleiben, doch glaubt mir irgendwann wird es wieder mehr solcher Paradiese geben. Das Heer der Geister wird zurückkehren um denen die reinen Herzens sind die Tore ihrer Reiche zu öffnen.
hukwa

Sonntag, 21. Dezember 2014

Vom Julblock und Raunächten - Eine heidnische Weihnachtsmythologie

Das Julfest war das große Winterfest der Germanen, ursprünglich den Seele der Verstorbenen geweiht, die nach germanischen Glauben um die Zeit der Wintersonnenwende ihren Umzug hielten und an Schmaus und Gelage teilnahmen. Das Fest dauerte in der Regel 12 Tage. Im norden wurde an diesem Fest neben den Geistern auch den großen Göttern, besonders Thor und Freyr, geopfert und Erntesegen für das kommende Jahr erfleht. Ein alter Brauch war es, am Julfest einen großen Eber, das dem Freyr heilige Tier, Gullinborsti, in die Halle zu führen und auf dessen Haupt Gelübde abzulegen. An Stelle des Julfest, trat später unser Weinachtsfest; aber noch heute erinnern, besonders im skandinavischen Norden, verschiedene Gebräuche an das alte heidnische Fest: der Julklap (Weihnachtsgeschenk), das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus geworfen wird, der Juleber oder Julbock, ein feines Gebäck, dem ein Eberkopf aufgedrückt ist, Julgrütze, Julbrot, Julfeuer ect.
Wir sehen also auch das backen von Süßigkeiten geht auf einen alten heidnischen Brauch zurück, wie unsere Weihnachtsgeschenke auch. Die Kirche hat es geschickt verstanden, die alten heidnischen feste zu assimilieren, um den heidnischen Kult mit der christlichen Lehre zu versöhnen.
Trotz Geselligkeit und Festgelage hatte das germanische Julfest einen düsteren Charakter. Es war ja ein Totenfest dessen Wurzeln fest verankert im Ahnenkult der Germanen war. Die toten erschienen in dieser Zeit aus ihren Hügelgräbern (Bezug zu Samhain und Allerseelen). Auch Odin kehrte in dieser Zeit zur Erde zurück. Als Anführer der „wilden Jagd“ tobte er die eine Furie durch die Lüfte. Für Christen war es besonders gefährlich wenn sie die „wilde Jagd erblickten. Die Zeit von der Wintersonnenwende bis zum Dreikönigstag nennt man auch heute noch die Zwölften, den 12 Tage währte die „wilde Jagd“. Landschaftlich unterschiedlich benennt man diese Zeit auch „Raunächte“.
Die Rituale des Julfestes fanden im heiligen Hain statt. Hier wurde dann ein Rad, das mit seiner Achse in einem Eichenstamm stand, unter feierlichen Gesängen und Beschwörungen gedreht, bis die Achse durch die Reibung glühend geworden war und das Stroh das man um das Rad gestreut hatte Feuer fing. An diesem Feuer entzündete man nun den Julblock, einen dicken Eichenstamm, der unbedingt glühend gehalten werden musste. Man kann davon ausgehen das dieses verbrennen des Julblocks den Sinn hatte, der im Todeskampfe liegenden Wintersonne zu helfen, ihr scheinbar erlöschendes Licht wieder neu zu entzünden. Wir haben es hier also auch mit einem Sonnenritual zu tun. Der Julblock wir so gelegt, dass er langsam und lange schwellt und wird dann mit Saatgut vermischt für die nächste Aussaat, der Julklotz ist also auch Talisman und Glücksbringer.
Trotz seiner Düsterheit hatte das Fest auch seine fröhliche Seite. Zwölf Tage lang wurde nun gefeiert.
Noch lange lebte der germanische Mythos der Raunächte, also der „wilden Jagd“, im Volksglauben weiter. In dieser zeit glaubte man gingen die Geister um, man sah Werwölfe, Hausgeister tauchten auf und nächtens fuhr Odin mit seinem Anhang heulend und mit Getöse durch die Lüfte.
In Süddeutschland ist es die Bercht, oder auch Percht, die das wilde Heer anführt.
Sie ist eine Erscheinungsform der Göttin Freya, wie Frau Holle auch.
Berchta leitet sich aus dem althochd. Von Berahta ab, was „die Glänzende“ bedeutet. Sie galt ursprünglich als himmlische Sonnengöttin und regenspendente Wolkenfrau und war des Sturmgottes Wotan Gemahlin. Selbst Spinnerin, wie Frau Holle schützt sie die entsprechende weibliche Arbeit, und als Herrin über Wolken und Wind fördert sie das Gedeihen der Frucht. In den Sagen erscheint sie oft als Ahnmutter berühmter Königsgeschlechter, so auch in der Karolingersaga, wo ihr ein eigentümlich großer Fuß nämlich der Schwanenfuß der Göttin Freya beigelegt wird. Die Ähnlichkeiten zu Frau Holla sind eindeutig. Wie diese hütet sie als chthonische Gottheit die Seelen aller Ungeborenen und zu früh verstorbenen Kinder.
In anderen Gegenden wird die Berchta durch Frau Holle ersetzt. Dort saust sie mit der „Windsbraut“ durch die Lüfte. Allerdings ist die Gestalt der Frau Holle weitaus schillernder und ausgeschmückter als die der Berchta. Wenn sie mal gerade nicht durch die Lüfte saust hat sie ihre Behausung an einsamen Quellen, Brunnen und abgelegenen Waldseen. Dort sitzt sie oft und kämmt ihr „goldenes Haar“. Aber schon im Märchen der Brüder Grimm zeigt sich der ambivalente Charakter dieser ehemaligen Totengöttin. Sie belohnt und bestraft die Menschen, ist manchmal mild und manchmal grausam, ist Kinderfreundlich dann wieder eine Kinderschreckgestalt. Am bekanntesten ist sie wohl als Wind- und Schneedämonin. Wenn es schneit, heißt es im Volksmund: Frau Holle schüttelt ihre Bettwäsche oder Frau Holle rupft Gänse.
Der „Frau Holle Tag“ ist der letzte in den zwölf Raunächten, die Nacht vor dem Dreikönigstag. An diesem Tag und in dieser Nacht muss alle Arbeit ruhen.
Nach den Raunächten begann das langsame Hoffen das der Frühling bald wiederkehrt.
hukwa

Sonntag, 14. Dezember 2014

Aus Heinrich Hansjakobs - Reise nach Trippstadt, am 18. Juni 1903, Auszug aus seinen Reiseerinnerungen und Tagebuchblättern dritter Band – Sommerfahrten

….Endlich kommt eine größere Lichtung, und auf einer rauhen Hochfläche erscheint das große Walddorf Trippstadt.
Es ist erst elf Uhr Morgens. Im Gasthaus von Spanier hat mir der Apotheker Zapf per Telefon mein Mittagsessen bestellt; ich habe aber vor dem Essen noch Zeit genug, um den katholischen Pfarrer aufzusuchen.
Auf der breiten Dorfstraße hinabschreitend, grüßte mich ein dicker Herr, der Typus eines biederen Landarztes, und sagte mir, dass er auch ein Schwarzwälder sei und zwar aus Falkau unweit vom Titisee.
Ich staunte nicht wenig darüber, im fernen Pfälzerwald einen Schwarzwälder als Arzt zu finden. Er hat in Würzburg studiert und praktizierte erst im Spessart, bevor er hierherkam.
Wenn ein Schwarzwälder in die Fremde geht und kein Heimweh haben will, so zieht er am besten nach Trippstadt, wo alles an den Schwarzwald erinnert und wo man glaubt, inmitten dieses Waldes zu sein. -
Die katholische Kirche und das Pfarrhaus liegen am ende des Dorfes, und der Kirche nach sind die Katholiken die kleinere Zahl der Bewohner. Der Pfarrer war nicht daheim, sondern auswärts auf einer seiner Filialorte, aber seine Schwestern empfingen mich in dem kleinen Pfarrhäuschen mit unverhohlener Freude und zeigten mir das Zimmer, das sie für mich hergerichtet.
Ich hatte ursprünglich vorgehabt, gestern bis Trippstadt zu fahren, und so war auch hier mir Quartier bereitet worden.
Wenn ich gewußt hätte, dass es mich im Pfarrhaus zu Lautern so frieren würde und das Zimmer in Trippstadt, das meiner wartete, eine so herrliche Aussicht böte, wäre ich gestern Abend noch hierher gefahren.
Vor den Fenstern dieses Zimmers liegt eine Waldwelt, wie sie der Schwarzwald an seinen schönsten Punkten nicht schöner und großartiger zeigt.
Wenn ich nicht jener Wanderer wäre, dens immer wieder möglich schnell von dannen treibt, dann hätte ich im zierlichen Pfarrhäusle zu Trippstadt einen halben Tag gerastet und mich satt getrunken an dem herrlichen Blick in deutschen Tannenwald.
Zurückgekehrt zu meiner Herberge, traf ich den Arzt nochmals, und ich wollte mit ihm gehen, um mich seiner Frau, die zu meinen Leserinnen gehört, vorzustellen. Aber er wohnt so weit im Dorf droben, dass ich unterwegs wieder umkehren musste, wenn meine Bewegungsnerven nicht streiken sollten.
Erst schaute ich den Frauen und Kindern des Dorfes zu, wie sie Wasser holten am Dorfbrunnen und dazu eine mir unverständliche Sprache redeten.
Ich dachte an die Worte, des pfälzischen Dialektdichters Fritz Claus in seinem Lied, in welchem er die Westricher Bauern, die in der Weinpfalz gerne verspottet werden, den Vorderpfälzern gegenüber sagen lässt, das sie den Brunnen dem geschmierten Wein vorzögen, den jene in das Westrich schickten, und im übrigen keine Not litten.
Ich unterhielt mich dann noch im Hotel des Spaniers mit dessen Bäckerburschen, der eben frisches Schwarzbrot, das gar lieblich duftete, in Körbe legte, über das ehrbare Handwerk der Bäcker und bekannte mich auch als einen aus der Zunft.
Der Spanier, so heißt der Wirt mit seinem Geschlechtsnamen, ist zweifelslos ein kluger Mann und hat meiner Beobachtung nach, eine noch hellere Frau; denn beide betreiben nicht bloß eine Wirtschaft, sondern auch eine Bäckerei und einen Kramladen. -
Ich müßte mich nur wundern, dass es in Trippstadt nicht wimmelte von Kurgästen und dass diese prächtige Waldgegend nur von so wenigen Sommergästen frequentiert wird.
Ist die Gegend, die von hier bis ins Queichtal hinunter ein Paradies abgäbe für Luftkuristen, zu wenig bekannt, oder sind die reichen Weinleute der Vorderpfalz keine Freunde von Luftkuren, oder liegt dieses Waldland zu nieder, das der Schwarzwald ihm vorgezogen wird? Das letztere mag für Fremde viel ausmachen.
Trippstadt liegt nur 457 Meter hoch, und die höchsten Punkte dieses Waldgebiets gehen kaum über 600 Meter.
Der Spanier gab mir zum Mittagessen guten Wein und eine Rehkeule und zum Ruhen ein bequemes Sofa, und erfrischt und gestärkt fuhr ich am Nachmittag dem einsamen Waldland zu, das man „Frankenweide“ nennt.
Der Pfarrer Minges, bei dem ich nochmals im vorbeifahren anklopfte, begleitete mich bis zum Karlstal, einer ungemein malerischen Waldschlucht, aus der die Ruinen der großen Burg Wilenstein, eine Gründung Barbarossas, noch malerisch hervorragen.
An der Straße hin rinnt zwischen schwachen Felspartien ein noch schwächeres Wasser und erinnert wieder an die Wasserarmut des Pfälzerwaldes. Hier verließ mich der Pfarrherr.
Bald war ich mitten im Herzen des Pfälzerwaldes, in Johanniskreuz, einer einsamen Lichtung, auf der ein Forsthaus und ein Kurhaus friedlich beisammen liegen, und dessen Bewohner jeder Naturfreund beneiden muss......

hukwa

Ein heimatkundlicher Schatz

Vor einigen Tagen schenkte mir ein befreundeter Historiker einen wahrlich heimatkundlichen Schatz. Es handelt sich um alte Zeugnisse, Bücher und Bilder von Trippstadt und Johanniskreuz, von denen ich bisher überhaupt nicht wusste das sie existieren. Darunter einen wunderschönen Farbdruck, weit über 100 Jahre alt von Johannniskreuz, der sehr detailiert Häuser und Landschaft von dort zeigt. Auch zwei sehr alte Reiseführer von Johanniskreuz mit zahlreichen Fotos gehören zu diesem heimatkundlichen Fundus. Ich werde in den nächsten Wochen das ganze Material ausarbeiten. Der wunderschöne alte Druck hängt nun in meinem Arbeitszimmer. Das Ergebnis über diese heimatkundlichen Recherchen werde ich in den nächsten Wochen veröffentlichen.
Besonders interessant ist ein kleines Büchlein, das ein Frankfurter Reisender geschrieben hat von 1903. In ihm beschreibt er verschiedene Bewohner von Trippstadt unter ihnen den Gastwirt Spanier, einen Bäckerlehrling und die Familien der Pfarrer von Trippstadt. Sehr detailiert auch die Räumlichkeiten des kath. Pfarrhauses. Sogar eine handgeschriebene Speisekarte gehört zu diesem Fundus. Der Verfasser des Büchleins beobachtete spielende Kinder vorm Trippstadter Dorfbrunnen und berichtet sehr volkskundlich darüber. Ich freue mich jetzt schon auf die Aufarbeitung dieses heimatlich - historischen Materials.
hukwa

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Eine Begegnung beim Scharderkopf

Ich laufe hoch in den Bergwald. Es ist ein kalter Dezembernachmittag unter meinen Füßen knirscht der Schnee, die Kälte versucht in die Kleidung zu kriechen.
In den Eichen und Buchen hängen Nebelfetzen und alles scheint leblos, eine tiefe Stille herrscht um mich herum. Und doch weiß ich dass sich im Verborgenen geheimes Leben regt. In eisiger Ruhe schweigt der Wald und die Luft steht still. Den einzigen Ton den ich vernehme ist mein Stapfen durch den Schnee. Ängstigende Ruhe umgibt mich, anscheinend bin ich das einzige Wesen in diesem Wald.
Mit einem mal endet die Ruhe, wird zerrissen durch die singende Flügelschläge einer Krähe die ganz nah auf Augenhöhe an mir vorbeifliegt und sich in etwa 15 Meter Entfernung von meinem Standort auf einem Baumstumpf niederlässt.
Sie schaut direkt zu mir her, ich stehe still, vollkommen bewegungslos, Auge in Auge mit dem schwarzen Vogel. Das Wilde in ihren Augen faszinierte mich völlig, noch nie im Leben habe ich einen solchen Blick gesehen - einfach wild!
Mir schien es als würden wir uns eine Ewigkeit anstarren, die Krähe zeigte überhaupt keine Angst vor mir.
Dann geschah etwas ganz seltsames: Eigentlich spürte ich es nur, ich hatte plötzlich das Gefühl das mir die Krähe etwas mitteilen wollte. Ich bewegte mich langsam auf sie zu und sie ließ mich tatsächlich bis auf etwa 8 Meter an sie herankommen, dann flog sie elegant auf aber auch nur wieder ein paar Meter weit, wo sie sich diesmal auf einer umgestürzten Buche niederließ. Das Spiel begann von vorne, wieder konnte ich ziemlich nahe an sie heran laufen und das gegenseitige fixieren begann aufs Neue. Nach einiger Zeit ging ich erneut auf sie zu, diesmal ließ sie mich noch näher herankommen. Dann flog sie auf ließ sich im Wipfel einer Eiche nieder, sah mich wieder an, krächzte drei mal sehr laut und verschwand im Wald.
Für einige Zeit war ich noch wie gebannt dann setzte ich meinen Weg fort.
Wieder nur das Geräusch von knirschendem Schnee, wieder absolute Stille.
Es lag ein tiefes Geheimnis in der einsamen Krähe die gerade mich zu einer Begegnung herausforderte. Für mich ist der Vogel die Verkörperung der einsamen Natur im Winter geworden. Eine seltsame Sehnsucht hatte mich erfasst und mit einem mal wusste ich was mich die Krähe gelehrt hatte: Das Einssein mit der Natur.
hukwa



Am Futterhaus

Am Futterhaus das
Rotkehlchen
bleibt immer für sich.
hukwa

Dienstag, 9. Dezember 2014

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der Wald ist meine Kirche - der Baum mein Priester

Es gibt Wälder die betrete ich wie ein Gläubiger Hindu einen Shiva Tempel betritt. Denn was ist der Wald anderes als ein großer Tempel? Wer die Wälder oberflächlich behandelt ist aus meiner Sichtweise ein Tempelbeschmutzer. Wer sie rodet ist ein Tempelräuber und Tempelzerstörer. Wenn ich in den Wäldern schlafe gleicht mein Schlaf einem Tempelschlaf. Große Wälder haben eine Ähnlichkeit mit unserem Unbewussten - vielleicht haben deswegen viele Menschen Angst vor der Stille der Wälder.
hukwa

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Im Nebelwald

Ich stehe unter den Fichten im alten Haderwald. Das letzte Novemberlaub fällt. Große Stille ist über den Wald gekommen. Sanft bläst der Novemberwind, wirbelt manchmal ein Laubblatt durch die Lüfte. Es ist später Nachmittag, Nebel ist aufgezogen. Der Abend naht also mache ich mich auf zur Heimkehr. Wie verzaubert laufe ich durch den Nebelwald. Nach einer halben Stunde erreiche ich die Landstraße, als ich sie überquere und in den kleinen Waldpfad einbiege, der hoch zum Dorf führt, fällt die Dunkelheit über die Landschaft. Die Pfützen auf dem schmalen Weg und die Äste der alten Weiden die hier stehen leuchten geisterhaft auf wenn der Wind die Wolken am fahlen Mond vorbeitreibt. Ein feiner eisiger Regen setzt plötzlich ein. In der nähe des alten Ziegelbrunnens halte ich kurz an, Nebel, Wolken und Mond geben dem Wald eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ein Waldkauz fliegt an mir vorbei, die Wolken öffnen sich und Mondlicht fällt auf die Landschaft. Jetzt kann ich erkennen wie er sich wenige Meter von mir entfernt auf einem Baumstrunk niederlässt. Dreimal höre ich seinen Ruf dann fliegt er auf und verschwindet im Wald.
Vorbei an „den zwei Steinen“, so heißt die Feldflur hier, trete ich nun durch das kleine Tor in den Schlosspark ein. Ich verweile für einen Moment unter den mächtigen Eichbäumen die hier stehen und schaue hoch zum Schloss, das vom Mondlicht leicht beleuchtet wird. Wie in einen mystischen Glanz getaucht erscheint es mir heute. Wie verwandelt kommt es mir in der Novemberdunkelheit vor. Mit einem mal spüre ich etwas das sich nur fühlen lässt und man nicht beschreiben kann. Plötzlich, einem Spuke gleich war der Waldkauz wieder da, setzte sich in die Eiche unter der ich stand und stieß seinen unheimlichen Lockruf aus. Für kurze Zeit fühlte ich mich in eine Epoche versetzt die seit Jahrhunderten nicht mehr existierte. Ein Zeitsprung der mir so realistisch vorkommt dass ich für einen Moment glaubte tatsächlich in einem anderen Jahrhundert zu sein. Mir scheint es als bin ich in das zeit ferne Geheimnis des Parks und Schlosses eingetaucht. Vor mir tat sich ein farbiger Abgrund einer vergessenen Zeit auf. Die ganze süße Schwermut der Vergänglichkeit fiel regelrecht über mich her. Ein unwirklicher nicht gebrochener Zauber lag plötzlich über den alten von Efeu umrankten Steinfassaden der Parkmauer, der mich mit auf eine Zeitreise nahm. Der still gelegte Springbrunnen fing wieder an zu sprudeln und vor mir tauchten alte Laubengänge auf in denen Frauen und Männer gekleidet in der Mode des Barockzeitalters lustwandelten. Ich schaute dem treiben eine Weile gebannt zu, bis der Ruf des Kauzes mich wieder in die Realität zurückbrachte. Der schöne Spuk erlosch. Wie von einem Zauberbann befreit laufe ich langsam nach Hause, begleitet vom Ruf des Kauzes.

hukwa





Dienstag, 2. Dezember 2014

Winter

Der zarte Laut 
des Rotkehlchens
enthält
die ganze Traurigkeit des Winters
kleiner Seelenvogel
einsam sitzend
im kahlen Schlehenbaum
sehnsüchtig erwartes du den Frühling.
hukwa