Donnerstag, 31. Dezember 2015

Hier in tiefster grüner Stille - zu Sylvester 2015

Tiefer lauf ich in die Wälder
hinein schlüpfend wie ein Tier
gehe durch des Dickichts grüne Tür
hinter mir die grauen Städte
such ich auf den grünen Wald
Rindengleich fühlt sich meine Haut
bin allein nur mit der Krähe
mit der Unke
mit dem Specht
werf die Silbermünze lächelnd
in das dichte Eichen Geäst
Les die Signatur Bäume
Lausch des Wildbachs Wasserschäumen
bin allein mit meinen Träumen
lange will ich hier verweilen
fern den trostlos urbanen Räumen
hier in tiefster grüner Stille
weiß ich um mein Glück alleine.
hukwa

Donnerstag, 12. November 2015

Novemberabend

Jetzt naht des Herbstes Abend
schon müde streicht der Westwind
über das feuchte Gras
mit ihm fahren die Geräusche der Strass aus dem Dorf hinaus
lang werden nun die Schatten
dehnen sich über die Wälder
Herbstvögel
fliegen in Keilschriftmuster
über das Land dahin
sie Flattern lautlos vorüber
Herbstabend kehrt wieder.
hukwa

Dienstag, 10. November 2015

Montag, 9. November 2015

Dasein ohne Mythos

Das Leben dass die meisten Menschen die ich kenne führen ist nichts für mich. ihr angeblich kritischer Verstand ist einfach nur ein Anpassungverstand. Sie sind Jäger des Kommerz und können überhaupt nicht mehr fabulieren. Ein solches Leben wäre mir zu einseitig ist es doch ein Dasein ohne Mythos.
hukwa

Montag, 19. Oktober 2015

Seele und Sinne im Herbst

Wenn ich wie Heute einige Zeit aus dem Fenster meines Ateliers schaue und beobachte wie der Wind die Blätter aufwirbelt, wird mir klar, der ganze Herbst ist eine Meditation. Jetzt, Mitte Oktober fühle ich mich den Wesen der Natur noch näher als das ganze Jahr über. Diese Jahreszeit will mir etwas Mitteilen - über Zerfall, Vergehen und wieder Auferstehen. Man muss den Herbst mit seinen ganzen Sinnen - aber vor allem mit seiner Seele aufnehmen.
hukwa

Freitag, 18. September 2015

Im Wald der Kindheit

Im Wald ist jene Wahrheit wach
die meine Kindheitträume wart
All jene wunder sind dort wach
ein Heer von Bäumen sie bewacht.

Wie oft ging ich im grünen Wald
durch Nebeltau und Frühlingsgrün
ein Junge war ich als ich sah
im Wald sind alle Wunder wach.

Heut geh ich wieder durch den Wald
vom Waldschrat und einer Hexe bewacht
O wunderbarer Ätherraum o Wald
der mich als Kind noch schaut.
hukwa

Dienstag, 1. September 2015

Herbstwanderer - Eine Naturmeditation

Wenn im Herbst die ersten weißen Nebel in den Tälern des Pfälzerwaldes erscheinen und die Bäume ihr buntes Herbstkleid angelegt haben, beginnt für den Wanderer eine besonders schöne Zeit.
Die goldene Sonne des frühen Oktober zieht ihn nun magisch in die Wälder. Der zehnte Monat des Jahres trägt den altdeutschen Namen Gilbhart. In ihm verborgen sind die längst ausgestorbene Wörter „Gilb“ für Gelb, ein Hinweiß auf das sich verfärben der Baumblätter und „Hart“ das einst für Bergwald stand. In den Gebirgsnamen Haardt und Harz ist es bis Heute erhalten geblieben.
Wer im Herbst durch die Wälder wandert, hat die Möglichkeit vieles und Absolutes zu sehen und zu erkennen. Kann man doch in der Natur und ihre Prozessen die eigene Vollendung entdecken.
Mit dem Fallen der Blätter erinnert man sich seiner geschichtlichen Zeit aber auch seiner schöpferischen Endlichkeit. Der ganze Herbst ist eine einzige Naturmeditation.
In den Wäldern begegnen wir nun besonders intensiv dem Spiel der Naturelemente von Zerfall und Wiedergeburt. Hier der Friedhof des toten Laubes und doch keimt unter dieser Schicht schon das neue zukünftige Baumleben.
Ein elementares Spiel treibt der Herbst in den Wäldern. Die Wucht seiner faszinierenden Farben betören den Wanderer und doch steckt in ihnen schon das Ahnen des nahenden Winters. Hoch oben am Himmel erscheinen am Abend die ersten diamantene Herbststerne.
Manchmal hat der Wanderer das Glück, wenn er am Abend aus den Wäldern heraustritt, das Schnattern der Wildgänse zu hören, dies sind besondere Augenblicke.
Herbst das ist kein Niedergang, diese Jahreszeit spricht in einem wunderbaren Schopfungsalphabeth zu uns. Im Lied des Herbstes singt noch einmal die ganze Süße und Schwermut des Sommers zu uns.
Stimmt das Wettter dann erreicht jetzt die Hirschbrunft ihren Höhepunkt. Wer ein solches Naturschauspiel einmal erlebt hat, für den wird es ein unvergessenes Ereignis bleiben.
Die Bienen machen jetzt ihren Stock dicht und nach den ersten Nachtfrösten beginnt der Siebenschläfer seinen Winterschlaf. Dort wo Eichbäume stehen erscheint jetzt sehr häufig der Eichelhäher, der fleißig Eicheln sammelt. Dieser Baumpflanzer kann bis zu sechs Eicheln in seinem Kehlsack tragen die er zu seinen Sammellagern bringt.
Der Oktober ist auch die Zeit der Pilze und eine Art fällt uns nun besonders auf. Der Fliegenpilz. Vor allem dort wo Birken und Fichten wachsen, finden wir nun dieses mystische „Männlein im Walde“, hat es doch zu diesen beiden Baumarten eine besondere Beziehung.
Eine besonders schöne Herbstfärbung findet sich jetzt bei den Ahornbäumen aber auch die Wildkirsche, die im Frühjahr mit ihren schneeweißen Blüten die Landschaft verzaubert hat, verzückt uns nun noch einmal mit der besonderen Rotfärbung ihrer Blätter.
Der „Goldene Oktober“ dauert etwa bis zur Monatsmitte. Jetzt, da die ersten Frostnächte nahen, erreichen der Wildapfelbaum und die Schlehe ihre letzte Reife.
Je tiefer der Wanderer nun in die Wälder eindringt, desto intensiver trifft ihn nun die Melancholie des herbstlichen Untergangs und doch schwebt in diesem scheinbaren Vergehen bereits die Frucht eines neuen Werdens. 

hukwa 

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Sonntag, 16. August 2015

Holundergebüsch

Holunder Duft
des Sommers rätselhafte Grüße
im Schattengarten verweile ich
Echsenauge im Baumgesicht
Königslibelle geht auf Jagd
Sperlingsgezeter in sommerlicher Glut
Rätsel des Morgen
hängt wie eine Spinnwebe
im Erlengebüsch
Hornissenhochzeit
im Eichengeäst
zart biegt sich im Wind
die Glockenblume
in ihr versteckt
eine eigene Welt
es spricht das dunkelnde Du
im Dunkel und Duft des
Holundergebüschs.
hukwa

Mittwoch, 29. Juli 2015

Sommernacht Haiku

Blitz in der Sommernacht
im Garten erkenne ich kurz
das glänzende Fell des Marders.
hukwa

Ein Blitzstrahl in der Nacht
die wilden Rosen
leuchten wie Blut.
hukwa

Sonntag, 26. Juli 2015

Der Wald ein Buch der Schöpfung

Geh in die Wälder und du wirst deinen Frieden finden. Weit mehr als bei den Menschen wirst du bei den Bäumen Weisheit finden. Lausche dem Murmeln des Wildbachs es steckt ein tiefes Geheimnis in seiner Musik. Wenn die Steine auch stumm sind, die Signaturen ihrer bizarren Formen sind eine Metapher für die Natur in der du Lesen kannst wie in einem Buch. Der Gesang der Vögel ist reine Musik und ihr Flug ist wie eine Welle im Wasser. In den Wäldern breitet sich das Schöpfungalphabet vor dir aus, gehe los und lese darinnen.
hukwa

Freitag, 24. Juli 2015

Das grüne Fleisch des Waldes

Ich laufe hinein
in das grüne Fleisch des Waldes
lausche dem pochenden Herzen der Bäume
tief drinnen beim schwarzgrün der Farne und Moose
wo der kelchige Schierling seine Dolden entfaltet
erwartet einem immer unerwartetes
sich Entsinnen ist Wiederfinden
das ist das Geheimnis des Waldes.
hukwa

Mittwoch, 22. Juli 2015

Morgenröte

Auferstanden aus den Wirren
einer Traum durchtränkten Nacht
will der Morgen uns versöhnen
Mit dem Schattenland der Nacht.

In der frühen Morgenstunde
scheinst du uns in roter Pracht
und in deinem verklärten Scheine
eine andere Welt erwacht.
hukwa

Haiku

Harmonisch ging auf
an diesem Sommmermorgen
die Windenblüte.
hukwa

Montag, 20. Juli 2015

Holunder Haiku

Vom Sommerregen gebeugt
wie ein altersgrauer Mann
der alte Holunderbaum.
hukwa

Sonntag, 19. Juli 2015

Donnerstag, 16. Juli 2015

Wandern

Ich beherrsche zwei Arten des Wanderns, das "äußere" Wandern und das "innere" Wandern. Selbst wenn draußen schlechtes Wetter herrscht, kann ich trotzdem auf Wanderschaft gehen.
hukwa

Mittwoch, 17. Juni 2015

Alter Brunnen im Aschbacherwald

O singendes Gestein
Im Duft von sommerlichen Wäldern
Wieder will ich dir lauschen
Einen Sommer lang
Träumend im Moose liegend
Reinen Herzens und allein
Genährt vom Rieseln und Rauschen
Des Waldes urhaften Lauten
Bildnis des Inneren Geschauten
Hier unter schirmend schweren Zweigen
Kann ich ohne Maske mich bewegen
Reißt du mich auch in meine letzte Tiefe
Ich will noch weilen
Tief in mich gehen
Die Erlenbüsche
Silber und Grau
Verweben sich zu einem Traum
In das uralte Lied das klingt
Aus dem singenden Gestein.
hukwa

Sonntag, 12. April 2015

Frühling im Trippstadter Wald - in jedem, noch so kleinen Teich oder Bächlein entsteht neues Leben!

Fotos Ute Knieriemen-Wagner





Fame, bellum, peste. - Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen für Kaiserslautern und Umgebung

Die Nacht der Geschichte
gebiert Ungeheuer.
Rüdiger Safranski

Der Dreißigjährige Krieg mit seinen Grenzzahlen 1618 – 1648 ist auch für das Gebiet des heutigen Landkreis Kaiserslautern natürlich nicht genau umschrieben.
Der Kurpfälzer Friedrich V. Residierte einen Winter lang als König in Prag und machte damit, unfreiwillig, die Pfalz zum Aufmarschfeld des Dreißigjährigen Krieges, dessen Kriegsfurie aufs schrecklichste auch unseren heutigen Landkreis heimsuchte. Er hinterließ ein von Kaiserlichen und Protestanten, von Schweden, Kroaten, Spaniern und Deutschen gleichermaßen verheerendes und ausgelaugtes Land.
Am 19. September 1610 stirbt Kurfürst Friedrich IV. In Heidelberg, seine Kinder sind zu dieser Zeit noch unmündig. Sein ältester Sohn und zukünftiger Nachfolger wird am Hofe seines Schwagers, des Herzogs Heinrich von Bouillon erzogen. Im Jahre 1615 nach seiner Volljährigkeitserklärung kann er als Kurfürst Friedrich V. Von der Pfalz die Regierungsgeschäfte übernehmen. Bis zum Jahr 1620 verwaltet Friedrich V in Personalunion die pfälzischen Landteile, die Laut des Testamentes seines Vaters dem noch unmündigen Bruder Ludwig Philipp zugefallen sind: das Herzogtum Simmern und das Fürstentum Lautern.
Als Teilgebiet der Kurpfalz umfasste das Fürstentum Lautern das Oberamt Lautern. Hauptort war das heutige Kaiserslautern. Unterämter waren Rockenhausen, Otterberg und Wolfstein. Hinzu kamen die Gerichte Kübelberg, Ramstein, Steinwenden, Weilerbach, Morlautern, Alsenborn, Neukirch und Waldfischbach.
Im Jahre 1617 wird Kaiser Ferdinand II. Mit den Stimmen der vorwiegend protestantischen Stände des Landes zum König von Böhmen gewählt. Allerdings missachtete er die von ihm versprochene Religionsfreiheit (Sein Wahlspruch war: „lieber über eine Wüste als über ein Land voller Ketzer regieren“). Die böhmischen Stände erklärten Ferdinand II. Als böhmischen König für abgesetzt und setzten Friedrich V. Die Krone auf. Mit diesem Schritt war das Schicksal von Friedrich V. Als Landesherr besiegelt. Kaiserliche Truppen marschierten Richtung Prag und schlagen am 8. November 1620 am „Weißen Berg“, in der Nähe des Königsschlosses, das böhmische Heer. Der mit dem Spottnamen „Winterkönig“ betitelte Friedrich V. Flüchtete mit seiner Familie zunächst nach Breslau, schließlich nach Holland. Von nun an wird die Kurpfalz und das Herrschaftsgebiet des Pfalzgrafen Ludwig Philipp zum Spielball gegnerischer Mächte.
Schon im August 1620 marschieren burgundische und spanische Soldaten aus den Niederlanden in Richtung Pfalz. Die ersten pfälzischen Städte werden von Spaniern besetzt.
Der dreißigjährige Krieg hat die Pfalz erreicht.
Für unser Gebiet ist das einschneidendste Ereignis die Belagerung von Kaiserslautern im Jahre 1635, der sog. Kroatensturm.
Die Kaiserlichen hatten die Stadt mit einer Armee von 7000 Mann vorwiegend Deutsche, Polen, Kroaten und Ungarn belagert. Am 17. Juli 1635 schießen sie eine Bresche in die Stadtmauer beim Schloss, dringen in die Stadt ein, berauschen sich mit dem Wein aus dem Schlosskeller und richten ein schreckliches Gemetzel und Blutbad unter der Bevölkerung an. Die Stadt wird zum Teil niedergebrannt. Etwa 1500 Menschen sind ums Leben gekommen. Einige Überlebende retten sich in die Wälder. Ein Teil der Geflüchteten wird im Reichswald bei Dansenberg entdeckt und niedergemetzelt. Es dauert 150 Jahre bis die Zahl der Einwohner aus der Zeit vor dem Krieg wieder erreicht ist. Nach dem Sturm ziehen die Kaiserlichen weiter nach Westen an die Saar. Anfang November 1635 kommen die Truppen auf ihrem Weg an den Rhein zurück nach Kaiserslautern, wieder wird geplündert und gemordet. Diesmal wird auch die Burg zum Teil niedergebrannt.
Über die Ereignisse vom 17. Juli 1635 in Kaiserslautern schreibt Karl Scherer:
„Einen ersten Leitangriff vermochten die Verteidiger abzuschlagen,... Im Schutze dichter Rauchschwaden drang Oberstleutnant Raimundu Montecuccoli (berühmt geworden durch den Türkensieg bei St. Gotthard an der Raab, 1664, und als Verfasser militärtheoretischer Schriften) an der Spitze von 200 abgesessenen Kürassieren des Regimentes Aldobrandini in die Stadt ein und naghm im erbitterten Straßenkampf den Stadtkommandanten gefangen. Durch aufgeschlagene Tore und weitere Breschen einstürmende Kroaten vollendeten die Eroberung...“
Wir wissen heute dass der bekannte Philologe und Pädagoge Daniel Pareus, der Verfasser der „Historia Palatina“, an diesem Tag auch ums Leben kam. Pareus wollte in Kaiserslautern eine Schule eröffnen.

Den Dörfern um Kaiserslautern erging es genau so: es wurde geraubt, gebrandschatzt, gefoltert, gemordet. Die Söldner mussten für ihre Verpflegung selbst sorgen. Sie taten es in dem sie mordend und raubend in die Dörfer eindrangen. Die Dörfer der Herrschaft Wilenstein also Trippstadt, Mölschbach, Stelzenberg, die Waldsiedlung Hilsberg (der heutige Stüterhof) waren jahrelang ausgestorben; wenige Bewohner konnten sich in die Wälder retten.
Hier versteckten sie sich meist sogar bis nach dem Krieg.
Auch die Holzland Dörfer also Schopp, Steinalben, Waldfischbach und die hier gelegenen Mühlen wurden zerstört und niedergebrannt. Noch 1856 waren diese Dörfer unbewohnt. Die Häuser waren nur noch Ruinen, falls überhaupt noch Mauerwerk stand, und die Felder übersät mit Unkraut und Dornen.
Im Gericht Steinwenden, zu dem u.a. die Orte Mackenbach, Kottweiler und der kurpfälzische Teil von Schwanden gehörten, sind in diesen Orten 1684 – man bedenke: sechsunddreißig Jahre nach dem Kriegsende – noch immer keine Einwohner vorhanden. Im gesamten Gericht Steinwenden zählte man erst nach Jahrzehnten des Friedens ca. zwanzig Prozent seiner Einwohner von vor dem Krieg, als es rund 300 waren. Ramstein und Otterberg hatten vor dem Kriege ca. 100 bzw. 1570 Einwohner. Im Jahre 1684 waren es noch 35 bzw. 415 Einwohner.
Auch das Amt Wolfstein blutete aus. Zu diesem Amt gehörten außer Katzweiler, Mehlbach, Hirschhorn, Sulzbach, Olsbrücken und Frankelbach noch vier weitere Orte aus dem heutigen Landkreis Kusel. Das Amt hatte vor dem Kriege etwa 800 Einwohner bei Kriegsende waren es nur noch 200 Einwohner. Katzweiler hatte keinen einzigen Einwohner mehr. Erst 1684 zählte die Einwohnerzahl des Amtes Wolfstein wieder 3/5 der Bevölkerungszahl von vor dem Krieg.
„Fame, bellum, peste“ - Hunger, Krieg und Pest! Diese drei Worte umschreiben das Elend, das der Dreißigjährige Krieg über das Deutsche Reich brachte. Nach dem dreißigjährigen Sterben war die vormals blühende Pfalz ein einziges „Distelfeld“.


Dieser schreckliche Krieg war dennoch dass „größte Lehrstück“ unserer Geschichte. Seine ungeheuerlichen Zerstörungen wurden zum Geburtshelfer der modernen europäischen Staatengemeinschaft. Dadurch dass zahlreiche europäische Völker sich blutig abschlachteten, konnte sich in Europa das erste mal so etwas wie eine europäische Schicksalsgemeinschaft bilden. Am ende dieses Krieges erkannte Europa das erste mal dass es so etwas wie eine zusammenhängende Staatengesellschaft gibt. Hier gilt das Wort des Heraklit: Der Krieg als Vater aller Dinge. Aus diesem großen Krieg ging der Westfälische Frieden hervor, der zwar nicht jeden Krieg verhindern konnte aber mit Sicherheit gab es nun etwas dass es vorher nicht gegeben hat: Geschichtsbewusstsein!

hukwa



Lit. Hinweise:
Karl Scherer: Der Dreißigjährige Krieg in der Pfalz; in: Pfälzische Landeskunde.
Friedrich von Schiller: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges.
Ernst Christmann: Der Dreißigjährige Krieg im Oberamt Lautern.
Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit.
Rüdiger Safranski: Schiller – eine Biographie.

„Auf dem ältesten Altare der Menschheit stehend“

Gedanken beim Besteigen eines Berges bei Trippstadt


An solchen Orten erkennnnt man dass Natur vielmehr ist als das wissenschftlich Messbare oder wirtschaftlich Verwertbare. Solche Plätze sind ein Sinnbild für seelische und kosmische Verbindungen. Es sind Landschaftsräume von Andacht, Demut und Stille. Wenn man sich hier aufhält kommt der Moment wo der Geist zwischen Tag und Nacht, Wachheit und Phantasie, zwischen Gegenwart und ältester Vergangenheit weilt.
Einsam auf einem Bergrücken im Pfälzerwald gelegen steht eine seltsame Formation von Buntsandsteien. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren als wären sie einst von Riesen errichtet worden. Es handelt sich natürlich um ein Steingebilde das in der Eiszeit entstand.
Die Anordnung der Felsen ist so bizarr das man davon ausgehen muss dass sich hier in der Frühgeschichte ein heidnischer Kultplatz befand. Verwitterte Ritzungen in den Steinen und kaum noch deutbare Felszeichnugen lassen ahnen dass dieser Platz einst für religiöse Handlungen genutzt wurde.
Etwas entfernt im Gebüsch von Farn und Brombeerranken bedeckt liegt ein spitz zu laufender Stein von etwa drei Meter Länge bei dem es sich um einen Menhir handeln dürfte. Eine Vertiefung auf der Buntsandstein Formation hat die gleichen Umrisse wie der Sockel dieses Steins. Noch etwas weiter entfernt findet sich eine Steinanlage die mit Sand ausgefüllt ist und bei der es sich wohl um einen urzeitlichen Grabhügel handeln muss.
Wenn man die Felsformation erklettert hat und auf der Plattform steht auf der mindestens zehn Menschen Platz haben empfängt einem das erhabene Schweigen dieser mystischen Waldlandschaft. Wie Mahner oder Wächter stehen die mächtigen Buchen und Eichbäume hier. Die darauf achten dass die moderne und entmytologisierte Gegenwart hier nicht so einfach eindringen kann. Der Weg hier herauf führt vorbei an abgelegenen Felsplateaus, verwunschenen Steinen und dichtem Wald. Die Moose an den mächtigen Buntsandsteinblöcken erscheinen wie Metaphern für das zähe Überleben dieses mythischen Raums. Wie schlafende Riesen mahnen sie uns an ein goldenes mythisches Zeitalter. Auf der Bergkuppe weilend scheint sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu Vereinen. Es ist der Moment wo sich die Gedanken einem Höherem, einem Anderen zuwenden. Und dieses Andere scheint jetzt in seiner urgewaltigen, archaischen Sprache zu sprechen. Es ist als würde sich ein Vorhang Lüften der für einge Sekunden einen Blick in die Frühgeschichte der Menschheit preisgibt. Und im leisen rauschen der Bäume, im Rascheln der trockenen Blätter und im Wispern des Windes scheint plötzlich die Stimme Goethes zu ertönen:
„In diesem Augenblick, da die inneren anziehenden und bewegenden Kräfte der Erde gleichsam unmittelbar auf mich wirken, da die Einflüsse des Himmels mich anher umschweben, werd ich zu höheren Betrachtungen der Natur hinaufgestimmt, und wie der Menschen Geist allles belebt, so wird auch ein Gleichnis in mir rege, dessen Erhabenheit ich nicht widerstehen kann. So einsam sage ich zu mir selber, in dem ich diesen ganzen nackten Gipfel hinabsehe und kaum in der Ferne ein gering wachsendes Moos erblicke, so einsam sage ich, wird es dem Menschen zu Mute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seiner Seele öffnen will. Da kann er zu sich sagen: Hier, auf dem ältesten ewigen Altare, der unmittelbar auf die Tiefe der Schöpfung gebaut ist, bringe ich dem Wesen aller Wesen ein Opfer dar“.
hukwa

Samstag, 28. März 2015

An der Pletttschen Mauer in Trippstadt

Jahrhunderte schon lebt diese Trockenmauer
Gefügt aus Buntsandstein
Schöllkraut Armer Heinrich und Ampfer
Glockenblume und Holunderstrauch
Fühlen sich hier zu Haus
Entsprießen den lebendigen Fugen
Wo auch die schwarze Wollbiene haust
Hier und da ein gebrochener Stein
Wie Narben und Alterswunden
Die Steine hier sind immer feucht
Als weinten sie leis.
hukwa

Sonntag, 22. März 2015

Pfälzerwald

Ein Waldweg auf einsamer Flur
ich Lauf ihn gern an stillen Frühlingstagen
wenn durch das grüne Blätterwerk
das süße Lied der Amsel schallt.

Dann wenn früh zur Morgenstund 
ein Vogelkonzert gibt mir kund
dir Pfälzerwald halt ich die treu
du bist der schönste Wald der Welt.
hukwa

Samstag, 21. März 2015

Die alte Buche vor der katholischen Kirche in Trippstadt

Vor meinem Fenster wehst du
voller Schatten und Licht
dein mächtiger glatter Leib
erstrahlt in einzigartiger Pracht
die Kirche unter dir
versteckt sich hinter deiner
BAUMESALLMACHT
als ob ein uralter
Gott
dich in seinem Atem hält
dein Ziel ist nach oben zu streben
die unter dir gehen
beachtest du nicht
dein ganzes Wesen ist
irdisches Licht.
hukwa

Dienstag, 3. März 2015

Höhere Geschichte

Um den Weg einer zu einer wahren Lebensführung zu finden
hat das menschliche Bewusstsein
in seiner ganzen "höheren Geschichte" gerungen
aus dem Ethos des Humanismus
kamen jene Sonnenstrahlen
die die Existenz und das Dasein
des Menschen erhellen.
hukwa

Mittwoch, 25. Februar 2015

Sphärenklang

Meine Augen sammeln
das Licht
dieses Februarmorgens
Häherschrei
im weißen Nebel
aus dem Gebüsch
des Dompfaffs Ruf
mir zum Gruß 
im hohlen Birnbaum
am Wegesrand
ein seltsamer Klang
wie eine Äolsharfe
durchdringt Musik
den weiten Raum.
hukwa

Mittwoch, 18. Februar 2015

Der alte Birnbaum beim Katterfeld in Trippstadt

Es steht im Winterkleide
der alte Birnenbaum
mit Schnee so zart behangen
im großen freien Raum.

Es scheint als wolle er träumen
doch wer so denkt der irrt
es wohnt in jedem Greise
was diesen Baum umgibt.

Er steht hier ganz verloren
als träume er einen Traum
und schmiegt sich so ganz sanft
an des Ackers braunen Saum.

Die Schultern sind so alt
und tragen kaum die Last
sie hängen tief hernieder
als wären sie Ballast.

Bald kehren Zugvögel wieder
setzen sich auf ihn nieder
sträuben ihr Frühlingsgefieder
und hüpfen von Ast zu Ast.

hukwa


Birnbaum beim Katterfeld - Fotos/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Geschichte als Existenzerhellung - Zitat

Geschichte ist mir dabei behilflich das sich dass Dunkel meiner Existenz erhellt sie führt also zur Existenzerhellung.
hukwa

Dienstag, 17. Februar 2015

Über die Beschäftigung mit der unsichtbaren Geschichte

Das beste Beispiel für das phantastische in der Geschichte sind Einstein und Freud. Sie haben ihrer Zeit ein absolut neues Weltbild und neues Denken geschenkt. Dies ging unmöglich ohne Phantasie. Sie haben sich eine Wirklichkeit erdacht, die sich vollkommen von der bisher anerkannten Realität unterschied. Und aus diesem Phantasiebild heraus, haben sie Tatsachen konstruiert, die sich als zutreffend erwiesen.
hukwa

Montag, 16. Februar 2015

Geschichtsaneignung

Man muss sich die Geschichte aneignen um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu Gestalten. In diesem Sinne des "Aneignens" wird jeder der sich mit Geschichte beschäftigt zum Historiker. Der Mensch sollte sich also als Historiker betätigen - der verstehend - als Betrachter aus der Distanz - in die Geschichte eindringt, um zu verstehen, doch vor allem um zu sorgen dass sich die Alpträume der Geschichte nicht wiederholen.
hukwa

Freitag, 13. Februar 2015

Über die Wurzeln der Weiberfastnacht oder der Weiberdonnerstag - Zu Brauchtum und Sage der pfälzischen Altweiberfastnacht

Der „Alt – Weiberfastnacht“ liegt folgender Brauch zu Grunde: An diesem Tag hatten die Frauen nach uralter Sitte und ungeschriebenen Gesetz unumschränkte Herrschaft und das Recht, in dem zu Dorf oder Stadt gehörenden Gemeindewald einen Baum zu fällen. Sie durften ihn verkaufen oder versteigern und mit dem Erlös feierten sie dann ein Gelage. Dieses Recht übten die Frauen sehr lange aus, bis ihnen in neuerer Zeit von der Forstbehörde, der „Baumfrevel“ verboten wurde. Wie es so weit gekommen ist dass die Frauen an einem Tag die „Herrschaft“ übernehmen durften, darüber berichtet und die Volkssage folgendes:
In heidnischer Zeit berief ein König einmal alle Männer zum Kriegsdienst ein. Die Frauen waren über diesen Erlass sehr bestürzt, sie suchten denn König auf und baten ihn dass er ihnen eine Bitte gewähre, er möge ihnen soviel – als Ersatz für ihre Männner – von seinem Eigentum abgeben, als jede einzelne Frau tragen konnte. Der König gewährte die Bitte und so nahm jede Frau ihren Mann auf ihre Schulter und eilte davon. Begeistert und gerührt von dieser Tat beschlossen die Männer ihren Frauen und deren weiblichen Nachkommen auf ewige Zeiten an diesem Tag, es war ein Donnerstag, die Herrschaft zu übertragen. Die Frauen machten sich dieses Recht zur Pflicht und versäumten nicht an diesem Tag in die Wälder zu gehen und einen Baum zu schlagen um mit dem Erlös einen Tag und eine Nacht ein Gelage zu feiern.
Vor allem in den pfälzischen Dörfern zogen an diesem „fetten Donnerstag“, wie ihn der Volksmund nennt, die frauen unter Ausschluss der Männer in die Wirtshäuser um zu trinken und den „Weiberbraten“ zu verspeisen.
Am Nachmittag dieses Tages zogen die Frauen durch den Ort um den „Fasnachts – oder eben Weiberbraten“ einzufordern. Dabei sangen sie folgende Lieder:

Ach Frächen, geb uns ein Fasnachtsei,
Sonst schlien mer eich eier Düppen entzwei.
Zwei sollt ihr geben,
Lang sollt ihr Leben.
Droben in den Harsten
Hangen sieben Ellen Bratwurst;
Schneit hoch, schneit nieder,
Schneid die langen,
Lasst die kurzen hangen.

Oder

Ach Peternellchen! Die Fasnacht is do,
Da backen wir gude Schnittchen,
Da sind wir alle froh.
Stell die Lätter on die Wond,
Un schneid den Speck bloß ellelang.

Dass der Fasching bereits die Frühlingsbräuche einleitete ist volkskundlich bekannt. In verschiedenen Landstrichen der Pfalz, des Hunsrücks und der Eifel wurden am Vorabend des „fetten Donnnerstags“ Vorbereitunge getroffen, diesen Tag festlich zu begehen. Die Jugend sammelte Eier, Speck und Milch, man schmückte sich mit Bändern zündete das „Fasnachtsfeuer“ an und speiste gemeinsam.
Solches Brauchtum zeigt uns wie eng Fastnacht und Frühlingsbrauchtum verbunden sind. Das einigende Band der Fastnachtsbräuche ist der Bezug zur Fruchtbarkeit. Nach Fasching beginnnnt bald das ländliche Jahr. Aussat, das Vieh bekommt Nachwuchs, Wälder und Wiesen werden langsam wieder grün. 
hukwa

Mittwoch, 11. Februar 2015

Keltische Wurzeln im Pfälzer Märchen

Die wichtigste Rolle im Leben der keltischen Stämme, ja die zentrale Rolle, spielten die Druiden. So überliefert uns Cäsar in seiner De bello gallico: „In ganz Gallien gibt es zwei Klassen von Menschen, die Geltung und Ehre genießen, denn das niedere Volk nimmt beinahe die Stellung von Sklaven ein…Die eine Klasse ist die Klasse der Druiden, die andere Klasse die der Equites. Die Druiden versehen den Götterdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. Bei ihnen finden sich junge Männer in großer Zahl zur Unterweisung ein, und sie genießen hohe Verehrung, denn sie entscheiden bei fast allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten. Sie sprechen das Urteil, wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein Mord geschah, Erbschafts- oder Grenzstreitigkeiten ausbrechen, sie setzen Belohnungen und Strafe fest. Fügt sich ein Einzelner oder ein Volksstamm ihren Entscheidungen nicht, so schließen sie die Betroffenen vom Götterdienst aus. Dies stellt bei den Galliern offenbar die härteste Strafe dar…An der Spitze aller Druiden steht derjenige, der bei ihnen das größte Ansehen genießt…Die Druiden ziehen gewöhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die übrigen Gallier. Sie sind vom Waffendienst befreit und haben keine anderen Verpflichtungen“.
(De bello gallico, VI, 13/14)
Wenn wir die Autoren der klassischen Antike lesen und ihre Überlieferungen über die Druiden so bemerken wir schnell dass sie in den Druiden keine primitiven Zauberer sahen sondern mit großer Bewunderung von diesen sprachen und schrieben.
Cicero der sich öfters mit dem Druiden Diviciacus traf schrieb über diesen:
„Er behauptete, die Naturgesetze zu kennen- das, was bei den Griechen Physiologie heißt-, und er besaß die Fähigkeit, durch Beobachtung und Deutung der Zeichen die Zukunft vorauszusagen…“ (De Divinatione, I, 40)
Wir wissen das man in Griechenland das Druidentum als ein vollständiges philosophisches System ansah, manche sahen sogar einen Zusammenhang zwischen den Lehren des Pythagoras und den geheimen Überlieferungen der Druiden. Clemens von Alexandria berichtet uns von einer Überlieferung, nach der Pythagoras nicht nur Schüler der Brahmanen, sondern auch ein Schüler der Druiden der Galater gewesen sei.
Die „Hinterlassenschaften“ der Druiden finden sich vor allem in den Märchen. Da die Druiden ihre Lehren nur mündlich und an auserwählte Schüler weitergaben, ist es nicht möglich auf irgendwelche Texte zu verweisen, außer eben jener der griechischen und römischen Historiker und Zeitzeugen.
Ausgrabungen und historische Stätten beweisen das dass Gebiet des Pfälzerwaldes eine bedeutungsvolle keltische Vergangenheit besitzt. Nun wissen wir zwar wenig über das gesellschaftliche Leben der Kelten, über die lehren der Druiden wissen wir so gut wie gar nichts und somit auch fast nichts über die Religion der Kelten, denn diese war ja das Druidentum.
Der Keltenforscher Jean Markale bemerkt in seinem Buch „Die Druiden- Gesellschaft und Götter der Kelten“ : Das Druidentum hat keinerlei Bedeutung oder Existenzgrundlage außerhalb der keltischen Gesellschaft, aus deren geist es geboren wurde. In gewisser Weise ist das Druidentum sowohl die Grundlage der keltischen Gesellschaft als auch ihre Folgeerscheinung. Daraus ergibt sich die gesellschaftliche Funktion des Druiden“.
Die soziale Stellung des Druiden stand noch über der des keltischen Fürsten oder Königs. In der bekannten irischen Erzählung vom „Rausch des Ulates“, lesen wir: Die Ulates durften nicht sprechen, bevor der König das Wort ergriffen hatte, und der König durfte nicht sprechen, bevor die Druiden das Wort ergriffen hatten“.
Dion Chrysostomos, ein Zeitgenosse von Plutarch, Tacitus und Plinius dem Jüngeren schreibt: „Die Kelten nannten ihre Priester Druiden; sie beherrschten die Kunst des Weissagens und jede andere Wissenschaft; ohne ihre Zustimmung durfte der König weder handeln, noch eine Entscheidung treffen, so dass in Wirklichkeit sie die Herrscher waren, während die Könige nur wie Diener ihren Willen vollstreckten“.
Über die Philosophie und das Wissen der Druiden ist uns nichts überliefert. In den Märchen jedoch finden wir Bruchstücke, dieses alten druidischen Wissens.
Mit dem Untergang des Keltentums, dass im Jahre 52 unserer Zeitrechnung eingeleitet wurde durch die tragische und verheerende Schlacht bei Alesia, trat auch eine Änderung im denken der europäischen Völker ein. Die griechisch- römische Geisteshaltung der Logik begann sich durchzusetzen und die heidnisch – spirituelle Welt der Kelten geriet in Vergessenheit. Ein winziger Teil des religiösen Denkens der Kelten erhielt sich in den Schatztruhen der europäischen Märchenwelt, wo es seither ein geheimnisvolles Leben führt und das dass Unbewusste der Menschen bis heute auf seine ganz eigene Art Inspirierte. Joseph Campbell schrieb daher zu recht:…“das aus dem keltischen Feenreich eine wilde Wunderwelt heraufbeschwor: verzaubert schlafende Prinzessinnen, einsame Schlösser im gefährlichen Wald, rauschende Drachen in reifbedeckten Höhlen, der Merlinzauber, die Fee Morgane und kichernde alte Hexen, die durch einen Kuss in die schönste Jungfer der Welt verwandelt wurde. Fast alle Einzelheiten seines Märchenlandes entnahm Europa der Phantasiewelt der Kelten. Die Jugend Siegfrieds, Brunhilds Schlaf, das Schwert im Baum (und Stein, Anmerkung des Verfassers) und das zerbrochene Schwert sind aus der keltischen Tradition übernommene Motive“. (Joseph Campbell – Der Flug der Wildgans).
Diese Motive sind auch Teil unseres kollektiven Unbewussten, anhand solcher Motive lässt sich tatsächlich eine Art „geistiger Stammbaum“ errichten, denn es müsste ja richtig sein, das immerwiederkehrende Motive einer bestimmten durchgehenden Linie entstammen, so dass Einzelne auf Berufung ihrer Träume herausfinden können, wo ihre vorgeschichtlichen Wurzeln zu finden sind. So kann man mit Heinrich Zimmer übereinstimmen wenn dieser schreibt:…Es ist die Sphäre des Ewig – Weiblichen, Stätte der Zeitlosigkeit und des unerschöpflichen Lebens. Quelle des Todes, aus dem das Leben sich ständig wiedergebiert. Es ist der geheimnisumwobene ort, von zahllosen Helden in Märchen und Legenden der ganzen Welt aufgesucht, unter vielen historischen Verwandlungen wiederzuerkennen: er gehört zu unserem universalen Vorrat archetypischer Sinnbilder. Die Fassung, die uns die keltischen Märchen und der Artuszyklus übermitteln stammt aus dem mythischen Bilderschatz der altertümlichen mütterrechtlichen Ordnung, wie sie der vorkeltischen Kultur des westlichen Frankreichs und der britischen Inseln eigen war“.
Als die keltische Welt unterging, ging auch das Druidentum und somit die alte Religion der Kelten unter. Die Druiden wurden zu Zaubermeistern erklärt und lebten wohl noch längere Zeiten abgelegen in den Wäldern wo sie ihren Riten nachgingen und diese auch zelebrierten. Diese untergegangenen Druiden sind es vor allem die uns in den Märchen als zaubergewaltige Hexen und Zauberer begegnen.
Das pfälzische Märchen ist in seiner Poesie sehr karg, nicht besonders ausgeschmückt und oft endet es abrupt oder man hat das Gefühl ihm fehlt etwas, als sei es manchmal unvollständig. Das keltische Material im pfälzischen Märchen ist nur sehr schwer Fassbar, weil wir eben überhaupt nichts mehr wissen über die religiösen Überlieferungen aus dieser keltischen Zeit und somit den Druiden die ja die Bewahrer der keltischen Religion und Spiritualität waren.
Um mit Jean Markale zu sprechen: „Die griechisch – römische Geisteshaltung, die auf dem Glauben an den Universalismus und an die Logik des ausgeschlossenen Dritten basiert, begann langsam, aber sicher das sogenannte „barbarische“ Denken der Kelten zu verdrängen.
So vergaßen die Westeuropäer allmählich, dass sie Söhne der Kelten und Erben der spirituellen Tradition der Druiden sind.
Vor der Katastrophe von Alesia sah die Welt ganz anders aus: Es gab ein anderes Wertsystem, eine andere Wirklichkeitsauffassung, eine andere Art zu Denken und zu Empfinden, andere geistige Konzepte. Das alles ist nicht spurlos verschwunden; von dieser Vergangenheit zeugen Spuren in Museen und Bibliotheken, und es gibt darüber hinaus noch lebendige Keime, die nur des geeigneten Bodens harren, um sich wieder zu entfalten“.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen das Markale mit „entfalten“ nicht eine Widerbelebung des Druidentums meint, wie wir dies Heute vielfach in oft hausbackener und kindischer Aufmachung vorfinden, sondern hier sind die Keime des kollektiven Unbewussten gemeint, wie dies auch Heinrich Zimmer gesehen hat.
Hukwa



Dienstag, 10. Februar 2015

Keltische Spurensuche: Epona – Eppenbrunn

Immer wieder treffe ich Menschen die sich mit Heimatgeschichte befassen und dogmatisch behaupten der Pfälzerwald wäre zur Hallstatt und La tene Zeit von Kelten – Galliern nicht besiedelt gewesen. Diese Behauptung ist falsch.
Ich verweise auf die Heidelsburg bei Waldfischbach, auf den großen Berg bei Kindsbach, sowie das dortige Quellheiligtum, auff das Gräberfeld in Johannniskreuz, sowie noch etwas tiefer in den Pfälzerwald nach Eppenbrunn. Um nur wenige ehemalige Siedlungsbereiche zu nennen.
Wahrscheinlich geht der Name Eppenbrunn auf die keltische Pferdegöttin „Epona“ zurück.
Die Tatsache das die Kelten eine intensive Schweinezucht betrieben (Schweinefleisch war Hauptnahrungsmittel) verweist auf eine wirtschaftliche Nutzung der Waldgebiete durch Waldmast und auf dieser Basis auf kleinere keltische Siedlungen im Pfälzerwald.
Gewiss war auch Eppenbrunn eine solch kleinere Siedlung zur Keltenzeit.
Gehen wir auf Spurensuche:
In Eppenbrunn fand man Spuren der Hallstatt Zeit, am Kettrichhof Keltengräber, weitere Gräber bei der ehemaligen St. Wendelinskapelle zwischen dem Hochsteller – und Imsbacherhof sowie weitere Grabhügel bei Hilst, Schweix und Walschbronn. Bei Haspelschied war eine keltische Fliehburg.
Auch während der gallo – römischen Zeit muss die Gegend besiedelt gewesen sein. Auf dem erlenkopf wurde eine römische Reliefplatte mit dem Dianabildnis gefunden. An der alten Römerstrasse findet man zwischen dem Altschlossfelsen und dem Ort Hilst ein Felsenbild aus gallo – römischer Zeit.
Darauf abgebildet sind die Göttin Diana, Mars und Silvanus. Diana war die Göttin der Jagd, der Natur und des lichts. Mars der Gott des Krieges – ihm wurden Pferde geopfert – Silvanus ist der Waldgott und Beschützer der Tiere. Es wird angenommen das dieses Relief von Legionären während des Straßenbaus errichtet wurde. Wahrscheinlich war ganz in der Nähe eine Pferdewechselstadion mit Wagnerwerkstatt und Schmiede. Die Pferdegöttin „Epona“ war auch die Schutzgöttin der Fuhrleute, die ja immer wieder diese Straße nutzten.
Im Pfälzerwald sind wohl noch viele keltische Spuren unter der Erde verborgen.
hukwa

Zwei Märchen aus dem Lauterer Reichswald

Der Zwerg aus dem Reichswald

Auf der ehemaligen Huneburg bei Erfenbach lebte einst ein Junker namens Schott. Dieser war so arm, dass er sich nicht zu heiraten getraute. Eines Tages als er allein durch den Reichswald lief fand er ein weinendes, müdes Knäblein. Voller Mitleid hob er es auf und trug es dorthin wo der Knabe ihm den Weg wies. So ging es durch den dichten Wald bis zu einer Wasserburg die Schwanau hieß. Dort ließ sich das Kind absetzen. Wie erstaunte Schott aber als er nun den Knaben betrachtete und statt des Kindes einen alten runzligen Zwerg vor sich sah. Ich bin der Waldgeist des Reichswaldes sagte dieser und weil du ein gutes Herz hast will ich dir helfen. Klopfe an die Pforte der Burg und du wirst dein Glück machen sagte der Zwerg und verschwand. Auf einem Wassergraben schwammen weiße Schwäne. Schott schritt über die hölzerne Brücke und klopfte am Burgtor. Eine wunderschöne Jungfrau öffnete ihm, ließ ihn ein und führte ihn zu ihrer Mutter. Freundlich wurde er aufgenommen. In diesem Schloss lebte nur die Mutter mit ihrer Tochter. Sie gehörten einem alten, verarmten Rittergeschlecht an. Das Mädchen gefiel ihm so gut, das er von nun an jeden Tag zur Burg kam. Bald heiratete er das Mädchen. Kurz darauf erschien das Männlein bei ihm und führte ihn zu einer großen Höhle, wo ein wertvoller Schatz verborgen lag. Das schenke ich euch sagte der Zwerg, bleibt ehrlich und hilfsbereit.
Schott war nun ein reicher Mann vergaß aber die Armen nicht. Denn mehr Wert als alle Schätze der Welt war ihm seine geliebte Frau die er durch den Zwerg kennen gelernt hatte.


Hildegard
Eine Sage um Burg Hohenecken

Hildegard, das wunderschöne Burgfräulein von Hohenecken hatte unter den Rittersöhnen im alten Reichsland um Lautern viele Verehrer. Aber keiner von ihnen konnte ihr Herz gewinnen, bis sie den Junker Friedrich von Flörsheim kennen lernte, ihm schenkte sie ihr Herz. Dessen Vater, Burgherr auf der Doppelburg Wilenstein bei Trippstadt, war mit Hildegards Vater, Johann von Hohenecken eng befreundet und so lernten sich die beiden kennen.
Da nun Wilenstein eine Doppelburg war, auf der auch die Herren von Wilenstein wohnten, erfuhr der Ritter Hanno von Wilenstein als bald dass Friedrich die Gunst der schönen Hoheneckerin errungen hatte. Auch Friedrich hatte sich in Hildegard verliebt, doch er war für seine Rohheit und Härte anderen gegenüber bekannt deswegen hattte Hildegard ihn abgewiesen, als dieser um ihre Hand bat. Sein ganzer Hass richtete sich nun gegen den Flörsheimer.
Hildegard, die wenig Standesdünkel hatte , pflegte mit den Dorfbewohnern freundlichen Verkehr. Sie wandte gar oft durch ihre Fürbitten bei ihrem strengen Vater das Unheil das oft über den Dorfbewohnern schwebte ab. Das einfache Volk liebte sie deshalb sehr.
Einst kehrte eine Zigeunersippe in das Dorf Hohenecken ein. Bei dieser Horde war auch ein uraltes Weib dabei. Die Alte lief im Dorf herum und weissagte den Bewohnern über Schicksal, Glück und Unglück. Auch die Burg suchte sie auf und Hildegard wollte sich auch die Zukunft prohezeien lassen. Die Zigeunerin weissagte dem Edelfräulein, dass ihr Geliebter bald von einem Pfeil aus ihrem Köcher ins Herz getroffen werde. Hildegard brach in lautes Lachen aus doch die Wahrsagerin bedeutete ihr dass ihr Lachen bald in tiefer Klage enden würde.
Das Burgfräulein übte sich regelmäßig im Bogenschießen. Eines Tages als Hildegard auf dem hirschberg weilte, sah sie einen großen Habicht seine majestätische Kreise ziehen. Sie legte einen Pfeil auf die Bogensehne, schoß und traf den Vogel. Der Vogel stürzte in ein nahe gelegenes Gebüsch. Hildegard ging los konnte ihn aber nicht finden. Sie gab alsbald die Suche auf und ging zur Burg zurück.
Wäre Hildegard nur einige Minuten früher auf die Suche nach dem Vogel gegangen, hätte sie noch Hanno von Wilenstein erkannt, der mit dem Vogel und dem Pfeil verschwand. Der Wilensteiner der voller Hass war verfolgte einen teuflischen Plan. Er hatte sich vorgenommen mit Hildegards Pfeil den Flörsheimer zu ermorden. Er zog den Pfeil aus dem Habicht heraus und ritt heimwärts zur Burg Wilenstein. Unterwegs, beim alten Menhir auf der Breitenau erkannte er von weitem schon den Junker Friedrich, der gut gelaunt in Richtung Hohenecken ritt. Der Wilensteiner versteckte sich hinter dem Menhir, legte den Pfeil in die Sehne des Bogens und traf den Junker mitten ins Herz.
Hanno, jetzt von Entsetzen über seine eigene Tat gepackt, eilte nach Hause und verschwand noch am gleichen Tage für immer, niemand hat ihn je wieder gesehen. Am nächsten Tag fand man den Junker und die Nachricht sprach sich in Windeseile auch zu Hildegard durch. Sie erkannte ihren Pfeil und sank mit den Worten "Hanno, dein Werk!" ohnmächtig zu Boden.
Das Burgfräulein dass sich von diesem Schmerz nie wieder erholte trat in ein Kloster ein und soll bis an ihr Lebensende für die Seelenruhe des Ermordeten, und für die Bekehrung des Mörders gebetet haben.

hukwa

Dienstag, 3. Februar 2015

Befand sich in Johanniskreuz einst eine fränkische Huntare?

Aus der Zahl der Gräber und der Funde zwischen Johanniskreuz und der Haidelsburg, ist zu schließen, das in dem Jahrtausend vor Chr. Geburt dieser Raum schon besiedelt war.
In vorchristlicher Zeit waren es vor allem die Kelten die den besagten Raum besiedelten. Bis die Römer 50 vor Chr. zum Rhein vorstießen. Sie verdrängten die keltische Bevölkerung nicht es ergaben sich enge gallo-römische Beziehungen vor allem im Gebiet um die Haidelsburg bei Waldfischbach- Burgalben. Um etwa 375 begannen dann die Völkerwanderungen. Im Jahre 406 gab der römische Feldherr Stilicho die Rheingrenze auf. Germanische Völkerscharen stießen in den fast menschenleer gewordenen Raum vor. Zuerst die Alemannen, die dann 496 wiederum von den Franken weiter nach Süden abgedrängt wurden. Nun begann für unsere Heimat eine neue Besiedelung Höfe,Weiler und Dörfer entstanden. Für diese Siedlungsgeschichte spielte die alte Verkehrsstrasse und somit der „Verkehrsknotenpunkt“ Johanniskreuz eine wichtige Rolle.
Die Frage, ob die Franken oder Alemannen zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert den pfälzischen Boden in Besitz nahmen, hat Prof. Christmann durch seine Namensforschungen geklärt. Er schreibt hierzu: „Mögen in der Vorderpfalz zunächst auch Alemannen Fuß gefasst haben, der Sieg des Frankenkönigs Chlodwig kurz vor oder nach dem Jahre 500 unterwarf die ganze Pfalz der fränkischen Herrschaft. Die Alemannen flohen oder wurden ausgetrieben. Jedenfalls besetzten die Franken nun das Land bis in das nördliche Elsass hinein.“ Es waren vor allem fränkische Sippen und sogenannte „Hundertschaften“ unter Anführung eines „Hunto o. Hundo“ die nun das Land besiedelten. An den Ortsnamen verfolgt Prof. Christmann, wie sich die fränkische Einwanderung vollzog. Er schreibt: „Sippenweise kamen die Franken von Norden über den Rhein herüber in die Ebene zwischen Rhein und Haardt. Aber schon lange vorher waren die Franken in die Mosellande bis über Trier hinaus eingewandert und weiter in das untere Saartal. Dann schoben sich fränkische Sippen von da saaraufwärts über die Blies herüber, in das Land zwischen Zweibrücken und nach NO in den Westrich.“
An der Spitze der fränkischen Sippen stand als Anführer das Sippenoberhaupt. Da es noch keine Familiennamen gab- sie entstanden erst in dem Zeitraum zwischen 1200 und 1600- benannte man die einzelnen Leute nach der Zugehörigkeit zu ihrem Anführer, dessen Vorname auch im Verlauf der Besiedelung der Niederlassung ihren Namen gab. So trägt die einstige fränkische Siedlung Kollweiler (Lk. Kl.) den Namen ihres Begründers „Colo“.
Nach dem die im 6. Jahrhundert entstandenen Orte und Dörfer an Einwohnerzahl zugenommen hatten, und der Boden für den Nachwuchs nicht ausreichte mussten die Jüngeren ausziehen und neuen Boden suchen. Diesen konnten sie aber nur in den bisher verschmähten tiefen Waldgebieten des Pfälzerwaldes finden. In diesem Waldgebiet das wir heute Pfälzerwald nennen entstanden im 7. und 8. Jahrhundert zahlreiche Einzelsiedlungen, die man „Wilari“nannte. Aus diesem Wort bildete sich später das „Wilre“ und dann nach dem 15. Jahrhundert „Weiler“. Viele dieser Weiler gingen später wieder ein und heißen heute Wüstungen.
Wir können nicht ausschließen das bereits in fränkischer Zeit in Johanniskreuz ein solcher Weiler stand. Auch der Name Frankenweide in Johanniskreuz könnte für eine fränkische Besiedelung sprechen.

Der uralte Henkmantels – Loog Felsen gibt sein Geheimnis nicht preis. Woher kommen die seltsamen Zeichen auf dem alten Grenzstein und was bedeuten sie?
Der, beziehungsweise die Steine, stehen in der Nähe der alten Hundsstrasse bei Johanniskreuz, wo sich auch ein altes Gräberfeld befindet.
Die Hundsstrasse war eine Altstrasse, ein vorgeschichtlicher Weg, der in fränkische, römische und keltische Zeit zurückreicht.
Walter Eitelmann schreibt darüber in „Rittersteine im Pfälzerwald“: „Von der Strasse von Metz nach Saarbrücken führte eine Abzweigung nach Osten über Zweibrücken, Niederauerbach, wo ein römischer Burgus, später ein fränkischer Königshof war. Von dort weiter an Waldfischbach vorbei, wo die römische Straßenstadion Heidelsburg war. Dann zog die Altstrasse vorbei an der Wüstung „Hundsborn“, wo ein fränkischer Königshof war, bis hinauf an den seit ältesten Zeiten vorhandenen Altstrassenknotenpunkt Johanniskreuz“.
Die Hunds – Strasse geht über den Hundsberg an der Hundsweiher – Sägmühle und dem Hundsbächel vorbei zur Wüstung „Hundsborn“, weiter durch das Schwarzbachtal.
Was hat es nun mit dem Namen „Hund“ auf sich?
Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen altfränkischen Ausdruck. Die fränkischen Gaue waren in Hundertschaften eingeteilt, an deren Spitze ein Hundertschaftsführer, der huno (hundert), stand. Später wurde er als ein unter dem Gaugrafen stehender Beamter zum Hundertschaftsrichter beim huntdinc, was Gericht des Huno bedeutet. Dem Hundo stand eine bewaffnete Gruppe zur Seite, zur Durchführung der Gerichtsurteile. Ein solches Gericht, eine Hundertschaftsdingstätte befand sich in Waldfischbach bei der dortigen Kirche. Orte wo sich der Hundo mit seiner Hundertschaft niederließ wurden Hundheim, Hundsdorf, Dorf des Hundo genannt. So auch Hundsstrasse,, Strasse des Hundo, Hundsborn, Born des Hundo, Hundsbrunnen, Hundsacker und Hundsweiher. Auch im pfälzische Dorf Kollweiler, im Landkreis Kaiserslautern gibt es einen Hundsweg, er leitet sich ebenfalls vom Hundertschaftsführer, Hundo, ab, der diesen Weg regelmäßig zur Gerichtsstätte nahm.
Man kann also nicht ausschließen das in der Nähe der Loog – Felsen einmal eine altfränkische Waldgerichtsstätte war.
Möglich wäre auch eine Huntare. Die Huntare bezeichnet einen vom fränkischen König zur Verwaltung eines Gebietes eingesetzten Verband von Kriegern, eine sogenannte Hundertschar, wie oben schon erwähnt als Hundertschaft, aber auch eine kleine Siedlung nannte man Huntare. Diese Huntare wurden vorwiegend entlang der früheren römischen Strassen (Johanniskreuz!!) an strategisch wichtigen Punkten angelegt um Verkehrswege zu sichern.

hukwa



Lit. Hinweise:
Die Besiedelungsgeschichte des Reichslandes und seiner Gerichte; von Wilhelm Bußer
Rittersteine im Pfälzerwald; von Walter Eitelmann.
Ernst Christmann: Flurnamen zwischen Rhein und Saar





Freitag, 30. Januar 2015

Über die „ald Pälzer Fasnacht“ und die „Hannapel“ Verse - Volkskundliches zur Fasnacht

Hier einige Hannapelverse wie sie in früheren Zeiten in der Pfalz von Kindern gesungen und vorgetragen wurden, als man noch von Haus zu Haus zog und „Fasnachtsküchelcher“ einsammelte. Dieser uralte Brauch ist verloren gegangen oder wird Heute nur noch in wenigen Dörfern von der Jugend durchgeführt.
Die „alt Fasenacht“ hatte ein ganz anderes Gesicht als Heute.
Mit dem Dreikönigstag wurde einst die Fastnacht eingeleitet. Bemerkbar machte sie sich aber immer erst in den letzten Tagen. So hieß es in der Westpfalz: „Sunndaaks is Herre – Fasnacht, Dinschdaaks ist Baure – Fasnacht, Dunnerschdaaaks is – Weiberfasnacht“.
Schon im Mittelalter war Fastnacht ein symbolisches Fest in der Pfalz (und natürlich auch anderswo), vor allem im bäuerlichen Leben.
Das Rauchhuhn (Raachhinkel) musste vom Leibeigenen geliefert werden. Die Esslust, die den Winter mit „Metzelsupp“ und „Quellfleisch“ einleitete, erreicht vor der Fastenzeit nun noch einmal einen Höhepunkt.
Jeder lässt sich die guten Pfälzer „Kiechelcher“ schmecke die nun zuhauf gebacken wurden. Der altbekannte Geruch strömt nun durch die dörflichen Gassen und lässt ahnen was drinnen in der Stube passiert. Die Kinder ziehen los und Sammeln „Kiechelcher“, diese Art des „Betteln“, nannte man „Hannapel“ oder „Fechten“. In verschiedenen Dörfern wird von den kleinen „Forderern“, ein Holzsäbel in die Küche gehalten und die Hausfrau steckte „Kiechelcher“ daran. Hierher rührt auch der Pfälzer Ausdruck - „Fechten“ - was Betteln bedeutet. Wer am Aschermittwoch zu spät zur Schule kam hieß „die alt Fasnacht“, daher der heute noch vieler Orts gebrauchte Ausdruck: „Er kommt hinterher wie die alte Fastnacht“.





Hannapel – Verse

Verzeh Daa vor Fasenacht
hot mei Vadder es Sau geschlacht
Verzeh Daa denoo
is nix mer de vun doo.


Ach Bärwel, ach Bärwel
hols Wäljerholz her ,
es dünkt mich und deit mich,
als wenn Fasenacht wär.


Ich bin der kleine König,
gib mer nit zu wenig,
lass mich nicht zu lang haus stehn
ich will noch ein Haus weitergehn.


Die Pann kracht, die Pann kracht,
die Küchelcher sein geback
eraus met, eraus met
un meer in mei Sack.



Dort drowe in de Ferscht
dort hängt e Stang voll Werscht
do is die än so klä
do nem ich zwä fer ä.



Hanabel die Han
die Fasnacht geht an
Eier e raus Speck e raus,
de Fuchs springt ins Hinkelhaus
holt die Eier all e raus
Heit iwers Johr
sin mer wider do.





Küchelcher raus Küchelcher raus
Fasnacht kummt Heit ins Haus
Küchelcher raus Küchelcher raus
sonscht schlamer eich e Loch ins Haus.



Hahn, Appel Hahn (hanabelan)
die Fasnacht geht an
Eier e raus
oder ich schick de Fuchs ins Hinkelhaus.

hukwa
















Donnerstag, 29. Januar 2015

Richard Löwenherz auf dem Trifels

In der Zeit die man das eiserne Mittelalter nannte zog ein kleiner Reitertrupp, kreuz und quer durch das deutsche Reich und suchte alle großen Trutzburgen auf, aber auch die kleineren Burgen und Schlösser ließen sie nicht aus. Sie kamen von weit her, jenseits des Meeres wie man damals sagte und waren auf der Suche nach ihrem König Richard Löwenherz.
Allen voran ritt ein blond gelockter Junger Mann, der Sänger Blondel.
Der Trupp näherte sich dem Trifels, der alten Reichsfeste im Pfälzerwald. Nirgends hatten sie bisher Richard finden können, ihn auf dieser Trutzburg zu finden war ihre letzte Hoffnung. Blondel macht sich allein den steilen Weg hinauf zur Burg, die anderen verstecken sich mit ihren Pferden im Wald. An der Wehrmauer, dort wo er das Gefängnis vermutet, beginnt er sein wundersames Lied, das nur er und Richard Löwenherz kennen. Der Troubadour singt die erste Strophe des Lieds in der Hoffnung auf eine Antwort. Dann ganz sachte und fein dringt aus dem Verlies, die zweite Strophe des königlichen Liedes. Tränen rinnen dem Freund über die Wangen und sein Herz ist seit langem das erste mal wieder fröhlich gestimmt. Endlich am Ziel, die lange Sucherei hat ein Ende gefunden. Noch in der gleichen Nacht, der Vollmond stand groß über der trutzigen Reichsfeste, befreien Blondel und seine Mannen, König Richard Löwenherz und kehren gemeinsam nach Hause. Noch Heute soll in manchen Vollmondnächten über dem Trifels manchmal das alte Lied der beiden Freunde erklingen.

Die Legende der Befreiung von Richard Löwenherz hält sich nicht an das historische Geschehen. Richard Löwenherz wurde gegen ein Lösegeld ausgetauscht. Das erste mal wurde die Legende etwa um 1260 im Volke erzählt, etwa 60 Jahre nach Richards Tod. Im 18. Jahrhundert wurde sie durch die 0per Richard Coeur de Lion von Grety sehr bekannt.
Bevor man Richard Löwenherz auf den Trifels brachte, hielt man ihn in Österreich auf der Burg Dünnstein gefangen, wo eine ähnliche Legende über seine Befreiung existiert. Auch dürften die Haftbedingungen von Richard Löwenherz nicht besonders hart gewesen sein, er war als gefangener viel zu wertvoll, als das der deutsche Kaiser, der ihn gefangen nahm schlecht behandelte. Der Historiker Theodor Toeche stellte aus Richards Briefen und zeitgenössischen Berichten folgendes zusammen:
"Er durfte sich, von deutschen Rittern gefolgt, frei bewegen. Der Verkehr mit seinen Freunden und Landsleuten, die von England herüberkamen, ihm zu huldigen oder zu raten, wurde nicht gehindert. Nur des Nachts musste er allein sein. Der Frohsinn verließ den König auch hier nicht; wer ihn sah, fand ihn launig und heiter. Die größte Belustigung gewährte ihm, mit den Wächtern sein Spiel zu treiben, sie im Ringkampf mit meisterlicher Gewandtheit zu bewältigen oder im Zechgelage sie sämtlich trunken zu machen und allein obenauf zu bleiben."
hukwa


Dienstag, 27. Januar 2015

Die soziale Lage der Bevölkerung im 19. Jahrhundert im Pfälzerwald am Beispiel der Ortschaften Trippstadt, Elmstein und Schopp. Mit dem Hintergrund der pfälzischen Revolution.

„Die Leute hier sind sichtlich arm und in teueren Jahren ziehen des Elends bleiche Gespenster durch diese Täler und Gebirgslande mit ihren weit auseinanderliegenden abgeschiedenen Walddörfern und einzelnen Hütten. Der Winter macht sie dann öfters ganz unzugänglich, und im Frühjahr tritt dann noch der Hungertyphus auf, um zu würgen unter der ohnehin schon äußerst schwachen Bevölkerung. Draußen in der Pfalz an der Haardt und in der Ebene Reichtum und Überfluss, hier bei allen Mühen Armut und Elend, das sich schon aus den bleichen Gesichtern zu erkennen gibt. Der einzige Reichtum dieser Berggegend das Holz gehört dem Staate oder den reichen Bauern der Haardt und wirft für die Bewohner dieser Täler nur kargen verdienst ab. Die wenigen Feldern hängen an den Abhängen der steilen Berge und hier in Appental sind sie mit steinernen Mauern an den Bergen gehalten, damit sie nicht vor die Häuser rutschen. Das Dörfchen mit der Ruine des alten Kirchturms und kahlen Berghöhen macht einen wehmütigen Eindruck…“ (August Becker, 1913, S.192f.)
Appenthal steht hier stellvertretend für viele Walddörfer des Pfälzerwaldes.
Außer in Trippstadt, das durch seine Eisenindustrie, vielen seiner Einwohner, ein geregeltes Einkommen bieten konnte, war der Wald für die meisten Bewohner der Pfälzerwalddörfer lange Zeit die einzige Einkommensquelle. Doch von Wohlstand der einfachen Trippstadter Bevölkerung kann man keineswegs ausgehen, trotz der Eisenindustrie. Dies zeigt ein Schreiben aus dem Jahre 1852 in dem es um die Ansiedlung von je einem Arzt in Trippstadt und in Elmstein geht.
Die Initiative ging dabei vom „Landrath der Pfalz“ aus. In diesem Schreiben der Kammer des Innern an das Staatsministerium der Finanzen in München lesen wir folgendes:

„…bitten wir wiederholt diesen an sich unbedeutenden jährlichen Beitrag von 300 Gulden für einen so humanen Zweck um so mehr allerhöchst genehmigen zu wollen, als nicht nur der Landrath, sondern auch die Distrikträthe von Neustadt und Kaiserslautern und selbst die arme Gemeinde Trippstadt sich so bereitwillig zu beiträgen verstanden haben, die doch im Grund nur zum Wohl von Leuten bestimmt sind, welche in den dortigen großen aeralischen Waldmassen das ganze Jahr hindurch für die Holzhauereyen, Cultur- und Triftarbeiten und selbst für den Landtransport der Trifthölzer mittels Schlitteln unentbehrlich, dabei aber bei ihrem kleinen und unergiebigen Feldbauen so arm sind, dass ihre Verdienste kaum zum täglichen Lebensunterhalt ausreichen und wegen dieser Vermögenslosigkeit bei körperlichen Verletzungen, die sie sich während den besagten Arbeiten aller Vorsicht unbeachtet, öfters zuziehen, selten die entfernte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, so dass sie bei der daraus erfolgten schlechten Heilung öfters ganz oder theilweise arbeitsunfähig, ja selbst ihre Familien in besten Alter durch den Tod entrissen werden und durch die ungewöhnlich große Zahl der Witwen und Weisen in den besagten Gemeinden nur zu sehr bestätigt wird“.

Dieses Schreiben zeigt uns wie die soziale Situation im !9: Jahrhundert in Trippstadt war. Diese wiederum wird nur verständlich wenn man auch ein wenig den Hintergrund der pfälzischen Revolution von 1848 beleuchtet vor allem die der armen Bevölkerung. Die „Bürden der Armen“ nehmen im Buch der Geschichte nicht mehr als ein paar Seiten ein. Für die herrschende Stände haben wir Dokumente, Besitztümer, Porträtbilder, Häuser, für die Taglöhner, Ackerer und arbeitende Bevölkerung nur einige statistische Zahlen. Heimatgeschichte sollte vor allem das Ziel haben diesen sozial Unterprivilegierten ein „Gesicht“ zu geben.
Wie schlimm die Lage damals für die Bevölkerung war zeigt auch ein Antrag der Bewohner der waldreichen Gemeinde Schopp die 1852 einen Antrag stellte, die Gemeinde aufzulösen, das Gemeindevermögen zu veräußern und nach Amerika auszuwandern. Dem Ersuchen wurde natürlich nicht stattgegeben. Im Jahre 1882 erklärte sich der Gemeinderat bereit für die Auswanderung eines Bürgers mit seiner Familie die Überfahrt in die USA (200 Mark) zu zahlen. Somit war wenigstens einer armen Familie geholfen. Eine Akte aus dem Gemeindearchiv von Schopp berichtet uns sehr deutlich vom Elend der Bevölkerung im 19. Jahrhundert, in diesem Schriftstück heißt es, „dass bei Zahlungsverzug entstehenden Gerichtskosten so manchen redlichen Mann an den Bettelstab bringen. Hat ein solcher beispielsweise für 10 Gulden Kartoffeln oder sonst eine Ware ersteigt, kann aber am Fälligkeitstag nicht gleich zahlen, so entstehen ihm durch die gerichtliche Verfolgung gleich 40 bis 50 Gulden Kosten. Rücksichtslos wird ihm dann alles gepfändet. Schweine, Bettzeug, Früchte, Möbel. Während bei einer solchen Versteigerung der Wohlhabende billigen Gewinn findet, verliert der Arme Hab und Gut und gerät an den Bettelstab. Solche Verarmte veräußern dann schließlich den Rest ihrer Habe und suchen das Glück jenseits des Ozeans“.
Für die Armut und die Hoffnung auf „Glück jenseits des Ozeans“, gab es damals ein symbolisches Möbelstück: Die pfälzische Auswandererkiste!
Die Wirtschaftskrise von 1851/54 brachte einen bis dahin nicht gekannten Anstieg von Auswanderern in der Pfalz. Im Jahre 1854 wanderten in der Pfalz 9000 Bürger nach Übersee aus. Auf dem Kreislandwirtschaftsfest 1853 in Landau war unter den Ackerbaugerätschaften auch diese Auswandererkiste zu sehen man gab ihr die sarkastische Aufschrift „Bleib im Land und nähre dich redlich“.
Albert Zink, Autor von „die Pfalz mein Heimatland“ schrieb zu Recht in seinem Aufsatz, „Die pfälzische Auswanderung des 19. Jahrhunderts im Lichte des pfälzischen Wirtschaftslebens, Pfälzer Heimat 1954/ 2, S. 56. „Die pfälzische Auswanderung ist ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Pfalz“.
Wenn von soviel Armut die Rede ist muss man auch mal ins Leben der Reichen schauen in den Regionen des Pfälzerwaldes. In der Zeit um 1852 also gerade einmal 4. Jahre nach der Revolution von 1848/49 wurden die Reichen von der ärmeren Bevölkerung sozial-polemisch „Geldsäcke“ genannt, waren doch sie es denen neben den Pfarrern („Pfaffen“) der sozialrevolutionäre Aufstand galt. Dabei handelte es sich um eine kleine Schicht städtischen Wohlstands und Reichtums in Kaiserslautern, Landstuhl, Landau und Neustadt. Es handelte sich um einige Großbauernfamilien, Winzer und Unternehmerfamilien in den Städten. Ganz voran natürlich in der Pfalz die Familie Gienanth mit Niederlassungen in Hochstein/Winnweiler, Trippstadt, Eisenberg und Schönau. Hinzu kommen in der Pfalz einige Familien von recht gut begüterten Rechtsanwälten und Notaren. Letztendlich kommen wir auf etwa 300 Familien, mit knapp 2000 Menschen, die jene pfälzische Oberschicht ausmachten die sich gegenseitig kannte und außerordentlichen politischen Einfluss besaßen und somit in schärfster Gegnerschaft zu den sozialrevolutionären Ansätzen des Vormärz und der 48er pfälzischen Revolution standen.
Wie die Situation damals war und wie sie eskalieren konnte zeigen die Ereignisse vom 15. und 16. Juni 1849 in Johanniskreuz und Leimen.
In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zählte das zur Gemeinde Merzalben gehörende abgelegene Walddorf Leimen ca. 600 fast ausschließlich katholische Einwohner die ihren Lebensunterhalt als Tagner, Handwerker, Waldbauern und Holzhauern fristeten. Über die „schwere und drückende Not“ die in dem Ort herrschte geben die erschütternde Bittschriften und Beschwerden des Bürgermeisteramtes Leimen an das Landkommissariat Pirmasens genaue Auskunft. Der große Grad der Unzufrieden heit der Bevölkerung mit den bestehenden Verhältnissen wird deutlich an der Zahl von 55 Bürgern aus Leimen, Merzalben und Clausen deren Namen Eingang in das sog. „Schwarze Buch“ gefunden hatten.
In Johanniskreuz wurden Bäume umgehauen und Verhaue von den Aufständischen gebaut. Als die Aufständischen nach Leimen zogen und die Bevölkerung unter Bedrohung zwangen ihnen Lebensmittel zu übergeben, versuchte sich die Bevölkerung vergeblich zu wehren. Wir sehen an diesem Beispiel das die Leimener Bevölkerung keineswegs mit den aufständischen Freischärlern sympathisierte.. Diese überfielen vielmehr mit 152 Mann den wehrlosen Ort, raubten und plünderten hemmungslos und versuchten die jungen Männer des Dorfes zum Mitmarschieren zu zwingen. Die Bürger von Leimen leisteten so weit es möglich war- passiven Widerstand. Die jungen Burschen versuchten der Zwangsrekrutierung durch Flucht zu entkommen, und die Erwachsenen gaben erst ihre wenigen Lebensmittel heraus, als die Aufständischen drohten von ihren Schusswaffen Gebrauch zu machen. Es kam also auch zu Übergriffen der Aufständischen (Freischärler) gegenüber der armen Bevölkerung. Was nichts anderes heißt das in vielen Gebieten der Pfalz Anarchie vorherrschte.
Vor allem wenn man bedenkt das bereits vor diesen Ereignissen vier Leimener Bürger des Hochverrats angeklagt wurden und Gefängnisstrafen bekamen. Dies zeigt wieder welch anarchistische Zustände in den Dörfern vorherrschten.
Die Namen der Leimener „Hochverräter“ waren

1. Ludwig Cronauer geb. 1797 in Leimen; gest. 1857 in Leimen
2. Franz Ernst geb.1798 in Leimen; über seinen Verbleib nach 1849 ist nichts bekannt.
3. Peter Martin Heim geb.1827 in Leimen; Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt.
4. Johann Helfrich geb.1807 in Leimen, gest. 1862 in Leimen.




Wie die einfache Bevölkerung im 19. Jahrhundert lebte zeigt uns unter anderem ein Text von Franz Rink „Ortsgeschichte von Queidersbach“, dort können wir über die Ausstattung eines Taglöhnerhaushaltes in einer der gewohnten primitiven Einraumhütten folgendes lesen:
„eine Kiste, ein Eisenhafen, eine Bank, eine Bettlade, eine offene Feuerstätte“, das wars dann schon. Der Gerharsbrunner Großbauer Adam Müller räumt in seiner „Landwirtschaftslehre“ von 1845 ein: „Gewöhnlich sind sie (die Tagelöhner) in ihrer eigenen Behausung schlecht genährt“. Da es an Bänken und Stühlen mangelte, nahmen die Kinder die Mahlzeiten im stehen ein. Gegessen wurde in diesen Hütten aus einer Schüssel mit Holzlöffeln, für die Brot- und die seltenen Fleischzuteilungen standen Bretter und - oft nur ein gemeinsames Messer zur Verfügung. Zucker, Kaffee, Weißbrot und Tee, das bei den Reichen auf den Tisch kam, kannten diese Menschen nicht.
Wenn wir nun einmal ins Bürgerbuch der Gemeinde Trippstadt schauen bearbeitet von Heinrich Haas „Gemeinde Trippstadt- Ihre Bürger von 1666 bis 1890“ , dann lesen wir immer wieder unter Wohnort: „Hütte im Wald“, Hütte im Hüttental“, Hütte bei den Erzgruben“, Hütte beim Aschbacherhof“ usw. Also eindeutig eine Angabe für eine arme Bevölkerungsschicht in Trippstadt.
Die ist ein eindeutiger Hinweis darauf das es der ländlichen Taglöhnerfamilie schon an dem fehlte, was die absolute Untergrenze des Existenzminimums ausmacht und dabei sehen wir sogar ab von den bescheidenen Ernährungsmöglichkeiten und von Bekleidung.
Was damals für ganz Bayern galt, trifft für den bayerischen Rheinkreis, also die Pfalz, nicht minder zu und Pankraz Fried schreibt zu recht: „Die sozialgeschichtliche Erforschung des bayerischen Dorfes seit dem 19. Jahrhundert ist ein ausgesprochenes Desiderat - also eine Forschungslücke – da die ältere ortsgeschichtliche Literatur auf die sozialgeschichtliche Probleme nicht eingeht“.
Lediglich der selber aktiv sozial engagierte Neustadter Heimatforscher Friedrich Jakob Dochnahl, macht für die Pfalz hier eine Ausnahme.
Im Taglöhner- und Bergmannsbereich herrschten katastrophale soziale und humane Zustände. Bei den kinderreichen Familien gab es in der Regel nur das Einraumhaus, deutlicher: die Einraumhütte in dem auf 15 bis 20 qm oftmals bis zu acht Menschen hausten, die Hausratsausstattung war schon für damalige Verhältnisse unmenschlich und primitiv. Die Kinder wurden statt in die Schule von ihren Eltern zum Betteln geschickt.
Eine weitere Erscheinungsform für die Verarmung der Bevölkerung war der Holz- und Waldfrevel in den staatlichen und gemeindeeigenen Wäldern. Besonders das Verbot der bayerischen Regierung, die Stallstreu im Walde zu sammeln („zu raffen“) traf vor allem die Bevölkerung in den Walddörfern aufs härteste. Die allerwenigsten hatten eine abgemagerte Kuh im Stall, der Großteil ein, maximal zwei Ziegen, die sogenannte „Kuh der armen Leute“. Durch dieses verbot wurde nun auch für die Ziegen das Futter knapp. Das Streuraffen war für die arme Waldbevölkerung überlebenswichtig, es musste also zu Waldfrevel kommen, sonst wären die ständig Hungernden ganz verhungert.
Das Streuraffen war das mit der Hand vorgenommene Rupfen von Waldstreu, von Gras, Moos, Heide, Ginster und anderen Waldgewächsen. Für die Bürger war dieses Verbot des Streuraffens überhaupt nicht nachvollziehbar, denn Jahrhunderte lang war es ihnen erlaubt im Wald Futter für ihre Tiere zu holen.
Hierzu kamen in den 1840er Jahren Missernten, Kartoffel – und Getreidefäule. Ein weiteres Problem waren durchziehende Bettler und Vaganten. Werner Weidmann schreibt hierzu:
„Das grenzüberschreitende Bettler- und Landstreichertum, im Zusammenhang mit dem sprunghaften Bevölkerungswachstum bei stagnierender Beschäftigungsmöglichkeit ohnehin in jener Zeit besonders groß, erreichte in der Pfalz in den späteren 40er Jahren einen besonderen Höhepunkt; dabei wirkte die Eigenschaft der Pfalz als Grenzland gegenüber Frankreich steigernd“.
Dieses Bettler- und Vagantentum, das ja ein eindeutiges Symptom für die Verarmung der Bevölkerung ist nahm in den 1840er Jahren in der Pfalz sprunghafte Dimensionen an. So wurden in den Jahren 1846 21000 und 1847 25000 Bettler und Landstreicher von den Behörden festgenommen und gerichtlich verurteilt.
Nach der gescheiterten Revolution von 1848 sahen viele Menschen nur noch in der Auswanderung eine Möglichkeit ihre Lebensumstände zu verbessern.
Im Jahre 1854 brach der Hungertyphus aus. Der „Pirmasenser Volksbote“ schrieb in einer Ausgabe des gleichen Jahres:
„Man muss die abgemagerten, ausgehungerten Gestalten sehen, die kaum mehr sich fortschleppen können, um ein Stückchen Brot zu erbetteln, und die hie und da bereits Anfälle von Wahnsinn haben. Man muss ganze Familien in wahren Erdlöchern ohne Fenster auf einem faulen Strohgenist voller Unrat und Ungeziefer halb oder auch ganz nackt mit verzweiflungsvollen Gesichtern hinbrüten sehen, man muss sehen wie Kinder von Unreinlichkeit, Ungeziefer angefressen in Blöße und Kälte eine Beute des Todes werden; erst dann wird man einigen Begriff erhalten von unseren Zuständen“.
Dies also waren auch noch in den 1850er Jahren die Zustände in den Walddörfern des Pfälzerwaldes. In diesen Jahren kam es zu panikartigen Auswanderungswellen in der ganzen Pfalz.
Man kann ruhig behaupten dass in der Zeit von 1832 bis 1900 der Geist der Revolution in der Pfalz niemals ganz zum erlöschen kam. Die massenweise Verarmung und Verelendung der Bevölkerung musste ja zu einem sozial-revolutionären Geist beitragen. Und so schreibt Werner Weidmann zu Recht: „Im Kerne war es die verbreitete soziale Not, die in der Pfalz damals im ganzen gesehen, fast unbeschreibliche Armut, die in der Tat- auch trotz einmal besserer Ernten- anarchischen Haltlosigkeiten Vorschub leistete und erneut- also auch nach der Niederschlagung der Revolution im Juni 1849- in unserer Heimat sozialrevolutionäre Aktivitäten erwarten ließ“.
In einem amtlichen Bericht vom November 1849 (also bereits in der Reaktionszeit) über die sozialen Zustände in der Pfalz, heißt es, dass bei vielen Menschen- oft „von Geldmännern an Händen und Füßen gebunden- ein solcher Grad von Verzweiflung gereift sei- dass sie jederzeit wieder, wie es dann wörtlich heißt „zum Losschlagen bereit sind“.
Das die politische Reaktion von 1849 sich so glatt durchsetzen konnte, hängte auch mit der Verzagtheit und Hoffnungslosigkeit zusammen, die Menschen befällt, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie ihren Hunger stillen können. Doch die Angst vor den aufrührerischen Pfälzern steckte tief in der Obrigkeit, dies war wohl auch der Grund dass König Maximilian II. 1854 den Ethnologen und Kulturwissenschaftler Wilhelm Heinrich Riehl mit einem Auftragsgutachten über die Rheinpfalz und die Pfälzer beauftragte, um sich ein besseres Bild von der „störerischen und aufständischen Provinz“ zu machen.
hukwa

Lit. Verzeichnis:
Franz Rink: Ortsgeschichte von Queidersbach.
Adam Müller: Lehrbuch der praktischen Landwirtschaft; Mainz 1845
Pankraz Fried: Die Sozialentwicklung im Bauerntum und Landvolk.
Werner Weidmann Die wirtschaftlichen – sozialen Hintergründe der Pfälzer Revolution von
1849. Jahrbuch zur Geschichte von Kl. Bd. 22-23
Jerome Blum: Die bäuerliche Welt; Büchergilde Gutenberg.
Heinz Friedel: Schopp
Heinrich Haas: Gemeinde Trippstadt- Ihre Bürger von 1666 bis 1890
Franz J. Müller: Revolutionäre Ereignisse in Leimen am 15. und 16. Juni 1849. Jahrbuch zur
Geschichte von Kaiserslautern Bd. 22-23.