Dienstag, 10. Februar 2015

Zwei Märchen aus dem Lauterer Reichswald

Der Zwerg aus dem Reichswald

Auf der ehemaligen Huneburg bei Erfenbach lebte einst ein Junker namens Schott. Dieser war so arm, dass er sich nicht zu heiraten getraute. Eines Tages als er allein durch den Reichswald lief fand er ein weinendes, müdes Knäblein. Voller Mitleid hob er es auf und trug es dorthin wo der Knabe ihm den Weg wies. So ging es durch den dichten Wald bis zu einer Wasserburg die Schwanau hieß. Dort ließ sich das Kind absetzen. Wie erstaunte Schott aber als er nun den Knaben betrachtete und statt des Kindes einen alten runzligen Zwerg vor sich sah. Ich bin der Waldgeist des Reichswaldes sagte dieser und weil du ein gutes Herz hast will ich dir helfen. Klopfe an die Pforte der Burg und du wirst dein Glück machen sagte der Zwerg und verschwand. Auf einem Wassergraben schwammen weiße Schwäne. Schott schritt über die hölzerne Brücke und klopfte am Burgtor. Eine wunderschöne Jungfrau öffnete ihm, ließ ihn ein und führte ihn zu ihrer Mutter. Freundlich wurde er aufgenommen. In diesem Schloss lebte nur die Mutter mit ihrer Tochter. Sie gehörten einem alten, verarmten Rittergeschlecht an. Das Mädchen gefiel ihm so gut, das er von nun an jeden Tag zur Burg kam. Bald heiratete er das Mädchen. Kurz darauf erschien das Männlein bei ihm und führte ihn zu einer großen Höhle, wo ein wertvoller Schatz verborgen lag. Das schenke ich euch sagte der Zwerg, bleibt ehrlich und hilfsbereit.
Schott war nun ein reicher Mann vergaß aber die Armen nicht. Denn mehr Wert als alle Schätze der Welt war ihm seine geliebte Frau die er durch den Zwerg kennen gelernt hatte.


Hildegard
Eine Sage um Burg Hohenecken

Hildegard, das wunderschöne Burgfräulein von Hohenecken hatte unter den Rittersöhnen im alten Reichsland um Lautern viele Verehrer. Aber keiner von ihnen konnte ihr Herz gewinnen, bis sie den Junker Friedrich von Flörsheim kennen lernte, ihm schenkte sie ihr Herz. Dessen Vater, Burgherr auf der Doppelburg Wilenstein bei Trippstadt, war mit Hildegards Vater, Johann von Hohenecken eng befreundet und so lernten sich die beiden kennen.
Da nun Wilenstein eine Doppelburg war, auf der auch die Herren von Wilenstein wohnten, erfuhr der Ritter Hanno von Wilenstein als bald dass Friedrich die Gunst der schönen Hoheneckerin errungen hatte. Auch Friedrich hatte sich in Hildegard verliebt, doch er war für seine Rohheit und Härte anderen gegenüber bekannt deswegen hattte Hildegard ihn abgewiesen, als dieser um ihre Hand bat. Sein ganzer Hass richtete sich nun gegen den Flörsheimer.
Hildegard, die wenig Standesdünkel hatte , pflegte mit den Dorfbewohnern freundlichen Verkehr. Sie wandte gar oft durch ihre Fürbitten bei ihrem strengen Vater das Unheil das oft über den Dorfbewohnern schwebte ab. Das einfache Volk liebte sie deshalb sehr.
Einst kehrte eine Zigeunersippe in das Dorf Hohenecken ein. Bei dieser Horde war auch ein uraltes Weib dabei. Die Alte lief im Dorf herum und weissagte den Bewohnern über Schicksal, Glück und Unglück. Auch die Burg suchte sie auf und Hildegard wollte sich auch die Zukunft prohezeien lassen. Die Zigeunerin weissagte dem Edelfräulein, dass ihr Geliebter bald von einem Pfeil aus ihrem Köcher ins Herz getroffen werde. Hildegard brach in lautes Lachen aus doch die Wahrsagerin bedeutete ihr dass ihr Lachen bald in tiefer Klage enden würde.
Das Burgfräulein übte sich regelmäßig im Bogenschießen. Eines Tages als Hildegard auf dem hirschberg weilte, sah sie einen großen Habicht seine majestätische Kreise ziehen. Sie legte einen Pfeil auf die Bogensehne, schoß und traf den Vogel. Der Vogel stürzte in ein nahe gelegenes Gebüsch. Hildegard ging los konnte ihn aber nicht finden. Sie gab alsbald die Suche auf und ging zur Burg zurück.
Wäre Hildegard nur einige Minuten früher auf die Suche nach dem Vogel gegangen, hätte sie noch Hanno von Wilenstein erkannt, der mit dem Vogel und dem Pfeil verschwand. Der Wilensteiner der voller Hass war verfolgte einen teuflischen Plan. Er hatte sich vorgenommen mit Hildegards Pfeil den Flörsheimer zu ermorden. Er zog den Pfeil aus dem Habicht heraus und ritt heimwärts zur Burg Wilenstein. Unterwegs, beim alten Menhir auf der Breitenau erkannte er von weitem schon den Junker Friedrich, der gut gelaunt in Richtung Hohenecken ritt. Der Wilensteiner versteckte sich hinter dem Menhir, legte den Pfeil in die Sehne des Bogens und traf den Junker mitten ins Herz.
Hanno, jetzt von Entsetzen über seine eigene Tat gepackt, eilte nach Hause und verschwand noch am gleichen Tage für immer, niemand hat ihn je wieder gesehen. Am nächsten Tag fand man den Junker und die Nachricht sprach sich in Windeseile auch zu Hildegard durch. Sie erkannte ihren Pfeil und sank mit den Worten "Hanno, dein Werk!" ohnmächtig zu Boden.
Das Burgfräulein dass sich von diesem Schmerz nie wieder erholte trat in ein Kloster ein und soll bis an ihr Lebensende für die Seelenruhe des Ermordeten, und für die Bekehrung des Mörders gebetet haben.

hukwa

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