Dienstag, 1. September 2015

Herbstwanderer - Eine Naturmeditation

Wenn im Herbst die ersten weißen Nebel in den Tälern des Pfälzerwaldes erscheinen und die Bäume ihr buntes Herbstkleid angelegt haben, beginnt für den Wanderer eine besonders schöne Zeit.
Die goldene Sonne des frühen Oktober zieht ihn nun magisch in die Wälder. Der zehnte Monat des Jahres trägt den altdeutschen Namen Gilbhart. In ihm verborgen sind die längst ausgestorbene Wörter „Gilb“ für Gelb, ein Hinweiß auf das sich verfärben der Baumblätter und „Hart“ das einst für Bergwald stand. In den Gebirgsnamen Haardt und Harz ist es bis Heute erhalten geblieben.
Wer im Herbst durch die Wälder wandert, hat die Möglichkeit vieles und Absolutes zu sehen und zu erkennen. Kann man doch in der Natur und ihre Prozessen die eigene Vollendung entdecken.
Mit dem Fallen der Blätter erinnert man sich seiner geschichtlichen Zeit aber auch seiner schöpferischen Endlichkeit. Der ganze Herbst ist eine einzige Naturmeditation.
In den Wäldern begegnen wir nun besonders intensiv dem Spiel der Naturelemente von Zerfall und Wiedergeburt. Hier der Friedhof des toten Laubes und doch keimt unter dieser Schicht schon das neue zukünftige Baumleben.
Ein elementares Spiel treibt der Herbst in den Wäldern. Die Wucht seiner faszinierenden Farben betören den Wanderer und doch steckt in ihnen schon das Ahnen des nahenden Winters. Hoch oben am Himmel erscheinen am Abend die ersten diamantene Herbststerne.
Manchmal hat der Wanderer das Glück, wenn er am Abend aus den Wäldern heraustritt, das Schnattern der Wildgänse zu hören, dies sind besondere Augenblicke.
Herbst das ist kein Niedergang, diese Jahreszeit spricht in einem wunderbaren Schopfungsalphabeth zu uns. Im Lied des Herbstes singt noch einmal die ganze Süße und Schwermut des Sommers zu uns.
Stimmt das Wettter dann erreicht jetzt die Hirschbrunft ihren Höhepunkt. Wer ein solches Naturschauspiel einmal erlebt hat, für den wird es ein unvergessenes Ereignis bleiben.
Die Bienen machen jetzt ihren Stock dicht und nach den ersten Nachtfrösten beginnt der Siebenschläfer seinen Winterschlaf. Dort wo Eichbäume stehen erscheint jetzt sehr häufig der Eichelhäher, der fleißig Eicheln sammelt. Dieser Baumpflanzer kann bis zu sechs Eicheln in seinem Kehlsack tragen die er zu seinen Sammellagern bringt.
Der Oktober ist auch die Zeit der Pilze und eine Art fällt uns nun besonders auf. Der Fliegenpilz. Vor allem dort wo Birken und Fichten wachsen, finden wir nun dieses mystische „Männlein im Walde“, hat es doch zu diesen beiden Baumarten eine besondere Beziehung.
Eine besonders schöne Herbstfärbung findet sich jetzt bei den Ahornbäumen aber auch die Wildkirsche, die im Frühjahr mit ihren schneeweißen Blüten die Landschaft verzaubert hat, verzückt uns nun noch einmal mit der besonderen Rotfärbung ihrer Blätter.
Der „Goldene Oktober“ dauert etwa bis zur Monatsmitte. Jetzt, da die ersten Frostnächte nahen, erreichen der Wildapfelbaum und die Schlehe ihre letzte Reife.
Je tiefer der Wanderer nun in die Wälder eindringt, desto intensiver trifft ihn nun die Melancholie des herbstlichen Untergangs und doch schwebt in diesem scheinbaren Vergehen bereits die Frucht eines neuen Werdens. 

hukwa 

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

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