Dienstag, 30. Juli 2013

Die Hochzeit Richards von Cornwall in Kaiserslautern

Eines der großen Ereignisse in der Geschichte von Kaiserslautern war zweifelsohne die Hochzeit Richards von Cornwall mit Beatrix von Falkenburg. Bevor ich über die Ereignis des 16. Juni 1269 in der Stauferpfalz zu Kaiserslautern berichte gilt es einen Blick zu werfen auf Gestalt und Persönlichkeit von Richard.
Er war der Sohn des englischen Königs Johann Ohneland und dessen Frau Isabella von Angouleme. Er war der Neffe von Richard Löwenherz und Enkel von Eleonore von Aquitanien. Richard war dreimal verheiratet: 1231 mit Isabella von Pembroke (gest. 1240),
1243 mit Sancha von der Provence (gest. 1261) und 1269 mit Beatrix von Falkenburg (gest. 1277).
Richard war der jüngere Bruder des englischen Königs Heinrich III dieser übergab ihm die Verwaltung von Kreuzzuggeldern und die Verantwortung für die königliche Münzprägung.
Es gelang ihm sich ein großes Vermögen aufzubauen.
Richard von Cornwall wurde im Juli 1235 durch die Hochzeit Friedrich II mit seiner Schwester Isabella zum Schwager des Staufers. Er unternahm unter anderem einen Versuch, den exkommunizierten Friedrich II mit Papst Gregor IX zu versöhnen. 1240 besuchte er seinen Schwager in dessen Königreich Sizilien, als er dort auf dem Weg ins Heilige Land eine längere Rast einlegte.
Im September 1240 führte Richard ein englisches Kreuzzugsheer ins Heilige Land. Ein französisches Heer unter Theobald von Champagner war bereits 1239 dort eingetroffen und auf die diplomatische Angebote der sich gegenseitig bekriegenden muslimischen Ayyubiden- Reiche Kairo und Damaskus eingegangen. Zuerst hatte Damaskus ihnen Galiläa abgetreten und schließlich hatte Kairo ihnen zugesichert, ihnen sämtliche Gebiete westlich des Jordans über Jerusalem bis Askalon zu überlassen. Theobald war kurz vor Richards Ankunft abgereist und überließ so Richard die Umsetzung des Abkommens. Es waren die größten Geländegewinne seit dem ersten Kreuzzug ins Heilige Land. Richard organisierte auch die Wiedereinrichtungder Zitadelle von Askalon und überwachte die Freilassung der gefangenen und die Bestattung gefallener Kreuzfahrer aus der Schlacht bei Gaza, die die Franzosen 1239 verloren hatten.
Nach seiner Rückkehr nach England begleitete Richard seinen Bruder auf einen Feldzug gegen Frankreich in der Saintonge. Dort mussten sie im Juli 1242 in der Schlacht bei Taillebourg eine Niederlage gegen König Ludwig IX von Frankreich hinnehmen.
Von Papst Innozenz IV wurde ihm 1252/53 das Königreich Sizilien angeboten, das er jedoch ablehnte.
In der Doppelwahl von 1256/57 eines Römisch deutschen Königs nach dem Tod Wilhelms von Holland (1256) wählte die englische Partei der deutschen Kurfürsten (Köln, Mainz, Pfalz) Richard zum Römisch deutschen König. Die Krönung fand in Aachen statt.
Wir wissen das seit Erbauung der Königspfalz die in die ersten Regierungsjahre von Barbarossa fällt, etwa um 1152/58, hier schon eine ganze Reihe prächtiger Hoftage stattfanden. Bis ins Jahr 1234, also dem des letzten Besuchs eines staufischen Herrschers in der Königspfalz, nämlich König Heinrich VII kann man 21 Aufenthalte deutscher Kaiser und Könige nachweisen.
Ernst Christmann hat nachgewiesen das bereits am 30. Oktober 822 Ludwig der Fromme auf dem Altenhof weilte. Ein Kaplan der ihn begleitete führte damals die Reliquie, den Mantel des hl. Martinus, mit sich.
Friedrich Barbarossa weilte mehrmals in der Stadt und zwar zwischen 1158 und 1187.
Heinrich VI suchte Lautern 1184, 1189, 1190, 1193 und 1195 auf.

Friedrich II 1214 und 1215
König Heinrich VII war 1225 und 1234 in der Stadt

Richard von Cornwall 1269

Rudolf von Habsburg besuchte 1274, 1282, 1284 die Stadt.

Adolf von Nassau 1292 und 1294

Kaiser Heinrich VII 1309 und 1310

Das Lautern und das umliegende Reichsland sehr wohlhabend war ist aus einem Tafelgüterverzeichnis von 1188 zu ersehen. Lautern lieferte jährlich an den König 320 Schweine, 56 Ferkel, 400 Hühner, 40 Kühe, 4000 Eier, 40 Gänse, 40 Pfund Pfeffer, 720 Käse, 80 Pfund Wachs, sowie 32 große Fuder Wein. 1241 ertrug der Reichsgutbezirk an Bede 120 Mark Silber, was einen Gegenwert von etwa 50 000 Goldmark entspricht.

Wir können also davon ausgehen dass in Kaiserslautern zahlreiche Hoftage, Beratungen und Feierlichkeiten abgehalten wurden.
Die Hochzeit Richards ist in mehreren Werken deutscher und englischer Geschichtsschreiber festgehalten. Allerdings besitzen wir keine direkte Beschreibung über die Feierlichkeiten. In den Chroniken wird vor allem die Schönheit von Beatrix von Falkenburg gepriesen, in diesen wird sie als „Kleinod der Frauen“ sowie als von „unvergleichlicher Erscheinung“ gepriesen. Aus Anlass zu den Feierlichkeiten soll Richard viele Fürsten und Herren an seinen Hof geholt haben. Allerdings existiert keine Urkunde in Lautern aus der hervorgeht wer und wie viel Gäste geladen waren. Eine am 19. Juni, drei Tage nach der Lauterer Hochzeit, bei Neustadt ausgefertigte Urkunde des Bischofs von Bamberg für Pfalzgraf Ludwig II zählt 37 Zeugen auf, darunter den Burggrafen von Nürnberg und viele bayerische Adlige. Auch Pfalzgraf Ludwig befand sich in diesen Tagen zwischen Neustadt und der Kestenburg. Man kann also mit angrenzender Sicherheit davon ausgehen, das sämtlich genannte Fürsten und Herren auch bei der Hochzeit zugegen waren.
Eine besonders wichtige Rolle bei dieser Hochzeit und den Vorbereitungen kam zweifelsohne Reinhard von Hohenecken zu.
Die Hohenecker besetzten für lange Jahrzehnte das Amt des Reichsschultheißen in Lautern. Rheinhard III von Hohenecken hatte dieses Amt seit 1262 inne, wahrscheinlich auch das Amt des Prokurators oder Landvogts im Speyergau. Da Philipp von Falkenstein auf dem Reichstag in Worms im April 1269 aus undurchsichtigen Gründen die Reichsinsignien an Richard ausgeliefert hatte, erhielt Reinhard von Hoheneck als besonderen Gunstbeweis des Königs wohl im Juni oder Juli 1269, vielleicht sogar bei seiner Anwesenheit in Lautern, auch noch das ehrenvolle Amt des Bewahrers der Reichskleinodien übertragen, das er dann bis zur Regierungsübernahme König Rudolfs von Habsburg im Herbst 1273 innehaben sollte.
Am 8. August 1269 ist Richard wieder in London. Er und seine Gemahlin kamen nie wieder nach Deutschland.
König Richard starb am am 2. April 1272.
Die Hochzeit König Richards in Lautern gilt als einer der glanzvollen Höhepunkte der geschichtsträchtigen Stadt.
hukwa




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