Mittwoch, 9. März 2016

Über ehemalige Trippstadter Hang – und Waldgärten und alte Trippstadter Trockenmauern

Im Sonderheft „Flurnamen“ der Trippstadter Blätter zur Heimatgeschichte berichtet Kurt Knebel von sogenannten „Hangäckern“ im Kaltenborner Tal. Unter anderem schrieb er dort „...früher wurde ein Teil des zum Wilensteiner Feld liegenden Hanges ackerbaulich genutzt, Reste der terrassenförmigen Aufmauerungen sind heute noch in dem aus Anflug entstandenen Wald zu erkennen“.
Also habe ich mich auf die Suche begeben und nach Resten dieser ehemaligen „Waldgärten“ zu suchen. Bereits unterhalb des „Köpfchens“ wurde ich fündig und fand mehrere in Trockenmauerbau angelegte Terrassen. Auch gegenüber der Kläranlage von Trippstadt im Kaltenborner Tal finden sich diese „Hang- und Waldgärten“. Ebenso im Bereich des „Kussweges“ in der Nähe des Trippstadter Köhlerplatzes. Auch im Bereich des Nabenberges finden sich noch Steinreste die auf solche ehemalige „Kleinstäcker“ hindeuten.
Auf meinen Wanderungen in den Wäldern von Elmstein, Frankenstein und Hochspeyer entdeckte ich ebenfalls diese Trockenmaueranlagen. Sie müssen für die Menschen des 17. und 18. Jahrhunderts zum Überleben sehr wichtig gewesen sein. Wohl wurden sie vor allem von Taglöhnern, kleinen Ackerbauern, sogenannte „Ein Kuh Bauern“ angelegt.
Heute erfüllen diese Trockenmauerreste eine wichtige ökologische Funktion für Kleinstlebewesen, Insekten, kleine Säugetiere und Vögel.
Diese Waldhanggärten gehören wie so viele Kleindenkmäler einfach zur Trippstadter Heimatgeschichte, daher habe ich begonnen sie zu archivieren und fotografisch zu dokumentieren.
Irgendwann werden auch diese Überreste, wie inzwischen z.B. schon so viele Grenzsteine, verschwunden sein.
Gewiss haben in der damaligen Zeit Menschen aus Trippstadt Teile des Waldes gerodet, damit die Sonne den Boden länger erwärmen kann. Dem feinen und dünnen Waldboden wurde wohl auch Mist zugeführt. Man baute darauf Buchweizen, Kartoffeln und Gemüse an, Früchte die zum Überleben nötig waren.
Zweifelsohne sind diese ehemaligen Waldgärten historisch von Bedeutung, erzählen sie uns doch einiges über das Leben unserer Vorfahren.

Trippstadt ist reich an alten Trockenmauern. Sie sind fester Bestandteil unserer heimischen Landschaft und Zeugen vergangener Handwerkskunst. Zudem bilden diese Mauern ökologisch wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Mauerwerk werden Trockenmauern ohne Mörtel, also trocken, aufgeschichtet. In ihrer typischen Form bestehen sie aus rohen oder nur wenig bearbeiteten Bruchsteinen.
Foto©Ute Knieriemen-Wagner

Der Wanderer braucht in Trippstadt nicht weit zu laufen, will er solch alte Handwerkskunst bewundern. Fast überall begegnen ihm die ökologisch wertvollen Steingebilde, als Zeuge unserer Geschichte. Zudem bieten diese Trockenmauern vielen „Lebenskünstlern“ eine letzte Zuflucht, sind somit letztes Refugium bedrohter Pflanzen und Tierarten.
Vor allem an vielen schattigen und feuchten Hängen finden wir Trockenmauern vor, die einst als Stütze angelegt wurden. Ihre Fugen sind beliebter Aufenthaltsort einer Fülle von kleineren Tieren wie Käfer, Bienen, Hummeln und Wespen. Im Sommer finden wir hier vor allem sehr unterschiedliche Moose, das Schöllkraut (Chelidonium majus), Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) und vor allem den Efeu (Hedera helix). Aber auch seltene Gewächse wie der Trauben–Steinbrech (Saxifraga paniculata), können dem pflanzenkundigen Wanderer begegnen. Der sehr seltene Lanzen–Schildfarn (Polystichum lonchitis) findet sich noch an zwei Stellen.

An den trockenen Mauern finden wir vor allem den Mauerpfeffer (Sedum acre) und das Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) und eine große Anzahl unterschiedlicher Gräser. Gehölze wie Birke und Holunder siedeln sich immer wieder in den Nischen und Fugen an. Farne sind zahlreich vertreten. Das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) blüht schon Ende März.
Laubmoose (Musci) und Lebermoose (Hepaticae) sind ebenfalls reichlich vorhanden.

Verschiedene räuberische Laufkäfer bekommen wir seltener zu sehen da sie sehr nachtaktiv sind. Doch den einfarbig schwarzen Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus) sowie einen unserer schönsten heimischen Laufkäfer, den grün–metallisch glänzenden Puppenräuber (Calosoma sycophanta) können wir im Sommer an sonnigen Trockenmauerstellen recht oft beobachten.

An Hummeln finden wir die Steinhummel (Bombus lapidarius) und die gelbrot gefärbte Mooshummel (Bombus muscorum), die wie ihr Name besagt, Moose liebt und dort ihr Nest baut. Tagsüber verstecken sich gerne Kreuzkröten (Bufo calmita) und Erdkröten (Bufo bufo) in den Steinfugen. Die Waldeidechse (Lacerta vivipara), die gegen Kälte ziemlich unempfindlich ist, wurde schon an feuchteren Trockenmauerstellen gesichtet. Sie ist übrigens unsere einzige heimische Echsenart, die ihre Jungen lebend zur Welt bringt. Unsere größte und wohl schönste Eidechse die Smaragdeidechse (Lacerta viridis), fällt durch ihren leuchtend grün gefärbten, dunkel gefleckten Rücken auf.
Dem naturbewussten Beobachter wird sie, wenn er Glück hat, im Karlstal an sonnigen Tagen begegnen, wenn sie dort über eine der wunderbaren Trockenmauern läuft. Da sich den Trockenmauern oftmals aufgestapeltes Altholz befindet, kann es schon einmal passieren, dass zwischen einer Mauerritze ein Feuersalamander hervorschaut.
Die hier erwähnten Pflanzen und Tiere sind nur ein kleiner Teil von vielen Bewohnern unserer heimischen Trockenmauern, deren Bestand als absolut schützenswert gilt.

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