Mittwoch, 10. August 2016

Als der Jäger aus Kurpfalz in Trippstadt auf die Jagd ging


Der Mann, den wir gerne als „Jäger aus Kurpfalz“ bezeichnen wurde in Simmern am Nordrand des Soonwaldes geboren. Er war das vierte Kind des späteren Kurfürsten von der Pfalz, Friedrich III. genannt „der Fromme“ und seiner Gemahlin Maria von Brandenburg-Ansbach. Seine Jugendjahre verbrachte er lange Zeit als Page am Hof von Paris und Nancy. Reiten und Jagen sowie die Geselligkeit in frohen Weinrunden waren seine Leidenschaft. Als sein Vater im Jahre 1559 in Heidelberg den Kurfürstenstuhl besetzte, wurde er einer seiner politischen Berater, war es doch eine politisch und religiös sehr bewegte Zeit.

Nach seiner Vermählung im Jahre 1570 bezog er mit seiner Frau die Barbarossa Burg in Lautern. In dieser Zeit begann er auch mit den Vorbereitungen zum Bau eines neuen Schlosses im Renaissancestil, unmittelbar neben der alten Burg, das 1577 vollendet wurde,
Von nun an liefen für mehr als ein Jahrzehnt in Kaiserslautern die Fäden einer Politik zusammen, die europäischen Charakter trug. 

Johann Casimir Zeichnung © Ute Knieriemen-Wagner
 

Johann Casimir war wie erwähnt ein leidenschaftlicher Jäger. Fast täglich ging er schon sehr früh zur Jagd oder hielt sich in seinen Parks und Tiergärten auf. Ein wertvolles Vermächtnis über das Leben des Kurfürsten, vor allem was die Jagd und den Wald betraf, stellen seine „Schießbücher“ und sein Kalendertagebuch dar. Sie umfassen die Jahre zwischen 1567 und 1589 also seine „Lauterer Jahre“. Diese Tagebücher sind nicht nur für die Jagd und Fischerei des 16. Jahrhunderts von Bedeutung, sie schildern auch mit kurzen treffenden Worten die politischen Verhältnisse der Pfalz in dieser Zeit.

Eine seiner großen Jagdleidenschaften war die „Auerhahnenfals, also die Jagd auf Auerhähne. Eines der besten Auerhahngebiete im Umkreis von Kaiserslautern war der Lauberwald bei Trippstadt. Worüber der Kurfürst auch in seinem Kalendertagebuch und seinen Schießbüchern mehrfach berichtet. So lesen wir unter anderem für den Monat März 1580:

Früh wieder auf die Hahnenfals, 2 Hähne geschossen. Zu Lauber (Lauberwald) gegessen. Folgents wieder nach Lautern gezogen. Carlowitz angekommen, desgl. Beutrich (Hofbeamte).
Früh wieder zwei Forellenweiher gefischt. Zuvor auf die Hahnenfals gezogen. Nichts ausgerichtet. Nachmittags „uff den Waldt Birchen gezogen. 2 Rehe und ein Schwein geschossen.

Früh auf Hahnenfals. Nichts ausgerichtet. Nachmittags Geschäfte verrichtet.

Früh auf die Hahnenfals gezogen und nichts geschossen. Danach einen „Forel Weiher“ gefischt. Ist meine Gemahlin mit der Gräfin von Hohenlohe hernach gekommen.

Früh auf die Hahnenfals gezogen. Einen geschossen. Fürters zu Lautern gegessen und folgend nach Friedelsheim gezogen.

Früh mit dem Grafen auf die Auerhahnenfals gezogen. Nichts ausgerichtet. Danach in den Tiergarten gegangen. Nachmittags Geschäfte in der Kanzlei verrichtet.

Früh Suppen (Frühstück) gegessen. Danach mit dem Grafen zum Birschen gezogen. Hat der Graf ein Stück Wild (Kahlwild) geschossen, ich einen Rehbock und einen Auerhahn.“

Soweit im Tagebuch genannt waren die Erlegungsorte für Auerhähne in der Regel der Lauberwald, der anscheinend einer der Lieblingsaufenthalte des Kurfürsten war wenn er zur Jagd ging. Auch bei Dansenberg und dem Aschbacherwald ging er gerne zur Jagd. Doch auch in den Wäldern um Johanniskreuz war der Kurfürst aktiv. In seinem Schießregister können wir unter anderem Lesen:

1 auerhanen vff den hornbach. Weld. Nitt weitt von hahnberg.
1 auerhahnen vff dem laberwald“.

1 hasell huhn bei dem hoff laber, so dem kloster Eussertall gehörig.“


Der Auerhahn gehörte der „Hohen Jagd“ an und durfte nur vom Landesherrn selbst bejagt werden.
Im Lauberwald hatte die Kurpfalz das Jagdrecht. Balzplätze des Auerwildes wurden in den Waldbeschreibungen gesondert festgehalten. So kann man bei Velmanns „Beforschung des Lauberwaldesnachlesen: ...da zur Rechten der Steinberg im Laberwaldt, so ein herrlicher Auerhahnenfals und zur linken Handt der Grevensteiner Waldt, das Teufelslooch genannt gelegen“.

In seinem Buch „Wildanger“ schreibt der pfälzische Mundartdichter Franz von Kobell im Jahre 1859:In der Pfalz war vormals der Auerhahnfals um Johanniskreuz berühmt und bestanden zum churfürstlichen Aufenthalt während der Falszeit die Jagdschlösser Breitscheid und der Speckheinrich“.
Das Jagdhaus Speckheinrich befand sich bei Elmstein und Breitscheid in der Nähe von Schwarzsohl.

Wohl jeder Pfälzer kennt das Lied „der Jäger aus Kurpfalz“. Es gab immer wieder Zeiten, in der bewegten Geschichte unserer Pfalz, da man dieses Lied als „Pfälzer Nationallied“ bezeichnete. In seiner „Pfälzischen Volkskunde“ schreibt Albert Becker: So erlebte das alte Pfälzer „Nationallied“ vom „Jäger aus Kurpfalz“ aus stolzer Freude heraus eine Zeit der Blüte, als der „Rheinkreis“ (1838) wieder den alten Namen „Pfalz“ erhielt und fast wie ein neues Polen auferstehen durfte. Mendelssohn–Bartholdy hat uns in einem Reisebrief von der Stimmung jener Tage berichtet und darin die Melodie des Liedes aufgezeichnet, das Pfälzer und Nichtpfälzer auch gerne parodierten oder umdichteten und neuvertonten“. 
 
hukwa

Literaturhinweise:
Ludwig Zimmer: Jagdgeschichtliches aus dem Gräfensteiner Wald.
Albert Becker: Pfälzische Volkskunde.
Hubert Zintl: Johanniskreuz – Im Herzen des Pfälzerwaldes.
Erich Bauer: Der Stadtwald Kaiserslautern.
Franz von Kobell: Wildanger. Jagdgeschichte.


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