Sonntag, 3. März 2019

Über die „ald Pälzer Fasnacht“ , Weiberfastnacht und das Fasnachtbegraben - Volkskundliches zur Fasnacht


Foto und Malerei©Hans Wagner

Hier einige Hannapelverse wie sie in früheren Zeiten in der Pfalz von Kindern gesungen und vorgetragen wurden, als man noch von Haus zu Haus zog und „Fasnachtsküchelcher“ einsammelte. Dieser uralte Brauch ist verloren gegangen oder wird Heute nur noch in wenigen Dörfern von der Jugend durchgeführt.
Die „alt Fasenacht“ hatte ein ganz anderes Gesicht als Heute.
Mit dem Dreikönigstag wurde einst die Fastnacht eingeleitet. Bemerkbar machte sie sich aber immer erst in den letzten Tagen. So hieß es in der Westpfalz: „Sunndaaks is Herre – Fasnacht, Dinschdaaks ist Baure – Fasnacht, Dunnerschdaaaks is – Weiberfasnacht“.
Schon im Mittelalter war Fastnacht ein symbolisches Fest in der Pfalz (und natürlich auch anderswo), vor allem im bäuerlichen Leben.
Das Rauchhuhn (Raachhinkel) musste vom Leibeigenen geliefert werden. Die Esslust, die den Winter mit „Metzelsupp“ und „Quellfleisch“ einleitete, erreicht vor der Fastenzeit nun noch einmal einen Höhepunkt.
Jeder lässt sich die guten Pfälzer „Kiechelcher“ schmecke die nun zuhauf gebacken wurden. Der altbekannte Geruch strömt nun durch die dörflichen Gassen und lässt ahnen was drinnen in der Stube passiert. Die Kinder ziehen los und Sammeln „Kiechelcher“, diese Art des „Betteln“, nannte man „Hannapel“ oder „Fechten“. In verschiedenen Dörfern wird von den kleinen „Forderern“, ein Holzsäbel in die Küche gehalten und die Hausfrau steckte „Kiechelcher“ daran. Hierher rührt auch der Pfälzer Ausdruck - „Fechten“ - was Betteln bedeutet. Wer am Aschermittwoch zu spät zur Schule kam hieß „die alt Fasnacht“, daher der heute noch vieler Orts gebrauchte Ausdruck: „Er kommt hinterher wie die alte Fastnacht“.


Hannapel – Verse

Verzeh Daa vor Fasenacht
hot mei Vadder es Sau geschlacht
Verzeh Daa denoo
is nix mer de vun doo.


Ach Bärwel, ach Bärwel
hols Wäljerholz her ,
es dünkt mich und deit mich,
als wenn Fasenacht wär.


Ich bin der kleine König,
gib mer nit zu wenig,
lass mich nicht zu lang haus stehn
ich will noch ein Haus weitergehn.


Die Pann kracht, die Pann kracht,
die Küchelcher sein geback
eraus met, eraus met
un meer in mei Sack.



Dort drowe in de Ferscht
dort hängt e Stang voll Werscht
do is die än so klä
do nem ich zwä fer ä.



Hanabel die Han
die Fasnacht geht an
Eier e raus Speck e raus,
de Fuchs springt ins Hinkelhaus
holt die Eier all e raus
Heit iwers Johr
sin mer wider do.


Küchelcher raus Küchelcher raus
Fasnacht kummt Heit ins Haus
Küchelcher raus Küchelcher raus
sonscht schlamer eich e Loch ins Haus.



Hahn, Appel Hahn (hanabelan)
die Fasnacht geht an
Eier e raus
oder ich schick de Fuchs ins Hinkelhaus.


Über die Wurzeln der Weiberfastnacht oder des Weiberdonnerstag.
Zu Brauchtum und Sage der pfälzischen Altweiberfastnacht

Der „Alt – Weiberfastnacht“ liegt folgender Brauch zu Grunde: An diesem Tag hatten die Frauen nach uralter Sitte und ungeschriebenen Gesetz unumschränkte Herrschaft und das Recht, in dem zu Dorf oder Stadt gehörenden Gemeindewald einen Baum zu fällen. Sie durften ihn verkaufen oder versteigern und mit dem Erlös feierten sie dann ein Gelage. Dieses Recht übten die Frauen sehr lange aus, bis ihnen in neuerer Zeit von der Forstbehörde, der „Baumfrevel“ verboten wurde. Wie es so weit gekommen ist dass die Frauen an einem Tag die „Herrschaft“ übernehmen durften, darüber berichtet und die Volkssage folgendes:
In heidnischer Zeit berief ein König einmal alle Männer zum Kriegsdienst ein. Die Frauen waren über diesen Erlass sehr bestürzt, sie suchten denn König auf und baten ihn dass er ihnen eine Bitte gewähre, er möge ihnen soviel – als Ersatz für ihre Männner – von seinem Eigentum abgeben, als jede einzelne Frau tragen konnte. Der König gewährte die Bitte und so nahm jede Frau ihren Mann auf ihre Schulter und eilte davon. Begeistert und gerührt von dieser Tat beschlossen die Männer ihren Frauen und deren weiblichen Nachkommen auf ewige Zeiten an diesem Tag, es war ein Donnerstag, die Herrschaft zu übertragen. Die Frauen machten sich dieses Recht zur Pflicht und versäumten nicht an diesem Tag in die Wälder zu gehen und einen Baum zu schlagen um mit dem Erlös einen Tag und eine Nacht ein Gelage zu feiern.
Vor allem in den pfälzischen Dörfern zogen an diesem „fetten Donnerstag“, wie ihn der Volksmund nennt, die Frauen unter Ausschluss der Männer in die Wirtshäuser um zu trinken und den „Weiberbraten“ zu verspeisen.
Am Nachmittag dieses Tages zogen die Frauen durch den Ort um den „Fasnachts – oder eben Weiberbraten“ einzufordern. Dabei sangen sie folgende Lieder:

Ach Frächen, geb uns ein Fasnachtsei,
Sonst schlien mer eich eier Düppen entzwei.
Zwei sollt ihr geben,
Lang sollt ihr Leben.
Droben in den Harsten
Hangen sieben Ellen Bratwurst;
Schneit hoch, schneit nieder,
Schneid die langen,
Lasst die kurzen hangen.

Oder

Ach Peternellchen! Die Fasnacht is do,
Da backen wir gude Schnittchen,
Da sind wir alle froh.
Stell die Lätter on die Wond,
Un schneid den Speck bloß ellelang.

Dass der Fasching bereits die Frühlingsbräuche einleitete ist volkskundlich bekannt. In verschiedenen Landstrichen der Pfalz, des Hunsrücks und der Eifel wurden am Vorabend des „fetten Donnnerstags“ Vorbereitunge getroffen, diesen Tag festlich zu begehen. Die Jugend sammelte Eier, Speck und Milch, man schmückte sich mit Bändern zündete das „Fasnachtsfeuer“ an und speiste gemeinsam.
Solches Brauchtum zeigt uns wie eng Fastnacht und Frühlingsbrauchtum verbunden sind. Das einigende Band der Fastnachtsbräuche ist der Bezug zur Fruchtbarkeit. Nach Fasching beginnnnt bald das ländliche Jahr. Aussat, das Vieh bekommt Nachwuchs, Wälder und Wiesen werden langsam wieder grün.
Frazer berichtet „in der Nachbarschaft von Tübingen wird am Fasnachtsdienstag ein Strohmann zu recht gemacht, der den Namen Fasnachtsbär trägt. Er wird in ein paar alte Hosen gekleidet, und eine frische Blutwurst oder zwei blutgefüllte Spritzen werden an seinem Halse befestigt. Nach einer förmlichen Verurteilung wird er enthauptet, in einen Sarg gelegt und am Aschermittwoch auf dem Kirchhof begraben. Dies heißt den Karneval oder die alt Fasnacht begraben.“
„In der Normandie war es früher am Abend des Aschermittwochs Sitte, eine Zeremonie genannnt „die Beerdigung des Fastendienstags“ abzuhalten. Ein schmutziges Bild in Lumpen gehüllt, einen zerbeulten Hut über dem unsauberen Gesicht, den großen, runden Bauch mit Stroh ausgestopft, stellte den verrufenen, alten Müßiggänger dar, der nach einer langen Reihe von Ausschweifungen (Fasnachtstreiben) nunmehr für seine Sünden büßen sollte. Auf den Schultern eines handfesten Burschen, der unter der Last zu wanken vorgab, wurde diese volkstümliche Verkörperung des Karnevals zum letztenmal in einer Weise durch die Strassen geführt, die keineswegs einem Triumphzug glich und in Begelitung eines höhnenden Gesindels, in dessen Reihe die Strassenjugend und das ganze Lumpengesindel der Stadt in großen Massen aufmarschiert waren, wurde die Figur bei dem flackernden Licht der Fackel zu dem unharmonischen Getöse von Schaufeln, Feuerhaken, Kochtöpfen und Pfannen, Hörnern und Kesseln, vermischt mit dem Hohngelächter, Gestöhne und zischen der Menge umhergetragen“.

Lit.Hinweise:
Albert Becker: Pfälzer Volkskunde.
G.Fagner: Pfälzer Fasnacht.

©hukwa