Samstag, 9. März 2019

Die Römer im Landkreis Kaiserslautern


Heidenfelsen Kindsbach - Foto©Hans Wagner


Über vier Jahrhunderte besiedelten die Römer die Pfalz. Mit der Eroberung Galliens durch Caesar (58-52 v.Chr.) gelangten das oberrheinische Gebiet und die dort lebende keltische Bevölkerung zunehmend unter römischen Einfluß. Entlang des Rheins wurden aus militärstrategischen Gründen zahlreiche befestigte Lager eingerichtet. Es entstanden mit der römischen Eroberung ein großes Wegenetz mit Militärstrassen und Pferdewechselstationen. Das von den Römern und ihren Hilfstruppen besetzte Gebiet wurde sehr schnell in das wirtschaftliche und kulturelle Gefüge des römischen Reiches eingefügt, so das man bereits nach wenigen Jahrzehnten von einer gallo-römischen Bevölkerung ausgehen konnte. Mit der Verlagerung der römischen Reichsgrenze nach Osten und vor allem dem Bau des Limes (74n.Chr.) begann eine über hundert jahre andauernde Friedensphase in unserem Gebiet. Es entstanden zahlreiche Siedlungen und Gutshöfe (villa rustica).
Die Pfalz gehörte nun zur römischen Provinz Germania Superia (Obergermanien). Verwaltungssitz war Mainz (Mogontiacum). Der römische Name von Mainz geht zurück auf den keltischen Lichtgott Mogo.
Besonders großen Wert legten die Römer auf den Ausbau der Strassen. Schon die Kelten hatten ein gut ausgebautes Strassennetz, das sie auch benötigten denn sie mussten ja ihre berühmten Streitwagen auf diesen Strassen und wegen bewegen können. Vielfach haben die Römer diese Strassen einfach nur weiter ausgebaut und zunächst für militärische Bedürfnisse angelegt. Doch kamen diese Strassen auch dem zivilen Verkehr zugute. Neben den großen staatlichen Fernstrassen, den „viae publicae“, gab es schon früh eine große Anzahl von Wegen zweiter Ordnung, die von Anfang an für den bürgerlichen Verkehr bestimmt waren, die „viae vicinales“. Auf all diesen Fernstrassen war der Post- und Personenverkehr durch Posthaltereien, „mutationes“, zu Pferdewechsel sehr gut organisiert, bei fast allen Stationen befand sich auch eine Schmiede und Wagnerei. Ein Verkehrknotenpunkt dieser Römerstrassen befand sich in Johanniskreuz. Eine weitere Strasse kam von Landstuhl her lief am „Großen Berg“ (gallo-römische Festung) vorbei bis nach Kaiserslautern zur Galgenschanze wo sie sich mit weiteren Strassen vereinigte. Im Bereich des Universitätsgeländes von Kaiserslautern, beim Dansenberg findet sich heute noch ein alter römischer Strassendamm. Diese alte Strasse kommt von Dansenberg her und läuft zur heutigen Bundesstrasse. Die Römerstrasse hat hier mehrere Einschnitte im Berg verursacht, sie führt hoch nach Johanniskreuz zum uralten „Strassenknotenpunkt“.
Doch nicht nur die ehemaligen Römerstrassen geben Zeugnis von der Romanisation in unserem Landkreis auch römische Denkmäler die oft eine sonderbare Vermischung mit keltischen Göttern eingingen (hier sei u.a. der „Bumberhannes“ erwähnt) zeigen einen Bereich des lokalen Lebens wo römische und keltische Kunst miteinander verschmolzen. Ein besonderes Beispiel hierüf sind die Jupitergigantensäulen, die außer im gallisch-germanischen Raum im Römischen Reich nicht bekannt waren. Dies sind bis zu 12m hohe Säulendenkmäler, deren Basis ein quaderförmiger Viergötterstein, auf dessen Seiten vier Götter als Relief abgebildet sind. An einigen war eine Weiheinschrift an Jupiter, die den Dedikanten (Stifter) des Monuments nennt. Daruf folgt ein Zwischensockel mit dem Wochengötterstein, der die Wochengötter zeigt. Obenauf war die Säule, die von der Skulpturengruppe eines einen Giganten niederreitenden Jupiters abgeschlossen wird. Diese Gigantenreiter waren dem höchsten Gott des römischen Pantheons geweiht aufgestellt waren sie meistens in der nähe römischer Siedlungen. Eine solche Säule wurde in Hohenecken gefunden und wurde damals ins Museum nach Saarbrücken verbracht. Weitere Säulenreste fanden sich in Katzweiler und Obernheim. Daneben finden sich noch eine Reihe weiterer Denkmäler und Weihereliefs die bei Heiligtümern aufgestellt und den dort verehrten Gotttheiten geweiht waren. Vor allem die weiter Verehrung keltischer Götter in römischer Zeit lassen sich an alten Heiligtümern wie dem Quellheiligtum „Gutenborn“ bei Kindsbach beobachten.
Dieses Heiligtum befindet sich in direkter Nähe der Bergfeste „Großer Berg“. In diesem Quellbereich fanden seit 1903 immer wieder einmal Ausgrabungen statt. Direkt bei der Quelle befinden sich Matronengruppen. Der „Gutenborn“ ist ein sehr bekanntes Quellheiligtum über das in der einschlägigen Heimatgeschichtsliteratur bereits eingehend berichtet wurde. Ebenso über die Bergfeste „Großer Berg“. Der Fruchtbarkeitskult der keltischen Bevölkerung spricht aus diesen zum Segen der Erde und des Ackerbaus aber auch der Reisenden errrichteten Heiligtums.
Die Matronen sind keltische Muttergottheiten, deren Kult vor allem in den ehemals keltischen Gebieten von Gallien, germanien und Britannien von der einheimischen Bevölkerung ausgeübt wurden. Sie sind meistens als sitzende weibliche Figuren dargestellt, die Symbole der Fruchtbarkeit so Schalen mit Obst zwischen den Händen auf ihrem Schoß halten.
In Landstuhl auf der Sickingenburg Nannstein befindet sich über dem Torbogen des Innenhofs ein Relief eingemauert, das den Gott Merkur darstellt. Der Stein wurde vor 1950 in der Nähe des Bärenlochs gefunden. Von dort stammt auch eine Weihung an die „Dis Cassibus“, die Götter des wechselhaften Geschicks. Auf dem Marktplatz von Landstuhl befinden sich die „Sickinger Würfel“ Reste eines alten Grabmonuments. Römische Brandgräber hat man mehrere im Landkreis Kaiserslautern gefunden.Westlich von Weilerbach wurde ein spätrömisches Grabfeld an der strasse nach Mackenbach archäologisch untersucht. Bei Bann wurden zwei Grabsteine gefunden. Einer befindet sich heute im historischen Museum in Speyer und trägt die inschrift: „D.M. Dem Cacirus (einem Sohn des Tegeddus) und der Billiccedina, seinen Eltern, hat der Sohn Magissa diesen Grabstein setzen lassen“. Einen interessanten Hinweis hat uns Karlwerner Kaiser überliefert: In einem Textbeitrag zum Großen Berg schreibt er: „Die Westpfälzische Moorniederung dürfte auch in der römischen Kaiserzeit noch eine natürliche Grenzfunktion zwischen den romanisierten Keltenstämmen der Trverer im Norden und der Mediomatriker im Süden gehabt haben, so dass die Feste Großer Berg in ihr keine direkte Bedeutung für die Lande nördlich vom Bruch besessen haben mochte. Der im Jahre 1896 an der Moordammühle zutage gekommene Torso eines toga – bekleideten Mannes des 1.o.2. Jh.n.Chr. Lässt an einen dortigen Moorübergang denken“.
Weitere römische Friedhöfe fanden sich in Spesbach, bei Weilerbach, Niederkirchen und Enkenbach, beim Daubornerhof und in Gerhardsbrunn. Ein lange andauerndes Gräberfeld bei Landstuhl vom 1. bis ins 4. Jahrhundert hängt gewiß mit der dort vorbei führenden römischen Fernstrasse zusammen. Man kann im Landkreis Kaiserslautern von einer recht dichten gallo-römischen Besiedelung ausgehen.
Aus den römischen Funden im Landkreis Kaiserslautern lässt sich grob umrissen die Siedlungsstruktur in gallo-römischer Zeit nachvolllziehen. Sowohl die Grabdenkmäler als auch viele der Weihedenkmäler stammen von römischen Landgütern her. Ein besonderer Fund ist das „Relief von Kindsbach“ darauf erkennt man einen Knaben der ein langärmeliges Gewand trägt und an den Füssen geschlossene Schuhe anhat, er ist barhäuptig, in der linken Hand birgt er eine Taube und von der rechten Hand hat er den ausgestreckten Zeigefinger auf den Kopf der Taube gelegt.
Ein großer Gutshof befand sich bei Steinwenden.
Die einheimische Bevölkerung im Gebiet des heutigen Landkreis Kaiserslautern war in diesem Grenzgebiet von Treverern und Mediomatriker wohl vorwiegend keltisch doch die Funde, vor allem die Münzfunde zeigen das die Bewohner sehr stark romanisiert waren.


©hukwa




Lit. Hinweise:

Theodor Mommsen: Weltreich der Römer.

L.Ranke: Geschichte des Altertums.

J.M. Watterich: Die Germanen des Rheins.

Heinz Friedel: Caesar, Kelten, Kaiserslautern.

H.Hirte: Römische Steindenkmäler der Pfalz.

G. Bauchhenns: Jupitergigantensäulen.

J.Engemann: Untersuchungen zur Sepulkralsymbolik der späten römischen Kaiserzeit.

F.Sprater: Die Pfalz unter den Römern.

Karlwerner Kaiser: Der Große Berg bei Kindsbach.