Donnerstag, 10. Januar 2013

Vorfrühling im Pfälzerwald


Hornung nannten ihn die Altvorderen, sein Herz ist die Narrenzeit. Die altdeutsche Wortform Hornung bedeutet „Bastard“ oder „Verschnitten“, denn der Februar wurde schon früh mit weniger Tagen als die anderen Monate angesetzt.
Wer dem wilden Treiben des Faschings entfliehen will der sollte in diesen Tagen die Wälder um Trippstadt aufsuchen.
In einsamen und idyllischen Waldtälern findet der Wanderer hier Stille und Kontemplation. Ist der Februar mild finden sich nun die ersten Vorfrühlingsblüher. Bereits Mitte Februar kann man die ersten gelben Blüten des Huflattichs entdecken aber auch den ebenfalls gelben Winterling sowie das Schneeglöckchen und den Märzenbecher.
Unter den Bäumen ist es die Hasel die in diesem Monat mit ihrer Blüte beginnt, ihr folgen Schwarzerle und Birke.
Der Februar ist wohl der Monat in dem wir den Lenz am sehnlichsten herbeiwünschen, er gehört noch zum Winter dennoch spürt man intensiv dass der Frühling schon recht nahe ist. Es ist uns dann manchmal zu mute als würden wir bereits mit einem Fuß im März stehen.
„Lenzing“ ist der alte Name des Monats März und er bedeutet nichts anderes als „länger werden“, denn die Tage werden nun eindeutig länger. Schon zu Lichtmess bemerken wir das die Tage zunehmen und ende Februar ist es schon zweieinhalbe Stunden länger Tag als zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. 
In den sternenklaren Februarnächten erscheint uns der Himmel wie ein kosmisches Gemälde. Mitten im Meridian flackert nun unruhig das Sternbild des Orions. Über ihm erstrahlt das Sternenpaar Kastor und Pollux. Die Götter haben sie zu glühenden, nie versinkenden Diamanten gemacht. Der Löwe mit dem königlichen Stern Regulus im Herzen, ist bereit, durch den Feuerreif der perlmutternen Milchstrasse zu springen.
In der Antike galt der Februar als Monat der Reinigung. Das lateinische Wort februare bedeutet nichts anderes als „steinigen“, „sühnen“. Bei den Römern war der Februar der Monat der Toten und der Monat, in dem man versuchte, die bösen Einflüsse loszuwerden die sich im Laufe eines Jahres angesammelt hatten. Hier finden sich auch die Wurzeln unseres Karnevals.
Denn Vorfrühling allerdings spüren wir nun vor allem in der freien Natur.
Überall wo sich dichtes Gebüsch vorfindet hört man jetzt den Zilp Zalp der ende Februar aus dem Süden zurückkehrt. Und Anfang März erscheint dann der Fitislaubsänger. Jene Vögel die noch im Süden verweilen, spüren jetzt auch, das der Frühling naht. Unruhig wird ihr Blick, sie prüfen ihr Gefieder, sammeln sich in Scharen, bereit zum Heimflug ins Herz des grünen Pfälzerwaldes.
Aber auch dem Mensch ergeht es nicht anders auch wir spüren denn Frühling in uns- denn der Lenz ist nicht nur ein Tage „Verlängerer“ sondern auch ein „Verjüngerer“. Er ist ein Magier der uns verzaubert, der uns mit seinen Düften, Tönen und zarten Lüften, in die freie Natur lockt.
Tiefer in den Wäldern beginnt nun die Blüte des immer seltener werdenden Seidelbast. Jetzt ist es an der Zeit eines der romantischen Waldtäler der Trippstadter Landschaft aufzusuchen. Wer an solchen Frühlingstagen im Pfälzerwald wandert wird nicht enttäuscht werden, er wird finden was er sucht und entzückt sein über das erste Grün dass ihm nun überall entgegen sprießt und das aus der Landschaft ein Märchen macht. Eine Landschaft die wie ein Zauber auf den Wanderer einwirkt.
Überall im Wald lässt sich nun Bewegung und Wachstum erkennen. Das plötzliche summen einer zu früh erwachten Wildbiene erfreut uns ebenso wie der ganz unverhofft aufsteigende Reiher, denn wir immer wieder an einem der zahlreichen Waldweiher die sich in der Umgebung von Trippstadt finden beobachten können.
Der Frühling ist die Zeit der Erwartungen. Selbst die jungen Birken am Wegrand scheinen die zu spüren. Wie Baumkinder erscheinen sie in ihrem ersten zarten Grün. Hinter ihnen liegt ein kalter, harter Winter, doch jetzt im März sind sie ganz Erwartung. Sie warten auf die milden Regenfälle des späten Märzmonats, auf die junge Sonne, auf die erste Strophe mit der die Amsel das Erwachen des Frühlings ankündigt. Mit ihrem Lied erwachen auch die kleinen Birken, gähnt das Eichhörnchen in seiner Kobel, regt sich der Dachs in seinem Bau, die jungen Birken treiben aus. Neues Leben erwacht in der ganzen Natur.
Wer jetzt durch die Vorfrühlingshafte Natur wandert wird alsbald von jener kleinen Freude ergriffen werden, die wir durch einen Aufenthalt im Wald so wunderbar erfahren. Ein Losgelöst sein von den Problemen des Alltags und mancher wird vielleicht das Gefühl in sich spüren ein Teil zu sein von dieser herrlichen Natur. In ihren Tiefen Gründen, wo wir dem rauschen alter Bäume lauschen, wo uns das Plätschern des Wildbachs wie ein Lied von Mutter Natur erscheint. Hier zu verweilen, umgeben von einem grünen Kranz von Wäldern wird uns zu einem Augenblick tiefer Zufriedenheit. In dem wir die Natur in uns einlassen, diesem „einzigen, vollkommenen wirklichen Gedicht“, wie es der amerikanische Philosoph Emerson einmal nannte, erkennen wir mit einem mal, das auch wir Teil dieser Schöpfung sind. Jetzt im Frühling bietet uns die Natur ihre ganzen Wunder an und wir müssen nur die Augen richtig öffnen um daran teilzuhaben und um in ihrem Schöpfungsalphabet lesen zu können. 
hukwa

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