Samstag, 25. Februar 2012

Wald - Wir alle lieben dich - Das Karlstal

Wir alle lieben dich

Das Karlstal - ein Ort der Besinnung

Manchmal erscheint es dem Wanderer als ob die „Zeit“ ein leerer Begriff sei in diesem Tal, sie rinnt so leise plätschernd dahin wie die Moosalb in seiner Mitte.

Wenn im September die Landschaft von der Magie des „Altweibersommers“ verzaubert wird, wo an jedem Busch und Baum hunderte von Spinnweben in der goldenen Morgensonne blinken, wo die alten Weiden und Erlen wie Wesen aus dem Feenreich am Bachlauf der Moosalb erscheinen, liegt ein besonders romantischer Zauber über dem Karlstal.

In einer solch naturhaften Landschaft wie dem Karlstal, spürt der Wanderer das Herz von Mutter Natur pochen. Die größte Freude, die der Wald uns bereitet, ist die Andeutung einer dunklen Beziehung zwischen Mensch und Pflanzenwelt.

„Ich bin nicht alleine und unerkannt“, schrieb der amerikanische Philosoph Emerson einmal, „die Pflanzen nicken mir zu, das Schwanken der Zweige im Wind ist mir vertraut und unvertraut zugleich“.

Hier im Karlstal kann es einem erscheinen, als schenke der Wald uns ein uraltes Gleichgewicht, das wir seit langem vermissen, wieder zurück. Eine Essenz die wir lange Zeit entbehrt haben.

Am Himmel schwebt einsam der Bussard, vom Waldhang tönt der Ruf des Schwarzspechts herunter ins Tal und bei den Flockenblumen steht das Taubenschwänzchen wie ein Kolibri flatternd vor den dunkelroten Blüten der Pflanze.

Die eigentliche Heimat dieses schönen Fliegers liegt in Südeuropa. Alljährlich fliegt das Taubenschwänzchen von dort über die Alpen nach Mitteleuropa, und auch im Karlstal können wir ihn dann beobachten. Dieser besondere Schmetterling aus der Familie der Schwärmer ist regelmäßig Sommergast im Tal. Im Schwirrflug steht er vor den Pflanzen um den begehrten Nektar zu naschen. Durch seinen besonders langen Rüssel erreicht er Blüten, die für andere Insekten unerreichbar sind.

Eine recht hohe biologische Vielfalt kann der Wanderer in dieser Landschaft noch vorfinden, vielleicht wird dem einen oder anderen dieses Wort hier erst richtig bewusst.

Unter biologischer Vielfalt ist die Vielfalt an Lebensräumen und die Vielfalt der Lebewesen einer Art untereinander zu verstehen. Biologische Vielfalt ist damit mehr als die reine Artenvielfalt. Es beinhaltet Landschaft und den Menschen der in dieser Landschaft lebt.

Buntsandstein und dichte Wälder umgeben das Tal, durchbrochen von sumpfigen Wiesen, in denen einige bedrohte Pflanzenarten ein letztes Refugium gefunden haben.

Das Karlstal liegt im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Dieser Begriff hat aber eine weitergehende Bedeutung, weil er eben nicht nur die biologischen Phänomene anspricht. Innerhalb eines Biosphärenreservates geht es vor allem um die nachhaltige Entwicklung der jeweiligen Region, also um das Arbeiten, Wirtschaften und das gesellschaftliche Zusammenleben des Menschen mit der ihn umgebenden Natur.

Auch den Graureiher kann man hier oft regungslos stehen sehen, die einstmals scheuen Gesellen sind ständige Bewohner des Tals. Sie mögen Fisch, aber vertilgen vor allem Mäuse, die sie in den Wiesen fangen.

Vor allem für die Familie der Libellen ist das Karlstal ein wichtiger Lebensraum, sodass sich hier einige Libellenarten von europäischer Bedeutung angesiedelt haben.

Die Natur, der Wald schenkt dem, der ihn aufsucht Ruhe, Harmonie und Gesundheit und wir, die wir die Natur aufsuchen, sollten sie respektieren und schützen, sollten den Wald lieben.

hukwa

Mittwoch, 22. Februar 2012

Typische Trippstadter Trockenmauern





Trockenmauern in Trippstadt und Umgebung und ihre Bewohner

Trippstadt ist reich an alten Trockenmauern. Sie sind fester Bestandteil unserer heimischen Landschaft und Zeugen vergangener Handwerkskunst. Zudem bilden diese Mauern ökologisch wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.

Im Gegensatz zum herkömmlichen Mauerwerk werden Trockenmauern ohne Mörtel, also trocken, aufgeschichtet. In ihrer typischen Form bestehen sie aus rohen oder nur wenig bearbeiteten Bruchsteinen.

Der Wanderer braucht in Trippstadt nicht weit zu laufen will er solch alte Handwerkskunst bewundern. Fast überall begegnen ihm die ökologisch wertvollen Steingebilde, als Zeuge unserer Geschichte. Zudem bieten diese Trockenmauern vielen „Lebenskünstlern“ eine letzte Zuflucht, sind somit letztes Refugium bedrohter Pflanzen und Tierarten.

Vor allem an vielen schattigen und feuchten Hängen finden wir Trockenmauern vor, die einst als Stütze angelegt wurden. Ihre Fugen sind beliebter Aufenthaltsort einer Fülle von kleineren Tieren wie Käfer, Bienen, Hummeln und Wespen. Im Sommer finden wir hier vor allem sehr unterschiedliche Moose, das Schöllkraut (Chelidonium majus), Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) und vor allem den Efeu (Hedera helix). Aber auch seltene Gewächse wie der Trauben – Steinbrech (Saxifraga paniculata) können dem Pflanzenkundigen Wanderer begegnen. Der sehr seltene Lanzen – Schildfarn (Polystichum lonchitis) findet sich noch an zwei Stellen.

An den trockenen Mauern finden wir vor allem den Mauerpfeffer (Sedum acre) und das

Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) und eine große Anzahl unterschiedlicher Gräser. Gehölze wie Birke und Holunder siedeln sich immer wieder in den Nischen und Fugen an. Farne sind zahlreich vertreten.Das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) blüht schon ende März.

Laubmoose (Musci) und Lebermoose (Hepaticae) sind ebenfalls reichlich vorhanden.

Verschiedene räuberische Laufkäfer bekommen wir seltener zu sehen da sie sehr Nachtaktiv sind. Doch den einfarbig schwarzen Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus) sowie einen unserer schönsten heimischen Laufkäfer, den grün – metallisch glänzenden Puppenräuber (Calosoma sycophanta) können wir im Sommer an sonnigen Trockenmauerstellen recht oft beobachten.

An Hummeln finden wir die Steinhummel (Bombus lapidarius) und die gelbrot gefärbte Mooshummel (Bombus muscorum), die wie ihr Name besagt, Moose liebt und dort ihr Nest baut. Tagsüber verstecken sich gerne Kreuzkröten (Bufo calmita) und Erdkröten (Bufo bufo) in den Steinfugen. Die Waldeidechse (Lacerta vivipara), die gegen Kälte ziemlich unempfindlich ist, wurde schon an feuchteren Trockenmauerstellen gesichtet. Sie ist übrigens unsere einzige heimische Echsenart, die ihre Jungen lebend zur Welt bringt. Unsere größte und wohl schönste Eidechse die Smaragdeidechse (Lacerta viridis), fällt durch ihren leuchtend grün gefärbten, dunkel gefleckten Rücken auf. Dem Naturbewussten Beobachter wird sie, wenn er Glück hat, vor allem im Karlstal, an sonnigen Tagen, vielleicht über eine der dortigen wunderbaren Trockenmauern laufen. Da sich hier vor diesen oftmals Altholz aufstapelt kann es schon einmal passieren, das zwischen einer Mauerritze ein Feuersalamander hervorschaut.

Die hier erwähnten Pflanzen und Tiere sind nur ein kleiner Teil von vielen Bewohnern unserer heimischen Trockenmauern ,deren Bestand als absolut schützenswert gilt.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Geheimnisvoller Berwartstein - Märchen, Sagen, Legenden um den Berwartstein

In den dunklen Wäldern des Pfälzerwaldes gibt es viele Burgen um die sich Sagen und Legenden gebildet haben. Von vielen dieser uralten Burgen stehen heute nur noch die Grundmauern, andere stehen als Ruinen trutzig auf den Bergkuppen der pfälzischen Landschaft, tief in sich selbst versunken scheinen sie ihre Geheimnisse nicht preisgeben zu wollen, ganz wenige davon haben sogar die Zeiten überdauert und wurden nie ganz zerstört.

Auch der Berwartstein bei Erlenbach hütet viele solcher alten Geheimnisse. Einige davon haben sich im Volksmund erhalten und wurden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben.

Einst lag die Burg in Trümmern und ihre Mauerreste waren von Efeu, Farn und Brombeerhecken so überwuchert, dass es müßig war sich einen Weg in ihren Innenhof zu bahnen. Zu diesen Zeiten suchte eine alte Frau dort nach Brombeeren. Sie war sehr verwundert darüber als sie im Gestrüpp Rossäpfel fand. Sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass sich durch solch ein dorniges Dickicht ein Pferd einen Weg bahnen konnte. Doch über das Sammeln der dicken, fruchtigen Beeren vergaß sie schnell die Rossäpfel. Als sie am späten Nachmittag mit einem Korb voller mostiger Beeren nach Hause kam und mit der Zubereitung der Marmelade begann, fielen ihr die Pferdeäpfel im Dickicht wieder ein. Sie erzählte dies verwundert ihrem Mann. Als dieser ihre Geschichte gehört hatte, beschimpfte er seine Frau aufs Übelste. Denn, so meinte er, diese Rossäpfel seien nur scheinbar Dung, sie würden vom Pferd des wilden Jägers stammen und nimmt man sie mit, verwandelten sie sich zu Hause in Goldklumpen.

Eine weitere Legende um den Berwartstein berichtet von einem Jungen der am Abhang der Burg Ziegen hütete. Als er in der Umgebung der Burg umher streunerte fand er eine seltsame gelbe Kugel, mit der er den ganzen Nachmittag über spielte. Am Abend rollte ihm die Kugel einfach davon und verschwand in einer Erdspalte. Als er das Geschehen in seinem Heimatdorf erzählte, sagte man ihm, dies sei die Goldkugel vom Berwartstein gewesen, nach der schon viele gesucht hätten, doch keiner hatte sie bisher finden können.

Die Kinder vom Dorfe Erlenbach zogen gerne hinauf zur alten Burg um dort Versteck zu spielen. Ein kleines Mädchen wusste um einen geheimnisvollen Eingang, welcher in die unterirdischen Gänge des Berwartsteins führte. Schon öfters hatte sie diese dunklen Gewölbe aufgesucht, aber als das Mädchen diesmal durch den engen Spalt, der tief in das innere der Erde führte, schlüpfte, war alles anders als sonst. Ihre Umgebung war in ein seltsames Licht getaucht und in einer Nische im Mauerwerk fand sie eine seltsame Flasche deren Inhalt grünlich leuchtete. Das besondere aber war, dass sich um diese Flasche eine Schlange wand, die das Mädchen giftig anzischte. Schreiend verließ das Kind den unterirdischen Gang. Als sie wieder die Oberwelt erreicht hatte kamen gerade ein paar Waldarbeiter, die auf dem Weg zu ihrem Holzschlag waren, vorbei. Das Mädchen berichtete diesen von seinem Erlebnis. Die Holzknechte suchten den Gang auf konnten aber nichts entdecken, denn geheimnisvolle Schätze, Schlangenköniginnen oder gar Elfen offenbaren sich nur unschuldigen Kindern.

hukwa

Mittwoch, 15. Februar 2012

Märchen und Sagen vom Beilstein

Zwischen Kaiserslautern und Hochspeyer, versteckt im Wald steht auf dem Beilsteiner Kopf die uralte Ruine der Burg Beilstein. Märchen und Sagen ranken sich um das geheimnisvolle Gemäuer im Pfälzerwald. Still und Dunkel war einst der Wald um den Beilstein und nur ganz mutige wagten zu später Stunde noch, den Weg von Kaiserslautern nach Hochspeyer zu laufen, der nahe der Burg verläuft. Die hohen Bäume die die Burgruine umgaben ließen mit ihren ineinander verfilzten Zweigen kein Sonnenlicht durch so das immer eisiger und finsterer Schatten hier vorherrschten. Die Mönche und Geistlichen aus Kaiserslautern sagten über diesen Wald Aures sunt nemoris, was bedeutet, die Wälder haben Ohren. Auch die Köhler und Holzfäller mieden diesen Ort, da es dort nicht mit rechten Dingen zu gehen sollte.

Einst, im tiefen eisernen Mittelalter, trug sich folgende Geschichte zu: Ein Junker der bei Kaiserslautern lebte, hörte von einem wunderschönen Fräulein das auf der Beilstein wohnen sollte und alle Freier abweisen würde die um seine Hand anhielten. Der Junker schmiedete nun einen Plan wie er das Fräulein entführen wollte. In einer Vollmondnacht näherte er sich mit zwei Knechten der Burg. Sie schafften es in den Burgsaal einzudringen doch dort überkam sie ein tiefer Schrecken. An einem großen Tisch saß das Burgfräulein, doch links und rechts neben ihm saß je ein unheimlich aussehender Geist. Die Knechte ergriffen vor Furcht die Flucht und der Junker fiel vor Schrecken kurze Zeit in eine tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, waren die Geister verschwunden, nur das Fräulein saß noch am Tisch. Der Mut kehrte zu ihm zurück und er nahm die junge Frau als seine Gefangene mit auf seine Burg in der Nähe von Lautern. Doch die Jungfrau konnte ihm alsbald wieder entfliehen und kehrte zurück zur Beilstein. Erneut drang der Junker in die Burg ein um sich die Jungfrau ein zweites mal zu entführen. Wieder fand er sie im Burgsaal mit den beiden Geistern vor. Als er sich ihr näherte flogen die beiden Geistwesen auf ihn zu und berührten ihn sachte, genau in diesem Moment fiel der Junker tot zu Boden. Von nun an traute sich niemand mehr die Jungfrau zu entführen.

In einer lauen Frühlingsnacht saßen in Lautern im Wirtshaus zum fliegenden Pferd einige Handwerksburschen beisammen. Die Walzbrüder hatten sich hier getroffen und ihre Gemüter waren vom Wein und Bier schon recht erhitzt. Ein Schuhmachermeister aus der Stadt der bei ihnen saß, erzählte den Burschen von den geistern die auf der Beilstein hausten. Je mehr Bier und Wein floss desto mutiger wurden die Handwerksgesellen, einer wettete das er mit einer Fackel dreimal um die Burg laufen würde ohne das ihm etwas Geschehen würde. Die Wette ward geschlossen und man machte sich noch in der selben Nacht auf zur Beilstein. Zweimal ging er um die Burg herum, doch beim dritten Mal, flogen zwei geisterhafte Wesen auf ihn zu und berührten ihn leicht, der Handwerksbursche fiel wie vom Blitz getroffen tot zu Boden.

Unter der Burg Beilstein soll es tiefe unterirdische Gänge geben. Eine alte Frau aus Lautern sammelte regelmäßig Holz bei dem alten Gemäuer. Eines Tages, sie hatte ihr Holzbündel schon geschnürt stand plötzlich ein Zwerg vor ihr. Es war das Hellbeermännchen vom Heiligenberg, eines Berges in der Nähe vom Beilstein. Der Zwerg deutete auf das damals schon verfallene Schloss und sagte":Sie hin zum Schloss"! Als sie hinschaute erkannte das sich dort ein Stein gelöst hatte der einen tiefen Gang freigab. Der Zwerg sagte nur: Geh!" Die Alte nahm ihr Bündel und verschwand in dem dunklen Tunnel. Als sie wieder an das Tageslicht gelangte befand sie sich auf dem Kaiserberg.

Dem Ritter vom Beilstein war der geheimnisvolle Gang der von der Beilstein zum Kaiserberg führte wohl bekannt. Auch wusste er von Abzweigungen in dem unterirdischen Labyrinth, die tief hinunter unter den Kaiserberg führten wo sich der sagenhafte Saal des Kaiser Barbarossas befand. Hier schlief der Alte bis zu seiner Wiederkunft einen tiefen Schlaf vor einem steinernen Tisch. Alle hundert Jahre wurde er kurz wach und fragte ob die Raben noch zwischen dem Berg und der Barbarossaburg fliegen würden. Sagte ihm sein Diener das die Raben immer noch umherfliegen, schlief er gleich wieder für weitere hundert Jahre ein. Der Ritter vom Beilstein der auch von dieser legende gehört hatte wollte sich selbst davon überzeugen und stieg den dunklen Gang unter seiner Burg hinunter. Er lief so lange durch den Gang bis er im Saal des alten Rotbart angekommen war. Dieser saß schlafend an dem großen steinernen Tisch. Auf diesem lagen die Reichsinsignien, das Schwert, der Reichsapfel, das Kreuz und die Krone. An der feuchten Buntsandstein Wand hing ein großer Schild darauf war ein blutrotes Herz das von einem weißen Pfeil durchbohrt war aufgemalt. Der Kaiser öffnete die Augen und sah den Beilsteiner an. Dann fragte er ihn":Fliegen die Raben noch?" Dieser bejahte die Frage und der alte schloss die Augen um für weitere hundert Jahre in Schlaf zu versinken.

hukwa

Samstag, 11. Februar 2012

Das Antlitz der Natur

Mein ganzes Leben lang habe ich mich der Natur verbunden gefühlt, dieses Gefühl zu ihr war tatsächlich so etwas wie ein Muttergefühl. Ihre Gegenwart war für mich wirklich, lange bevor ich etwas über ihre biologischen Gesetze wusste. Damals handelte es sich um die unvoreingenommene und dennoch klar umrissene Wahrnehmung des Wesens der Natur, gesehen mit den Augen eines Kindes, dessen Herz für die kleinen Wunder am Waldesrand schlug. Wenn ich Heute zurückblicke, fällt mir auf, dass ich seit meiner frühesten Kindheit – etwas – in den verborgenen Formen der Natur, ebenso wie in ihren sichtbaren Aspekten gesehen habe. Es war ein Spüren, ein Ahnen auf ein Werdendes. Das Wissen um eine Metamorphose ohne das ich dieses Wort damals gekannt hätte. Wie sollte ich auch? Die schönen und verschwenderischen Vielzahl ihrer Gestaltungen, bildete die Quelle für einen wirklichen Sinngehalt meines Lebens, und ich habe stets eine enge Verwandtheit mit den Abkömmlingen der Natur verspürt – mit Tieren, Felsen, Pflanzen, Wiesen, Quellen mit allem was uns die große Erdmutter schenkt. Ich verlor mich schon früh im Beschauen der Wolken und Sternen, im Ahnen unendlicher Galaxien im nie endenden Universum. Kein Freund, kein Guru, kein Lehrer hat mich dies gelehrt, vielleicht ein Paar Bücher haben mir dabei geholfen, aber letztendlich war es einfach eine "Gewissheit" die mich mit diesen "Dingen" verband, eine Gewissheit die mir sagte, dieser wunderbare Kiesel und der mächtige Baum dort drüben und du selbst sind letztendlich Eins. Dieses großartige Gefühl Mietglied der großen Schöpfung zu sein, das uns allen in der Kindheit latent zu eigen ist, aber bei fast allen verloren geht, wenn wir erwachsen werden, ist mir erhalten geblieben. Eines der schönsten Erlebnisse meiner Kinderzeit, das ich bereits in zwei Büchern nebenbei geschildert habe, möchte ich hier wiedergeben: "Als Knabe hatte ich einmal ein seltsames Erlebnis mit einem Fliegenpilz.

Ich saß unter einer großen mächtigen Fichte in einem wunderschönen bemoosten Tal. Es war Frühherbst, der moosige Boden atmete im Tau des frühen Morgen und Tausende goldener und silberner Spinnweben verzauberten den Morgenwald. Ich schwänzte mal wieder wie gewöhnlich die Schule und fühlte mich sehr behaglich bei dem Gedanken an meine pflichtbewussten Mitschüler, die nun in der Schule saßen, eingeengt wie in einer Sardinen Dose. Direkt vor mir wuchs ein wunderschöner Fliegenpilz, er gefiel mir so gut das ich ihn wohl sehr lange anstarrte. Mit einem mal regten sich in mir Gedanken wie ich sie nie zuvor Denken konnte. Ich wollte so sein wie dieser wunderschöne Pilz, der hier lebte in seiner einzigartigen Gestaltung. Warum konnte ich nicht ein Leben lang an diesem einzigartigen Platz verweilen, den Liedern der Vögel lauschen, die Rehe und Hasen friedlich beobachten, dem gleitenden Flug des Bussard und Reihers erschauen, warum musste ich zurück in diese profane Welt, eine Welt die vorwiegend bevölkert ist mit Menschen denen jeglicher Bezug zur Natur fehlt? Vielleicht bin ich auf der verkehrten Ecke dieser Welt geboren worden? Jener Tag in meinem stillen Waldtal meiner damaligen Heimat hat mich bis aufs tiefste geprägt. Ich glaube heute rückblickend sagen zu können damals ging eine Neue Welt für mich auf doch eine andere unter. Dieses in der großen Gemeinschaft mit Baum, Stein, Tier und all den anderen Wesen die hier leben, in einem ganzheitlichen Sinn zusammen zu sein, hat mich bis heute nie wieder losgelassen. Damals hat sich mir das Antlitz der Natur enthüllt, nie wieder hinter her habe ich mich der alten Mutter so nahe gefühlt und ich bin überzeugt eine solche Begegnung hat man nur einmal im Leben, aber man kann ein Leben lang davon zehren.
hukwa

Mittwoch, 8. Februar 2012

Trippstadter Gedichte

1.Waldpfad bei der Burgruine Wilenstein

Es scheint als schweigt der Wald im tiefen Traum

Waldeinsamkeit umhüllt die alte Burg

Im Dickicht am Berghang raschelst

Als gehe ein weißes Fräulein durchs Gebüsch

Als hielten zur Mittagsstunde die Götter hier Gericht.

Ein düsterer Pfad führt hoch zu den verfallenen Mauern

Durch grünes Bollwerk führt der alte Weg

Dann endlich bei der Burg angekommen

Spürt man in sich ein Gefühl

Als sei man einem Schatten entronnen.


2. Auf einer Friedhofsbank sitzend

Wer hier sitzt hat das Gefühl als seinen Hundert Jahre zurückgegangen

Doch niemand hat das hier vernommen

Das Rad der Zeit steht so still

Die Friedhofslinden flüstern im Wind

Eine alte Waldbank lädt ein zur Ruh

Als sprichst sie dem Wanderer zu

Setz dich hin und sei mein Gast

Die hinter dir liegen saßen auch hier

Und wem es erscheint er sei vom Leben vergessen

Dem raunt hier eine Stimme zu

Sei du vom Leben nicht so besessen

Hier in der Stille ahnest du

Es gibt ein Siech-vergessen

Kehr ein mit deinen Gedanken

Hier fallen alle Schranken

Hör wie die Friedhofslinden im lauen Winde flüstern

Mit einem mal ist dir als würden

Tote in dem grünen Blattwerk wispern

Deutlich spürest du

Ein jedes leben schreitet einmal seinem Ende zu

Die da unten liegen

Wissen darüber mehr als du.


3. Spätsommerabend an der Moosalb

Blau wölbt sich der Himmel

Über die Waldhänge hin

Distelsame fliegt über der Wiese

Im lauen Spätsommerwind dahin.

Kreisender Bussard am Himmel

Pfeilschnell der Schwalbe Flug

Falter im Blütentaumel

Schlafende Hornissenbrut.

Umrahmt von Buchen und Fichten

Fließt kristallen die Moosalb durchs Tal

Rot blinken die Ebereschen

Im Abendsonnenschein.

Bald geht die Sonne unter

Hinter dem Waldesrand

Dann walten die Nebel im Tal

In versilberten Strahlenglanz.

Vom wasser her tönt nun leise

Flötend der Amsel Sang

Bald blinkt am Himmel wieder

Diamantener Sternenbrand.


4. Am Kaltenborn

Durch bunte Herbstlaubfülle

Lief ich tief in mich versunken

In die Waldesstille

In den Zauber tief hinein

Da

An einem dunklen Teiche

Wo das Schilf stand schon in Bleiche

Klang aus grünlich-braunem Dickicht

Eine Syrinx auf

Sehr leise

Sanfte Töne

Schwingend aufgegangen

Wer blies wohl hauchend in die Röhre

Das sich Gras und Schilf so sanft bog

Hier im Röhricht und im Busche

Sah ich sanft ihn umherhuschen

Sah das kurze Hörnerpaar

Hör ihn mit den Hufen scharren

Sehe ihn in die Tiefe des Teiches starren

Langsam ging die zeit vorüber

Wind weht auf und Äste knarren

Wie ein Spuk war er gekommen

Wie ein Geist ist er gegangen

Und entzaubert war die Zeit.


5. Gefällte Bäume

Der Himmel spannt sein blaues Zelt

Durch den Fichtenwald

Zieht der Harzgeruch

Frisch gefällter Bäume

Rindenlos

Liegen sie da

Jeder Jahresring erzählt seine eigene Geschichte

Von Schneebruch

Stürmen

Sommerhitze

Vogelhochzeit

Gerade gewachsene Stämme

Krumme Jahresringe

Linien die das Leben schrieb

Ich setze mich zu ihnen

Schweige mit ihnen

Die sich aus dem vollen Leben verabschieden.



6. Am Felsenbrunnen

O singendes Gestein

Im Duft von sommerlichen Wäldern

Und wieder will ich dir lauschen

Einen Sommer lang

Ruhig ins Moos gestreckt

Reinen Herzens und allein

Genährt vom Rieseln und Rauschen

Den fernen Urhaften Lauten

Bildnis des inneren Geschauten

Hier unter schirmend schweren Zweigen

Kann ich bar jeder fremden Maske mich bewegen

Reißt du mich auch in meine letzte Tiefe

Ich will noch weilen

Will in mich gehen

Die Erlenbüsche

Silbern grau

Verweben sich wie im Traum

In das uralte Lied das klingt

Aus dem singenden Gestein.


7. Alter Schuppen in der Heidenkopfstrasse

Stürme rissen Ziegeln aus dem Dach

Regen lockerte das alte Mauerwerk

Die alte Tür stöhnt leise

Erzählt von alten Zeiten

Auf ihre Weise

Der alte Apfelbaum ist gebrochen

Daneben der Kirschbaum

Seine Früchte reifen nur noch für die Vögel

Der alte Schuppen mahnt Vergänglichkeit an

Die Menschen gehen vorbei

Sie sehen ihn nicht einmal.


8. An der Plättschen Mauer

Jahrhunderte schon lebt diese Mauer

Gefügt aus Buntsandstein

Schöllkraut Armer Heinrich und Ampfer

Glockenblume und Holunderstrauch

Fühlen sich hier zu Haus und

Entsprießen den lebendigen Fugen

Wo auch die schwarze Wollbiene haust

Hier und da ein gebrochener Stein

Wie Narben und Alterswunden

Und immer feucht

Als weine sie leis



9. Schauende Seele - Am Fischzuchtweiher

Wenn die klaren Bäche murmeln

Tritt das Schöpferwort zu Tage

Aus der Dunkelheit wird Helle

Nacht wird zur Geborgenheit

Fern dem Horizont der Tage

Summt die alte Bach ihr Lied

Wacht die Welt aus ihrem Schlafe

Klingt der Tag uns wie ein Lied

Singt die Amsel Sinfonien

Bäume rauschen Götterwort

Und im schweigenden zuneigen

Fliegt die Seele mit dem Winde fort,


10. Pan im Park

Was wohnt in dir noch außer Busch und Bäumen

Was zeigt des Vogels Flug wenn ich hier Träume

Uralt der Efeu der die Eichen hinauf wuchert

Alte Mauer Steinbrech und Nessel

Haben dich wie ein Bild gerahmt

So wie ein Buch mit stark vergilbten Blättern

Stehen die alten Bäume

Vor Zeiten von den Göttern entsandt

Der dich aus Wildnis hat beschworen

Dessen bannender Spruch ist lang schon verstummt

Was hier zerfällt zu namensloser Erde

War einst ein Prunk auf Glanz gebaut

Doch nun ist alles wild und schwer

Über Rosen Tulpen Nelken

Hat gesiegt

Das wilde Heer von Efeu und Nessel

Doch manchmal in den Mittagsstunden

Wenn Stille überm Parke liegt

Erscheint ein Schatten und ein huschen

Hab ich geträumt oder war

Pan gerade hier.


11. Dämmerspaziergang zur Burg Wilenstein

Weg bewachsen mit Schlehen und Birken

Holler Nessel Farngeruch

Im Tal erscheinen bald die Herbstzeitlosen

Versteckt durch einen hohen Hang

Im dichten Fichtengezelt

Steht im feuchten Tau

Die alte Waldbank

Von tiefen Schweigen umgeben

Wie dunkelnder Kristall

Von Schneckenspuren glitzernd überwoben

Uralter Sandstein am Bergeshang

Nackte Buchen

Wie glatte fleischige Leiber

Weiden verbogen wie Hexenkörper

Silbernes Geäst im grünen Getümmel des Laubwerks

Sanftbeflaumt wie ein Vogelnest

Das Weideröschen

Am Wegesrand

Fledermaus Flug kündet

Bald kehrt die Nacht

Es ist als ob die Erde hier trunken macht

Tausend Dämmerungsgänge

Keiner war vergebens

Schallt es mir aus dem Wald entgegen.



11. Versteckte Stufen

Bemooster uralter Stein

Stufe zum Sein

Wild wuchert der Efeu

Im Fichten Dom

Aus dem Dickicht Geruch

Von Fäulnis und Vergangenem

Zilp Zalp fliegt

Salamander kriecht

Abseits von Konsum und Oberflächlichkeiten

Letzte Idylle

Nur von wenigen erspürt.


hukwa

Dienstag, 7. Februar 2012

Trippstadt – Erzhütten eine geschichtliche Verbindung

Die Entstehung eines Ortes, einer Siedlung und seine Geschichte sind aufs engste Verbunden mit der Landschaft in welcher die jeweilige Siedlung liegt. Sie sind aber auch verbunden mit jenen Persönlichkeiten und Menschen die durch ihre Tatkraft, sei dies in einem negativen oder positiven Sinne, den jeweiligen Ort prägten.

Die älteste Stadtrandsiedlung von Kaiserslautern, Erzhütten-Wiesentalerhof, steht in engem Zusammenhang mit der Trippstadter Adelsfamilie von Hacke und der Familie von Gienanth. Als man zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Reichswald bei Kaiserslautern braunes Gestein fand, das zwischen dem Buntsandstein in Schieferschichten vorkam, suchte der damalige Lauterer Oberförster Weller den Geheimrat Freiherr Ludwig Anton von Hacke in dessen Hüttenwerk in Trippstadt- Karlstal auf, um die mitgebrachten Gesteinsproben untersuchen zu lassen. Es stellte sich heraus, dass es sich um Erze handelte. Dem Ersuchen von Hacke vor Ort im Reichswald Probebohrungen vornehmen zu dürfen, wurde nach Festlegung einschlägiger Kriterien durch die kurpfälzische Hofkammer stattgegeben. Die Grabungen wurden nach zehn Jahren mit Erfolg abgeschlossen, so dass mit dem Erzabbau, mit Genehmigung des Bergamtes Kaiserslautern im Mai 1725 unter Leitung des Obersteigers Johann Jacob Diehl, begonnen werden konnte. In Erinnerung ist bis heute der legendäre Wahlspruch von Diehl, den dieser im Beisein des Freiherrn von Hacke am späteren Steigerhügel auf Erzhütten – Wiesenthalehrhof aussprach: „Die Wege zu den Schätzen dieser Erde sind nicht eben. Unsere Aufgabe ist es aus den Stollen sie zu heben“

Im Jahre 1726 erlaubte von Hacke dem Obersteiger eine Kate in Lehmbauweise auf dem Gebiet des späteren Wiesenthalerhofes zu errichten. Es war die Geburtsstunde der Bergarbeiterenklave „Im Reichswald“.

Am 5. Januar 1771 schloss der Sohn des Bergwerksgründers, Freiherr Theodor von Hacke mit Johann Jacob von Gienanth aus Hochstein einen Pachtvertrag über das Trippstadter Eisenwerk ab, zu dem auch das Erzbergwerk im Reichswald gehörte. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von zunächst 12 Jahren. Darin wurde Gienanth das Recht eingeräumt, Arbeiter nach seinem Gutdünken einzustellen oder zu entlassen und Streitigkeiten unter den Arbeitern zu schlichten. Den Arbeitern wurden an Rechten zugestanden: Fronfreiheit, Freiheit von Kriegslasten, freier Zu- und Wegzug, Nutzung von Gärten und dergleichen mehr. Für den Bergwerksbereich wurde den Bergleuten gestattet, sich in der Nähe der Gruben anzusiedeln.

Im Jahre 1775 wird in einem Bericht gesagt: „Auf Erzhütten, unter der Direktion des Herrn Bergrath Gynanth darselbst, wird Eisenerz gegraben“. Als Bewohnerzahl sind genannt: 12 Männer, 12 Frauen und 22 Kinder.

Der Nassau – Ussingische Kammerrat Christin Friedrich Habel berichtete 1777 in seinem Tagebuch über die Erzgrube im Reichswald wie folgt: „Wenn man zur linken Seite nach Schelbach (einer der damaligen Namen der Siedlung) kommt, so findet man in dem Wald unter dem Sandstein Flötz (…), das 12 Schuh mächtig ist… schiefriges Eisenerz. Es wird auf den Gienanthschen Werken verschmolzen“.

Im Jahre 1777 verstarb Bergrat Gienanth. Dessen Witwe und sein Sohn Gideon vereinbarten 1780 einen auf 30 Jahre vorgesehenen Temporalbestand mit von Hacke. 1804 schließlich erwarb Ludwig von Gienanth als „wohlfeiler Kauf“ das Trippstadter Werk. Für das Bergwerk im Reichswald hatte er 20 Gulden zu zahlen. Allerdings hatte er nur das Schürfrecht nicht die Fläche dort gekauft. Ein Jahr später kaufte Gienanth auch den Wappenhammer (heutiges Hotel Blechhammer) beim Fischerrück in der Nähe von Erzhütten, der in einen „Blechhammer“ umgewandelt wurde.

Allerdings bestanden schon vor dem Kauf Gienanths zwischen dem Wappenhammer und der Schmelzhütte bei Stelzenberg Verbindungen. Das lutherische Kirchenbuch nennt 1740 „Friedrich Jacob Wagner, Director auf der Eisenschmelz“ als Pate bei einer Kindtaufe der Familie Schwarz, dieser Familie gehörte der Wappenhammer vor dem Kauf der Gienanths.

Die hier genannte Eisenschmelze befand sich wie aus einem 1748 im gleichen Kirchenbuch eingetragenen Vermerk hervorgeht (Wagner ist wieder genannt) später bei Trippstadt. Anscheinend wanderten auch Bergarbeiter von Erzhütten in die Hüttenwerke nach Trippstadt ab, so wird in einer alten Urkunde ein Wilhelm Boullong, Bergmann auf Erzhütten erwähnt, seine Familie findet sich 1800 wieder als Arbeiterfamilie in den Eisenhüttenwerken von Trippstadt.

Aus Urkunden wissen wir, dass von 1814 bis 1824 das Bergwerk im Reichswald insgesamt 75.000 Zentner Eisenerzsteine in die Werke Gienanths lieferte. Deren Verhüttung erfolgte in Trippstadt, Hochstein und in den letzten beiden Jahren im Werk in Eisenberg. Dem wenig ergiebigen Eisenerz des Reichswälder Bergwerks wurde ergiebigeres Erz aus anderen Gruben hinzugegeben. Um 1825 wurde der Bergbau auf Erzhütten aufgegeben. Auf den Grundsteinen des alten Verwaltungsgebäudes der Gienanths steht heute die Schule von Erzhütten.

Als im Jahre 1777 der Bergrat Jakob von Gienanth starb, pflanzte der Waldförster Johann Christian Diehl die sogenannten „Gienanth Buchen“ auf dem Steigerhügel beim Wiesenthalerhof, jenem Platz wo die Geschichte der ehemaligen Bergarbeiterenklave 1725 begann. Diese mächtigen Buchen die sozusagen den Mittelpunkt von Erzhütten – Wiesenthalerhof prägten wurden am 7.Juni 1973 gefällt.

Eine am 4. Oktober 1994 errichtete Gedenkstätte erinnert heute an die Bergwerksenklave im Reichswald, deren Geschichte im Mai 1725 im Beisein des adligen Bergwerks- und Hüttenbesitzers Reichsfreiherr Ludwig Anton von Hacke und seinem Obersteiger Johann Jacob Diehl begann.

Literaturhinweise:

Heinz Friedel: Eine Siedlung im Reichswald, die Erzhütten, Kaiserslautern 1989

Theodor Zink: Der Blechhammer bei Kaiserslautern

B. Cloer: Eisengewinnung und Eisenverarbeitung in der Pfalz im 18./19. Jahrhundert

Ludwig Müller: Ortschronik Erzhütten


hukwa

Sonntag, 5. Februar 2012

Spaziergang entlang der Moosalb

Ich lauf den alten Weg
Durch dunklen Fichtentann
Entlang dem alten Bach
Lausch seinem wilden Wassersang
Du fließt herab vom Felsenhang
Ins grüne Tal
Dein Lied
Linderte schon so manches Wanderer Qual.
hukwa

Donnerstag, 26. Januar 2012

Sehnsucht

Den Sehnsucht ist ein
Inneres Verlangen
Ist wie steinernes Wort
In Zeit hineingehauen
Ist unstillbarer Durst
Ist Hunger und Erlangen
Den Sehnsuch ist ein Weg
Im Zwiespalt sich zu Verirren.
hukwa

Mittwoch, 4. Januar 2012

Augenblick im Karlstal

Der Tag bricht an
Feuchter Nebel
Der lässige Flug des Reihers
Über dem Woog
Ein kurzer Schrei
Es tagt es tagt.
hukwa

Samstag, 31. Dezember 2011

Zwei alte Freunde

Die Erle - ein alter Märchenbaum

Die Schwarzerle wächst als Baum oder Strauch an Gewässern und feuchten Stellen, wo sie mit Birken, Weiden und anderen Bäumen und Sträuchern oft weite Bruchwälder bildet. Man erkennt die Erle leicht an den rundlichen, abgestutzten Blättern und an den Knospen, die wie bei keinem anderen heimischen Baum gestielt sind. Die Erle stäubt etwa zu gleicher Zeit wie die Haselnuss. Die kleinen Stempelkätzchen, die im Gegenteil zu denen der Haselnuss frei überwintern, entwickeln sich zu zapfenartigen Fruchtständen. Ihre später verholzten Schuppen spreizen im Winter und Vorfrühling von der Achse ab, so das die Früchte leicht ein Spiel des Windes werden. An jungen Wurzeln finden sich orangefarbene Knollen, die ähnlich wie die Knöllchen der Schmetterlingsblütler der Pflanze stickstoffhaltige Verbindungen zuführen. Das rotbraune Holz ist gegen den Einfluss von Wasser sehr widerstandsfähig; es eignet sich daher gut zu Gruben- und Wasserbauten, wird aber auch oft vom Tischler und Drechsler verwendet. Ihre besonderen Eigenschaften vor allem der Schwarzerle, sichern ihr eine vielseitige Verwendung : Die Fähigkeit zur Bindung von Luftstickstoff durch Symbiose mit Strahlenpilzen gibt ihr die Eignung zur Rohbodenkulivierung. Wegen ihres dichten,tiefgreifenden Wurzelwerks benutzt man sie gern zur Uferbefestigung und wegen ihres tiefen Schattens zur Unterdrückung des Krautwuchses in Gräben. Von der Schwarzerle unterscheidet sich die Weiß – oder Grauerle durch ihre ungestielten, sitzenden, weiblichen Kätzchen. Die nahe verwandte Grünerle ( Alnus viridis ) ist ein bis 4 m hoher Strauch mit ungestielten, spitzen Knospen. Er kommt in alpinen Gebieten vor. Eine weitere Verwandte ist die italienische oder Herzblättrige Erle. Alle Erlenarten sind sehr geschätzte Pioniergehölze, da eine Erlenbestockung auf Rohböden sehr zur Anreicherung wertvoller Stickstoffverbindungen und somit zur Bodenverbesserung beitragen. Goethe hat mit seinem Erlkönig, der Erle ein ewiges Denkmal in der Literatur gepflanzt. Goethe hatte das Thema seines Gedichts einem lyrischen dänischen Lied, die „Tochter des Elfenkönigs" entnommen, das in einem von J.G. Herder zusammengestellten Volksliederbuch – dort hat es den Titel „ die Tochter des Königs der Erlen" – enthalten ist ; die dritte, revidierte Ausgabe der Sammlung erschien 1807 unter dem Titel : „Stimmen der Völker in Liedern" . Im dänischen Original geht es um den König der Elfen. Oluf begegnet bei einem nächtlichen Spaziergang Elfen. Elfen, die wie sie es gewohnt sind auf den nächtlichen Wiesen tanzen. Die Tochter des Königs lädt Oluf zum Tanz ein aber er lehnt ab. Da gibt ihm das Mädchen einen Schlag aufs Herz, setzt ihn leblos und bleich in den Sattel und schickt ihn heim. Am nächsten Morgen sollte Olufs Hochzeit stattfinden, aber seine Braut findet ihn Tod hinter einem scharlachroten Vorhang. Goethe hat dieses Thema sehr frei abgewandelt. In seiner Ballade reitet der Vater durch „ Nacht und Wind „ und hält seinen jungen Sohn in den Armen. Er hat den Erlkönig gesehen und erschauert. Sein Vater ist bemüht, ihn zu beruhigen, aber das Kind fährt fort, ihm zu wiederholen, was der Erlkönig ihm zuflüstert. Grauen erfasst das Kind, dass sich von allen Seiten bedroht fühlt und am ende einen Schmerzensschrei ausstößt, weil es berührt wurde. Dem Vater, der nichts gesehen oder gehört hat, graut nun auch, und er reitet so schnell er kann. Als er endlich sein Haus erreicht, ist das Kind in seinen Armen Tod. Die sehr Packende und dramatische Ballade Goethes verursacht wegen des geheimnisvollen Schreckens, den sie heraufbeschwört und der eben genau jener „ Panik „ entspricht in der man in Mythos und Sage, immer wieder trifft, entspricht auch Heute noch Herzklopfen. Zu diesem Thema sagt Michael Tournier, der Autor eines fesselnden Werkes mit dem Titel „ Roi des Aulnes „ ( 1970 ) in einem späteren Buch : Dieses Gedicht von Goethe, dessen Berühmtheit durch ein Lied von Schubert noch gesteigert wurde, war für den französischen Studenten der deutschen Sprache und Literatur das Gedicht schlechthin, ein Symbol für Deutschland. Das seltsame ist, dass dem Gedicht ein Übersetzungsfehler Herders zugrunde liegt, der die dänische Folklore in Deutschland bekannt machte. Eller, die Elfen wurden unter seiner Feder, zu Erlen , weil die Erle in dem Dialekt, den man in Mohrungen, der Geburtsstadt Herders in Ostpreußen , sprach, Eller genannt wurde. Es ist nämlich nicht sehr wahrscheinlich, das Goethe sich für den Stoff eines banalen Elfenkönigs interessiert hätte. Aber seine Phantasie entzündete sich an einer so genauen und urtümlichen Darstellung der Erle, den sie ist der schwarze und Unheilbringende Baum der stehenden Gewässer, so wie die Weide der lichte und freundliche Baum der fließende Wasser ist. Die Erle im Sumpf beschwört das Bild der nebelverhangenden Ebenen und des trügerischen Bodens des Nordens herauf, das Bild eben des Erlkönigs, eines über diesen düsteren Gefilden schwebenden Luftgeistes, der Menschen und vor allem Kinder verschlingt. „ Es überrascht in der Tat nicht, das Goethe als Botaniker, der auch für die Volkstraditionen, denen die frühe Romantik wieder zu ehren verhalf, sehr empfänglich war, sofort sah, wie viel er aus Herders Interpretationen machen konnte. Dreißig Jahre nach Goethes Ballade machten die Elfen, nach langem Schweigen wieder von sich reden, denn sie waren im Verein mit den Zwergen, Undinen und Feen die Hauptdarsteller in den Märchen, die nun von bedeutenden Schriftstellern gesammelt und publiziert wurden, seit 1813 von E. T. A. Hoffmann und in den Jahren 1812 bis 1822 von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm. Susanne Fischer schreibt in ihrem Buch „ Blätter von Bäumen" : „Im Erlenbaum lebt die Arle,Irle oder Else, wie die Erlenfrauen alle genannt wurden. In ihrem Namen hört man förmlich das Murmeln des Wassers. Gefährlich sind sie für einen verirrten Wanderer, den sie in die Tiefe ziehen können. In der Wolfdietrichsage, die im 13. Jahrhundert verfasst wurde, wird von solch einer Erlenfrau erzählt. Die raue Else erscheint nachts am Lagerfeuer. Schuppig wie ein Baum ist ihre Haut und wirr wie die Flechten in den Bäumen ihr Haar. Denn erschreckten Wolfdietrich fordert sie auf „sie zu minnen". Entsetzt lehnt er ab. Am liebsten wäre er geflohen. Die raue Erlenfrau erkennt, dass ihr Bitten umsonst ist, und so verzaubert sie ihn erst einmal. Jetzt legt sie einen Schlafzauber über ihn, so dass er schlaftrunken zu Boden sinkt. Sie schneidet ihm zwei Haarlocken vom Kopf und zwei Fingernägel, die sie als Pfand behält. Dadurch ist er ihr verfallen. Ein halbes Jahr läuft er wild und ohne Besinnung durch den Wald, schläft in Höhlen und ernährt sich von Kräutern. Ein Engel endlich, Bittet die Zauberin den Bann rückgängig zu machen. Das Märchen endet damit das die raue Else sich in eine schöne Frau verwandelt." Die alten Iren glaubten, das der erste Mann einer Erle, die erste Frau einer Eberesche entsprang.
Also eine Parallele zum Edda-Mythus, von der Erschaffung der Menschen aus askr
( Esche ) und embla ( Ulme ).

hukwa

Freitag, 30. Dezember 2011

Im Schlosspark zu Trippstadt

Der Wind geht leise wie mein Atem
nebliges Abendlicht liegt überm alten Park
blutrotes Leuchten zwischen Busch und Bäumen
glutrot verworrenes Schäumen
schwebt leuchtend in der Abendwende
die Eberesche glüht schon lang nicht mehr
wie Augen erscheinen die Fenster im Schloss
erzählen von
Triumph von Sieg und Gelingen
dennoch
sind sie nur Zeugen
von Vergehen und Zerrinnen
Ich schwebe auf lichten Ätherschwingen
ein Glockenschlag durchbricht die Stille
aus tausend Ebereschenzweigen
spür ich
das Gott mich anstarrt
O Wesen das in jeder Pflanze lebt
O Kraft die in uns Menschen webt
die nun im Abendrot versunken
einen Blick in die Ewigkeit gewährt
genährt von einer einsamen Stunde.
hukwa

Dienstag, 27. Dezember 2011

Die Birke - der Baum der Schamanen

Die Weißbirke unterscheidet sich durch die hängenden Zweigen und die anfangs mit einem Harzüberzug versehene, völlig kahlen Blätter leicht von der Moor oder Haarbirke, die durch ihre aufrechtstehenden Zweige einen mehr sperrigen Wuchs hat und deren ziemlich stark behaarten Blätter beim Austreiben nicht klebrig sind.

Beide Arten kommen in unseren Wäldern meist eingestreut zwischen anderen Bäumen vor oder bevorzugen die lichten Waldränder und Kahlschläge. In Park anlagen und an Straßenrändern werden sie gerne angepflanzt. Die Weiß oder Hängebirke, regional auch als Sandbirke bezeichnet, ist mit Abstand die häufigste Birkenart in Europa .Der Grund für ihre weite Verbreitung von Südeuropa bis in den hohen Norden, beziehungsweise in entsprechende Höhenlagen der alpinen Gebirgen Europas, liegt in ihrer Anspruchslosigkeit gegenüber klimatischen Härten. Offenbar spielt dabei die weiße Rinde eine wichtige Rolle, die einen erheblichen Teil der auftreffenden Strahlung reflektiert. Dies mag insbesondere an stark und anhaltend besonnten Stellen ein sehr wirksames Anpassungsmerkmal sein. Birken breiten sich auf brachliegenden Ödland oder in Schlägen ungemein rasch aus. Auch diese Tatsache wird schnell verständlich, wenn man einmal die Zahl der von einem einzigen in Baum versetzten Verbreitungseinheiten überschlägig betrachtet. Die zur Blütezeit eher unauffälligen weiblichen Kätzchen vergrößern sich während der Fruchtreife über den Sommer etwas und nehmen im Frühherbst eine kräftige bräunliche Färbung an. Zu diesem Zeitpunkt sind die Samen reif. Die Kätzchen brechen auseinander und setzen die winzigen Nussfrüchte mit ihren beiden seitlich anhängenden Flügeln frei. Je Kätzchen sind dies einige hundert,

bei einem mittelgroßen Baum jedoch schon einige Millionen, da die weiblichen Kätzchen in guten Samenjahren ziemlich dicht sitzen. Die flugfähigen Samen werden vom Herbstwind zum Teil über größere Entfernungen verstreut und keimen im nachfolgenden Frühjahr an zusagenden stellen aus. Birken sind vielfach genutzte Laubbäume. Wenn der Mai naht kleiden sich die schlanken Zweige der Birke grün. Das hellgrüne Laub und das seidig schimmernde weiß der Rinde verleihen dem Baum ein liebliches aussehen. Die Moor-Birke finden wir vor allem in Bruch und- Moorwäldern in Nord- und Mitteleuropa, bis Sibirien, im Süden vor allem im Gebirge bis 1600 m Höhe. Verwandte Arten unserer heimischen Birken sind die Gold-Birke
(Betula ermanii ), sie stammt aus dem Norden Asiens, besitzt eine gelblich bis weiße, inStreifen ablösende Rinde. Die Blätter sind länger als bei den einheimischen Arten. Ziemlich häufig ist diese Birkenart in Parkanlagen angepflanzt. Die Japan-Birke ( Betula maximowicziana ) zeigt orangebraune, erst später nachdunkelnde Triebe und besitzt für eine Birke ungewöhnlich gestaltete, sehr große, fast lindenartige Blätter von etwa 12 x 10 cm Größe. Die Kronengestalt erinnert an die einheimische Weiß- oder Moorbirke, allerdings sind die Äste etwas stärker entwickelt. Bei der Schwarz-Birke ( Betula nigra ) , die in den östlichen USA bis Florida beheimatet ist fehlt die für die meisten Arten dieser Gattung typische helle bis silbrig-weiße Rinde. Statt dessen herrschen hier dunklere Töne vor. Diese Birkenart ist außer ihres Verbreitungsgebietes, nur in größeren Sammlungen oder botanischen Gärten zu sehen.

Die Birke ist ein typischer Maibaum. Noch Heute finden wir in ländlichen Gegenden , die Tradition des Maibaums. Auch bei der Fertigstellung eines Hauses, wird die Birke gerne als „ Richtbaum „ benutzt. Viele Dichter haben die Birke als Baum des Frühlings besungen. Die Slawen die eine große Waldgeister Mythologie und Märchenschatz besitzen, nannten ihre Naturgeister Lechy, eine Art bewohnte die Birken. Man kann sie aus den Bäumen hervorlocken ;dazu schneidet man ganz junge Birken ab, legt sie mit den Wipfeln nach innen, in einen Kreis, begibt sich in dessen Mitte und ruft den Geist herbei. Dieser soll dann sofort in Menschengestalt erscheinen und sei bereit dem der ihn gerufen hat jeden Wunsch zu erfüllen, wenn man ihm dafür seine Seele verspricht. Der Weltenbaum der sibirischen Schamanen ist meist eine Birke. Bei den Buritäten Sibiriens spielt sie eine äußerst wichtige Rolle in den Zeremonien der Schamanen. Bei den Einweihungszeremonien schneidet man am Vorabend unter der Leitung des Schamanen große und starke Birken. Dies geschieht in dem Wald in dem die Dorfbewohner, ihre Friedhöfe haben. Die Bäume beherbergen die Seelen, der Verstorbenen, die somit zum Fest geladen werden. Am folgenden Morgen legt man die Birken aus, jede an einen bestimmten Ort. In der Mitte der Jurte des Schamanen wird die kräftigste Birke angebracht, die Wurzeln in der Feuerstelle und der Wipfel durch das Rauchloch gezogen, sie eröffnet dem Schamanen, in seiner Trance den Zugang zum Himmel und somit den Kontakt zu den geistern der Verstorbenen und seinen eigenen Schutzgeistern.

Bei den Kelten galt die Birke als Baum des Anfangs, daher setzten sie ihn in ihrem Baumalphabet, auch an den Anfang. Der Birkenmonat dauerte bei ihnen wahrscheinlich vom 24. Dezember bis zum 20. Januar. Abgesehen von dem mystischen Holunder, war sie der erste Baum im Wald, der nach dem Winter Blätter ansetzte. Der Geist der Birke wird oft als eine Frau, reifen alters dargestellt. Wenn man sie in guter Absicht beschwört, tritt sie manchmal aus den Zweigen oder dem Stamm hervor, zeigt sich mit gelöstem Haar und streckt die Arme aus, ihre nackte Brust präsentierend. Bei unserem Lichtmess-Fest, das dass Wiedererwachen des Lichts feiert, kommt die Birke in der Person der heiligen Brigite zu besonderen Ehren; der Name Birgit leitet sich aus der indoeuropäischen Wurzel Bhirg her, die im Englischen zu birch und im Deutschen zu Birke geworden ist. Die heilige Brigitte von Kildare, in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts geboren und ihren Hagiographen zufolge als Tochter eines heidnischen Stammenshäuptlings zu einer Schutzpatronin Irlands geworden, war ursprünglich eine keltische Gottheit der Wiedergeburt des Feuers und der Pflanzenwelt, eine richtige Tochter Dagdas, des obersten Gottes der irischen Druiden.

Im zeitigen Frühjahr erwacht die Birke wieder zum Leben. Im Wald gehört sie zu den ersten Bäumen die ein grünes Kleid bekommen. Um diese Zeit hat die Birke in Blättern und Saft, ihre heilendste Kräfte. Seit altersher nutzt man sie deswegen als Mittel zur Frühjahrskur, so vertreibt die Birke, mit ihren heilenden Kräften die sie in sich trägt, den müden Winter aus den Gliedern. Sie belebt und reinigt den Körper.

Die Birke regt Blase und – Niere an und hilft somit bei Wassersucht und Gicht aber auch bei Arthritis, Nieren –und Blasensteinen. Schon die Germanen wussten um die Heilkräfte der Birke und nutzten ihren Saft als Schönheitstrunk, da der Birkensaft die Ausscheidungsfähigkeit der Haut anregt.

Eine Besonderheit der Birke ist ihr Bezug zu einem Pilz mit dem sie in tiefer Symbiose lebt, Amanita muscaria, genannt der Fliegenpilz.

Der Fliegenpilz gehört sicherlich überall in Europa zu den bekanntesten Vertretern der Pilze. Ja ich möchte behaupten, er ist der bekannteste. Man erkennt ihn schon von weitem an seinem schönen roten oder orangegelben Hut, der mit weißen Flocken bedeckt ist. Im Jugendzustand erscheint er zunächst als kleine weißliche Kugel, bald aber breitet sich der Hut aus, die weiße Velumschicht löst sich, in jene dicken flocken auf, die meistens auf der Oberfläche haften bleiben. Der Rand trägt eine zarte Reifung. Die Lammellen bleiben stets weiß, stehen dicht gedrängt und sind nicht am Stiel angewachsen. Der Stiel bleibt weiß und trägt einen sehr langen, lappigen, herabhängenden Ring. Wie alle Pilze der Amanita Gruppe wächst der Fliegenpilz aus einer Gesamthülle, von dieser erkennt man aber nur noch einen Warzengürtel an der Stielknolle. Das Fleisch ist Geruch – und geschmacklos und unter der Huthaut gelblich getont. Verwechslungsmöglichkeit mit dem Königs-Fliegenpilz Amanita regalis, der allerdings vorwiegend im Bayerischen Wald beheimatet ist. Der Fliegenpilz bildet seinen Fruchtkörper von Juli bis Oktober.
Er ist der traditionelle Zauberpilz sibirischer Schamanen. Man findet ihn in fast allen Teilen der Erde. Schon immer eine begehrte Zauberpflanze, von Schamanen, Zauberern und Heilern verehrt, vom gewöhnlichen Menschen als Giftpilz gefürchtet. Getrocknete Fliegenpilzhüte oder in den Presssaft des Weidenröschens eingelegte Stücke werden von den tungusischen Schamanen eingenommen, um in Trance zu verfallen. Die Pilze werden oft als Zwerge personifiziert, die im Besitz der Droge als Allmächtig gelten. Wer kennt nicht das Kinderlied, " ein Männlein steht im Walde ", das eindeutig auf den Fliegenpilz anspielt. Bei den taoistischen Alchymisten dienten Fliegenpilzextrakte als Zutaten zu diversen Unsterblichkeitselixieren. Im Hindukusch hat sich ein altes Ritual erhalten, bei dem Fliegenpilzstücke, mit Bergspringkraut und übersäuerter Ziegenkäselake gekocht werden.

Diesem Sud werden gelegentlich die samentragenden Blütenkelche des Bilsenkrautes beigemengt. Der Fliegenpilz heißt dort Tschaschbaskon das bedeutet " Augenöffner. Der Fliegenpilz wird oft mit den klassischen Zauberpflanzen Haoma und Soma in Verbindjung gebracht. Viele Ethnologen glauben, das rätselhafte Soma, das arische Einwanderer nach Indien mitbrachten, nichts anderes als Amanita muscaria war. Die Hymnen, welche die Priester zu Ehren, des verheerlichten Soma sangen, der die Menschen den Göttern gleichsetzt, sind im Rig – Veda enthalten :

" Der Trank hat mich fortgerissen wie ein stürmischer Wind...

das Denken hat sich mir dargeboten, wie eine Kuh ihrem kleinen Liebling...

Die eine Hälfte des Ich lässt die beiden Welten hinter sich...

Ich habe an Größe diesen Himmel und diese Erde übertroffen...

Ich merke das ich Soma getrunken habe"...

In der vedischen Religion gab es keinen Tempel und pompöse Schauzeremonien. Die Religion manifestierte sich im Menschen als mystische Erfahrung. Dazu wurde der Somatrank eingenommen. Er bewirkte eine ekstatische Verschmelzung mit der Ewigkeit und den Göttern. Er schenkte Visionen von der wirklichen Welt, machte Unsterblich, Unbesiegbar, verhalf zu glückseligen Liebesregungen. Wahrscheinlich war Soma ein Oberbegriff und bezeichnete eine Reihe von Psychoaktiven Pflanzen. Doch dürfte es als sicher gelten das der Fliegenpilz, in Soma enthalten war. Die Hexensalben des Mittelalters sind mit aller Wahrscheinlichkeit ein billiger Verschnitt des vergessenen Trankes des Altertums – SOMA. Die Ägypter nannten ihn Rabenbrot, eine Bezeichnung, die sich auch in Ost – und Mitteleuropa bis heute erhalten hat. Auch die Anhänger des Dionysos verzehrten bei ihren Mysterien den Pilz, der enorme Körperkraft, erotische Potenz, wahrhafte Visionen und prophetische Gaben verlieh. Bei den Germanen war der Pilz Wotan – Odin zugeordnet.

Der Sage nach entstanden Fliegenpilze dort, wo der Schaum aus dem Maul von Odins Pferd auf die Erde tropft. Der Name Rabenbrot deutet in seiner germanischen Wurzel auf die beiden Raben Odins hin. Der deutsche Name Fliegenpilz leitet sich wahrscheinlich von der Fliege als Zaubertier oder der Kraft des Pilzes, den Menschen " fliegen " zu lassen her.

Jacques Brosse schrieb über den Fliegenpilz : " Aber das Geheimnis der Rolle, der Birke, in den Schamanistischen Riten, beruht eher auf ihrer symbiotischen Verbindung mit dem Fliegenpilz, den die Schamanen essen, um den Trancezustand herbeizuführen. Der Fliegenpilz bildet Lebensgemeinschaften mit den Wurzeln bestimmter Bäume, aber am liebsten ist ihm die Birke; an ihrem fuß hat man die meiste Aussicht, ihn zu finden. Am zweithäufigsten wächst er bei der Fichte, die bei den sibirischen Völkern oft als Weltenbaum gilt. Isst man vom Fliegenpilz, so wird man zuerst für eine Weile schläfrig, aber später wird man aufgeregt und angeregt, die großen körperlichen Leistungen zu vollbringen, die so berühmt sind." Die ersten Wirkungen treten ungefähr eine Stunde nach Einnahme auf. Das Gesicht hellt sich auf, der Körper wird von einem leichten Beben durchlaufen, dann gerät er in einen Zustand lärmender Aufgeregtheit, manchmal mit aphrodisischen Nebenwirkungen. Der vom Pilz Berauschte tanzt und lacht dann wiederum zeigen sich jähe Wutanfälle mit Heulen und Schimpfen. Er hat akustische und viduelle Halluzinationen; die Form der Gegenstände ändert sich, ihre Umrisse sind verdoppelt. Dann wird er blaß und völlig bewegungslos, als sei er in tiefsten Erstaunen befngen. Nach ein paar Stunden kommt er zu sich und weiß nichts von dem Anfall, denn er erlebt hat. So berichtet J. M. Pelt in seinem Buch, Drogues et Plantes Maqigues, in Wesreuropa wurde der Fliegenpilz meist für schädlich gehalten.

Bereits im 16. Jahrhundert berichtete der Botaniker Jean Bauhin, er heiße in Deutschland der Pilz der Verrückten. Der Volksglaube bringt ihn oft mit der Kröte, dem Tier der Hexen in Zusammenhang. Er steht wie sie mit düsteren Mächten in Zusammenhang und andererseits mit dem Mond und dem Regen. Im englischen ist einer der populären Namen des Pilzes Toadstool, d.h. Krötenstuhl. Alle diese scheinbar unzusammenhängende Einzelheiten deuten auf einen GEMEINSAMEN Fluchtpunkt hin: den schamanistischen Gebrauch des Fliegenpilzes. Alle modernen Untersuchungen stimmen darüber überein, das Amanita muscaria, im Gegensatz zu Amanita phalloides, dem ABSOLUT tödlichen Knollenblätterpilz, nicht giftig ist, das heißt, nicht tödlich giftig wie sein Verwandter. Auch die populäre Etymologie, wonach man den Namen Fliegenpilz von einer Verwendung als Fliegengift ableiten müsse ist falsch. Wenn man nämlich experimentell prüft, was mit einer Fliege geschieht, die von Milch getrunken hat, in der Fliegenpilze eingeweicht wurden, beobachtet man, das sie nur Scheintod wird. Sie fällt zwar nach kurzen Flugversuchen betäubt nieder, erhebt sich aber nach einiger Zeit gesund wieder. Der Ausdruck bezieht sich also eher auf das fliegen als auf die Fliege.

Für die Orolschen , ein tungusisches Volk, reinkarnierten sich die Seelen der Toden im Mond und kamen so wieder auf die Erde zurück. Über einen in Sibirien sehr verbreiteten Volksglauben berichtet der finnische Historiker Uno Halmberg-Hava in Siberian Mythologie:

Der Geist der Birke ist eine Frau reifen Alters, die manchmal zwischen ihren Wurzeln erscheint, manchmal aus dem Stamm hervortritt, wenn man sie in guter Absicht beschwört. Sie zeigt sich bis zur Mitte mit gelöstem Haar und streckt die Arme aus; ihre Augen blicken den Gläubigen ernst an und sie präsentiert ihm ihre nackte Brust. Wenn er ihre Milch getrunken hat, fühlt der Mensch seine Kräfte verzehntfacht. Wie R. Gordon Wasson, der Kenner der psychedelischen Pilze, bemerkt, handelt es sich fast sicher um den Geist des Fliegenpilzes: Sind diese Brüste etwas anderes als der Busen, Udhan, des Rig-Veda, der milchspendende Hut des Fliegenpilzes. In einer Variante derselben Erzählung gibt der Baum, einen himmlichen, gelben Saft ab. Handelt es sich nicht um das gelbrote Paraamana des Rig-Veda ? Wasson der lange Zeit die Wirkungen der verschiedenen psychedelischen Pilze, in der ganzen Welt erforscht hat, ist heute überzeugt, die bisher so geheimnisvolle Pflanze gefunden zu haben, aus der man den Somatrank gewann. Wie schon Anfangs bemerkt, von den Ariern als Gottheit verehrt und in hundertundzwanzig Gesängen des Rig-Veda gefeiert, ist der Soma der König der Pflanzen, der König und Lenker, der Wasser – aber auch ihre Urquelle –manchmal auch der König der Götter und der Sterblichen, oder alles dessen, was die Sonne sieht, der König der Welt. Sein saft ist der Regen, der die Pflanzen wachsen lässt, und deren Saft selbst, das Lebenselixier, das Vorbild und die Essenz, jeder lebensspendenden Flüssigkeit, das nährende Prinzip der Speisen und Getränke, als auch die Milch der Kuh und der Samen des Hengstes in seiner männlichen Kraft. Diese Erwähnung des Pferdes ist hervorzuheben. Das Agnistoma, die Opferung des Soma, der vor der Darbietung rituell ausgepresst wurde, sollte die Götter erfrischen, besonders Indra, den Gott des Blitzes und der Krieger, der ihn bis zum Missbrauch liebte, aber er war auch eine magische Zeremonie von großer Wichtigkeit: Der Soma, perlend und fließend, lässt den Himmel weinen. Der Soma wurde also in Verbindjung mit Blitz und Regen, zusammen mit Agni gefeiert, wie der Name dieses Rituals besagt. Mit Agni, dem vom Himmel herabgestiegenen Gott des Feuers, bildete der Soma eine Polaritätsbeziehung, ein Paar. Im übrigen wurde der Soma mit dem Mond als dem Aufentshaltsort der Toden identifiziert. Anders gesagt, der Gott Soma besaß viele auch für den Weltenbaum und besonders für den Baum des Schamanen, die Birke, charakteristische Züge. Die Beschreibung die in den alten Sanskrittexten über die Pflanze gegeben wird passt besonders gut zum Fliegenpilz. Im Rig-Veda wird er mit einer weiblichen Brust verglichen, die mit Tropfen ihrer göttlichen Milch besprengt ist, was an die weißen Schuppenreste der Haut erinnert, die den Hut zieren. Nun konzentriert sich, das Muscarin, die Substanz, die für die Verwirrungen verantwortlich ist, die sich nach dem Verzehr des Pilzes zeigen, vor allem in der haut des Hutes. Die Hymnen vergleichen die rote glänzende Haut der Pflanze mit der Haut des roten Stieres, auf die der Soma in der ersten Phase des Opferrituals gelegt wurde. Die Hymnen sagen ferner, der Soma leuchtete Tagsüber und sei in der Nacht von silbernen Weiß. Am Tag zeigt der Fliegenpilz das märchenhafte Schauspiel seiner Farben, und in der Nacht verblassen letztere und nur, die Fragmente der weißen Hülle, sind im Mondlicht sichtbar, wie übrigens auch die Rinde, der Birke. Schließlich hat der Fliegenpilz eine ganz besondere, in der Pflanzenwelt vielleicht einzigartige Eigenschaft, die auf merkwürdige Weise diese Identifikation bestätigen könnte. Das aktive psychedelische Prinzip, das Muscarin, geht sehr rasch in den Urin über, dessen, der es zu sich nimmt. Die Völker des nordöstlichen Sibiriens kennen diese Besonderheit so gut, dass sie sich, vielleicht dem Beispiel der Rentiere folgend, die Urin und Fliegenpilz mögen, angewöhnt hatten, den Urin der Fliegenpilzesser zu trinken und die Wirkung hielt bis in die vierte oder gar fünfte Generation der Trinker an. Nun wird aber im Rig – Veda mehrmals gesagt, das die Götter vor allem Indra, reichlich Soma urinieren. Möglicherweise ist es also der Somahaltige Urin der Götter, von dem man glaubte, das die vedischen ihn tranken. In seinem Buch " Die weiße Göttin " schreibt Robert von Ranke-Graves : Das wichtigste mänadische Rauschmittel war wohl Amanita muscaria, der weißgefleckte Fliegenpilz, der allein die nötige Zauberkraft verleiht. Hier werden wir an Phoroneus, den Frühlingsdionysos

und Erfinder des Feuers erinnert. Er erbaute die Stadt Argos, deren Emblem laut Apollodor eine Kröte war; und Mykene, die Hauptfestung von Argolis, trug nach Pausanias diesen Namen, weil Perseus, der sich zum Dinonysus-Kult bekehrt hatte, auf ihrem grund einen Fliegenpilz gefunden hatte. Dionysos hatte zwei Feste – im Frühling das Anthesterion, das Blumensprießen – und das herbstliche Mysterion, das vermutlich soviel heißt wie Sprießen der Fliegenpilze; Mykosterion war als Ambrosia, Speise der Götter bekannt. War Phroneus auch der Endecker eines dem Fliegenpilz innewohnenden göttlichen Feuers und mithin sowohl Phryneas ( Krötenwesen ) als auch Fearinus, d. h. Frühlingswesen. Amanita muscaria, wenngleich kein Baum, wächst doch unter einem Baum; nördlich von Theakien und in den keltischen Ländern bis zum Polarkreis stets unter einer Birke. Südlich von Griechenland und Palästina, aber bis zum Äquator, unter einer Tanne oder Fichte. Im Norden ist Amanita scharlachrot, im Süden eher fuchsrot...

hukwa

Winterstimmung im Trippstadter Wald



Freitag, 9. Dezember 2011

Abend am Köppchen

Mehr Geist als Baum
ganz Heidenbaum
stehst Du in einsamer Landschaft
Flimmerndes Winterrot
gestreut ins Land
dazwischen einst
grün braun und gelb
schon lange ists im
Laub verwelkt
Steinernes Tor
spricht leis zu mir
Tritt ein
dahinter
dusterer Kiefernhain
Dämmerlicht bricht durch Geäst
die Erlenbüsche silbern und grau
Verwachsene Eiche
umspült von uraltem Traum
Ich bin allein im
Weiten Raum.
hukwa

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der alte Waldgeist am Trippstadter Kussweg

Dies ist einer jener Bäume, zu dem ich eine besonders enge Beziehung habe.
hukwa

Der Trost des Waldes - Gedanken eines Waldgängers

Wer in den Wäldern lebt sieht den Wald anders als jemand der in der Großstadt lebt. Es gibt ihn den Unterschied zwischen dem Stadtmenschen und dem Naturmenschen und so gibt es auch verschiedene Weisen die Natur zu sehen und zu erfassen.

Der Mensch der die Natur liebt dem wird sie zu einem letzten Reservat eines romantischen Gefühls. Ihm öffnen die Wälder nicht nur die Sinne, sie schenken seinem Leben auch Sinn. Vor allem jetzt, in der dunklen Jahreszeit hat der Wald dem Wanderer besonderes zu bieten. Er fordert seinen Geist und seine Phantasie heraus. Dass raues Wetter das Denken fördert, ist in der Philosophie allgemein bekannt . Wenn Regen und Schnee die äußere Sicht einschränken, wendet der Blick sich nach innen.

In den Wäldern können wir eine Freiheit spüren, die es uns erlaubt, mit dem Wesentlichen des Lebens in Kontakt zu treten. Es ist die Stille des Winterwaldes, die uns eine bisher nicht gekannte, schweigende Aufmerksamkeit schenkt. Viel intensiver spüren wir nun die Beziehungen zum Wechsel der Jahreszeiten. Fern dem unbarmherzig ewig geräuschvoll laufenden Motor der Großstadt finden wir im winterlichen Wald nun eine ganz andere psychologische Dimension der inneren Einkehr und Ruhe vor. In einer Zeit der entfesselten Märkte, der ökonomischen Unsicherheiten wird uns der Wald zu einer Insel der Ruhe und Erholung.

Der Wald mit seinen großartigen Naturerscheinungen hat für alle nur möglichen Fragen eine Antwort parat. Wenn wir in die Tiefen der Wälder eindringen, wen überkommt da nicht Respekt, wenn er unter alten Baumriesen wandert die hier und da noch zu finden sind. Und so kann es passieren, dass wir uns plötzlich in einer romantischen Welt wiederfinden, dass wir im Wald einen friedvoll in sich ruhenden Erdentag genießen und ihn als eine mütterliche Hülle des Lebens erahnen, als Spiegelung unserer eigenen Empfindungen und Gefühle, als unberührte Natur, die uns den ewigen Rhythmus des „Werden und Vergehen“ erzählt.

hukwa

Wandern als inneres Erlebnis

Wer sich zu einer Wanderung aufmacht, sollte dies bewusst tun. Wandern bedeutet sich bewegen, sich bewusst bewegen. Wenn wir spazieren gehen, laufen wir oftmals einfach los. Wenn wir zu einer Wanderung aufbrechen, haben wir in der Regel ein Ziel vor Augen: Eine Burg, ein Baum, ein Ort, eine Quelle oder sonst eine Sehenswürdigkeit. Doch wenn wir uns Wochen später an unsere Wanderung zurückerinnern, fällt uns auf, dass in der Erinnerung vor allem jene Dinge und Erlebnisse zurückgeblieben sind, die wir auf unserem Wanderweg gesehen oder erlebt haben. Denn: Der Weg ist das Ziel! Dies ist eine Weisheit, die jeder erfahrene Wanderer schon einmal gemacht hat. Wandern hat viel mit „er - fahren“ zu tun. Das alte Wort fahren umfasst jede Art von Fortbewegung., wie z.B. das Wort Pilgerfahrt, Zugfahrt oder Autofahrt uns zeigt. Erfahren kommt von ervan und heißt ursprünglich nichts anderes als „reisend erkunden“. Wenn wir also etwas erfahren wollen, müssen wir uns auf den Weg machen. Meditatives Wandern hat eine Ähnlichkeit mit Pilgern. Auch jene, die sich auf eine Pilgerreise begeben, lassen für einige Zeit ihr Alltagsbewusstsein hinter sich und machen ihren Geist offen für neue Erfahrungen.

Beim meditativen Wandern sind wir mit unserem ganzen Bewusstein unterwegs. Das bedeutet, dass wir uns nicht nur im geographischen Sinn auf den Weg machen, sondern auch geistig. Wandern ist eben etwas Ganzheitliches. In den gesammelten Werken Christian Morgensterns findet sich folgende Tagebuchnotiz: „Ich bin wie eine Brieftaube, die man vom Urquell der Dinge in ein fernes, fremdes Land getragen hat und dort freigelassen hat. Sie trachtet ihr ganzes Leben nach der einstigen Heimat, ruhelos durchmisst sie das Land nach allen Seiten. Und oft fällt sie zu Boden in ihrer großen Müdigkeit und man kommt, hebt sie auf und pflegt sie und will sie ans Haus gewöhnen. Aber sobald sie die Flügel nur wieder fühlt, fliegt sie von neuem fort, auf die einzige Fahrt, die ihrer Sehnsucht genügt, die unvermeidliche Suche nach dem Ort ihres Ursprungs“.

Meditatives Wandern hat natürlich etwas mit Meditation zu tun und Meditation ist nicht unbedingt ein in sich versinken, sondern letztendlich handelt es sich bei dieser Meditationsform um einen Reifeprozess der Person, die unterwegs ist und der durch dieses unterwegs sein oder „er – fahren“ in Gang gesetzt wird. Was tun wir am liebsten bei einer Wanderung durch den Wald? Nun, ich denke Nachsinnen, wir sinnen über uns selbst nach, bis wir den Sinn finden denn wir suchen. So wird eine Wanderung die wir unternehmen oftmals ganz schnell zu einer Art Lebensweg über den wir nachdenken. Denn wenn wir Wandern tragen wir ja unsere freud - und leidvolle Erfahrungen mit uns herum und das macht uns zu Erfahrenen, dies ist Teil des Reifungsprozesses einer Wanderung.

Wandern und Pilgern sind keine zwei verschiedene Paare von Wanderschuhen, jedenfalls nicht beim meditativen Wandern. Denn bei dieser Art des Wanderns nähern wir uns wieder jenem „Urquell der Dinge“, oder versuchen es wenigstens, die Christian Morgenstern in seiner Tagebuchnotiz beschrieb. So kann meditatives Wandern zu einer „Quest“, einer Sinnsuche werden. Wenn wir uns zu einer Wanderung aufmachen, sollten wir die Banalitäten des Alltags hinter uns lassen, denn wir wollen vom Alltagseinerlei in den All – Tag hineinwandern. Wir sollten während unserer Wanderung ein allumfassendes Bewusstsein mit uns führen. Wir wollen die Wunder der Natur sehen und spüren, wollen im Schöpfungsalphabet von Mutter Natur lesen und den „Zuspruch“ der Wald- und Wiesenwege in uns einfließen lassen.

Als Menschen brauchen wir den „Zuspruch“ und diesen finden wir am schnellsten in einem meditativen Lebenswandel, denn: „Meditation ist das Menschlichste vom Menschlichen“ (Tillmann). „Durch Meditation findet man zu sich selbst, zu seinem eigenen Wesen kommt „die menschliche Person erst ganz in ihre eigene Verfügung und Freiheit. Ohne sie fällt der Mensch auseinander. Es geht also, schlicht gesagt, um Übung im Menschsein“ (Johannes F. Boeckel).

Während des meditativen Wanderns kehren wir zu unserem inneren Selbst zurück. So wird wandern zu einem Stückchen Therapie und Selbsterfahrung. In der freien Natur begegnet uns immer wieder Neues, jede Wanderung ist eine Erfahrung und es kann ja nur vernünftig sein, den eigenen Hintergrund zu erweitern und somit für neue Erfahrungen empfänglicher zu werden. Denn beim wandern finden wir viel zeit für uns selbst und dies sollten wir als ein recht bedeutendes persönliches Kapital ansehen. Denn was unser heutiges Dasein besonders hemmt und verwickelt macht, ist die Vorstellung der Zweckbestimmtheit, die inzwischen ja schon fast jeden Vorgang des menschlichen Lebens beherrscht. Diese Vorstellung ist ja insofern in Ordnung,, soweit sie unsere wirtschaftliche und verstandesmäßige Existenz betrifft. Beim meditativen Wandern allerdings tritt man in eine Bewusstseinssphäre ein, die eben nicht Zweckbestimmt ist. Wir fühlen uns bei dieser Art des Wanderns der Natur und ihren Schöpfungen sehr nahe. Denn durch meditatives Wandern gewinnen wir neue Erfahrungen und erweitern somit auch unser Bewusstsein. Die Natur ist ein Ort der Besinnung des Entzückens. Durchdrungen von ihr kann der Mensch seine Allverbundenheit mit dem Kosmos erfahren, Natur soll uns eine Sache der Andacht sein und nicht der Ausbeutung.

Gerade im Pfälzerwald denn ich ja täglich erwandere findet man immer wieder Gegenden und Plätze in der Landschaft, die den Wanderer plötzlich und ohne Ankündigung überraschen. Nach einer langen Wanderung stehen wir plötzlich in einem Eichenhain und das Rauschen der Bäume erscheint uns wie eine Stimme, die zu dieser Landschaft gehört. Oder wir sind gerade aus dem Wald herausgetreten, und vor uns öffnet sich ein sonnenüberflutetes Tal mit leuchtenden Wiesen, blühenden Blumen und ein romantischer Bachlauf lädt uns zum Verweilen ein. Aus dem Dickicht vom Wiesenrand her dringt das zarte und süße Zwitschern von Vögeln und hoch am Himmel zieht der Bussard seine einsamen Kreise. Meistens sind es solche Erlebnisse, die uns die Seele einer Landschaft nahe bringen.

Dann ist am gezwungen stehen zu bleiben, seinen Sinnen freien Lauf zu lassen, seine Gedanken zu unterbrechen und sich ganz der Wahrnehmung dieser betörenden Waldlandschaft hinzugeben. Die Wahrnehmung von unberührter Natur und Stille fördert natürlich die meditative Übung ganz besonders. Solche Momente können wir nicht oft genug erleben, es sind eben diese Momente wo Mutter Natur zur Therapeutin wird. Es sind jene Augenblicke, in denen man sich der Präsenz der Landschaft öffnet, ihrem Genius Loci. Jeder Naturraum besitzt seinen eigenen Zauber und die Gemeinschaften von Wildpflanzen, Bäumen und Tieren haben ihre eigene Art der Imagination, die, während wir sie durchwandern, in uns zu wirken beginnt. In dem die äußere Natur auf uns einwirkt, fühlen wir mit einem Mal, dass wir unsere eigene innere Natur besser verstehen lernen. Wir treten in einen lebendigen Austausch mit der uns umgebenden Waldlandschaft und jene, die sie bewusst wahrnehmen, öffnen sich der Seele dieser Landschaft.

hukwa