Sonntag, 20. Oktober 2013

Über Trippstadter und Kaiserslauterer Familiennamen

Heinrich Riehl schrieb einmal zu Recht:

„Geschichtslosigkeit in der Familie erzeugt Geschichtslosigkeit in Staat und Gesellschaft“.
Sich mit Heimatgeschichte zu beschäftigen heißt ja auch: woher stamme ich? Wo und was sind meine Wurzeln? Woher kommen meine Ahnen?
Für mich war es ein wunderbares Erlebnis als ich in meiner eigenen Ahnenforschung im Jahre 1608 angekommen war. Auch Ernst Christmann war der Meinung dass Familienforschung, Namensforschung und Heimatgeschichte in einem großen Ganzen betrieben werden soll.
Auf die Idee der Mehrnamigkeit waren die Etrusker gekommen, jenes Volk das Rom gegründet hatte.
Die Bevölkerung der Pfalz wurde zwischen 700 und 500 v. Chr. keltisiert, danach unter den Römern romanisiert. In Trier wird ein Reginus, Sohn des Troucetissa genannt. Der Sohn trägt einen lateinischen Namen, der Vater noch einen keltischen. Vom 2. bis 5. Jahrhundert sind sie nur noch lateinisch.
Nach dem ende der Römerherrschaft wurden die Bewohner der Pfalz germanisiert. Im frühen Mittelalter hatte die gesamte Bevölkerung nur jeweils einen Rufnamen.
Die Entwicklung der Familiennamen begann im sich im Mittelalter langsam durchzusetzen. Man nannte sich nach seiner Burg, seinem Hof, seinem Wohnort und seinem Beruf. Bis zu unseren heutigen Familiennamen brauchte es natürlich eine große Entwicklungszeit, über die hier aber nicht unbedingt berichtet werden muss. Dieser Artikel ist als ein Anriss gedacht.


Über Familiennamen die von Flurnamen abstammen:
Wenn wir das Trippstadter Bürgerbuch nach Namen durchforsten finden wir eine Anzahl von Familiennamen die eindeutig von Flurnamen abstammen. Vor allem bei den sogenannten Wohnstätten- und Örtlichkeitsnamen. So wohnte ein Vogelsang an einer Flur dieses Namens. Wir finden in der Gegend von Kaiserslautern die Bezeichnung zum hohlen Stein, daraus entstand der Name Holstein, Hollstein. Einwohner die an einem Brunnen wohnten tragen die Namen Bornemann, Amborn. Die am Bach wohnten heißen Bach, Ambach, Bachmann oder Bächle.
Ein Amberger, Emberger und Bergmann wohnte am Berg. Ein Bicher oder Bühler hatte seine Wohnstätte am Bükel, das ist ein Hügel. Blattmann wohnte auf der Platte= Anhöhe, der Bruch hatte sein Zuhause am Sumpf oder Moor (Landstuhler Bruch). Dahlmann wohnte im Tal, der Dell und Dellert in einer Delletalartigen Niederung.
Der Imhof hatte seine Wohnstätte in einem Hof. Eck, Ecke und Eckert wohnten an der Eck, das Haus vom Lin stand an der Dorflinde. An der Straßengrenze wohnte der Scheid= Grenze. Das Haus des Briegel stand an der Brühl= sumpfige Wiese. Heckmann wohnte an der Hecke, meist am Dorfrand. Der Ortmann wohnte am Ende des Dorfes. Der Reuter an einer reute= gerodete Stelle. Schrank bezeichnet jemand der an einer Schranke, Gitter wohnte.
Oftmals sind es seltsam klingende Namen die dem Heimatforscher auffallen und denen er im Verlauf seiner Geschichtsforschung öfters begegnet.
So erging es mir mit dem Namen Asemacher, Assemacher. Während meiner heimatkundlichen Nachforschungen über die Siedlungen Kreuzhof bei KL und Dansenberg sowie des Dorfes Hohenecken fiel mir dieser Name immer wieder ins Auge. Es handelt sich dabei um eine bekannte Erbbeständerfamilie die in unserer Gegend zum ersten mal auf dem Hahnbrunnerhof bei Kl- Erzhütten auftaucht. Der Familienname Assemacher leitet sich von Assertion= Behauptung, Festlegung lat. Assertioher, dies bedeutet das jemand ein freier Mensch sei.

Eine weitere Namensgattung sind die Berufsnamen also Wagner, Schreiner, Maurer, Fleischer, Metzger, Schuster, Bäcker, Koch u.s.w. Diese Namen entstanden mit der Entwicklung der Städte und der dortigen Zünfte. Der Eiselein war Eisenschmied. Der Nadler verkaufte Nägel und Nadeln, war oft Hausierer. Ein Vogt war einmal Beamter, und der Lersch war Hersteller von Lersen, das sind Strümpfe. Ferg oder Fehr kommt von Fährmann.

Auch finden wir eine Reihe von Namen die Volksetymologisch umgedeutet wurden. So muss der schon vor dem dreißigjährigen Krieg in Trippstadt und dem Holzland bekannte Name Schmalenberger nicht unbedingt in einem Flurnamen seine Wurzeln haben, sondern kann auch christlicher Herkunft sein. Wie Essig und Eisig auf Isaak zurückzuführen sind, so Schmal, Schemel auf Samuel.

Im 18. Jahrhundert finden wir den Bürstenbinder Nikolaus in Trippstadt. Ein Name der einige Änderungen erfuhr. Cola und Kohlhas gingen aus ihm hervor.

Spanier ist ein bekannter alter Trippstadter Familienname. Allerdings handelt es sich nicht um jemand der aus Spanien zu uns gezogen ist. Spanier nannte man einen Pilger der nach Santiago da Compestella pilgerte und wieder zurückgekehrt ist.

Wir finden im Bürgerbuch von Trippstadt den 1850 in Kaiserslautern geborenen Franz Jost, ein Schuster der nach Trippstadt gezogen ist. Jost ist die Kurzform von Jodoeus der keltischen Ursprungs ist. St. Jodocus ist Wallfahrtsheiliger in der Picardie. Der Name verbreitete sich vom Niederrhein bis nach Süddeutschland. Er kommt in der Südpfalz und im Elsaß recht häufig vor.

Franz Fickeisen, von Beruf Müller ist im 18. Jh. von Lauterecken nach Trippstadt gekommen. Dieser Name leitet sich ab von „feile das Eisen“.

Natürlich interessiert mich besonders die Herkunft meines eigenen Familiennamens. Sicher ist es dass dieser Name, Wagner, ein Berufsname ist. Im pfälzischen Bann dort wo meine Vorfahren herkommen existiert dieser Name seit 1608.

Durch die bedeutendste Erfindung der Menschheit – das Rad – ist der Beruf des Wagenbauers entstanden. Schon im Zweistromland existierten zweirädrige Wagen. Die Räder dieser Wagen bestanden schon aus Nabe und Speichen, so dass schon damals das bis heute gültige Grundprinzip erfunden war. Das Großreich der Römer gründete sich auf einem perfekten Straßensystem von England bis nach Ägypten. Auf diesen Straßen konnten die Kohorten mittels der weiterentwickelten Wagen sehr schnell zu den jeweiligen Standorten befördert werden. Die Wagenbauer gehörten zu dieser Zeit zu den bedeutendsten Handwerkern, da sie nicht nur für das Militär, sondern vor allem für die reichen Römer „Prunkwagen“ herstellten.

Mit dem Zerfall des römischen Reiches erlahmte der Wagenbau.

Erst als die Ungarn einem französischen König eine neuartige Konstruktion des Wagenkastens (schwingend mit Riemen befestigt) schenkten, griffen andere Länder diese Bauweise auf, und entwickelten daraus die bis heute bekannten K;Kutschen. Der Berufstand des Wagenbauers bekam eine neue Blüte.


Abgeleitet vom Beruf des Wagenbauers, ist er einer jener erhaltenen Familiennamen wie Bäcker, Schneider, Fischer oder Müller hinter dem ein Beruf steht.
In Süddeutschland wurde der Namen Wagner (ursprünglich Wagener) zuerst eingeführt. Am Rhein wurde der berufe als „Esser“, und in Norddeutschland als „Rademacher“ bezeichnet. Da der Wagenbau erst im 16. und 17. Jahrhundert wieder Bedeutung erlangte und zu dieser Zeit schon viele Menschen Familiennamen trugen, gibt es vom Namen Wagner nur wenige Mundartvarianten.

Im niederdeutschen Raum verbreitete Varianten sind Wegner und Wegener. Daneben gibt es noch die Varianten Wahner, Wehner und Weiner. In den USA ist dieser Name durch deutschstämmige Auswanderer als Wagoner bekannt, so nannte sich ein Vorfahr von mir der nach Amerika auswanderte „Jack Wagoner“.
hukwa
Lit. Hinweise:

Michael Grant: Rätselhafte Etrusker.
Ernst Christmann: Von der Zusammenarbeit zwischen genealogischer und Familiennamensforschung, in Pfälzische Familien- und Wappenkunde 1952.
Hans Bahlow: Deutsches Namenslexikon. 1976
Oskar Poller: Die Entstehung der pfälzischen Familiennamen.
Hans Wagner: Stammbuch der Familie Wagner.
Hans Wagner: Von Bann nach Erzhütten.
Trippstadter Bürgerbuch: Heinrich Haas 1993
Kurt Knebel: Trippstadter Flurnamen. Sonderausgabe der „Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt“.











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