Dienstag, 12. März 2013

Die Besitztümer der Familie von Flersheim im ehemaligen Oberamt Lautern und der Umgebung Hans Wagner

Wenn man sich mit der Regionalgeschichte der Stadt Kaiserslautern beschäftigt, speziell mit alten Gebäuden und ehemaligen Adelssitzen wird man immer wieder auf die Adelsfamilie von Flersheim (Flörsheim) stoßen. Angehörige dieses Familiengeschlechts, das eigentlich ursprünglich im Wormsgau zu Hause war, jedoch zum Ende des Mittelalters Herrschafts- und Besitzrechte in unterschiedlichen Gebieten Südwest- und Westdeutschlands hatte, waren lange Zeit kurfürstliche Amtleute in der Lautern. Genannt seien hier nur Bechthold (gest. 1396), Friedrich der Ältere (gest.1489), Hans (gest.1575), Bechtolf (gest.1546) und wieder Friedrich (1575), dessen Wohnsitz in Neuhemsbach (b.Rockenhausen) war und der von hier aus den gesamten Familienbesitz (Fideikommiss) verwaltete.
Die Verbundenheit der Flersheimer mit der Stadt Lautern zeigt sich vor allem darin, dass sie vor der Reformation eine Vikariatspfründe gestiftet haben. Wegen diesem verdienst und anderen wurde ihnen die Ehre zuteil in der Stiftskirche begraben zu werden, eine Seitenlinie der Flersheimer führte lange Zeit den Beinamen „von Lautern“.
Im Mittelalter war es üblich, dass die adeligen Vasallen eines Fürsten nicht mit Geld, sondern mit lehensweise überlassenem Haus- und Landbesitz für ihre Dienste entschädigt wurden. So auch die Flersheimer, dadurch hatten sie außer ihren Verwaltungsfunktionen natürlich auch noch Wehraufgaben zu erfüllen.
Um zu erfahren woher die großen Verdienste der Flersheimer kamen, die sie sich erworben haben ist es nötig einmal einen Blick auf die Vita zumindest eines Familienangehörigen zu werfen und zwar auf Friedrich I von Flersheim.
Ritter Friedrich I von Flersheim war mehrere Jahrzehnte von ca. 1415 bis 1459 Dienstmann der Pfalzgrafen bei Rhein sowie des ungarisch deutschen Königs und späteren Kaisers Sigmund. Von 1415 bis 1417 begleitete er den Kurfürsten Ludwig III. beim Konzil von Konstanz, verschiedene Historiker gehen davon aus dass er bei der Verbrennung von Jan Hus beteiligt war. Nach eigener Aussage war er 1416 bei der Verlegung des gefangenen und abgesetzten Papstes Johannes XXIII. von Heidelberg nach Mannheim dabei. Im Auftrag König Sigmunds sollte er 1429 einen Ritterbund wie den des St. Jörgenschildes im Wasgau und am Oberrhein gründen helfen. Mindestens zwei mal (1421, 1428) kämpfte er gegen die Hussiten in Nordwestböhmen und in Mähren dabei geriet er zweimal in deren Gefangenschaft. 1428/29 war er Teil eines komplizierten Gefangenenaustausches zwischen mährischen Hussiten und König Sigmund. Er begleitete als Ritter den Pfalzgrafen Ludwig III., als dieser 1426/27 eine Pilgerreise nach Jerusalem unternahm, und machte sich 1428 in der Schlacht bei der Donaufestung Golubac (an der Grenze zu Rumänien vor dem „eisernen Tor“) gegen die Türken unter Sultan MuradII. Als Gefolgsmann und angeblicher Lebensretter König Sigmunds einen Namen. Als Ritter unterwegs war er auch mindestens viermal beim Deutschen Orden in Preußen, 1428 auch in Litauen und Russland (Nowgorod und Pskov), in Frankreich (Melun und Bulgneville) sowie verschiedentlich im Elsaß, darunter auch 1444 zweimal als pfälzischer Gesandter beim französischen Dauphin und König wegen der Armagnaken. Etwa drei Jahrzehnte war er pfälzischer Amtmann in Kaiserslautern. Friedrich hatte vier Söhne. Seine Stiefschwester Adelheid war verheiratet mit Friedrich Greifenclau zu Volraths, einem engen freund und Kameraden Friedrichs, der nach der Flersheimer Chronik, einer Handschrift mit Familiengeschichtlichen Aufzeichnungen, der Ahnherr aller späteren Greifenclauer wurde.
Friedrich hatte sich also sehr verdient um das Reich gemacht seine Nachfolger traten in seine Fußstapfen.

Die Besitzungen der Flersheimer lagen zum größten Teil in der Pfalz aber auch zum kleineren Teil im nordbadischen Kraichgau. Es waren dies:

Ellerstadt (Ortschaft mit Blutgerichtsbarkeit)
Grombach (Ortsherrschaft Kraichgau)
Laumersheim (ehemaliges Wasserschloss)
Mehlingen (ehemaliger Sickinger Hof)
Neuhemsbach (Ortsherrschaft)
Trippstadt (Burg Wilenstein, Mühle)
Trippstadt – Aschbacherhof (Herrenhaus Aschbacherhof, Aschbacherwald)
Kaiserslautern (Häuser, Grund und Boden)

In der zum Schutze des Reichslandes erbauten Burg in Lautern waren die Flersheimer Burgmänner und hatten – für die Zeiten der Gefahr – auch Wohnrechte innerhalb des Burgbezirks. Sie besaßen vor 1585 gleich vier Burgmannshäuser. Diese sind nachgewiesen in einem Lehensbrief von 1614. der erste Gebäudekomplex erstreckte sich vom Marstall bis an das Zwingenborner „Thorlein“, Garten und Scheune gehörten dazu. Ein zweites Haus hatten die Flersheimer von dem früheren Burgmann Peter Morschheim übernommen.
Dem Kurfürsten als Lehnsherren heimgefallen war im 15. Jh. ein Burghaus das die Edlen von Breidenborn (beim Daubenborner Hof/ Enkenbach) innegehabt hatten (zuletzt Georg von Breidenborn- nach einer weiteren Urkunde von 1698). Nach dem es anschließend dem Hans Adam Wald (1698: Hanßen von Ottenwals) lebenslang verliehen war, wurde es den Flersheimern übergeben. Auch noch ein viertes Haus hatten sie in Nutzung, und zwar dasjenige dass vordem dem Grafen Johann von Homburg gewesen war und das Kurpfalz dann gegen eine „Behausung“ in der Vorburg eingetauscht hatte. Zu den Häusern gehörten teilweise auch Gartengrundstücke. Ein Garten der an das Veldenzer Haus stieß, ist in den einschlägigen Urkunden besonders erwähnt.
Am 7. März 1583, wurde von Pfalzgraf Johann und Friedrich II von Flersheim ein Tausch- und Kaufabkommen unterzeichnet, nachdem der Flersheimer sämtlichen Haus- und Grundbesitz innerhalb der Burgmauern um den Betrag von siebentausend Gulden abtrat. Für die gleiche Summe erhielt er den sogenannten Werschweiler Hof „in der Stadt Lautern gelegen in der Steingassen, vorne auf die gemeine Landstraß stoßend“. Als Nachbarn hatte er nun gegen die Stadt zu: unten Andreas Zettelin und oben Jost Lang. Zwischen den Besitztümern der Bürger und des Adelsherrn war eine Allmendgasse, die man fahren und reiten konnte, heißt es in dem Dokument. Es dürfte sich hier um die heutige Kolbenstrasse handeln. Dann ist noch die Rede von der benachbarten Neugaß, wo gleich der Hofgarten begann. Mit diesem Weg könnte die heutige Ludwigsstrasse gemeint sein; denn bis dahin erstreckte sich das Anwesen des Werschweiler Hofes. Bereits im Jahre 1585 entstand hier der neue Burgmannensitz der Flersheimer im schönen Renaissancestil. Dieses Haus erbte später der Schwiegersohn des letzten Flersheimers, Casimir Kolb von Wartenberg, daher Kolbenhof.
Ich (der Verfasser) erinnere mich noch daran das man in den 1960er Jahren an dem Gebäude noch immer das recht gut erhaltene Wappen des Hauses Flersheim erkennen konnte. In Kaiserslautern hieß das Gebäude später „Flersheimerhof“ als auch „Kolbenhof“.

Grundbesitz zum Flersheimer Hof gehörig:
Aus dem Jahre 1677 liegt ein ziemlich ausführlicher Bericht über das Anwesen in der Steinstraße vor. Damals gehörte dieses allerdings schon dem Johann Casimir Kolb von Wartenberg (in zweiter Ehe verheiratet mit Judith von Flersheim). Die Aufnahme des Besitzes tätigten am 19. März 1677 der Stiftsschaffner Römer, die Ratsangehörigen Theobald Metzger und Johann Schuh, der Spitalverwalter Peter Braun und der Steinsetzer Isaac Magni. Es ist zunächst die Rede von der „Wohnbehausung“. Dazu gehörten Scheuer und Stallung, ein großer Garten hinter der Scheuer und ein Garten neben dem Haus sowie ein „klein Häuslein“ ebenfalls neben dem Haus. Ausserdem war noch eine kleine Scheuer vorhanden, die die Grundstücke von Hans Rüb und Rufolf Deidesheimer berührte.
Der große Garten erstreckte sich vorne von der Allmendgasse gegen das Schloss zu bis an Junker Kolbs erkauften Garten. Auf der anderen Seite war ein weiterer Garten, der dem Junker Kolb von Wartenberg von „unserer gnädigsten Fürstin und Frau“, nämlich von der Pfalzgräfin Maria Eleonore (von Simmern), die damals das Fürstentum Lautern innehatte, als Lehen übergeben worden war. Dieses Grundstück bewirtschaftete zuvor Philipp von Gemingen. Pfalzgraf Friedrich hatte es Hans von Flersheim als Lehen übergeben. Pfalzgräfin Maria Eleonore, deren Statthalter Johann Casimir Kolb von Wartenberg war, hatte das Lehen demnach nur bestätigt. Zwischen dem herrschaftlichen und dem erkauften Garten verlief ebenfalls eine Allmendgasse (Gemeindegasse), die zu einem Steg über den Stadtgraben hin zur Stadtmauer führte.
Zu dem Werschweiler Hof gehörte ein beachtlicher Feld- und Wiesenbesitz. Er wurde durch Käufe noch erweitert. Die Flersheimer besaßen 1677 in der Gemarkung Kaiserslautern über 80 Morgen Ackerland. Die Einzelgrundstücke lagen am Gersweiler Weg (Flersheimer Gering), am Enkenbacher Weg, am Enkenbacher Pfad, am Hertelsborn, am Wartenberger Weg, am Wartenberger Pfad, in den Guldenäckern, am Rodenberg, bei der lehmengrube, am Morlauterer Weg (am Burggraben), in den Kappesgärten am Morlauterer Weg und vor der Burgpforte. Wir sehen, schon damals war die Zersplitterung des Grundbesitzes weit vor geschritten und nicht einmal dem höchsten Beamten in Lautern war es möglich, diesen zu arrondieren.

Alte Rechte außerhalb der Stadt Lautern:
Als Burgmänner, also Amtleute standen den Flersheimern schon in mittelalterlicher Zeit zu:
1 Achtel der Besthäupter im „Reich“ (in Weilerbach, Steinwenden, Ramstein); der Forsthub zu Weilerbach; der Futterhafer im Kirchspiel zu Weilerbach; 5 Pfund Heller Geld und ein Pfuhl, genannt Ellerpfuhl (Weiher); nochmals 2 ½ Pfund Heller Geldes zu Weilerbach, fallend auf St. Remigius; 7 ½ Pfund Heller zu Steinwenden, dazu Fischerei, Jägerei und Holzhauen; 8 Pfund Heller alle Jahre im Kübelberger Gericht, dazu die selben Rechte in Steinwenden/2 1/2 Pfund Heller zu Ramstein, auf „Remigi“ Zins fallend.
Unter „Besthaupt“ versteht man die Abgabe aus dem Nachlaß eines Grundhörigen an den Grundherrn. Dieser Begriff deckt sich in etwa mit der heutigen Erbschaftssteuer.
Abgeliefert werden musste, ein Stück Rindvieh und zwar das „beste Haupt“ im Stalle. Diese Abgabe stand den Flersheimern im „Reich“ zu. d. h. In einem Teil des ehemaligen Reichslandes in Lautern. Ein Gebiet an das heute noch der „Reichswald“ erinnert.
Die „Hub“, wie sie den Flersheimern in Weilerbach und Lautern zur Nutzung übergeben worden war, war eigentlich ein Altdeutsches Ackermaß (huoba) von 20 bis 50 Morgen, eine Ackernahrung, d. h. Soviel Land, wie für eine Familie nötig war und man mit einem Gespann bearbeiten konnte. Also auch in Weilerbach hatten die Flersheimer beachtlichen Grundbesitz.

Die Flersheimer Hub in der Herrschaft Wilenstein:
Burg und Herrschaft Wilenstein in Trippstadt waren im 14. Jahrhundert halbiert. Lehensträger (von Leiningen) waren die Falkensteiner und die Flersheimer. Das Land, das zur Burg gehörte, war unterschieden in die Wyrichshub und die Flersheimer Hub. „Wyrichshub“ hieß die eine, weil sie Wyrich von Daun durch die Heirat mit Irmingard von Falkenstein geerbt hatte. Der Bezirk der Flersheimer Hub umfasste neben der hinteren Burg Wilenstein die Hälfte des Dorfes Trippstadt, den Aschbacherhof, den Aschbacherwald und die Flörsheimer Mühle. Im Dorf Trippstadt selbst verlief die Grenze zwischen beiden Huben entlang der alten Landstraße nach Lautern. Die Flersheimer besaßen den größten Teil des Ortes auf der Westseite (n.M. Frey). Sie unterhielten einen eigenen Hubschultheißen, was wiederum auf die Größe des Grundbesitzes schließen lässt.
Nach dem Tode Hans Philipps von Flersheim erbte die Tochter Esther, die Gemahlin des Johann Conrad Blarer v. Geiersberg den Teil der Hub, in dem das Dorf Trippstadt lag. Den Hof Aschbach, der von der Herrschaft Wilenstein abgetrennt wurde, erbte die Tochter Judith, die früh verstorbene Frau des Johann Casimir Kolb v. Wartenberg I. So kam dieser teil des Flersheimer Besitzes später zur Grafschaft Wartenberg, schließlich noch in die Konkursmasse Wartenberg und durch Kauf an den Grafen von Sickingen. Esther von Geiersberg vermachte die Herrschaft Wilenstein an Johann Philipp v. Virmund, den Sohn ihrer Schwester Elisabeth.


Der Besitz der Flersheimer in Neuhemsbach und der weiteren Umgebung
Der Besitzstand der Flersheimer ist im Neuhemsbacher Lagerbuch von 1571 festgehalten (St. A. Speyer, Sayn Wittgenstein Nr. 22,2) sowie in einem Zinsbuch aus dem Jahre 1626 (St. A. Speyer, Sayn Wittgenstein Nr. 5h). Danach gehörten zu dieser Herrschaft: Haus und Schloss Neuhemsbach mit seinem ganzen Bezirk. Dazu gehört auch die hohe Obrigkeit, zu richten über Hals und Bein und alle ungerechten Leute. In Münchweiler und Gonbach von den Grafen zu Leiningen das sogenannte
„Westerburgische Lehen“. Dazu alle Obrigkeit und Gerechtigkeit zu jagen und hagen, Gebot und Verbot, zu richten über Hals und Bein. In Baudtweiler haben die Flersheimer gemeinsam mit den Kolben von Wartenberg die Obrigkeit, doch sind die ersteren oberste Gerichtsherren. In Sippersfeld ist die Herrschaft ebenfalls geteilt und zwar mit den Grafen von Nassau. Die hohe Gerichtsbarkeit haben die Nassauer allein. Die Herren von Neuhemsbach erheben den Zehnten zu Imsbach und Lohnsfeld. Alsenbrück, der Wäschbacherhof und der Bocksrückwald gehören nach Neuhemsbach.
In Wartenberg haben die Flersheimer keine Herrschaftsrechte aber einen beachtlichen Besitz an Hofstätten, Felder, Wiesen und Wäldern. Die Wartenberger Mühle, die Michel Krauß erbaut hat ist Eigentum der Flersheimer. Besitzrechte bestehen noch in Alsenborn am Hubhof, das Kloster Enkenbach bezahlt Abgaben für ein Gut in Baudtweiler. Nach einem Vertrag von 1556 hat
Mehlingen Weiderecht in Baudtweiler für einen Malter Hafer jährlich. In dem Lehensbuch des Landgrafen Hasso sind auch die Streitigkeiten des Gotfried von Randeck und Friedrich von Flersheim festgehalten. Es geht unter anderem hauptsächlich um die Rechte in Münchweiler. Außerdem fordert er „Ychenbach den Wagck“ (= Woog) und einen Teil am gericht zu „Ychenbach“. Gemeint ist die „Eichenbach“ am Neuhemsbacher Bahnhof. Sie wurde 1279 erstmals urkundlich erwähnt.

hukwa




Lit. Hinweise:

Otto Walz: Die Flersheimer Chronik. Leibzig 1874.
Walther Möller: Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter. Selbstverlag; Darmstadt 1950.
Heinz Loch: der Aschbacher Wald im Wilensteiner Land. Heimatjahrbuch KL.
Daniel Häberle: Alte Straßen und Wege in der Pfalz; Pfälzerwaldverein, Wanderbuch 1931.
Wilhelm Höfli: Aus der Geschichte des Karlstals; Mitt. A. Kltrn. 1958, Nr. 6.
Lehmann Joh. Urkundliche Geschichte der Burgen und Bergschlösser ...der Byr. Pfalz.
Rudolf Bechberger: Die Herrschaft der Randecker und Flersheimer: H. Jahrbuch-KL- 1993

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