Sonntag, 10. Juni 2012

Wo einst Kelten und Römer ihre Götter wussten


Eine spirituelle Annäherung an die märchenhafte Landschaft des Wasgau  


Man kann Trippstadt ohne weiteres als dass Tor zum Wasgau bezeichnen, wenn man unsere Landschaft aus der Perspektive der geographischen Geomantie betrachtet. Hier ist zu erwähnen, dass die Geomantie eine lange Tradition hat und durchaus als Vorläufer der modernen Landschaftsplanung angesehen werden kann. Als mehrere tausend Jahre alte Erfahrungswissenschaft, die Vorgänge in unserem Lebensraum zu harmonisieren, zu verstehen und die Wirkung der schöpferischen Kräfte in Einklang mit dem Menschen zu bringen über die Geomantie erfahren wir Landschaft.
Auf Höhen und in Tälern des Wasgaus zeugen Kulturreste aller Jahrhunderte von Siedlungen der urältesten Bewohner bis zu Lebensformen der jüngsten Zeit. Dieses gebiet nannten die Kelten „Wassichin“ in der Bedeutung von Auerochsengebirge: das Nibelungenlied gab dem Gebiet den Namen Wasgenwald. Die Römer nannten den Wasgau Vosgesus oder Vosegus und verehrten ihn wie die Kelten als mächtige Gottheit. So erklärt sich auch die französische Bezeichnung „Vosges“ beziehungsweise Vogesen hierzulande
, die pfälzischen Dichter fanden für diese Landschaft den Ausdruck „Pfälzische Schweiz“ und einer von ihnen schwärmte romantisch:

„Kommt in den Wasgau, wo der Berge Kuppen
Gekrönt mit rätselhaften Felsfiguren
Und Felsenburgen, -stehen in wirren Gruppen,
Umglänzt von grünen Tälern, lichten Fluren!
Erquickung wohnt in stillen Waldeshallen
Und Märchenbilder durch die Burgen wallen.“ 

Aber auch die Maler haben im Wasgau ihre Inspirationen gefunden und die Landschaft in wunderbaren Farben und Formen auf ihre Leinwand gebannt: Steinriesen die plötzlich in den Wäldern auftauchen als hätte eine höhere Macht sie geformt, Felsentore, Schluchten und gigantische Steingebilde deren Aussehen an Türme, Kanzeln, Gesichter oder Tische erinnern, wie der Teufelstisch bei Hinterweidenthal. Der Wasgau ist eine verwunschene Landschaft, der Geomant würde nun sagen: Eine Landschaft der Verkörperung!
Wenn wir diese Landschaft durchwandern passiert es uns ganz plötzlich das sich vielleicht die lineare Zeit auflöst und wir sind mit einem mal wieder aufgehoben in den unendlichen Zyklen des Kosmos- im immerwährenden Tanz der Jahreszeiten, sind Teil des Weges von Sonne und Mond und fühlen uns als Teil jener träumenden steinernen Giganten die hier seit Jahrmillionen in meditativer Ruhe die Wälder bewachen.
Auf den Höhen zwischen Pfalz und Elsass bei dem idyllischen Ort Schönau dessen Geschichte mit Trippstadt durch die Eisenschmelzen verbunden ist, ragt geheimnisvoll der Wasigenstein, er liegt in 300 Meter Höhe an einem der Südwestabhänge des Maimonts über dem Langental. Die Legende sagt dies sei der Ort wo einst Walter gegen Gunther und Hagen kämpfte. Auf dem Hauptgipfel des Maimonts findet sich eine keltische Ringwallanlage in deren Zentrum sich die Opferschale, ein ausgehöhlter Fels befindet. 
Der Wasgau ist eine Mythen reiche Landschaft. In Mythen werden Zusammenhänge zwischen äußerer und innerer Natur auf vielfältige und spirituelle Weise wiedergegeben. Sehr viele Orts- und Flurnamen der Wasgaulandschaft weisen einen solchen Bezug zur Mythologie auf. Es geschieht fast von selbst das wir mit der Landschaft in Verbindung treten und die Seele des Ortes, Anima loci oder den Geist des Ortes, Genius loci auf einmal in uns zu wirken beginnt. 
hukwa

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