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Samstag, 1. Juli 2017

Der Rote Fingerhut

Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) bildet in unseren Mittelgebirgen, besonders auf Waldlichtungen mit kalkarmen Boden, ausgedehnte Bestände. Seine großen, purpurroten Blüten, die zu auffallenden Trauben gehäuft sind, stellen hängende Glocken dar. Diese Blütenform erinnert an einen Fingerhut (lat. digitus = Finger). Die Flecken in der Blüte sollen Staubbeutel vortäuschen und die Attraktivität der Blüten für Insekten stark erhöhen. Allerdings überwinden nur größere Insekten wie Hummeln die bärtige Sperre auf dem Blütengrund, die kleinere unzuverlässige Blütengäste zurückhält.

Die giftige Pflanze aus der Familie der Rachenblütler ist mit mehreren Arten in Mitteleuropa und Westasien heimisch. Zu Heilzwecken verwendet man vorwiegend den Roten Fingerhut als auch seinen Verwandten, den wolligen Fingerhut (Digitalis lanata).

Im ersten Jahr entwickelt sich am Boden nur eine große Blattrosette, im darauffolgenden Jahr wächst der behaarte Stängel 60 – 120 cm empor. Er trägt runzlige, an der Unterseite grau-filzige, lanzettförmige Blätter. Von Juni bis September erscheinen dann die charaktertypischen Blüten. In Ziergärten gedeiht eine weniger giftige Sorte als Zierpflanze.

Den größten Heilwert hat der wildwachsende Fingerhut. Dieser ist dafür bekannt, dass sein Wirkungswert an den verschiedenen Standorten recht erheblich voneinander abweichen kann. Als besonders gut und reich an Inhaltsstoffen gilt der "Harzer Digitalis". Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Pflanze von dem englischen Arzt William Withering in die Therapie eingeführt. Auf seinen grundlegenden Arbeiten baut sich auch heute noch die gesamte Lehre der Digitalis auf. Man hatte den Fingerhut schon lange vorher in der Volksheilkunde angewandt, allerdings für ganz andere Erkrankungen, als jene für die er heute angewendet wird.



Foto © UteKW



Leonhart Fuchs ein bekannter deutscher Arzt und Botaniker, gab der Pflanze im Jahre 1542 den wissenschaftlichen Namen, eben wegen der Ähnlichkeit mit einem Fingerhut. Als einer der ersten Ärzte beschreibt er die Pflanze als Arzneikraut. Es sollte allerdings William Withering überlassen bleiben den Fingerhut ab 1775 in die Medizin einzuführen. Als erster hat er ihn bei Herz- und Kreislauferkrankungen angewandt. Er beschrieb die Heilpflanze in einer Monografie äußerst exakt.

Bei den britischen Kelten war die Pflanze eng mit dem „kleinen Volk“, den Elfen und Feen verbunden. Sie sollen die Blüten des Fingerhutes u.a. als Kopfbedeckung genutzt haben.
Die Pflanze bot Schutz vor Bösem und war gleichzeitig ein Bindeglied zu den Naturgeistern.

Der Fingerhut ist eine der stärksten heimischen Giftpflanzen und darf auf keinen Fall selbst zubereitet werden. Schon geringe Mengen wirken tödlich! Bei der Anfertigung eines jeden Digitalis-Blätterrezeptes ist der Apotheker verpflichtet, eine neue Ampulle zu öffnen und den nicht verbrauchten Rest fortzuwerfen. Der Arzt ist somit immer sicher voll wirksamen Digitalis zu erhalten.
In Gärten, in denen Kinder spielen, hat der Fingerhut also wegen seiner Giftigkeit nichts verloren!


Wohl aber in freier Natur, wo er mit seiner Blütenpracht die Vorbeikommenden grüßt.

hukwa

Mittwoch, 21. Januar 2015

Hieronymus Bock

Hieronymus Bock Botaniker, Pfarrer und Arzt war zweifelsohne einer der bekanntesten Kräuterkundigen seiner Zeit. 1498 geboren ist sein wirklicher Geburtsort nicht mehr sicher nachzuweisen. Gleich drei Orte beanspruchen sein Geburtsort zu sein: Heidersbach im Odenwald, Heidelsheim bei Bruchsal und Queidersbach im Pfälzerwald. Das Bock tatsächlich aus Queidersbach stammt versuchte 1968 Gerhard Staat im „Heimatkalender für die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern“ nachzuweisen. Dieser interessante Artikel ist nicht ganz ohne Logik, Bock könnte tatsächlich in Queidersbach das Licht der Welt erblickt haben. Auch viele zeitgenössischen Autoren und Hieronymus Bock Experten sehen die Heimat dieses großen Botanikers und Arztes im „westlichen Pfälzerwald“. Bock gab im Jahre 1546 ein Kräuterbuch heraus, das zu den besten seiner Zeit zählt, dieses Buch enthält neben der medizinischen Verwendung der Pflanzen auch Angaben über Fundorte im westlichen Pfälzerwald.
Über die Jugend von Hieronymus Bock ist wenig bekannt, sicher ist dass seine Eltern zwischen 1519 und 1530 in Schifferstadt lebten. Bock studierte in Heidelberg wo er sich 1519 immatrikulierte. 1522 finden wir ihn als Lehrer und Botaniker in Zweibrücken, damals Residenz Herzog Ludwig II, bei dem er eine Anstellung bekam. Im März 1532 wurde Bock Leibarzt Ludwigs, für den Fürsten konnte er allerdings nichts mehr tun dieser starb noch im selben Jahr an den folgen seines jahrelangen schweren Alkoholmissbrauchs. In Zweibrücken begegnete er Johann Schwefel dem späteren Reformator der Stadt. Diese Begegnung wurde für Bocks weiteren Lebensweg sehr prägend.
Er heiratete die Zweibrücker Bürgerstochter Eva Victor, betätigte sich als Alchimist und legte einen botanischen Garten für herzog Wolfgang des Sohnes von Ludwig II an. 1533 erhielt er als verheirateter Laie eine Pfründe im Hornbacher Fabiansstift. Diese bekam er wohl um ihm eine Lebensgrundlage zu geben aber auch um ihn in Zweibrücken halten zu können. Zu dieser Zeit galt Hieronymus Bock schon als renommierter Wissenschaftler und Kräuterkundiger. Seinen Pflichten als Stiftsherr kam er nur mäßig nach was schließlich zu Streiterein mit den anderen Stiftsherren führen musste. Der Streit wurde 1536 für ihn in einem Vergleich günstig beigelegt woraus man schließen kann dass er beste Beziehungen zum Fürstenhaus pflegte. Er wurde von den Lehrverpflichtungen an der Schule befreit und musste auch am Chorgebet (Stundengebet) und den Kapitelsitzungen nur teilnehmen wenn es seine öffentliche Pflichten und botanische Studien erlaubten.
Um 1538 übernahm Bock das Pfarramt der Gemeinde Hornbach.
Mit dem Augsburger Interim von 1548 erlitt die Reformation einen herben Rückschlag, nach dem verlorenen Schmalkaldischen Krieg gerieten die evangelischen Fürstenstände und Reichsstädte in arge Bedrängnis. Das Interim stieß auf protestantischer als auch auf katholischer Seite auf heftigen Widerstand. In den süddeutschen protestantischen Gebieten wurde es mit staatlichem Zwang, in den norddeutschen Gebieten nur oberflächlich durchgeführt. Bereits 1552 wurde das Augsburger Interim nach Protesten der protestantischen Fürsten wieder zurückgenommen und die konfessionelle Spaltung des Reiches wurde angenommen.
Während des Interims musste der mit Hieronymus Bock befreundete Abt des Klosters Hornbach Kintheuser dem katholischen Johann Bonn von Wachenheim seinen Platz räumen. Dieser sperrte Bock und den anderen lutherischen Stiftsherren und Pfarrern die Einkünfte und forderte sie auf dem protestantischen Glauben zu entsagen. Hieronymus Bock verließ Hornbach und ende Juli 1550 finden wir ihn in Saarbrücken als Leibarzt von Graf Philipp II. Dieser war Hieronymus sehr verbunden hatte dieser ihn doch einst von einer lebensgefährdeten Krankheit geheilt. Auch hier legte er gleich nach seiner Ankunft einen großen Kräutergarten an.
Das Saarbrücker Exil dauerte zwei Jahre von hier aus schrieb er seinen bekannten Sendbrief an seine ehemalige Gemeinde in Hornbach. In diesem Schreiben, seinem einzig überlieferten theologischen Text, das nur handschriftlich erhalten ist wendet er sich an seine Gemeinde und mahnt sie an fest an den Werten des lutherischen Glaubens sich zu halten.
1552 kehrte er nach Hornbach zurück. Vermutlich gleich nach dem Passauer Vertrag, der den Interimsbestimmungen ein Ende setzte. Er setzte nun seine Predigertätigkeit wieder fort und konnte sich auch ungehindert wieder seinen botanischen Studien widmen.
Hieronymus Bock starb am 21. Februar 1554 und wurde in der Stiftskirche St. Fabian beigesetzt. Die lateinische Grabschrift lautet in der Übersetzung: Am 21. Februar im Jahre des Herrn 1554 entschliefen Seele und Körper von Hieronymus Bock, der Arzt und Stiftsherr dieses Hauses war, im Herrn Jesus; dessen Seele Ruhe in der Gemeinschaft der Seligen. Amen.

hukwa