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Donnerstag, 26. November 2020

Im Kiefernwald

 Die alten Kiefern atmen Zeit 
Sandsteinblöcke an den Hängen 
starren wie Buddhaköpfe 
ich laufe durch den stillen Wald 
mir ist 
als kehre die Kindheit wieder. 
hukwa

Samstag, 12. Januar 2019

Von Lochbäumen, Bannsteinen und Siebengeschworenen und ihren Geheimnissen

 
Foto©UteKW

Ich erinnere mich heute noch gut an einen seltsamen Brauch in meinem Heimatort. Während des Besuchs der Grundschule wanderten wir einmal im Jahr zum „großen Stein“, so nannte man im tieferen Wald einen alten Grenzstein. Einer von uns Buben musste sich dann symbolisch mit dem Bauch auf den Stein legen und der Lehrer schlug dann mit einer Gerte leicht auf unseren Hosenboden. Ich wusste nicht was dieser Brauch bedeutete. Irgendwann fragte ich meinen Großvater, der Feldgeschworener gewesen war, und er erklärte mir diesen uralten Brauch:
Schon immer bestand in bäuerlichen Kulturen die Notwendigkeit, Grenzen zu markieren. Anfangs waren es natürliche Grenzmarken die man nutzte, also Bachläufe, Flussläufe, Gesteinsformationen, einzeln stehende Bäume oder natürliche Felsen. Über die Römer kam dann die Sitte behauene Grenzsteine zu nutzen zu uns. Es dauerte jedoch bis ins Mittelalter um Grenzsteine einzusetzen, davor waren es die sogenannten Lochbäume, die Grenzen markierten. Da nun Steine beständiger sind als Bäume übernahm man also die römische Art der Grenzsteinsetzungen.
Es bestand immer die Gefahr, dass Grenzsteine manipuliert wurden, erzählte mir mein Großvater, daher setzte man Feldgeschworene oder sogenannte „Siebengeschworene“ ein, die für die Richtigkeit der Grenzsteine garantierten. Es kam im Laufe von Jahrhunderten immer wieder einmal vor, dass Grenzsteine heimlich versetzt wurden, um sich Vorteile zu verschaffen. Um solchen Frevel zu erschweren haben sich unsere Vorfahren einiges einfallen lassen. So wurden Sieben Geschworene benötigt, um einen Grenzstein ordnungsgemäß zu platzieren. Wenn das Werk vollbracht war, legte man einen Buben über den Stein und schlug ihm symbolisch ein paar auf den Hintern. Ihm wurde im Beisein anderer die Tatsache des neuen Grenzsteines regelrecht „eingebläut“. Was auch einen einfachen philosophischen Hintergrund hatte und bedeuten sollte: die Wahrheit ist nicht verrückbar!
So in etwa erklärte mir mein alter Großvater das Brauchtum der „Steinstaufe“, wie wir ihn als Kinder nannten. Er erzählte mir aber auch einiges aus dem Leben der Feldgeschworenen und ihren „Siebengeheimnissen“.
Das Setzen der Grenzsteine wurde von sieben Männern ausgeübt. Diese Männer waren vereidigte Personen und wurden Feldgeschworene genannt. Es gibt eine mittelalterliche „Ordnung für Feldschieder“ und diese nennt sieben Voraussetzungen für eine Ernennung. Mein Großvater hat mir diese Voraussetzungen nie genannt doch ich habe durch eigene Nachforschungen in etwa herausbekommen, was diese Ordnung besagte:
„Soll jeder sein im Ort geboren und soll sein zehn Jahre Bürger, ehe man ihn zum Feldschieder machet, derweilen sich in dieser Zeit seine ganze Beschaffenheit zeiget und man erkennet, ob er ein rachsüchtiger und unverschämter Erdenwurm ist; nicht Säufer, ein Spieler, ein Streiter, ein Schwärmer ist; ein ruhiger gelassener, bei jedem Streit gesetzter Mann ist; die Grenzen seiner Nachbarn in Dorf und Feld in Ordnung hält!.

Solche Feldgeschworenen wurden auf Lebenszeit gewählt und auch ihr Schwur währte ein Leben lang, er durfte das Siebenergeheimnis nicht weitergeben, nur an seine Nachfolger. Nun hat mir mein Großvater dieses Geheimnis auch nicht weitergegeben, doch durch Recherchen bin ich hinter einige Geheimnisse dieser alten Feldschieder gekommen.

Das Wort „Grenzstein“ ist noch gar nicht so alt. In alten Zeiten sprach man vom Bann oder einer Mark. Die Urform des Wortes „verbannen“ bedeutet nichts anderes als jemanden aus einem gewissen Machtbereich auszuweisen. Selbst das Wort „markieren“ hat seine Urbedeutung in den alten Lochbäumen und Grenzsteinen. Auf jedem Grenzstein befinden sich spezielle Zeichen – Ortszeichen, Wappen, Jahreszahlen, laufende Nummern. Auf der Kopfseite mancher Grenzsteine befindet sich eine gekerbte Rille, die den weiteren und genauen Grenzverlauf angibt, dies ist die sogenannte „Weisung“. Ändert eine Grenze die Richtung, dann setzte man die sogenannten Haupt- oder Ecksteine. Die dazwischen stehenden Steine nennt man „Läufer“. Bei den Römern war es Brauch, beim Setzen eines Grenzsteines die Münze ihres regierenden Kaisers unter den Stein zu legen. Die Feldgeschworenen übernahmen sozusagen diese „römische Methode“ und legten seltsame Steine, Eisenteile etc. unter die Grenzsteine. Dies blieb ein Geheimnis unter den Siebengeschworenen, das nur an ihre Nachfolger weitergegeben wurde. Und so war es nicht verwunderlich, dass ein Feldgeschworener des 20. Jahrhunderts wusste, was unter einem Grenzstein lag der im Jahre 1744 gesetzt wurde. An dieser Stelle erinnere ich mich auch daran, dass mein alter Großvater einmal geheimnisvoll von einem „Siebenbüchlein“ zu mir sprach ohne mir den Sinn dieses Wortes zu erklären.

Grenzen und Eigentum im Pfälzerwald zu kennzeichnen begann wohl mit der Besiedlung des „monte vosagus“ wie ihn die Römer nannten, zur Zeit der Franken.
Nach der Römerzeit war der Pfälzerwald über Jahrhunderte hinweg als königlicher Forst reines Jagdgebiet, das teilweise beweidet wurde. Etwa im 6./7. Jahrhundert begann man damit die alten Haingeraiden auszuscheiden und die fränkischen Gaugrafen belehnten und beschenkten die ersten Klöster im Pfälzerwald mit Land. Gleichzeitig wurden Waldteile ausgewiesen, um die errichteten Burgen belehnen zu können. Als nun auch noch Städte Wald erhielten, war der alte königliche Forst bis auf den kleinen Reichswaldrest um Kaiserslautern aufgeteilt.
Der Pfälzerwald ist durch und durch kulturgeschichtlicher Boden. In Verbindung mit der Stadt Lautern hat diese Landschaft an der Reichsgeschichte als fränkischen Königshof an der westöstlichen Magistrale von Lothringen an den Rhein Anteil genommen, als Rodungsinsel und Verwaltungsmittelpunkt des in der Merowingerzeit geforsteten Wasgau und zweifelsohne kann man die Wälder um Kaiserslautern als das „Sanssouci“ Barbarossas bezeichnen. Wenn auch der Kaiser seine Burg hier vielleicht nie gesehen hat, so gibt es genügend urkundliche Zeugnisse für den Aufenthalt der Mächtigen in Lautern und im umliegenden Forst. Zwischen Mai 1158 und August 1310 liegen 27 urkundlich einwandfrei bezeugte Aufenthalte römischer Könige und deutscher Kaiser in Lautern.
Wenn die Hohenstaufen von der Kaiserpfalz in Lautern zum Trifels und zur nächsten Pfalz, die sich in Hagenau befand, ritten, war ihr Weg immer der gleiche:
Von Lautern über den Hirschsprung nach Johanniskreuz zum Eschkopf, dort bog man zum Taubensuhl ab und ritt hinunter nach Eußerthal, wo sie im Zisterzienser-Hauskloster ihrer Reichsfeste Trifels einkehrten. Barbarossa dürfte auf dieser Reise gewiss auch eine kurze Rast in seinem geliebten Jagdhaus, am Jagdhausweiher in der Nähe des Aschbacherhofes gemacht haben.
Der Pfälzerwald wurde im frühen Mittelalter vorwiegend von Mönchen besiedelt. Nach 1152, dem Jahr seiner Königserhebung, stiftete Friedrich I. in Lautern ein Marienhospital und überantwortete es Prämonstratensern aus dem oberschwäbischen Kloster Rot an der Rot, das der später heilig gesprochene Ordensvater Norbert von Xanten 1126 hier selbst gegründet hatte. Aufzeichnungen übermitteln uns ein Bild von den Nöten der hier in der Wildnis des königlichen Bannforstes abgesetzten Ordensleute. Wie sich die meisten der Mönche in den dunklen Wäldern fühlten vermittelt eine Anfrage des damaligen Lauterer Spitalmagisters bei der hl. Hildegard von Bingen. Er fühle sich den Belastungen seines Dienstes seelisch nicht gewachsen, schrieb er, und spiele mit dem Gedanken zur kontemplativen Lebensform in der ruhigen Klausur seines Heimatklosters zurückzukehren.

Wo so viele Klöster und Burgen standen musste es auch viele Grenzbäume und später eben Grenzsteine geben. Dort wo die natürlichen Gegebenheiten fehlten, um einen Grenzverlauf zu markieren, benutzte man sogenannte Lochbäume. In den alten Grenzbeschreibungen des 16. Jahrhunderts fallen uns in alten Schriftstücken immer wieder solche Lochbäume auf. Das alte Weißtumb von der Frankenweide aus dem Jahre 1533 beschreibt solche Lochbäume:
„....von demselben Stein,.....bis zum Krodenborn, da steht ein Lochbaum, von demselben Lochbaum an der alten Straße nach bis in alte Gefälle, da steht ein Lochstein“.

Wir wissen aus der „Beforschung“ von Velmann, dass im Jahre 1600 in Johanniskreuz zwei Steine und dreizehn Lochbäume standen. Auch am bereits erwähnten Jagdhausweiher stand ein solcher Lochbaum. Velmann schreibt: „Vom Jagdhauser Kopf hinab zum 3. Stein in dem Rombacher Thal, ist ein liegender Fels bei der krummen Buche, oberhalb, da des Kaisers Jagdhaus gelegen, über das Thal hinüber und die Halde hinauf zum Dansenberg“.

Die Markierungen an solchen Lochbäumen wurden mit eine besonderen Axt ausgeführt, der sogenannten Waldaxt, einem fast sakralen Werkzeug, über diese Axt mehr in meinen „Aufzeichnungen über die Haingeraiden Forsten in der Südpfalz“.

Die alten Grenzsteine hüten noch manches Geheimnis. Hier möchte ich nur den seltsamen Henkmantels-Loogstein in der Nähe von Johanniskreuz erwähnen.
Zeichen wie die Wolfsangel auf Grenzsteinen sind wohl bestens erforscht, aber im Gesamtgebiet des Pfälzerwaldes warten noch einige dieser Steine, die ihr Geheimnis noch nicht preisgaben.

hukwa

Literatur Hinweise:
Walter Eitelmann – Rittersteine im Pfälzerwald
Walter Frenzel – Grenzsteine im Pfälzerwald
Daniel Häberle – Des Kaisers Jagdhaus beim Jagdhausweiher; Der Pfälzerwald Heft 6/1906
Michael Münch – Pfälzer Heimat; Heft 1, 1995
Ernst Christmann – Pfälzische Siedlungsnamen
Ernst Christmann – Flurnamen zwischen Rhein und Saar
Ludwig Müller – Chronik von Erzhütten/Wiesenthalerhof
Hans Wagner - Die Haingeraiden im Pfälzerwald

Mittwoch, 26. September 2018

Der Weg ist das Ziel - Kleine Philosophie des Wanderns

Wer beim Wandern glückliche Tage verlebt hat, möchte gern etwas mitnehmen, das ihn immer wieder an die schönen Wandertage erinnert. Nun lebt zwar eine ganze Souvenirindustrie von diesem "menschlich – allzumenschlichem " Bedürfnis des in der Natur unterwegs zu sein, was wir letztendlich aber wirklich mitnehmen ist die Erinnerung.
Der Weg ist das Ziel, sagte der weise Konfuzius und meinte damit was uns von einer Wanderung in der Erinnerung haften bleibt ist nicht unbedingt das angestrebte Wanderziel, sondern sind jene kleinen Offenbarungen die uns am Wegrand begegnen.
Ambulator nascitur, non fit – Wanderer kann man nicht werden man ist es durch Geburt, schrieb Henry David Thoreau. Er musste es wissen, war doch seine größte Leidenschaft das Wandern. Wer in den Pfälzerwald zum Wandern kommt wird bald das Geheimnis dieser Leidenschaft in sich spüren. "Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert", schrieb Johann Wolfgang von Goethe. "Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele", meinte einmal Josef Hofmiller und sprach damit etwas aus was wohl viele von uns schon einmal in sich verspürt haben. Der Streifzug durch die Natur als Lebensmodell beschreiben auch Aaron Sussman und Ruth Goode in ihrem Buch "The Magic of Walking":
"Laufen ist eines der ersten Dinge die ein Kind tun möchte und eines der Dinge, die man am schwersten aufgeben will. Laufen ist eine Bewegung die keine Turnhalle braucht. Es ist ein medizinisches Rezept ohne Medikament, es ist eine Gewichtskontrolle ohne Diät und eine Kosmetik, die man nicht chemisch beschreiben kann. Es ist ein Schlafmittel ohne Tabletten, eine Psychotherapie ohne Analyse und ein Ferientag der fast nichts kostet. Außerdem trägt Wandern nicht zur Umweltverschmutzung bei, verbraucht fast keine Rohstoffe und ist hocheffektiv. Wandern ist bequem, es braucht meist keine besondere Ausrüstung. Es reguliert sich von selbst und ist kaum verletzungsträchtig... Laufen ist so natürlich wie Atmen."
Man sollte hier noch hinzufügen, Laufen ist Meditation, was die alten griechischen Philosophen schon sehr früh erkannten und jene wie die Epikureer, die nun nicht gerade die leidenschaftlichsten Läufer waren, pflanzten sich Bäume in ihre Gärten und unternahmen dort subdiales ambulationes wie Plinius diese beschrieb: Spaziergänge unter freiem Himmel. "Bei meinen Nachmittagsspaziergängen möchte ich meine morgendlichen Beschäftigungen und meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft vergessen", meinte Thoreau einmal und wir geben ihm gerne recht. Wenn wir im Freien unterwegs sind werden auch unsere Gedanken freier und philosophischer und viele Kleinkariertheiten fallen von uns ab. Wenn wir Wandern sind unsere Gedanken intensiver bei der uns umgebenden Natur. Felsen, Blumen und Bäume nehmen wir mit einem mal besonders bewusst wahr, wohl deshalb schrieb Hermann Hesse in seinen " Wanderungen": "Wandersehnsucht reißt mir am Herzen, wenn ich Bäume höre, die Abends im Wind rauschen. Hört man still und lange zu, so zeigt auch die Wandersehnsucht ihren Kern und Sinn."
Wandern ist etwas Ganzheitliches, es ist Natursport sollte aber nicht in Hochleistungssport ausarten. Wer aus Freude am Erleben unterwegs ist, will mehr als sich erschöpfen, er will anderes, er will sich an der ihn umgebenden Natur erbauen.
 
Fotos©UteKW




hukwa

Montag, 23. Juli 2018

Dienstag, 12. Juni 2018

Zauberpflanzen - Eulenmühle

Fotos©UteKW

Fotos©UteKW

Fotos©UteKW

Fotos©UteKW
Eulenmühle Pfälzerwald

hukwa

Dienstag, 26. Dezember 2017

Das Matronenheiligtum von Kindsbach

Das keltische Matronenheiligtum von Kindsbach aus gallo-römischer Zeit ist einer der bestens erhaltenden Kultstätten der Antike im Pfälzerwald. Dieses Felsenrelief folgt einem feststehenden Schema. In der Regel sind es drei weibliche Gestalten ( bei manchen Reliefs wie in Kindsbach sind noch einige Gottheiten hinzugefügt) in feierlicher Haltung nebeneinander thronend, auf einem Schoß eine Früchteschale oder ein junges Tier haltend.. Mütterverehrung kennen wir von allen Völkern und Kulturen des Altertums. Die Matronen tragen stets eine kunstvolle hochgesteckte Haarfrisur oder eine große Haube. Diese hat in den keltischen als auch germanischen Stammes- und Volkstrachten eine besondere Bedeutung, deren Ursprung, bis zum Beginn der Bronzezeit reicht, wahrscheinlich noch tiefer in die Vorgeschichte hinein. Es dürfte wohl auch kaum ein Zufall sein das der Marienkult in Deutschland so verwurzelt ist.
Im Biedenbachtal bei Kindsbach entspringt der Gutenborn. In diesem Quellbereich sind seit 1821 gallo-römische Funde bekannt. In der Antike stand hier eine Tempelanlage die wohl von der Bevolkerung der näheren und weiteren Umgebung besucht wurde. Münzfunde ergaben das dass Heiligtum noch bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert aufgesucht wurde. Terrakotten mit Matronendarstellungen sowie Bronzebleche mit Phallusverzierungen die am Gutenborn gefunden wurden weisen auf den Fruchtbarkeitscharakter des Quellheiligtums hin.
Das Wasser des Gutenborns wurde noch in neuester Zeit gegen Augenleiden verwendet. Eine chemische Analyse ergab spuren von Bor. Bei der vielzahl der dort verehrten Gottheiten dürften auf jedenfall die Matronen die Hauptrolle inne gehabt haben. 

Fotos©Hans Wagner
 hukwa

Samstag, 1. Juli 2017

Zur Geschichte des einstigen Auerwildes in den Trippstadter Wäldern

Das Auerhuhn bevölkerte einst recht erfolgreich den Pfälzerwald. Gegenüber von Wolf und Luchs ist es noch nicht allzu lang her, dass das letzte Auerwild im Pfälzerwald beobachtet wurde.

1976 wurde in einem Revier nahe Frankenstein nochmals eine Henne mit ihren Küken gesehen und bestätigt. Eine weitere Quelle nennt den Bereich Neustadt/Weinstraße. Hier soll ebenfalls 1976 eine Henne mit 4 Küken gesehen worden sein (Groh 1978). Seither ist das Auerhuhn in Rheinland-Pfalz ausgestorben! Somit ist unser Pfälzerwald einmal mehr um eine wunderschöne und interessante Wildtierart ärmer geworden.

Das Auerwild gehört zu der Gruppe der Raufußhühner und wird aus traditionellen Gründen dem Hochwild zugerechnet. Zoologisch bezeichnet man es als Auerhuhn.
Das Auerwild ist Kulturflüchter und benötigt einen ruhigen Lebensraum. Bei Gefahr gockt die Henne um ihr Gesperre (ihre Küken) zu warnen und zu locken. Allerdings nur ein bis zwei Mal, danach verstummt sie sofort und antwortet auch nicht auf das Rufen der Küken, die nicht sogleich unter sie geschlüpft sind. Diese sind dann meist schutzlos der Witterung (Nässe und Kälte), sowie Feinden ausgeliefert.
Das Auerhuhn bedarf eines besonderen Lebensraumes. Ruhige, lichte, naturnahe Nadelwälder werden gerne angenommen, mit reich entwickelter Krautschicht und viele Beerenfrüchte wie Heidelbeeren, dazu Schlafbäume mit festen, waagrechten Ästen, auch Trinkwasser und Ameisenhaufen müssen vorhanden sein.
Das Auerhuhn ist in der Forst- und Jagdliteratur unzählige Male bis in alle Einzelheiten beschrieben worden. Vor allem die Auerhahnenbalz! So wurde immer wieder von balztollen Auerhähnen berichtet, die alle Scheu vor den Menschen verlieren und ihn sogar angreifen. Die Hähne balzen mitunter auch im Oktober und November, wenn auch nicht immer an ihrem traditionellen Balzplatz.
Das Auerhuhn ist im Sommer ein Bodenvogel, das seine Nahrung wie Gras, Kräuter, Ameisenpuppen, Eicheln, Beeren aber auch Eidechsen und Blindschleichen am Boden findet. Nur zum Schlafen baumt es auf. Im Winter ist es dagegen überwiegend ein Baumvogel und kommt mit grünen Nadeln und Knospen als Notnahrung aus. Es verschluckt regelmäßig Steine, die im Muskelmagen bei der Verdauung mithelfen. Sie wurden früher als „Auerhahnperlen“ zu jagdlichem Schmuck verarbeitet.

Natürliche Feinde des Auerhuhns sind Schwarzwild, Dachs, Fuchs und Marder. Erwachsene Vögel sind Beutetiere von Habicht, Uhu, Fuchs und Marder. Sowie Luchs in Regionen wo er vorkommt, auch der Wolf sollte genannt werden. Schließlich ist es nur eine Frage der Zeit bis dieser wieder im Pfälzerwald heimisch sein wird. Althähne werden jedoch kaum vom Habicht geschlagen, auch nicht von einem starken Habichtsweibchen, es sei denn bei einem Überraschungsangriff von hinten. Der Hahn hält ihm in der sogenannten „Trutzhaltung“ stand. Auerhennen dagegen schlägt der Habicht ohne weiteres.
Das Balzlied des Auerhahns, das dieser in der Morgendämmerung von seinem Balzbaum aus im Frühjahr sang, ist lange schon verstummt.

Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Auerhühner in der Vergangenheit im Pfälzerwald aber auch in der Gegenwart (in anderen Waldgebieten Deutschlands) sind die Intensivierung der Forstwirtschaft und die zunehmende Beunruhigung durch uns Menschen. Als forstliche Maßnahme wäre es erforderlich, auf großen Flächen einen möglichst vielseitigen Wald zu schaffen und zu erhalten, der die Habitatsansprüche der Auerhühner erfüllt. In Brandenburg gelang es 2012 erfolgreich wieder Auerhühner anzusiedeln, die inzwischen sogar dort brüten. Es handelt sich um eine Population von 30-40 Tieren. Wenn diese Population auch noch nicht stabil ist, besteht doch Zuversicht, dass das Auerhuhn in deutschen Waldgebieten wieder heimisch werden kann. Ein solches Pilotprojekt wäre wohl auch für den Pfälzerwald interessant. Eine zentrale Rolle bei der Wiedereinbürgerung der Tiere spielt das Vorkommen von Heidelbeeren, die einen Hauptanteil der Nahrungskette dieses Huhnes bilden.

Zu viele Faktoren haben in der Vergangenheit verhindert, dass sich das Auerhuhn im Pfälzerwald bis in unsere Zeit halten konnte. Einige der Hauptursachen (nicht abschließend), seien hier aufgezählt:

  • die Intensivierung der Forstwirtschaft (Kahlschlagwirtschaft, monotone Altersklassenbestände, Einsatz schwerer Maschinen und Motorsägen, Kulturgatter aus Drahtgeflecht).
  • Verlust an lebensnotwendigen Äsungsgrundlagen (Rückgang der Heidelbeeren durch Veränderung der Waldstruktur – Umwandlung Beerenreicher Nadelwälder in geschlossene Laubwälder.
  • Zunahme von Straßenbau und Verkehr (wertvolle Lebensräume wurden überbaut und zerschnitten. Die ehemals stillen Reviere wurden zunehmend beunruhigt, es häuften sich die Fälle von verunfalltem Auerwild).
  • Klimatische Einflüsse (fiel der Schlupftermin mit nasskalter Witterung zusammen, so häuften sich die Verluste).
  • Die zur Zeit des kalten Krieges erbauten US-Militäranlagen mit erheblichem Militärverkehr, Zerstörung von Heidelbeeranlagen durch den Bau von Anlagen und Gebäuden.


Nach allgemeinem Rückgang der Bestände sind heute Bergwälder der Alpen mitunter die letzten Rückzugsgebiete. Aus den Mittelgebirgen Deutschlands ist das Auerwild fast gänzlich verschwunden. Unterschiedlich starke Vorkommen gibt es noch im Bayerischen Wald, Schwarzwald, Thüringer Wald, Harz (erfolgreiche Wiedereinbürgerung), Spessart und Odenwald. Vielleicht befindet sich unter diesen Mittelgebirgen ja auch bald wieder der Pfälzerwald mit dem „Neubürger“ Auerhuhn.

Einst war das Auerhuhn in recht guten und starken Beständen fast über den ganzen Pfälzerwald verteilt. Eigens für die Landesherrschaft, zum Besuche der Auerhahnbalz, errichtete Jagdhäuser z.B. im Elmsteiner Wald (Jagdhaus Speckheinrich und Jagdhaus Breitscheid), künden noch von den Jagdvergnügen der einstigen pfälzischen Kurfürsten. Pfalzgraf Johann Casimir (Urbild des Jägers aus Kurpfalz) erlegte zur Brutzeit im Frühjahr des Jahres 1589 7 Auerhähne. Im März 1580 widmet sich der Pfalzgraf mit Passion der Jagd auf den Auerhahn. Aus seinem „Kalendertagebuch“ und seinem „Schießbuch“ geht hervor, dass er vor allem im Lauberwald bei Trippstadt und im Reichswald bei Kaiserslautern manchmal bis zu zwei Hähne täglich schoss. Besonders weidmännisch hat sich der Pfalzgraf nicht benommen studiert man seine Jagdaufzeichnungen.

Ende des 19. Jahrhunderts war das Auerhuhn bereits aus vielen Revieren des Pfälzerwaldes verschwunden, der berühmte Auerwildbestand um Johanniskreuz und Lauberwald ging bereits seit Mitte 1850 mit auffallender Schnelligkeit zurück.

Nachdem der Abschuss zeitweilig verboten war, erholte sich der Bestand Anfang des letzten Jahrhunderts kurzfristig wieder und erreichte eine hohe Dichte.
Ein erneuter Bestandsrückgang war nach dem 2. Weltkrieg zu verzeichnen, von Forstmeister Goepel damals auf Grund der Vermehrung von Schwarzwild, Fuchs und Dachs zurückgeführt. Die stärkere Bejagung dieser Wildarten und die schon damals ausgebrochene Schweinepest führten zu einer kurzfristigen Zunahme des Auerwildes, die jedoch bereits um 1950 wieder soweit rückläufig war, dass bestandsbedrohende Ausmaße (Groh 1978) erreicht wurden. Den Gesamtbestand an Auerwild im Pfälzerwald schätzte Groh 1963 auf noch ca. 150 Exemplare.

Um die Abschüsse der letzten Auerhähne im Revier zu verhindern, meldeten einige Revierförster ihre Hähne zu dieser Zeit schon nicht mehr. Die meisten zur Strecke gekommenen Auerhähne wurden jedoch nicht durch die Forstbeamten selbst, sondern durch geführte Jagdgäste (oftmals hochrangige Personen aus Politik und Wirtschaft) erlegt.



Literatur Hinweise:
Allgemeine Forstzeitschrift (AFZ), Auerwild und Waldbau Nr.39; 1974.
Frank Zeitz: Die Geschichte des einstigen Auerwildes im Pfälzerwald.
Erstes Brandenburger Auerhuhn nachgewiesen: Lausitzer Rundschau 2014.
Wieder balzende Auerhähne in Thüringen gesichtet: Ostthüringer Zeitung 2016.
Das Auerhuhn in Brandenburg vermehrt sich wieder: Berliner Zeitung 2014.

hukwa

Der Rote Fingerhut

Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) bildet in unseren Mittelgebirgen, besonders auf Waldlichtungen mit kalkarmen Boden, ausgedehnte Bestände. Seine großen, purpurroten Blüten, die zu auffallenden Trauben gehäuft sind, stellen hängende Glocken dar. Diese Blütenform erinnert an einen Fingerhut (lat. digitus = Finger). Die Flecken in der Blüte sollen Staubbeutel vortäuschen und die Attraktivität der Blüten für Insekten stark erhöhen. Allerdings überwinden nur größere Insekten wie Hummeln die bärtige Sperre auf dem Blütengrund, die kleinere unzuverlässige Blütengäste zurückhält.

Die giftige Pflanze aus der Familie der Rachenblütler ist mit mehreren Arten in Mitteleuropa und Westasien heimisch. Zu Heilzwecken verwendet man vorwiegend den Roten Fingerhut als auch seinen Verwandten, den wolligen Fingerhut (Digitalis lanata).

Im ersten Jahr entwickelt sich am Boden nur eine große Blattrosette, im darauffolgenden Jahr wächst der behaarte Stängel 60 – 120 cm empor. Er trägt runzlige, an der Unterseite grau-filzige, lanzettförmige Blätter. Von Juni bis September erscheinen dann die charaktertypischen Blüten. In Ziergärten gedeiht eine weniger giftige Sorte als Zierpflanze.

Den größten Heilwert hat der wildwachsende Fingerhut. Dieser ist dafür bekannt, dass sein Wirkungswert an den verschiedenen Standorten recht erheblich voneinander abweichen kann. Als besonders gut und reich an Inhaltsstoffen gilt der "Harzer Digitalis". Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Pflanze von dem englischen Arzt William Withering in die Therapie eingeführt. Auf seinen grundlegenden Arbeiten baut sich auch heute noch die gesamte Lehre der Digitalis auf. Man hatte den Fingerhut schon lange vorher in der Volksheilkunde angewandt, allerdings für ganz andere Erkrankungen, als jene für die er heute angewendet wird.



Foto © UteKW



Leonhart Fuchs ein bekannter deutscher Arzt und Botaniker, gab der Pflanze im Jahre 1542 den wissenschaftlichen Namen, eben wegen der Ähnlichkeit mit einem Fingerhut. Als einer der ersten Ärzte beschreibt er die Pflanze als Arzneikraut. Es sollte allerdings William Withering überlassen bleiben den Fingerhut ab 1775 in die Medizin einzuführen. Als erster hat er ihn bei Herz- und Kreislauferkrankungen angewandt. Er beschrieb die Heilpflanze in einer Monografie äußerst exakt.

Bei den britischen Kelten war die Pflanze eng mit dem „kleinen Volk“, den Elfen und Feen verbunden. Sie sollen die Blüten des Fingerhutes u.a. als Kopfbedeckung genutzt haben.
Die Pflanze bot Schutz vor Bösem und war gleichzeitig ein Bindeglied zu den Naturgeistern.

Der Fingerhut ist eine der stärksten heimischen Giftpflanzen und darf auf keinen Fall selbst zubereitet werden. Schon geringe Mengen wirken tödlich! Bei der Anfertigung eines jeden Digitalis-Blätterrezeptes ist der Apotheker verpflichtet, eine neue Ampulle zu öffnen und den nicht verbrauchten Rest fortzuwerfen. Der Arzt ist somit immer sicher voll wirksamen Digitalis zu erhalten.
In Gärten, in denen Kinder spielen, hat der Fingerhut also wegen seiner Giftigkeit nichts verloren!


Wohl aber in freier Natur, wo er mit seiner Blütenpracht die Vorbeikommenden grüßt.

hukwa

Dienstag, 1. September 2015

Herbstwanderer - Eine Naturmeditation

Wenn im Herbst die ersten weißen Nebel in den Tälern des Pfälzerwaldes erscheinen und die Bäume ihr buntes Herbstkleid angelegt haben, beginnt für den Wanderer eine besonders schöne Zeit.
Die goldene Sonne des frühen Oktober zieht ihn nun magisch in die Wälder. Der zehnte Monat des Jahres trägt den altdeutschen Namen Gilbhart. In ihm verborgen sind die längst ausgestorbene Wörter „Gilb“ für Gelb, ein Hinweiß auf das sich verfärben der Baumblätter und „Hart“ das einst für Bergwald stand. In den Gebirgsnamen Haardt und Harz ist es bis Heute erhalten geblieben.
Wer im Herbst durch die Wälder wandert, hat die Möglichkeit vieles und Absolutes zu sehen und zu erkennen. Kann man doch in der Natur und ihre Prozessen die eigene Vollendung entdecken.
Mit dem Fallen der Blätter erinnert man sich seiner geschichtlichen Zeit aber auch seiner schöpferischen Endlichkeit. Der ganze Herbst ist eine einzige Naturmeditation.
In den Wäldern begegnen wir nun besonders intensiv dem Spiel der Naturelemente von Zerfall und Wiedergeburt. Hier der Friedhof des toten Laubes und doch keimt unter dieser Schicht schon das neue zukünftige Baumleben.
Ein elementares Spiel treibt der Herbst in den Wäldern. Die Wucht seiner faszinierenden Farben betören den Wanderer und doch steckt in ihnen schon das Ahnen des nahenden Winters. Hoch oben am Himmel erscheinen am Abend die ersten diamantene Herbststerne.
Manchmal hat der Wanderer das Glück, wenn er am Abend aus den Wäldern heraustritt, das Schnattern der Wildgänse zu hören, dies sind besondere Augenblicke.
Herbst das ist kein Niedergang, diese Jahreszeit spricht in einem wunderbaren Schopfungsalphabeth zu uns. Im Lied des Herbstes singt noch einmal die ganze Süße und Schwermut des Sommers zu uns.
Stimmt das Wettter dann erreicht jetzt die Hirschbrunft ihren Höhepunkt. Wer ein solches Naturschauspiel einmal erlebt hat, für den wird es ein unvergessenes Ereignis bleiben.
Die Bienen machen jetzt ihren Stock dicht und nach den ersten Nachtfrösten beginnt der Siebenschläfer seinen Winterschlaf. Dort wo Eichbäume stehen erscheint jetzt sehr häufig der Eichelhäher, der fleißig Eicheln sammelt. Dieser Baumpflanzer kann bis zu sechs Eicheln in seinem Kehlsack tragen die er zu seinen Sammellagern bringt.
Der Oktober ist auch die Zeit der Pilze und eine Art fällt uns nun besonders auf. Der Fliegenpilz. Vor allem dort wo Birken und Fichten wachsen, finden wir nun dieses mystische „Männlein im Walde“, hat es doch zu diesen beiden Baumarten eine besondere Beziehung.
Eine besonders schöne Herbstfärbung findet sich jetzt bei den Ahornbäumen aber auch die Wildkirsche, die im Frühjahr mit ihren schneeweißen Blüten die Landschaft verzaubert hat, verzückt uns nun noch einmal mit der besonderen Rotfärbung ihrer Blätter.
Der „Goldene Oktober“ dauert etwa bis zur Monatsmitte. Jetzt, da die ersten Frostnächte nahen, erreichen der Wildapfelbaum und die Schlehe ihre letzte Reife.
Je tiefer der Wanderer nun in die Wälder eindringt, desto intensiver trifft ihn nun die Melancholie des herbstlichen Untergangs und doch schwebt in diesem scheinbaren Vergehen bereits die Frucht eines neuen Werdens. 

hukwa 

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner

Foto/Copyrights Ute Knieriemen-Wagner


Sonntag, 22. März 2015

Pfälzerwald

Ein Waldweg auf einsamer Flur
ich Lauf ihn gern an stillen Frühlingstagen
wenn durch das grüne Blätterwerk
das süße Lied der Amsel schallt.

Dann wenn früh zur Morgenstund 
ein Vogelkonzert gibt mir kund
dir Pfälzerwald halt ich die treu
du bist der schönste Wald der Welt.
hukwa

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Winter im Pfälzerwald

Kleines natur- und volkskundliches Kalendarium

Wer im Herbst durch die Wälder wandert kann vieles Schauen und Absolutes erkennen. Kann er doch in den Naturprozessen den Weg seiner eigenen Vollendung erblicken. Mit dem Fallen der bunten Herbstblätter erinnert er sich seiner geschichtlichen Zeit aber auch seiner schöpferischen Endlichkeit.
In den Wäldern begegnen wir nun besonders intensiv dem Spiel der Naturelemente, dem Zerfall und der Wiedergeburt. Hier der Friedhof des toten Laubes, aus dem mächtige Baumwurzeln gefallener, einst grüner Riesen, ragen. Auf halbvermorschten Bäumen regt sich neues Leben, kleine Bäumchen sprießen hier. Das Tote in der Natur bringt neues Leben hervor. Ein elementares Spiel treibt der Herbst in den Wäldern. Die Wucht seiner faszinierenden Farben betören den Wanderer und doch steckt in ihnen schon das Ahnen des Winters.
Hoch oben erscheinen am Abend die ersten diamantenen Herbststerne. Manchmal hat der Wanderer das Glück, wenn er spät am Abend aus dem Wald heraustritt, unter den funkelnden Diamanten des Himmels das Schnattern von Wildgänsen zu hören, dies sind besondere Augenblicke! Herbst das ist kein Niedergang! Diese Jahreszeit spricht in einem wunderbaren Schöpfungsalphabet zu uns. Im Lied des Herbstet steckt noch einmal die ganze Süße und Schwermut des vergangenen Sommers und zugleich die harte Wirklichkeit des nahenden Winters.

Das Lied des Herbstes – zwischen Herbst und Winter
Eine einzige Symphonie der Klänge und Farben der Natur ist der Herbst. Sein goldenes Licht ist Zauber für die Seele. Irgendwann verschwindet dieses Licht und der graue, düstere, geheimnisvolle Neblung übernimmt die Herrschaft in den Wäldern. Doch auch der November hat seinen Zauber und seine Schönheiten! Wie dunkle Riesen, Gnome und Elfen erscheinen im nebelhaften Wald nun die Bäume und Sträucher.
Nebelmond, so nannten unsere Altvorderen diesen Monat. Der November erscheint uns als die Verkörperung der Einsamkeit, sein Zuhause liegt zwischen Herbst und Winter. Das erste große Fest in diesem Monat ist Samhain, besser bekannt in seiner amerikanischen Version als „Haloween“. Bei den Kelten fand Samhain am 1. November statt, dieser Name bedeutet etymologisch „Ende des Sommers.“ Also Winteranfang!Doch das Herz des Monats schlägt an seinem 11. Tag, wenn alle Kinder mit leuchtenden Augen St. Martin feiern!

Zauberhafte Adventszeit – zwischen heidnischen Bräuchen und christlichem Brauchtum
Wenn der November sich seinem Ende zuneigt, fällt oft der erste Schnee. Und mit der Adventszeit beginnt die weihnachtliche Vorfreude. Der Dezember ist oft nicht weniger düster als sein Vorgängermonat und es ist wohl die Vorfreude und Erwartung, die uns diesen Monat so hell und licht erscheinen lässt. Es ist der Monat des Brauchtums, des Glaubens aber auch des Aberglaubens. In keinem anderen Monat des Jahres vermischen sich heidnische Bräuche und christliches Brauchtum so stark miteinander wie im Dezember.


Der Name Dezember ist lateinischen Ursprungs und bedeutet der „Zehnte“ und leitet sich von „decem“, „zehn“ ab, mit Cäsar wurde er dann endgültig der zwölfte Monat des Jahres! Sein altgermanischer Name war Julmond und geht auf das Brauchtum des Julklapp zurück. Maskierte Gestalten warfen mit dem Ruf „Julklapp“ ein Geschenk durch das Fenster oder die Tür. Dieser Julklapp war also der germanische Vorläufer unseres später entstandenen Weihnachtsfestes. Bereits am 4. Dezember, am Barbaratag beginnen die ersten Brauchtumsrituale. Man schneidet Zweige von einem Kirsch- oder Apfelbaum, stellt sie in eine Vase um sich am Weihnachtsfest eines blühenden Straußes zu erfreuen!
Mit dem alten Julfest, der „Wintersonnenwende“ nehmen die Tage wieder langsam zu. Und zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar beginnen die sogenannten Los- oder Rauhnächte. Nun reitet Wotan’s „Wildes Heer“ durch die Lüfte, um sich an den Abtrünnigen des alten Glaubens zu rächen.




Januar und Februar – das lange Warten hat bald ein Ende
Wenn der Winter sein weißes Tuch über die Landschaft geworfen hat, so dass der Schnee die Felder und Wälder bedeckt, sollte der Wanderer sich nicht scheuen durch die klirrende Kälte zu wandern. Ruhig und starr, wie Buddhastatuen stehen nun die Bäume im Wald. Als seien sie in ihrem eigenen Saft erstarrt. Manchmal ertönt das einsame Piepsen eines Vogels aus dem Dickicht, ansonsten herrscht eine geheimnisvolle Stille in der Natur vor. Dennoch wächst bereits neues Leben unter der gefrorenen Erde. Alles wartet anscheinend auf die ersten lauen Vorfrühlungswinde. Auf das Erstarken des Sonnenlichtes. Und der Wanderer weiß: Das erste Grün ist nicht mehr fern. Ja, selbst die erste gelbe Blüte des Huflattichs, kann man mit etwas Glück schon Ende Februar schauen, wenn dieser etwas mild ist.

Doch erst müssen wir noch den Januar überwinden.
Sein alter Name ist Hartung. Dies ist darauf zurückzuführen, weil er als kältester Monat des Jahres gilt. Zähflüssig sind seine Tage und so erscheint er uns als längster Monat des Jahres. Ganz langsam aber steigt nun wieder der Saft in den Bäumen. Bis zum 20. Januar, zu „Sebastian und Fabian“, wurde früher die Arbeit des Holzfällens ausgeübt. Bis zu diesem Datum hin galten die Bäume als widerstandsfähig, fest und wasserarm. Auch ein Hinweis darauf, dass unsere Urgroßväter schon ökologisch dachten. Der Name Januar hat etwas mit Tür, Tor und Durchgang zu tun. Ein solcher ist er tatsächlich, schließlich öffnet er die Pforten des neuen Jahres. Abgeleitet von dem lateinischen „Ianuarius“ ist dieser Monat dem Gott Janus geweiht gewesen; diese alte römische und vorrömische Gottheit war für die „Öffnungen“ verantwortlich, eben für Durchgänge, Türen und Tore.
An sonnigen Januartagen können wir jetzt schon die Kohlmeise etwas lauter hören. Man könnte sagen, sie singen noch nicht doch ihre Stimme erscheint uns schon freudiger. Am Nachtsternenhimmel ist nun der Orion das dominierende Sternbild. Aber auch Sirius steht schon zum Sprung bereit.
Der Hartung scheint uns Erstarrung zu bringen und doch, der Wanderer, den es jetzt in die vereiste Natur hinaus zieht, kann einiges beobachten. In Schwärmen fallen manchmal die Bergfinken bei uns ein, für einige Zeit haben sie ihre skandinavische Heimat verlassen, um hier einen „milderen“ Winter zu verbringen.
Ein Segen ist es, wenn der Vorfrühling ins Land zieht! In manch seltenem Jahr ist dies schon Ende Februar der Fall. Neben dem schon erwähnten Huflattich können wir vielleicht auch die erste Blüte des Haselstrauchs sehen! Wir finden das weißblühende Schneeglöckchen, dem noch fast zur gleichen Zeit der Märzenbecher folgt. Auch die ersten Frühlingsvorboten unter den Vögeln erscheinen in diesem Monat.
Wer Glück hat, kann nun den Rauhfußbussard, einen seltenen Gast aus der Tundra beobachten. Auch der Hausrotschwanz und die Bachstelze kann man Ende Februar schon sichten. Der gelbe Winterling und die ersten Krokusse erscheinen nun in Garten, Feld und Flur. Wenn der Februar schneefrei ist, kann der Wanderer vielleicht das Hermelin in seinem weißen Winterkleid entdecken. Seine Schwanzspitze allerdings bleibt immer schwarz. Man nennt es auch „Großes Wiesel“, sein Vetter das Mauswiesel legt kein Winterkleid an. In den noch vereisten Pfützen balzen nun die ersten Grasfrösche und künden den Vorfrühling an!
hukwa

Mittwoch, 22. Januar 2014

Das keltische Wegesystem im Pfälzerwald

Die uns heute noch bekannten Römerstraßen waren zu keltischer Zeit fast alles einmal Keltenwege. So geht das keltische Wegenetz bei Johanniskreuz, sogar noch in vorkeltische Zeiten zurück, wie die Hundsstraße dort.
Von der Altstraße von Metz nach Saarbrücken führte eine Abzweigung nach Osten über Zweibrücken, Niederauerbach, wo ein römischer Burgus, stand. Von dort weiter an Waldfischbach vorbei, wo die keltische Fliehburg Heidelsburg (später römische Straßenstadion) war. Dann zog diese Straße vorbei an der Wüstung „Hundsborn“, wo später ein fränkischer Königshof errichtet wurde, bis hinauf an den seit ältesten Zeiten vorhandenen Altstraßenknotenpunkt Johanniskreuz.
Umgekehrt zieht die Hundsstraße über den Hundsberg an der Hundsweiher – Sägmühle und dem Hundsbächel vorbei zur Wüstung „Hundsborn“, dann wieder ins Schwarbachtal. Die dort fließende Schwarzbach hieß noch bis ins 16. Jh. hinein Schwarzalb.
Von Johanniskreuz aus verband ein Keltenweg weitere keltische Siedlungen. So verlief der Weg von Johannniskreuz auch nach Kaiserslautern: über den Dansenberg herkommend, über die Pfaffenbergstrasse in die Innenstadt einmündende Römerstrasse. Sie überquerte die Lauter in Richtung Donnersberg. Beim Martinsplatz gab es eine Abzweigung in Richtung Morlautern. Von dort aus zog die Straße gegen das heutige Kreuznach hin, wo eine keltische Siedlung stand.
Das wohl älteste Teilstück dieses Wegesystems geht wohl noch in vorkeltische Zeit zurück. Es ist dies die alte Salzstraße (Salzvorkommen in Nancy) kommend von Nancy über den Bliesgau zur Sickinger Höhe und hinab zur Kaiserslauterer Senke von dort zum Rhein hin strebend.
Diese Straße ist in ihrem Teilstück westlich von Kaiserslautern als „Bännerweg“ bekannt. Der Talkessel von Kaiserslautern wurde ebenfalls von Keltenwegen durchzogen. So tritt die genannte „Salzstraße“ als „Bännerweg“ direkt ins heutige Zentrum von Kaiserslautern ein. Sie zog sich südlich am Fuß des „Großen Berges“ (keltische Siedlung bei Kindsbach) her, die Bännjerstraße ist heute Teil ihrer Trasse. Nördlich vom großen Berg kam von Landstuhl her ein Keltenweg der bis zur Galgenschanze führte, hier vereinten sich die Wege mit der vorbeiziehenden Salzstraße. Von hier ab ging eine Abzweigung zum Pfaffplatz, Bleichstraße und Altenhof, sie mündete am Brunnen bei der heutigen Stiftskirche wo sie sich wieder mit der von Johanniskreuz kommenden Straße verband.
Ein weiterer Keltenweg der von Johanniskreuz ausging ist die „Hochstraße“ die nach Weidenthal führt. Von hier ging ein weiterer Keltenweg nach Bad Dürkheim.
Entlang dieser Wege finden sich einige Grabhügelgruppen und Menhire.
Die vom Wasser abhängigen keltischen Siedlungen bevorzugten Hangterrassen und Höhentäler an Quellen und Bächen, während oberhalb auf der Höhe in Anschluss an das Agrarland und an den, die Hochfläche überziehenden Fernwegen oftmals Grabhügel (bzw. Johanniskreuz) lagen.
Ein regelrechtes keltisches „Ballungsgebiet“ in unserem Landkreis war zweifelsfrei die Kaiserslauterer Senke. Sowie das Gebiet um Weilerbach – Rodenbach mit seinen berühmten Fürstengräbern.
Lit. Quellennachweise:
Karlwerner Kaiser: Der Raum Kaiserslautern in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Jhb. Für Geschichte des LKR. Kaiserslautern Bd. 20/21 – 1986/87
Werner Weidmann: Schwerpunkte der frühesten mittelpfälzischen wirtschafts- und Sozialgeschichte bis zu den Römern. Jahrbuch zur Gesch. des LDK. Kaiserslautern. B. 20721- 1982/83.
Hukwasearthartblog: Die Pfalzkelten, keltische Wege, die Mediomatriker, Höhenheiligtümer der Kelten in der Pfalz.
hukwa